TransGender.at Forum

Normale Version: Hilfe! Überlege ernsthaft, mir weibliche Brüste machen zu lassen
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Hallo Leute,

es ist halt alles furchtbar kompliziert. Ich habe schon mal in einem Beitrag erwähnt, dass ich transsexuell bin (25 Jahre alt), meine Erscheinung (2-Meter-Mann, 95kg, Schuhgröße 47) es aber aus meiner Sicht wirklich schwierig macht, eine überzeugende Umwandlung zu vollziehen (Stichwort Passing). Nun bring ich es nicht übers Herz, eine Hormon-Therapie anzufangen und als Frau zu leben, habe aber wirklich großes Verlangen danach, irgendwelche Schritte in die Richtung zu setzen. 

Nun zum Punkt: Ich wollte, was nicht überraschend sein dürfte, immer schon Brüste haben (nicht zu groß, schön & dezent) und habe mich nun bei Schönheitschirurgen informiert, ob sie denn prinzipiell so einen Eingrif bei mirf, also eine Brustvergrößerung, vornehmen würden. Das für mich überraschende Ergebnis ist, dass wirklich einige Chirurgen gewillt sind, ohne weitere Auflagen (Facharzt-Attest, Hormontherapie etc.) meinem Wunsch nachzukommen. Das Geld könnte ich prinzipiell auftreiben, das ist nicht das Problem. Vielmehr bin ich jetzt in einem richtigen Zwiespalt und bitte euch daher um euren Rat. Was hieltet ihr davon, wenn ich mir weibliche Brüste machen ließe, gleichzeitig aber als Mann weiterlebe und mich dabei für eine Körbchengröße entscheide (A bis B c.a.), die nur bei "genauerem" Hinsehen auffällt. Was sagt ihr? Ich bin furchtbar fertig und angespannt, mich nervt alles und ich hab diesen inneren Trieb, das zu machen und habe das Gefühl, einfach unglücklich zu sein, wenn ich es nicht tue. Ich hätte aber auch ziemliche Angst es zu bereuen. Hilfe!


Ganz liebe Grüße und Danke für eure Aufmerksamkeit!


Tortenboden
Verzeih bitte wenn ich etwas komisch wirke. Bin noch etwas neu hier im forum =D Meiner persönlichen Meinung nach her finde ich es nicht sonderlich wichtig, in meinen beispiel mich erst dann als Mann anzuerkennen nur weil ich einen Penis habe. Ich empfinde das Umwandlungen einen sehr helfen können, sich dann als das anzuerkennen was man auch fühlt. Keine frage. Würde aber nicht sagen " Das es nur damit gehen kann ".

Ich fühle mich auch regelmäßig wie eine Frau, lasse mich da aber von nichts wirklich abbringen, wie zbs. ein fehlendes Geschlechtsorgan.
Auf der anderen Seite finde ich es interessant wie du sagtest das du als mann weiterleben möchtest und gleichzeitig brüste haben möchtest. Ich finde es unter anderem cool das du, falls ich das richtig verstanden habe ( bitte nochmals um Vergebung ^^ ) Brüste als etwas männliches empfindest. Dürfte ich wissen warum das so ist ?
(12.07.2018, 16:42)Emir schrieb: [ -> ][hier gekürzt]
Auf der anderen Seite finde ich es interessant wie du sagtest das du als mann weiterleben möchtest und gleichzeitig brüste haben möchtest. Ich finde es unter anderem cool das du, falls ich das richtig verstanden habe ( bitte nochmals um Vergebung ^^ ) Brüste als etwas männliches empfindest. Dürfte ich wissen warum das so ist ?
Ich denke, das war so gemeint, dass Frau Tortenboden, wenn ich sie mal so ansprechen darf, die Mühen einer HRT, gaOP oder einer amtlichen Personenstandsänderung für nicht ausreichend erstrebenswert hält, de iure und dem Genital nach also ein "Mann" bleiben möchte, trotzdem aber auf ein stärker weibliches Körpergefühl Wert legt.

