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Normale Version: Habt oder hattet ihr einen Plan B ?
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Ich mache mir gerade viele Gedanken und überlege mir alternativen.
Beispielsweise wenn das Outing mit wichtigen Menschen nicht klappt. Sprich diese sich dann von mir abwenden. Hatte überlegt, dass wenn es in der Familie überhaupt nicht klappt evtl. umzuziehen.
Nur blöd das ich hier gerade erst ein Haus gekauft habe was ich renoviere... Sad

Ebenso die Sache wenn es mit Hormonen nicht klappt usw. Daher die Überlegung mit Bart Lasern usw. doch erst mal abzuwarten. Ich meine bis zu den Hormonen ist es bei mir ja noch ein weiter weg aber ich mache mir so meine Gedanken. Meine Freundin findet das mit dem abwarten beim Bart total daneben, sie meint das ich ohne Bart jetzt schon im Gesicht wie ne Frau aussehe und ich brauch mir überhaupt keine Sorgen zu machen da es auf jeden Fall klappen wird.
Ich finde aber auch meine Schultern sind zu breit und so wer weiß wie das dann wird ?!

Habt ihr euch auch so viele Gedanken gemacht ?

LG Seek82
Es gibt auch Frauen mit breiten Schultern und viele finden das sogar attraktiv.
Lasern tut mehr weh wenn die HRT schon läuft, ist aber zu überstehn.

Du hast eine Freundin die dich so toll unterstüzt? Das haben die wenigsten.

Du musst das Tempo einlegen daß dir passt. So gesehn machst du ja eh alles richtig.
Keiner kann dir sagen wie deine Familie reagiert. und ja - ich mach mir sogar noch mehr Gedanken, und ich mach die HRT schon lange. Klingt ja alles nicht so schlecht bei dir. Viel Glück mit den Angehörigen.

Nachtrag: Meine finanzielle Lage ließe mir eigentlich nur einen Plan B und das wäre eher ein fall für den Psychosozialen Notdienst. Auf Holz klopf.
Nö, bei mir gab und gibt es keinen Plan B. Der Begriff "Alternativlos" taucht recht häufig bei den Leuten, die mich behandeln, auf.
(07.10.2016, 12:04)seek82 schrieb: [ -> ]Nur blöd das ich hier gerade erst ein Haus gekauft habe was ich renoviere... Sad
Naja, wenn das Haus dir allein gehört, musst du ja niemanden reinlassen Wink

Spaß beiseite, natürlich hab ich mir vor meiner endgültigen Entscheidung schier unendlich lang über die verschiedensten Dinge Gedanken gemacht - und das jahrelang.
Mittlerweile bin ich wirklich froh, dass ich es einfach nicht mehr ausgehalten habe, denn sonst würde ich bestimmt die nächsten Jahre auch noch damit zu vergeuden, im falschen Körper dahinzuvegetieren, mit der latenten Gefahr in schlimme Depressionen zu fallen...
Ich kann jetzt natürlich nur für mich sprechen, aber im Nachhinein war alles nicht mal halb so wild und meine ewigen Zweifel "Wie könnte diese und jene Person wohl reagieren und was könnte danach alles passieren und wenn das passiert, wie soll ich dann damit umgehen, etc." waren völlig unbegründet. Vielleicht fehlte mir einfach das Vertrauen und der Mut.

Ich habe das Glück, finanziell und wohnlich unabhängig zu sein und hätte langfristig einfach den Kontakt zu alljenen abgebrochen, die auch nach einer (unbedingt notwendigen!) Zeitspanne zur ruhigen Aussprache und Verarbeitung der für mein Gegenüber ja völlig neuen und einschneidenden Lebensentscheidung meinerseits konsequent mit Ablehnung reagiert hätten, was aber Gott sei Dank nicht passiert ist.

