TransGender.at Forum

Normale Version: Kann man mit dem falschen Körper weiterleben?
Du siehst gerade eine vereinfachte Darstellung unserer Inhalte. Normale Ansicht mit richtiger Formatierung.
Seiten: 1 2 3 4
Hallo zusammen,

ich hatte mit meinem Therapeuten ein sehr interessantes Gespräch. Ich habe noch immer Angst vor der Zukunft und gehe nur in kleinen Schritten vorwärts und bin ständig unsicher und habe Angst vor dem was da kommt. Ich habe dann in der letzten Sitzung einfach einmal das Thema Vermeidung angesprochen und ob es Übungen, Selbsthypnose oder was auch immer gibt, mit denen es zumindest theoretisch möglich ist im alten Leben weiter zu leben.

Die Antwort von meinem Therapeuten war eindeutig nein. Er sagte, dass er nicht einen Fall kennt, in dem es auf Dauer möglich war gegen die geschlechtliche Identität zu leben. Meine Frage heute an Euch ist die.

Kennt jemand von Euch jemanden, der/die sich gegen eine HRT und die weiteren Schritte entschieden hat und trotzdem halbwegs im Leben klar kommt? Ich würde mich über ECHTE Fälle und Schilderungen freuen, da Vermutungen hier einfach nicht weiterhelfen.

Ganz liebe Grüße

Martina
Also nach dem ich 2007 zum ersten man Begriff TS aussprechen wagte und es meiner Frau erklärte, dachte ich, es geht. Vor allem nachdem mein sohn Ende 2008 geboren wurde, versuchte ich mit aller Kraft Vater, Mann, Ehemann zu sein.

Heuer im Frühling war es aus damit. Nachdem ich jahrelang nachts darüber nachgedacht hatte udn immer unglücklicher wurde, geh ich jetzt den Weg. Mit allen Konsequenzen - Trennung, Auszug.
Natürlich geht es. Ich möchte auch nicht mehr als transsexuell eingestuft werden, obwohl Ärzte und Psychotherapeuten diese Diagnose gestellt haben. Du musst dich nur entscheiden, willst du dein Leben nach deinem persönlichen Glück richten oder darin einen Sinn oder eine Aufgabe finden. Wenn du zweiteres wählst, wird dir eine Entscheidung leichter fallen. Mehr schreibe ich jetzt nicht, um nicht wieder irgendwen zu vergrämen.
Eben sind die Tischler gekommen nachdem ich meinen Sohn zur Schule gebracht habe. Er weiß es noch nicht, da ich, meine Frau und Therapeutin und PsychologeIn meinten das hat noch Zeit nach der plötzlichen Trennung der Eltern.
Meine jugendlichen KlientInnen (großteils Muslime und ordentlich homophob) wissen auch noch nichts, da es dann wiederum mein Sohn zu bald erfahren könnte, wenn ich die mal außerberuflich treffen, wenn ich mit meinem Jungen unterwegs bin.
Mein Arbeitsgeber, KollegInnen, Freunde, Familie - alle wissen es und gehen toll damit um.

Und als ich eben das Auto umstelle für die Handwerker, um den Parkplatz freizumachen, denke ich an die Zukunft. Wenn ich in 1 oder 2 Jahren hier nochmals gehe und alles gemacht wäre. Verdammt ich freu mich auf Weihnachten und Geburtstag zusammen, wenn ich daran denke wie ich leben werde, wenn es auch endlich mein Sohn und der Rest wissen. Kein Verkleiden mehr als Mann. Sein wie ich wirklich bin.

Ich bin schon so mit mir im Reinen, dass es weh tut, es nicht hinausschreien zu können derzeit!

Ich freu mich darauf - im vollen Bewusstsein an alle Widrigkeiten die das mitbringt. Ich habe auch furchtbare Angst wenn ich nur an die ersten Wochen nach der OP denke. Ich bin nicht so scharf auf Schmerzen. Aber denke mir selbst da, dass ich bei der ersten Tätowierung auch am liebsten davongerannt wäre nach den ersten Stichen - aber mir war klar "He, davon träumst du schon Jahre - das muss so sein, halt durch" - und es folgten noch einige Tattoos. Immer das gleiche - wenn mans will, durchhalten!

Oder wie es mein allerliebster Freund in den letzten Wochen oftmals gesagt hat - wenn sich etwas so richtig anfühlt und alle Menschen um dich herum plötzlich so anders positiv auf dich reagieren, weil du plötzlich ganz innen bei dir bist mit allem was du tust, dann muss es auch richtig und gut sein!

Danke Luki, ich liebe Dich!!!!
Kann man ...? ... Können tut man es auf jeden Fall.
Soll man ...?

Diese Frage ist wohl nicht allgemein gültig zu beantworten. Es kommt wohl sehr stark darauf an, wie man von wem wahrgenommen werden will.
Und für das Wahrgenommen-werden gibt es ganz einfach Erkennungsmerkmale, die sich im Laufe der Zeit für Mann und Frau etabliert (und sich noch immer nicht, nicht mal nach Conchita und Co., maßgeblich verändert) haben.