Kann ich als Tivi irgendwie verstehen, sozial ergibt das u.U. aber eine prekäre Situation. Viel Glück!
(12.07.2018, 17:56)Mike-Tanja schrieb: [ -> ]
(12.07.2018, 16:42)Emir schrieb: [ -> ][hier gekürzt]
Auf der anderen Seite finde ich es interessant wie du sagtest das du als mann weiterleben möchtest und gleichzeitig brüste haben möchtest. Ich finde es unter anderem cool das du, falls ich das richtig verstanden habe ( bitte nochmals um Vergebung ^^ ) Brüste als etwas männliches empfindest. Dürfte ich wissen warum das so ist ?
Ich denke, das war so gemeint, dass Frau Tortenboden, wenn ich sie mal so ansprechen darf, die Mühen einer HRT, gaOP oder einer amtlichen Personenstandsänderung für nicht ausreichend erstrebenswert hält, de iure und dem Genital nach also ein "Mann" bleiben möchte, trotzdem aber auf ein stärker weibliches Körpergefühl Wert legt.

Kann ich als Tivi irgendwie verstehen, sozial ergibt das u.U. aber eine prekäre Situation. Viel Glück!

Danke erstmal das du mich etwas ausgebessert hast ^^ Sodass ich nicht die Befürchtung haben muss blöd dazustehen.
Unter anderem war mir eigentlich schon bewusst das es angenehmer sein kann Geschlechts Organe zu " haben " die auch der gefühlten Sexualität entsprechen. Da ich aber nur ungerne annahmen mache und Sexualität ein Thema mit tausend Facetten bleibt, bevorzuge ich es immer offene fragen zu stellen.

Zurück zu Tortenboden: Wenn du der Meinung bist das ein paar dezenter Brüste sich für dich besser anfühlen als nur einen flachen Männer Brustkörper, sehe ich kein Problem das du es auch tun kannst. Es muss sich für dich einfach passend anfühlen =)
(12.07.2018, 14:38)Tortenboden schrieb: [ -> ]Was hieltet ihr davon, wenn ich mir weibliche Brüste machen ließe, gleichzeitig aber als Mann weiterlebe und mich dabei für eine Körbchengröße entscheide (A bis B c.a.), die nur bei "genauerem" Hinsehen auffällt. Was sagt ihr?

Mal so gesagt: sowas ist für mich alles nicht neu.

Ich kannte sogar Leute, die sind, sagen wir mal: en femme nur zu Psychos und Chirurgen gegangen, haben aber dann nach der GA-OP immer noch als Männer gelebt. Natürlich kann das erst recht zu den von Mike-Tanja erwähnten prekären Situationen führen, aber ich fürchte, bei diesen Leuten überwog die Angst vor sozialer Nichtakzeptanz im Alltag. So war das dann wohl der Ausweg, den sie gehen konnten.

Mit irgendwelchen besonderen körperlichen Features muß das nicht unbedingt zu tun gehabt haben. Aber eben Angst.

(Nebenbei war das manchen Chirurgen wie etwa dem Ratnam durchaus klar.)

Zitat:Ich bin furchtbar fertig und angespannt, mich nervt alles und ich hab diesen inneren Trieb, das zu machen und habe das Gefühl, einfach unglücklich zu sein, wenn ich es nicht tue. Ich hätte aber auch ziemliche Angst es zu bereuen.

Den Zwiespalt kann ich Dir leider einfach mal so kurz nicht auflösen.

Geloeschter User

Hallo Tortenboden, außergewöhnlicher Name :-)

Ich kann es sehr gut verstehen wie Du dich fühlst, aber auch natürlichen Frauen ist nicht immer ein perfekter, weiblicher Körper gegeben! In deiner Situation als Frau zu leben ist sicher nicht leicht! Ich würde mir trotzdem gut überlegen ob du so einen Eingriff machen möchtest, eine OP sollte immer der letzte Weg sein! Vorab würde ich an deiner Stelle prüfen ob es eine sexuelle Angelegenheit ist oder wirklich der Wunsch Frau zu sein! Sollte es eher ein sexuelles Verlangen sein wäre eine OP kein guter Weg! Ich möchte auch sagen dass nicht immer jeder Mann oder Frau sein muss, es gibt so viel dazwischen, Du kannst auch feminin sein und Trotzdem nicht gleich im Kleidchen rumlaufen! Alles Gute,