Zur Bart-Entfernung muss ich sagen, dass ich damit gleich nach der 2. oder 3. Therapiestunde meine erste Behandlung hatte, da mir neben meinem falschen Geschlechtsteil der Bart am meisten auf den Keks geht. Ich finde, der Bart sollte unbedingt VOR der HRT komplett weg sein, aber bis man die Hormonfreigabe bekommt, dauert es sowieso mehrere Monate, da bleibt genug Zeit auch für Behandlungs-Runden, die Wochen auseinanderliegen. Außerdem - wenn du dich sowieso immer glattrasierst - fällt es nicht auf, wenn die ersten kahlen Stellen kommen Big Grin

Und wegen den breiten Schultern: Mach' dir keinen Kopf, ich habe zwar schmale Schultern, dafür aber keine Cinderella-Füßchen und werde deshalb leider niemals in den Genuss kommen, viele traumhaft schöne Schuhe tragen zu können... Crying

Aber: So what, nobody is perfect!

Alles Gute wünscht Irina
(10.10.2016, 20:11)Ирина schrieb: [ -> ]Mittlerweile bin ich wirklich froh, dass ich es einfach nicht mehr ausgehalten habe, denn sonst würde ich bestimmt die nächsten Jahre auch noch damit zu vergeuden, im falschen Körper dahinzuvegetieren, mit der latenten Gefahr in schlimme Depressionen zu fallen...


Na ja, vor meinem Outing und Rollenwechsel hatte ich eine schwere depressive Episode mit latenten Suzid-Gedanken.
Wie gesagt "Alternativlos" ist nicht nur ein Begriff, der so willkürlich ausgesucht wurde.

Und ehrlich gesagt mache ich mir auch keine großen Gedanken darüber, ob irgendjemand an diesem oder jenem körperlichen Merkmal erkennen könnte, dass ich nicht immer eine Frau war. Zum Glück ist mein Passing sehr gut und mit der HRT und etwas Glück wird es vielleicht sogar "nahe zu perfekt", also passiert das eher selten.
Sogar das Worst-Case-Szenario, dass mich Menschen immernoch für einen verkleideten Mann halten und fragen "Sag mal, du bist doch ein Mann, oder?" ist leichter zu ertragen als mein Alptraum-Leben vor dem Rollenwechsel. Das passiert zum Glück so gut wie nie.
Aber dann sage ich eh immer: "Nein, ich bin eine Frau." und je nach Situation und Kontext erwähne ich dann noch meine Transidentität.
(10.10.2016, 20:51)Eva_Tg schrieb: [ -> ]
(10.10.2016, 20:11)Ирина schrieb: [ -> ]Mittlerweile bin ich wirklich froh, dass ich es einfach nicht mehr ausgehalten habe, denn sonst würde ich bestimmt die nächsten Jahre auch noch damit zu vergeuden, im falschen Körper dahinzuvegetieren, mit der latenten Gefahr in schlimme Depressionen zu fallen...


Na ja, vor meinem Outing und Rollenwechsel hatte ich eine schwere depressive Episode mit latenten Suzid-Gedanken.
Selbstmordgedanken hatte ich schon als Kind, also noch bevor die Pubertät meinen Körper mit Testosteron verunstaltet hat...

Ich hatte sie bloß immer in den Hintergrund gedrängt und gedacht "Irgendwie geht's schon weiter und ist doch alles halb so wild", bis es heuer im Sommer so schlimm war, dass ich immer unfähiger wurde, mich auf irgendetwas für längere Zeit zu konzentrieren oder einfach über etwas richtig zu freuen. Schließlich blieb mir auch nichts anderes mehr über, als mich bei Familie und Vorgesetzten zu outen und schnellstmöglich eine Therapie zu beginnen. Obwohl ich mehr oder weniger erst am Anfang bin, geht's mir jetzt schon viel besser, allein dadurch, endlich diesen richtigen Schritt gemacht zu haben Smile

Und wenn zu mir in 1-2 Jahren mal jemand sagen würde "Du bist doch ein Mann, richtig?", dann kontere ich entsetzt mit hochnäsiger Tussistimme: "Sag' mal: Willst du mich beleidigen?" Laughing
Ich mache dann immer nur große Augen, wenn ich die Frage verneine, dann merken die Leute schon, wie peinlich und beleidigend sie gerade waren.
Zum Glück habe ich sowas in den letzten 3 Jahren vielleicht zwei, drei mal erlebt.

