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Umgang mit Einsamkeit.... - Druckversion

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Umgang mit Einsamkeit.... - Taamara - 20.10.2015

Ich schreib mir mal ein bisi was von der Seele, da ich mit meinem besten schwulen Freund gestritten habe und mir meine Mutter schon sehr auf den Zeiger geht und wir seit ein paar Tagen nicht mehr telefonieren (wir telefonieren ansonsten 2-5x am Tag - ja das ist halt so, wir sehen uns halt selten Sleepy). Beides geht mir recht auf die Nieren, weil ich beide gerne mag, aber beide nerven ungemein und fordern nur... Daher hab ich mal wieder alle Kontakte zu beiden abgebrochen und stell mich auf stumm. Und ich fühle mich nicht gut dabei, weil die beiden eigentlich meine einzigen Bezugspersonen sind Confused Echt oarg, bin fast 40, Single und hab so wenige Freunde, dass wenn ich mit den wenige streite gar niemanden habe. Es ist nicht so, dass mit mir niemand befreundet sein will, aber bei den meisten Leuten blocke ich ab, weil mich deren Geschichten, Sorgen, Nähen usw nicht interessieren bzw weil ich Angst hab, dass mir die Leute zu nahe kommen. Das will ich auch wieder nicht... Ich komm eigentlich immer mehr drauf, dass vieles in meinem Leben daneben war und dass ich meine starken Eigenheiten hab, die ich mit wenigen Leuten teile. Fallen die beiden weg, dann ist niemand mehr da! Wirklich NIEMAND! Ein schreckliches Gefühl! Vor allem in der Nacht wenn ich urplötzlich aufwache und alles ist still. Ich bin alleine Es ist dunkel. Dann schau ich auf mein Handy, scroll zu meinem Schwulenfreund und zu meiner Mutter und stell mir vor, dass ich zumindest die zwei kontaktieren könnt Sad
Ich weiß echt nicht, wie ich aus dem Teufelskreis rauskommen soll. Der morgendliche Gang in die Arbeit ist z. T. eine Erlösung, da ich zumindest dort unter Leuten bin. Um die Leere an den Wochenenden zu kompensieren, schlaf ich wahllos (SAFE!!!) mit Männern, um so zumindest ein bisi was zwischenmenschliches zu spüren. Ist echt ein Bombenleben, das von Woche zu Woche weniger lebenswert ist. Aber an einer Verhaltensänderung auch noch zu arbeiten pack ich momentan echt nicht neben den ganzen Tamtam um die Hormone, HIV Infektion, Arbeitsleben, Vergangenheitsblitzlicher usw.
Es ist mir klar: von alleine wird sich das Problem nicht lösen, nein es wird immer schlimmer.
Gibt es Leidensgenossinnen hier, die ähnliches erleben/empfinden bzw. nachvollziehen können? Wie geht ihr damit um??


RE: Umgang mit Einsamkeit.... - Ann Lie - 20.10.2015

Hallo

Ich kenns nur in einer anderen Form. Ich war einsam unter vielen, klingt seltsam, war aber so. Kollegenkreis enorm, war mit Verbindungskollegen ständig unterwegs, 15 Jahre lang, überall wo der Rauch aufging. Doch einsam war ich trotzdem, sehnte mich nach Geborgenheit, konnte meine wahre Identität nicht preisgeben. Obwohl ich Kameraden hatte war ich alleine weil ich mit niemandem über meine wirklichen Probleme reden konnte. Meinen Kameradenkreis hab ich nicht mehr, doch mit meinen neuen Bekannten und Freundinnen die ich bis jetzt auf meinem Weg kennenlernte kann ich wenigstens ab und zu reden. Einsam bin ich auch jetzt zu Hause obwohl verheiratet weil mir keiner zuhört und mich wohl keiner versteht oder verstehen will. Sehne mich nach meiner Jugendfreundin und würd zu ihr zurücklaufen. Sie war zwar dominant und bestimmend kümmerte sich aber um mich und fühlte mich geborgen. Genau das vermisse ich immer.