LG Alex
Wenn du das Geld hast,kannst du alles machen!Allerdings ob du damit Glücklich wirst,ist eine andere Frage!Den wen man mal von den Risiken absieht,ist auch fraglich wie das Umfeld reagiert!Oder ob du das wirklich willst,bzw.ob es wirklich das ist was du brauchst!Den jede OP birgt Risiken und sollte wirklich nur der allerletzte Schritt sein!Und wenn man so unentschlossen ist wie du,sollte man erst recht die Finger von so einer OP lassen!
Also erstmal vielen lieben Dank für die vielen Antworten, sowas hilft doch sehr!
(kurz zu meinem Nickname: war eine spontane, und, wie ich finde, auch sehr unkreative EntscheidungWink. Ihr könnt mich, um es ein wenig persönlicher zu gestalten, auch gerne Florin nennen.)


Ihr habt mMn schon reichlich spannende Aspekte und Argumente eingebracht, auf die ich am liebsten einzeln und strukturiert eingehen würde. Da ich jedoch die Zitat-Funktion (noch) nicht kapiere und ich nicht nochmal meinen ganzen Text gelöscht haben möchte, mache ich es halt einfach in einem Schwall und relativ durcheinander. Bitte verzeiht!

Ja, sicher, Weiblichkeit hängt sich nicht rein an Geschlechtsorganen auf. Genauso wenig, wie an Kleidungsstücken. Auch das Verhalten, wird es einmal umfassend reflektiert, dient nicht mehr wirklich als "verlässlicher" Anhaltspunkt zur Differenzierung zwischen Weiblich und Männlich. Was sich mir dann jedoch aufdrängt, ist der Gedanke, dass annähernd jede geschlechtliche Differenzierung im Prinzip Schwachsinn ist. Also allein die Feststellung von Femininität und Maskulinität. Denn wenn Geloeschter User schreibt:"Du kannst auch feminin sein und Trotzdem nicht gleich im Kleidchen rumlaufen!", muss ich fragen: was ist denn dann überhaupt Femininität, wenn nicht - ein wenig klischeehaft ausgedrückt - das Tragen von Kleidchen, die physisch-körperliche Erscheinung (sprich Brüste und Scheide) und schließlich das Verhalten (emotional, gewissenhaft, blablabla - der ganze Dreck halt)? Richtig: nichts. Es lässt sich nicht ausmachen. Schall und Rauch. Wir beschäftigen uns, wenn es um das Wesen von Weiblichkeit und Männlichkeit geht, mit Luftschlössern. Es ist einfach nicht existent. Ganz anders sieht es natürlich mit den faktischen Lebensbedingungen von (uns?) Trans-Personen aus, deren Bezeichnung als ein Luftschloss natürlich blanker Hohn wäre.

Insofern, und damit komme ich schon zum nächsten Punkt, folgt mein Wunsch nach Brüsten NATÜRLICH einem "sexuellen Drang". Ich würde aber die Grenze zwischen "sexuell" und dem Wunsch "Frau zu sein" nicht so hart trennen. Geschlechtlichkeit IST, so glaube ich, zwangsläufig sexuell.

Schließlich gebe ich Mike-Tanja recht: Wahrscheinlich manövriert einen so ein Schritt zwangsläufig in eine gesellschaftlich prekäre Situation. Vielleicht sogar noch mehr, als wollte man "einfach nur" als Frau leben (Zu gewagt, diese These?). Was, bei aller Transgender-Diskussion, meines Erachtens immer noch der Fall ist, ist dass in unserer Gesellschaft der Ausbruch aus der binären Geschlechterordnung jedenfalls am wenigsten gerne gesehen ist. Somit muss man, bei all dem geschlechtstheoretischen Dekonstruktivismus, den wir hier in der Community betreiben, einfach nüchtern festhalten, dass die soziale Realität so aussieht, dass ich im Falle einer Brustvergrößerung ein gesellschaftliches Kuriosum darstellen würde, mit schlechteren Bedingungen betreffend sozialen Anschluss, berufliche Laufbahn und vieles mehr. So werde ich mich, aus Angst und nichts weiter, also höchstwahrscheinlich eh gegen so einen Eingriff entscheiden.
(13.07.2018, 10:59)Tortenboden schrieb: [ -> ][...] Wir beschäftigen uns, wenn es um das Wesen von Weiblichkeit und Männlichkeit geht, mit Luftschlössern.

