TransGender.at Forum

Normale Version: Stereotype statt Individualität
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Ich habe selbst einmal über das Thema nachgedacht, unter anderem, ob man seine Kinder lieber genderfluid erziehen soll, oder nicht.
Ich selbst habe damit allerdings nicht wirklich Prolbeme. Warum? Weil diese Geschlechtertrennung in Maßen meiner Meinung nach auch einen Teil unserer Identität ausmacht. Tatsächlich spielt, einfach ausgedrückt, der Großteil der Jungs lieber mit Autos und der Großteil der Mädchen mit Puppen. Im Gegensatz zu unserer Größe oder unserer Haarfarbe, wie es der Artikel impliziert, kann unser Geschlecht tatsächlich Einfluss auf unsere Interessen haben. Das hat für mich persönlich nicht unbedingt etwas mit Stereotypen zu tun, sondern liegt zum Teil in den Genen. Natürlich müssen wir offen dafür sein, dass wir sie nicht komplett vom Geschlecht abhängig machen, dennoch zeigen sich generelle Tendenzen.
Beispielsweise habe ich auch oft gelesen, dass z.B. Jungs, die sich wie Mädchen fühlen, entsprechend lieber Kleider anziehen oder "Mädchenkram" machen.
Die möglichen Identitäten, zu denen wir uns entwickeln könne, können regelrecht überwältigend sein, daher halte ich einen kleinen Schubs in eine bestimmte Richtung nicht unbedingt für schädlich.
Stereotypen gibt es überall, auch über das Geschlecht hinaus, und das ist durchaus in Ordnung. Sie sollen einer Orientierung dienen, nicht dazu, uns direkt in eine Schublade zu stecken. Wenn wir es so sehen, dann hat Gendermarketing durchaus auch seine guten Seiten.
(08.08.2017, 20:38)YuriYuri schrieb: [ -> ]... hat Gendermarketing durchaus auch seine guten Seiten.

In diesem Sinn hat geschlechtsspezifisches Marketing (Wer hat sich nur den Begriff "Gendermarketing" einfallen lassen? Bin überhaupt der Ansicht, dass es eine verzichtbare, inflationäre Modeerscheinung geworden ist, alles mögliche mit dem Wort "Gender" zu versehen, damit es modern oder cool klingt.) nichts positives. Es geht ja dabei nicht darum jemandem eine Orientierung zu geben, damit diese Person ihr Leben als Mann oder Frau besser leben kann. Im Gegenteil ist die Intention ja Rollenklischees und Geschlechterstereotypen, die in den Konsumenten verankert sind, dafür zu missbrauchen, das Produkt attraktiver erscheinen zu lassen und zu verkaufen. (Asche auf mein Haupt, ich arbeite im Marketing Facepalm )

Erwachsene können ja diese Rollendefinitionen und ihr eigenes, persönliches Verhalten theoretisch reflektieren und für sich anpassen oder ändern. Thinking

Bei Kindern ist dies eine andere Sache. Sie können über Gesehenes nicht reflektieren und entscheiden, ob sie das für richtig halten oder doch anders denken und handeln wollen. Ihnen fehlt gelerntes Wissen, Lebenserfahrung und damit die Basis und das Können, dies überhaupt zu tun. Sie nehmen Informationen aus der Welt erst mal auf, um sich daran zu orientieren und eine Struktur in ihre Welt zu bekommen. Und wenn ihnen die Werbung zeigt, dass Buben hellblau mögen und Mädchen rosa, dann mögen Buben nunmal hellblau und Mädchen rosa. (Mal abgesehen von den bescheuerten Eltern, die für ihren Jungen das Kinderzimmer blau ausmalen und blaue Strampler kaufen, oder für ihr Mädchen eben all das in rosa tun. Und habe ich schon die bescheuerten Verwandten und Freunde erwähnt?) Für Kinder hat geschlechtsspezifisches Marketing jedenfalls negative Auswirkungen. Sad

Eure Aufmerksamkeit möchte ich auch noch auf folgendes Beispiel aus dem oben verlinkten Artikel lenken:

"Oder stellen Sie sich mal das vor: Sie stehen vor einem Regal und haben die Auswahl zwischen verschiedenen Tütensuppen, nämlich Brokkolisuppe für Menschen mit Englischkenntnissen und Erbsensuppe für Menschen ohne Englischkenntnisse. Was tun Sie? Sie überlegen unwillkürlich, ob Sie eigentlich Englisch können. Anstatt, wie es vernünftig wäre, darüber nachzudenken, ob Sie lieber Brokkoli oder lieber Erbsen mögen. Und genauso geht es einem Kind, das zwischen einem blauen Handwerkskasten für Jungen und einer rosa Puppenküche für Mädchen wählen soll: Es denkt nicht darüber nach, ob es lieber mit einem Handwerkskasten oder mit einer Puppenküche spielen möchte. Sondern darüber, ob es ein Junge oder ein Mädchen ist.
Das ist für die anstehende Entscheidung aber genauso egal wie der Umstand, ob man Englisch spricht oder nicht für die Auswahl einer Suppe."

Zeigt eindrucksvoll, wie leicht sich der Mensch irritieren und fehlleiten lässt.
Der Artikel macht wirklich nachdenklich, viel schlimmer aber finde ich, dass wohl immer weniger Eltern ihrer Rolle als Wegweiser in die Welt der Erwachsenen wahrnehmen, sondern das Kind lieber an die Playstation setzen oder vor die Glotze.
Mit dem so gewonnenen "Erfahrungsschatz" wie man sein sollte und was man konsumieren darf, ist es kein Wunder, dass immer weniger Menschen unsere Welt bevölkern, welche nicht nur den Blick über den Tellerrand scheuen, sondern ihn nichtmals mehr riskieren.

So "herangezogene" Erwachsene sind dann eben später auch nicht in der Lage sich und ihre Rolle zu definieren, oder gar dem Gendermarketing zu widerstehen.
ich denke es ist zwar auch durch Medien / Beiträge und Klischees "vorgegenen", wie andere Personen Männlichkeit und Weiblichkeit definieren würden ...dennoch fand ich durchaus auch interessierte Leute in Wien, welche vermuten, ich spiele Gitarre aufgrund meiner nicht allzukurzen Fingernägel.

auch hatte ich zB mal bei "Galileo" als Serie gehört, dass zB selbiges Getränk in andere Behälter getestet wurden, wie diese von den Gegenübern empfunden wurden, zB mit Cola im blauen und hingegen Pepsi im roten, neben Alternativen in grün und gelben Behälter.

für mich wäre es zu wenig Argument, da andere Personen nach Klischees leben, dass ich deshalb zB die Frisur und Nägel kurz designen sollte und nicht-minimalistisch leben sollte, denn erst mit wenig Geld wäre wenig Einrichtung zu besitzen okay.

ich lebe wenn als binär, dann männlich und sonst als menschlich. als Gegenargumente wäre zB auch die mögliche Rückfrage, wieviel in cm wäre denn die Grenze zwischen männlich und weiblich bei Frisur, den Nägeln, etc.? - oder alternativ: wie wäre dunkel/hellgrün und gelb (oder auch schwarz oder weiss) geschlechtlich gereiht?

auch gäbe es immerhin noch die "klischeehaft feminine Methode", sich statt den Rubriken in Geschäfte bei Kleidung zu definieren, Materialien einzelnd in den geplanten Farben zu kaufen und mit Nähnadel und Nähfäden die Kleidung selbst zu designen & fragen interessierte nach dem Hersteller, wäre rückmeldbar: ist selbst gestaltet / (noch) ein Prototyp.

würde zB wenn online mit Tutorials der Erstellung, vielleicht auch zu mehr Offenheit gegenüber interessierten Personen gerichtet sein und vielleicht gäbe es einzelnere Geschäfte mit allgemeiner Auswahl statt getrennt nach entweder männliche oder weibliche Rubriken :-)
Ich fand die Conclusio nur zu trefflich, m.a.W.: यथा वृक्षस्तथा फलम् (yathā vr̥kṣastathā phalam "Wie der Baum so die Frucht")

Zitat:Außerdem hat das den Vorteil, dass auch wir als Erwachsene beim Einkaufen unser Gehirn schön ausgeschaltet lassen können, das ist so bequem. Auf die wichtige Frage unserer Kinder, was Mannsein und Frausein eigentlich bedeutet, haben wir ja sowieso keine vernünftige Antwort. Weil in dieser Region unseres Gehirns alles schon unheilbar mit rosa und hellblauem Kleister verklebt ist.

P.S.: Darf ich meine Cola auch aus einem Glas aus Glas trinken? Oder bin ich zu altmodisch?