Die die lange hier sind kennen meine Geschichte. Ich habe schlicht eine ziemlich männliche Statur (1.81, +-85kg, breite Schultern und einen Brustkorb der mir sogar in der Männerabteilung Schwierigkeiten bereitet), zusätzlich vermeide ich jegliche Einnahme von Medikamenten aller Art und hoffe weiterhin keine Eingriffe in meinen Körper machen lassen zu müssen, die scharfer Instrumente bedürfen. Dennoch fühle ich seit Jahr und Tag weiblich.

Solange mir nun egal ist wie mich wer wahrnimmt, stellt das alles keine große Herausforderung dar, denn denen die ich diese Geschichte erzählen will, erzähle ich sie, die die sich verstehen wollen, verstehen sie, die anderen - mir keine größeren Schmerzen verursachend - eben nicht.

Schwieriger wird die Geschichte sobald die Sexualität ins Spiel kommt, und man seinen Wunschpartner (egal ob männlich, weiblich oder trans*) sucht. Denn hier sind nun Rollen zu verteilen, ganz egal wie sie auch aussehen mögen, unabhängig davon ob es eine hetero-, homo- oder "cross"- sexuelle Beziehung werden soll.

Auf mich bezogen, war es wohl lange so, dass ich gerne den weiblichen Part in eine Herterobeziehung "gespielt" hätte. Auch hab ich - wie viele - versucht die bestmögliche "Verkleidung" (bevor jemand auf die Idee kommt nun dieses unwesentliche Wort zu zerpflücken, siehe bitte meinen Anmerkungen im Zusammenhang mit "Die Frau hat die Lizenz zum Verkleiden") zu finden. Das ist bei meinen Körpermaßen nicht die einfachste Aufgabe, bei gutem Licht vielleicht okay, aber (nicht nur nach meinen strengen Kriterien) keinesfalls alltagstauglich, auch wenn die Diagnose anderes gesagt hätte.
Soweit auch noch kein Drama, weil ich ja bi und bei der Aktiv-Passiv-Verteilung auch flexibel bin. Aber erst hierdurch wird es schwierig immer den richtigen Auftritt zu wählen, um wie ganz oben beschrieben "richtig" wahrgenommen zu werden, um doch - allem Widerstreben zum Trotz - in ein Klischee zu passen.

Ich merke gerade, dass diese Zeilen wohl kaum Erkenntnisse bringen werden, da ich sie selbst noch nicht vollständig gezogen habe, womöglich in diesem Leben nie ziehen werde, aber sicher ist, man soll nicht das falsche Leben im richtigen Körper leben, und sich keinesfalls in eine Schublade zwängen lassen.

PS: Ich gebe zu, mein Leben wäre wohl gänzlich anders gelaufen, wenn ich bei 1.70m und 60kg aufgehört hätte zu wachsen, und wenn ich nicht meiner männlichen Statur wegen, weil gerne tanzend, gut zuhörend und empathisch bei Frauen so gut angekommen wäre. Das Ego war gestreichelt, alles andere weniger wichtig.
Mickey ich kann deine Frage mit einem klaren nein beantworten.Ich selbst hätte meine OP ursprünglich am 4 Dezember gehabt. 
Zum Glück wurde mein Termin vorverlegt denn ansonsten würde ich heute nicht mehr Leben.
Außerdem kannte ich einen Transmann in Dortmund der Selbstmord beging,da er die Indikation für Testo nicht kriege und er befürchtete so weiter existieren zu müßen.Also ich hätte es nicht gekonnt und ich kenne niemanden der es könnte.Aber wahrscheinlich hängt das vom Grad der Dysphorie ab?
(02.12.2017, 12:46)signo schrieb: [ -> ]Kann man ...? ... Können tut man es auf jeden Fall.
Soll man ...?
[hier gekürzt]
Ich glaube, das bringt es ziemlich genau auf den Punkt. Der in Mitteleuropa mehrheitlich vertretene ethische Kodex besagt wohl, dass man selbst ohne Arme oder Beine, im Rollstuhl sitzend und auf fremde Hilfe angewiesen, irgendwie einen Weg finden "muss", sein Leben zu gestalten. Im Vergleich damit sind fehlgestaltete Genitalien und sekundäre und tertiäre Geschlechtsmerkmale, die nicht passen, objektiv relativ undramatische Fehler.

Allerdings kann man F-64.0 behandeln, den Körper verändern und dem Identitätsgeschlecht angleichen, während Gliedmaßen bei allem medizinischen Fortschritt bisher nicht ersetzt werden können. Ich glaube daher, dass es keinen Sinn macht, bei einer gesicherten TS-Diagnose, aus welchen Motiven auch immer, "Verzicht" zu üben. So weit ich weiß, ist es ja Teil der Diagnose F-64.0, dass man eine somatische Behandlung (jedenfalls HRT) und einen dauerhaften sozialen Rollenwechsel möchte, selbst wenn letzterer in sozialer Hinsicht (Passing, Beziehung, Beruf o.ä.) nicht ganz einfach zu werden verspricht.