Ich bin ja immer dafür zu haben, grundsätzlich zu werden, mich zu fragen, was tun wir hier überhaupt? Also nix für ungut! Shy An eine Idee wie der eines "Wesens" möchte ich dennoch hier lieber nicht heranmüssen. Aber ich würde es mir nicht gerne so einfach machen, Geschlechterkategorien, die es ja nun offensichtlich doch gibt, allen Boden unter den Füßen wegziehen zu wollen. Damit begäbe ich mich nur der Möglichkeiten, über solche Themen Betrachtungen anzustellen zu können.

Mir drängt sich hier der Gedanke an unscharfe Mengen auf. Das macht es sicherlich nicht einfacher, aber sehr wohl interessanter Shy

Insgesamt betrachtet mag es ja die von Dir genannten fließende Übergänge bei Kleidung, Verhalten und auch Körpern geben. In der Praxis habe ich – bedauerlicherweise – nie Leute kennengelernt, bei denen sich das einmal so richtig ausgespielt hätte. Meistens
merkt man doch Unterschiede zwischen Männer, Frauen und anderen. Selbst wenn sie im Großen und Ganzen sogar als Individuen sehr unkonventionell sein können.

(Wobei ich unter "anderen" sowohl Angehörige "dritter" und "vierter" Geschlechter in Gesellschaften mit etablierten Mehr-als-nur-zwei-Geschlechtersystemen verstehen würde. Als auch Non-Binaries, Genderqueers, Transgender u.a. westlichen Zuschnitts. Und dann natürlich auch noch Überschneidungen dieser beiden Idealtypen. Es bleibt eben spannend Smile)

Zitat:Geschlechtlichkeit IST, so glaube ich, zwangsläufig sexuell. 

Das möchte ich doch sehr hoffen! Heart

Zitat:[...] dass in unserer Gesellschaft der Ausbruch aus der binären Geschlechterordnung jedenfalls am wenigsten gerne gesehen ist. 

Ich bin mir nicht sicher, ob man das so pauschal sagen kann. Individuelle Lebensbedingungen können so unterschiedlich sein.

Also ohne jemandem auf den Kragen treten zu wollen, ich könnte mir durchaus vorstellen, daß für manche Leute eine Selbstdefinition als Non-Binary o.ä. ein ganz guter Kompromiß sein könnte, den man dann auch noch als besonders progressiv darstellen könnte. Warum auch nicht? Vielleicht ist es das in einem gewissen Sinne sogar wirklich.

Was ich dagegen an strikt binären TS früher erlebt habe, war manchmal wirklich traurig. Die liefen schon selbst für sich mit klammem Herzen herum Sad Weniger ungern gesehen waren die bestimmt nicht.

Zitat: Somit muss man, bei all dem geschlechtstheoretischen Dekonstruktivismus, den wir hier in der Community betreiben

Oh, das wäre zu schön um wahr zu sein, wenn das wirklich viele Leute täten! Blush

Zitat:einfach nüchtern festhalten, dass die soziale Realität so aussieht, dass ich im Falle einer Brustvergrößerung ein gesellschaftliches Kuriosum darstellen würde, mit schlechteren Bedingungen betreffend sozialen Anschluss, berufliche Laufbahn und vieles mehr.

Die Frage ist eher, ob das Deine Realität ist? Also, fühlst Du Dich dermaßen eingeengt?

(Vielleicht ahnst Du schon, ich fände es traurig, wenn Du schon gleich wieder den Kopf hängen ließest.)