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Normale Version: Behandeln Ärzte Trans-Menschen schlechter?
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Liebe Leute,

nachdem ich jetzt schon mehrere von einander unabhängige Geschichten von operativen und kosmetischen Eingriffen bei anderen Trans-Personen gehört und gelesen habe, bei denen so einiges schiefgegangen ist, frage ich mich mittlerweile schon, ob wir für Ärzte generell nur Menschen 2. Klasse sind ...

Als ich so über den Verlauf meiner Zahnregulierung nachgedacht habe, ist mir aufgefallen, dass die Probleme allesamt erst im 2. Behandlungsjahr aufgetreten sind, die insgesamt 3 Zähne beschädigt haben. An dessen Beginn musste ich mich zwangsläufig bei dem Zahnarzt outen, weil ich zu der Zeit die Namensänderung gemacht habe und kurz danach natürlich auch schon der Name auf meiner e-Card geändert wurde. Dass vorher während des 1. Behandlungsjahrs noch alles gepasst hat, habe ich ja bei der Kontrolle bestätigt bekommen.

Mir geht's bei der Sache natürlich nicht darum, Ärzte generell an den Pranger zu stellen, vor allem weil ich weiß, dass keineswegs alle so sind (das Ergebnis meiner Nasen-Op beispielsweise könnte besser nicht sein), aber ich würd gerne mal wissen, wie ihr darüber denkt. Hab ich einfach Pech gehabt oder ist mir das nur passiert, weil ich trans bin?
Möglich ist natürlich beides, "einfach nur" Pech haben und/oder an eine_n Transphobiker_in zu geraten. Letztere dürften in den meisten Fällen "professionell" genug sein, ihre Antipathien nicht offen zu äußern, aber dann doch nicht genug, um dennoch sich dieselbe Mühe zu geben wie bei Patienten, die ihnen sympathischer sind Sad

Im Einzelfall kann das schwierig zu entscheiden sein. Man sollte aber vielleicht hellhörig werden, wenn jemand z.B. etwas eigenartige Bemerkungen macht.

Wenn so viele Leute aber Probleme berichten wie Du schreibst, dann ginge das vielleicht doch schon über bloße Wahrscheinlichkeit hinaus Sad
Klar kann es nur Pech sein, doch dann frag ich mich schon, wieso ausgerechnet wir, wo wir doch ohnehin schon nicht gerade viel Glück im Leben hatten? Die Selbstmordrate ist bei unsereins exorbitant hoch und genau solche Dinge tragen dazu bei. Um ganz ehrlich zu sein, war ich nach dem Malheur mit meinen Zähnen so fertig, dass ich nur noch geheult und darüber nachgedacht hab, meinem Leben ein Ende zu setzen, obwohl ich schon so weit gekommen war.

Von allen mir bekannten Leuten (hauptsächlich ehemalige Schulkollegen), die dort die Zahnregulierung gemacht haben, hatte absolut niemand irgendwelche Probleme. Alle waren sehr zufrieden und diejenigen, mit denen ich ausführlicher über meine Situation geredet habe, reagierten ziemlich überrascht, dass bei mir so viel schiefgegangen war. Naja, die meisten von denen haben die Behandlung aber auch als Teenager machen lassen, wo Mama und Papa die ganze Kohle hingeblättert haben und dadurch auch dementsprechend mehr dahinter waren - nicht nur bei der Zahnpflege des Sprösslings, sondern auch, dass sie wirklich die zahnärztliche Leistung bekommen, für die sie bezahlt haben. Ich hingegen musste alles aus eigener Tasche bezahlen und hatte auch niemanden, der sich für mich eingesetzt hätte - in Fällen wie diesen ist man irgendwie hilflos ausgeliefert ...
Die Leue suchen sich ja nicht einmal  aus was oder wen sie hassen. Das ist auch alles austauschbar. Ich les ständig von "linkskinken Veganern die nicht wissen ob sie bub oder mäderl sind" von Trollen. Also zB die Tatsache dass jemand keine Tiere isst scheint wohl zu reichen als "Untermensch" zu gelten. Darüber lass ich mich aber mal nicht aus. Das ist Hass weil man was zu hassen braucht.  Details darüber wie schwer wir es haben ändern da nix. Ich glaube aber dass es durchaus auch Pech sein kann was die passierte und merke eher oft dass viele Menschen keine Ahnung haben wie man uns behandeln soll (nämlich ganz normal). Am besten mal nicht vom schlechtesten ausgehen und stolz lächelnd durchs Leben gehn. Wen man schon erwartet dass man mies behandelt wird kanns ja nur schief gehen. Und das vom mir, muss selber dran arbeitern.
Mir ist auch schon passiert, daß ich zu Ärzten (und auch Psychologen) ging, die mir empfohlen worden waren, und dann fand ich die doch arge Underperformer.