Keiner kann wohl mit Sicherheit sagen, wie TS zeitlich vor der Ermöglichung entsprechender Therapien ihr Leben bewältigt haben. Gab es eine signifikant erhöhte Suizidrate? Wurden sie häufig - unter anderen Diagnosen? - ein Fall für die Psychiatrie? Wurde der entsprechende Druck anders abgebaut, irgendwie kompensiert? Das werden wir alles nie wissen, weil man rückblickend selbst bei historischen TG-Persönlichkeiten, deren Lebensgeschichte halbwegs gut dokumentiert ist, keine sichere Diagnose (F-64.0, F-64.1, F-65.1 oder doch "nur" homosexuell?) machen kann.
(02.12.2017, 15:27)Chiara D. schrieb: [ -> ]Aber wahrscheinlich hängt das vom Grad der Dysphorie ab?

Weißt du überhaupt, worüber du schreibst? Wohl eher nicht.
Die Geschlechtsdysphorie ist eine psychatrische Erfindung und basiert auf der Annahme einer Geschlechtsidentitätsstörung. Wenn du dich als geistig gestört empfindest, ist das deine Sache. Aber bitte plappere diesen Unsinn nicht ständig nach.
Was sollen die Grade der Dysphorie überhaupt sein?(rhetorische Frage)

@Mike-Tanja
Getlost
...Ach...ich gebs auf...
(02.12.2017, 20:47)Mike-Tanja schrieb: [ -> ]So weit ich weiß, ist es ja Teil der Diagnose F-64.0, dass man eine somatische Behandlung (jedenfalls HRT) und einen dauerhaften sozialen Rollenwechsel möchte, selbst wenn letzterer in sozialer Hinsicht (Passing, Beziehung, Beruf o.ä.) nicht ganz einfach zu werden verspricht.

Schön dass du mich zitiert hast, nur eine meiner Grundaussage sollte schon gewesen sein, verändere nichts an deinem Körper, wenn abzusehen ist, dass das Passing nie und nimmer feminin werden kann!

(02.12.2017, 20:47)Mike-Tanja schrieb: [ -> ]Keiner kann wohl mit Sicherheit sagen, wie TS zeitlich vor der Ermöglichung entsprechender Therapien ihr Leben bewältigt haben. Gab es eine signifikant erhöhte Suizidrate? Wurden sie häufig - unter anderen Diagnosen? - ein Fall für die Psychiatrie? Wurde der entsprechende Druck anders abgebaut, irgendwie kompensiert? Das werden wir alles nie wissen, weil man rückblickend selbst bei historischen TG-Persönlichkeiten, deren Lebensgeschichte halbwegs gut dokumentiert ist, keine sichere Diagnose (F-64.0, F-64.1, F-65.1 oder doch "nur" homosexuell?) machen kann.

Ich will niemandem hier zu nahe treten, aber bei so mancher hier, liegt doch die Angleichung bereits einige Dekaden zurück. Wodurch wohl Lebensberichte möglich sein sollten. Vielleicht gibt es welche die heute anders handeln würden, wenn sie gewusst hätten was auf sie zukommen würde (Wie entwickelte sich die Sexualität, schwand die Lust? Wann mussten Brüste getauscht werden? Hat sich die Vagina zurückgebildet, weil man ohne Libido, auf das ständig notwendige Dehnen verzichtete? Oder was weiß ich?)
Ok Lydia dann wurde ich umsonst operiert und ich habe mir alles nur eingebildet!Verstehe.Nur plappere ich lieber nach was mir ein Arzt sagt,als irgendwer!Was du erzählst ist deine Meinung klar,aber von den Ärzten bekam ich was ich brauchte,also ich habe gelernt ihnen zu vertrauen.Und dadurch das ich auf die Ärzte(speziell meinen Engel Dr.Schrögendorfer,der übrigens noch auf eine hohe Operations Dringlichkeit aufgrund einer sehr ausgeprägten Geschlechtsdysphorie hinwies)hörte, 
habe ich mein Glück gefunden.Aber naja.Manche sind halt gescheiter und besser wie die Ärzte!
Und Signo.Hätte ich die Transition gelassen nur weil ich wußte(und ich wußte vom Anfang an das mein Passing nie das beste sein würde)würde ich heute nicht mehr Leben.Wäre mein OP Termin nicht vorverlegt worden,hätte ich trotz Hormontherapie Selbstmord begangen.Und trotz schlechtem Passing habe ich 0 Probleme.Ich bin weiterhin auf Fußballmatches,geh auf sehr viele Mezal und HipHop Konzerte,oder ich bin sonst irgendwie unterwegs.Denn ich bin durch die Schritte die ich tat Glücklicher und das strahle ich aus.Das wiederum merken meine Mitmenschen.
Seiten: 1 2 3 4