Grüße Ann Lie


RE: Umgang mit Einsamkeit.... - Mia - 20.10.2015

Also ich würde an deiner Stelle einen gute Psychotherapeuten aufsuchen, die können in so einem Fall ganz gut helfen. Ich mochte die anfangs auch nicht hab dann aber gesehen das die gar net so blöd sind.
Die wissen wie man aus so einem Teufelskreis raus kommt.

Übrigens, wahllos mit Leuten herum vögeln bringt gar nichts, das macht alles nur noch schlimmer, die Erfahrung hab ich vor 20 Jahren schon mal gemacht.

Aber wie gesagt das beste wird sein wenn du dir professionelle Hilfe holst.


RE: Umgang mit Einsamkeit.... - Elisabeth I. - 20.10.2015

(20.10.2015, 06:20)Mia schrieb: Also ich würde an deiner Stelle einen gute Psychotherapeuten aufsuchen, die können in so einem Fall ganz gut helfen. Ich mochte die anfangs auch nicht hab dann aber gesehen das die gar net so blöd sind.
Die wissen wie man aus so einem Teufelskreis raus kommt.

[...]

Aber wie gesagt das beste wird sein wenn du dir professionelle Hilfe holst.

Guter Rat, so ist es.

Als gute Anlaufstelle wurde euch beiden - Ann Lie jedenfalls von mir; und Taamara, meiner Erinnerung nach von anderer Seite auch dir - die Beratungsstelle Courage schon genannt in Wien und mit einer der Außenstellen in Innsbruck. Die sind dort Profis in allen dieser Problem- und, wo notwendig, auch Rechtsbereiche.

Courage in der Suchfunktion.

Gruß und alles Gute!


RE: Umgang mit Einsamkeit.... - Eva_Tg - 20.10.2015

Ja, hier hilft nur noch therapeutische Hilfe weiter.
Wer sich einsam fühlt und darunter leidet, aber gleichzeitig sagt, dass auch Angst vor der Nähe zu anderen Menschen gibt, der steht vor einem unlösbaren, inneren Problem.
Soziale Interaktion beruht nunmal auf dem Prinzip das ein Austausch in beide Richtungen abläuft. Meine Freunde hören sich meine Sorgen an und ich mir ihre und ich kann ihnen nachempfinden.
Und Probleme bei der Sozialen Interaktion lösen sich oft nur mit einem Therapeuten, weil man dafür sehr selbstkritisch sein muss und es nicht nur mit ein paar Binsenweisheiten getan ist.

Augenscheinlich ist es auch so, dass Menschen mit Geschlechtsidenitätsproblemen besonders anfällig für solche Probleme sind, vielleicht weil ihre sozialen Fähigkeiten unter diesen Problemen gelitten haben. Also sollte man nicht nur das Thema Transidenität in einer Therapie behandeln, sondern auch mögliche Folgeprobleme.

Die Frage, ob ich einsam bin, kann ich übrigens nur verneinen. Ich habe eine feste Beziehung und jede Menge Freunde/Bekannte oder Verwandte. Natürlich sind da auch eher lockerere Beziehung dabei, aber wenn mir was auf dem Herzen liegt oder ich Hilfe brauche, ist immer jemand da.


RE: Umgang mit Einsamkeit.... - Allgäuerin - 21.10.2015

(20.10.2015, 11:29)Eva_Tg schrieb: Ja, hier hilft nur noch therapeutische Hilfe weiter.
Wer sich einsam fühlt und darunter leidet, aber gleichzeitig sagt, dass auch Angst vor der Nähe zu anderen Menschen gibt, der steht vor einem unlösbaren, inneren Problem.
Soziale Interaktion beruht nunmal auf dem Prinzip das ein Austausch in beide Richtungen abläuft.