Mit Freunden und Bekannten ist das sowieso ganz anders, die fragen immer ganz vorsichtig, weil sie mich nicht beleidigen wollen. Wie war das einmal? Ach ja: "Das ist jetzt eine megapeinliche Frage und eigentlich will ich auch gar nicht fragen, aber kann es sein, dass du vielleicht... evtuell bei deiner Geburt noch nicht weiblich warst?"
Dann muss ich die immer beruhigen, weil die alle Panik haben, dass ich sauer werde. Da muss ich immer erklären, dass ich keine Probleme habe offen über meine Transidentität zu reden, solange keine dummen Fragen kommen.

Also mich hat die therapeutische Beurteilung meiner Depressionen schon erschreckt. Aber ich denke es stimmt schon, selbst nach 3 Jahren Therapie kann ich mit Stress und Krisen immernoch nicht gut umgehen. Ich komme im Leben gut zu recht und bin glücklich, aber ich bin weitem nicht so belastbar wie andere.
(10.10.2016, 22:09)Eva_Tg schrieb: [ -> ]Also mich hat die therapeutische Beurteilung meiner Depressionen schon erschreckt. Aber ich denke es stimmt schon, selbst nach 3 Jahren Therapie kann ich mit Stress und Krisen immernoch nicht gut umgehen. Ich komme im Leben gut zu recht und bin glücklich, aber ich bin weitem nicht so belastbar wie andere.
Kann ich gut verstehen, Außenstehende wissen nicht (und können es auch gar nicht wissen!) welcher Druck auf uns lastet, quasi Tag ein Tag aus auf's Neue die seelische Zerreißprobe zwischen weiblichem Inneren und männlichem Äußeren auszuhalten und uns verkrampft dem Geschlechterrollen-Druck der Gesellschaft zu beugen um nicht auf- oder schlimmer durchzufallen.

Klar, dass dann für schwere Belastungen anderen Ursprungs kaum mehr Ressourcen frei sind und wir schneller an unsere Grenzen stoßen als andere...

Unter'm Strich muss ich aber ganz ehrlich sagen, dass wir deutlich belastbarer sind als viele andere ohne diese Schwierigkeiten, einfach weil wir besser damit umgehen können, mehr Erfahrung haben und eher einen kühlen Kopf bewahren können, weil es - böse ausgedrückt - für uns zur Normalität geworden ist...
Nun, ich denke eher das die Depressionen die Neurologie verändert haben. Ich habe mal so eine These gehört, zur Zeit untersucht man die Wechselwirkung zwischen Körper und Geist bei Patienten mit Depressionen.
Wenn diese Auswirkungen dauerhaft sind, wovon einige Experten ausgehen, dann ist klar, dass ich niemals so belastbar sein kann, wie andere Menschen.

Ich merke jedenfalls sehr deutlich, dass ich nicht so belastbar bin, weil bei mir nur eine dünne Trennlinie zwischen rationalem und irrationalem Verhalten gibt. Wenn ich zu viel Stress habe, dann reagiere ich nicht mehr rational, sondern nur noch instinktiv. Und je nachdem wie bedrohlich ich eine Situation empfinde, geht es auch schon mal in den Fight-or-flight Modus.
Oder ich merke auch, dass ich nach emotional anstrengenden Situationen körplerich mehr oder weniger stark abbaue. Auch das ist nichts, was andere Menschen so stark haben.

Also bei mir gibt es keine Unstimmigkeiten zwischen Innerem und Äußerem mehr, dass sind alles nur die Nachwirkungen der jahrelangen Depressionen. Vielleicht bleibt es auch dauerhaft so, aber da ich normalerweise schon weiß, womit ich klar komme und womit nicht, habe ich es ganz gut im Griff. Na ja, Fehleinschätzungen gibt es immer, davor ist keiner sicher.
Achso ok, du meintest die Zeit NACH der körperlichen Angleichung, das ist dann natürlich nochmal was anderes, stimmt...  Thinking

Sorry, da habe ich dich vorhin falsch verstanden, ich dachte du beziehst dich auf die Zeit VOR bzw. WÄHREND der Therapie, in der man ja zusätzlich durch die Hormone hin- und hergerissen wird.

Jedenfalls hoffe ich, dass sich da bei dir auch diese Wogen im laufe der Zeit glätten werden und ja - Engel ohne Fehler sind halt auch wir Transgenders in diesem Leben leider nicht Angel Whistling
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