Und das, wo ich mir durchaus etwas erwartet hatte, also mich in "positivem Denken" geübt hatte Rolleyes

Ich denke, die eigene Einstellung spielt weniger eine Rolle als oft behauptet. Man kann damit zwar Leute sowas ähnliches wie "coachen", und vielleicht fühlen die sich eine Zeitlang sogar besser, aber irgendwann kommt unausweichlich die Konfrontation mit der Realität. Menschen sind wie sie sind. Da hat man meistens keinen großen Einfluß drauf. (Was man aber tun kann, ist sich von anderen möglichst wenig abhängig zu machen.)

(Nebenbei gibt es auch den umgekehrten Fall, daß man positiv überrascht wird Smile)

Dabei habe ich im echten Leben mit Trollen nichts zu schaffen, und niemand kann mich zwingen, deren Entäußerungen im iNetz zu lesen.

Das alles ändert aber nichts daran, daß Transphobie und einige andere unschöne Dinge (→ Intersektionalität) ubiquitär sind. Es wäre sträfliche Naivität, das schönzureden zu versuchen. Auch wenn solche Themen für manche Leute noch so unbehaglich sind.

Und ja, die Lebensbedingungen vieler trans* Menschen sind schlimm, einschließlich Suizidalität.


Virupaksha H G, Muralidhar D, Ramakrishna J. Suicide and suicidal behavior among transgender persons. Indian J Psychol Med [serial online] 2016 [cited 2019 Jan 29];38:505-9. Available from: http://www.ijpm.info/text.asp?2016/38/6/505/194908
Da will man einmal was positives schreiben.
ich kann mir das schwer vorstellen, dass Trans-Personen bewusst schlechter von Ärzten behandelt werden als "normale" Menschen. Wenn dem so wäre, hätte so ein Arzt massive Probleme (Schadenersatz, standesrechtliche Probleme). Gerade was kosmetische Operationen betrifft, haben es die behandelnden Ärzte ja in den meisten Fällen mit Personen zu tun, die irgendein Problem mit ihrem Körperbild haben. Würde ein Arzt hier Unterschiede zwischen den einzelnen PatientInnen machen, würde es sich ja ins eigene Fleisch schneiden und bewusst ökonomische Nachteile in Kauf nehmen.
Hmmm, also ich hab meine Kieferfehlstellung überhaupt erst mit Ü40 korrigieren lassen, und auch im Laufe der Behandlung mein Outing. Mein subjektiver Eindruck war dann der, dass der behandelnde Arzt nicht unbedingt begeistert war über diese Änderung. Aber ich hatte nicht den Eindruck deswegen schlechter behandelt zu werden als davor.

Bei allen anderen Behandlungen, Operationen, etc. gab es eigentlich überhaupt nie Probleme, egal ob Haartransplantation in der Türkei, FFS-OP in Belgien, Orchiektomie im Landeskrankenhaus, oder bei Ärzten generell. Moment, eine Ausnahme fällt mir gerade ein, nach einigen Bemerkungen meiner ehemaligen Hausärztin habe ich diese gewechselt und bin jetzt bei einer anderen Ärztin.

Prinzipiell würde ich versuchen - sofern möglich - den Arzt zu wechseln wenn man merkt, es passt irgendwie so überhaupt nicht.
Also das einzig negative was mir oft bei Ärzten passiert,  ist warten. Aber das passiert nicht nur uns sondern auch anderen Leuten.
(29.01.2019, 12:16)Ирина schrieb: [ -> ]nachdem ich jetzt schon mehrere von einander unabhängige Geschichten von operativen und kosmetischen Eingriffen bei anderen Trans-Personen gehört und gelesen habe, bei denen so einiges schiefgegangen ist, frage ich mich mittlerweile schon, ob wir für Ärzte generell nur Menschen 2. Klasse sind ...

Also ich persönlich weiß von niemande, wo so etwas vorgekommen ist. Es gab vor einigen Wochen diesen Thread von eine Userin über eine andere Bekannte berichtete. Jedoch sind das Geschichten von Dritten über Dritte. Und da bin ich vorsichtig.

Meine Gynäkologin behandelt mich traumhaft. Der Urologe war toll und hatte mit TI/TS schon Erfahrung. Die private Internistin und ihr gesamtes Team wollten nach 2 kompletten Untersuchungen für HRT und OP Rückmeldung wie es mir geht. Mein Hautarzt hat sich nett um meine Neurodermitis gekümmert. Meine Zahnärztin war plötzlich nich liebevoller als die letzten 30 Jahre. Und meine neue Hausärztin tut was ich willl und ihre 3 Schwestern fragen mich ständig wie es mir geht.

Im Krankenhaus ging es mir und Susi - die nach mir die OP hatte - genau so.

Ich denke, oft liegts einfach daran, dass Personal generell schlecht ist und rüpelhaft und nicht immer an uns.
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