Das möchte ich jetzt so nicht stehen lassen. Denn es ist nicht die einzige Möglichkeit.
Der Arzt kann Dir nur die Symptome aufzeigen, heilen mußt du deinen
Körper und Seele selbst. Ausgeglichene Menschen öffnen sich selbst nach außen.
Vielen Menschen hilft schlichtweg die einfache Erkenntnis, den Problemen weniger Raum zu bieten.
Mehr Arbeit ist nicht die Lösung, das belastet meist noch mehr.
Die Natur und ein gesunder Lebensstil können da sehr hilfreich sein.
Tägliche Erholung , sei es durch Sport , Spaziergänge, Wanderungen,
Bergtouren. Die frische Luft dazu ,ist ein Elexier.
Ein altes Wort gewinnt immer mehr an Bedeutung: auschalten um abschalten zu können.
Die virtuelle Welt ,sei es Zeitung und vorallem I-net nehmen zunehmend mehr Raum in unserem Leben ein, zuviel.
Wenns alleine nicht klappt ein Haustier zB Hund zulegen. Die Lebensfreude und Liebe die dem Menschen durch Tiere gegeben wird,
kann sehr viele Wunden und die Psyche heilen.
Die alten Leute von früher ließen immer wieder mal die "Seele" baumeln , indem sie genügend Pausen machten, und einfach nur in der Ruhe auf der Bank vor dem Haus saßen. Wir haben heute die einfachsten Dinge verlernt , die uns gut tun, werden zu hektischen Konsummenschen erzogen, die für alles professionelles zu benötigen haben.


RE: Umgang mit Einsamkeit.... - Eva_Tg - 21.10.2015

Ich finde die Tier-Therapie zwar toll, aber die erfolgt nur als Begleitung.
Bei schweren Depressionen oder anderen Persönlichkeitsproblemen wird es sicherlich nicht allein helfen sich ein Haustier zu kaufen.

Ich würde bei ernsten Problemen immer den Rat eines Fachmannes suchen, die sind dafür da anderen zu helfen. Ich jedenfalls habe keine Scheu davor um Hilfe zu bitten. Kein Mensch kann alles alleine bewältigen und jeder braucht irgendwann mal Hilfe.
Und ich leider schon mehrmals gesehen, was aus Menschen wurde, die ihre seelischen Probleme alleine lösen wollen.


RE: Umgang mit Einsamkeit.... - Ein Mäderl - 22.10.2015

Wer Freunde finden will, muss sich auf Fremde einlassen!


RE: Umgang mit Einsamkeit.... - Madleine - 24.10.2015

"Freunde...pah! Die halten einen doch nur vom Fernsehgucken ab." Doug Hefernen

Ne echt jetzt. So ein wenig Lust auf soziale Interaktion ist doch keine schwere Depression. Sonst hör ich "hol dir professionelle Hilfe" ja eher als Teil von Beleidigungen.... Aber ihr Mädels meint es ja gut.

Bei Streit musst du aber aufpassen, vor allem bei wenigen Freunden. Mach Frieden und denk dir andere Erziehungsmethoden aus.

LG

...


RE: Umgang mit Einsamkeit.... - Ann Lie - 25.10.2015

Kommt drauf an was man unter Freund versteht. Viele Freunde hat keiner egal ob mit oder ohne TS. Kollegen hatte ich mehr als genug früher, geblieben ist praktisch keiner. Einsam war ich irgendwie trotzdem weil ich meine Identität nicht preisgeben konnte aber weil ich immer unterwegs und unter Leuten war merkte ich es nicht. Jetzt sitz ich manchmal alleine zu Hause und könnte oft heulen, auf den Treffs unter Gleichgesinnten fühl ich mich wohl, Kontakte bin ich erst am knüpfen und das braucht Zeit. Ich merk das alleine sein weil ich es von früher her nicht kenn und das belastet mich schon, bin oft auch weinerlich deshalb. Doch eine Therapie wird nix bringen, wegen IS und TS bin ich ja in Behandlung und Kontakte knüpfen kann ich nur selber. Ist nicht immer einfach aber will mir neue Existenz aufbauen diesmal im "richtigen" Geschlecht, einfach so sein dürfen wie ich bin. Sehn mich auch nach meiner damaligen Freundin zurück, ist nix gegen meine jetztige Frau, aber meine damalige Freundin hat mich genommen wie ich bin, sie war auch die einzigste.

Ann Lie