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Eine kurze Lebensgeschichte. - Druckversion

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Eine kurze Lebensgeschichte. - Reto - 09.03.2016

Hallo ich heiße Reto und bin mittlerweile 18 Jahre alt, ich habe mich soeben hier angemeldet und will euch gern kurz mein Leben bis zum jetzigen Zeitpunkt aufschreiben, da ich mich schon länger mit der Frage beschäftige - ob ich transsexuell bin.
Ich bin Erstgeborener und habe zwei jüngere Schwestern, natürlich wurde von mir daher als älterer Bruder immer eine Vorbildrolle erwartet, eine Beschützerrolle. Diese habe ich auch sogut wie möglich versucht auszuführen und mich entsprechend meinem Erwartungsbild benommen. Ich habe allerdings nie gerne mit dem Fußball, mit Autos und allem anderem klischeehaften Jungenspielzeug gespielt .., das hat mich als Kind nie wirklich interessiert und ich habe bis heute keine Begeisterung für diese Dinge finden können so sehr ich auch darüber nachgedacht habe. Früher habe ich gerne mit Bausteinen gebaut und mir Geschichten ausgedacht oder mit meiner Schwester Rollenspiele gespielt. In der Grundschule war ich eher ein sonderbares Kind ich hatte zwar Freunde, aber mit denen habe ich nicht altsoviel gemacht meistens habe ich lieber allein gespielt, Perlen gesteckt oder Brettspiele gespielt, ich war ein Erzieherliebling und immer freundlich zu allen und jedem, außerdem hatte ich schnell Mitleid mit anderen und habe oft außgegrenzte Kinder aufgemuntert ^^ ; bin aber mit allen anderen Kindern auch gut zurecht gekommen. Ich war eher ein stilles Kind, aber nicht unsportlich, ich habe mich auch gern bewegt und Sport gemacht, am liebsten habe ich gesungen. Zeichnen konnte ich nie - was leider auch daran liegt, dass man mich zum Rechtshänder erzogen hat und ich erst seit ca. 2 Jahren mit der linken Hand schreibe ( aber das ist eine andere Geschichte).
Probleme hatte ich in der Schule eigentlich nie und war immer ein sehr aufmerksamer und begeisterter Schüler. Erste Gedanken die ich mir kaum erklären konnte begannen mit etwa 11 Jahren, als meine jüngere Schwester dann irgendwann eher in die Pupertät kam als ich, das fand ich ziemlich unfair, ich fand es auch unfair, dass ihre Brüste wachsen und meine nicht - aber ich wusste nicht wie ich das begreifen sollte. Ich wollte als Kind auch immer lange Haare haben, aber ich durfte das nicht, immer wenn sie wieder länger waren als für einen Jungen in meinem Alter üblich wurde ich zum Friseur geschickt, auch später wurden mir teilweise gegen meinen Willen Friseurtermine gemacht, das war ein ziemliches Disaster, ich habe mich für mein Verhalten geschämt und habe mich bestmöglich verstellt. Doch in letzter Zeit ging es mir dadurch immer schlechter so dass ich mir aus Frust vor ca. 2 Monaten alle meine Haare abrasiert habe, damit waren dann die ständigen Diskussionen wegen meiner Haarlänge verschwunden.
Ich hatte schon immer ein eher weibliches Gesicht, aber das hat ja nix zu sagen, gerade früher, wenn ich mal wieder längere Haare hatte wurde ich auch hin und wieder für ein Mädchen gehalten, das war mir natürlich peinlich, weil auch alle darüber gelacht haben, wenn mich die Uroma mal wieder für ihre Enkelin gehalten hat :oops:
Ich habe versucht immer möglichst unauffällig gekleidet zu sein, meistens graue oder schwarze Kleidung getragen, wollte einfach in Ruhe gelassen werden.
Über meine sexuelle Ausrichtung kann ich leider nicht viel sagen, da mir diese selbst jetzt noch ein Rätsel ist, so gab es Zeiten in denen ich geglaubt habe ich bin ganz normal heterosexuell und andere in denen ich mir nicht so sicher war. Ich hatte auch eine Freundin, aber mit dieser lief es nicht so wie ich mir das vorgestellt habe, so ist unsere Beziehung mit der Zeit kaputt gegangen, da ich mir immer blöd dabei vorkam ihr zu sagen sie sei hübsch ..., so hab ich auf Komplimente immer nur ratlos die Schultern hochgezogen und mich bedankt :?
Sexuelle Erfahrungen mit einem Jungen hatte ich auch, aber auch hier weiß ich nicht recht was ich davon halten soll.
Ich fühle mich sehr unentschlossen und weiß teilweise nicht mehr weiter, in letzer Zeit ignoriere ich das einfach und widme mich anderen Dingen.
In meinen eigenen sexuellen Fantasien war ich eigentlich immer passiv, ich kann mich noch erinnern, dass ich mir damals immer Kissen unter mein Pyjamaoberteil gestopft habe damit es aussieht als das ich Brüste hätte, das hat mir gefallen und ich bin froh das mich dabei niemand erwischt hat ^,^ , ob ich mich dabei wie eine Frau gefühlt habe kann ich nicht sagen.
Allgemein war es mir immer wichtig, das meine Umwelt besonders meine Verwandschaft nichts davon mitbekommt, das ich etwas komisch bin, deshalb habe ich versucht immer unauffällig zu sein und blöden Fragen aus dem Weg zu gehen. Das wäre leider überhaupt das schlimmste für mich, da ich aus einem eher katholisch geprägten Haushalt komme, in welchem schon Homosexualität ein Tabuthema ist, wird so etwas wie Transsexualität sicher nicht auf viel Anklang stoßen. Auch wenn ich also weiß, dass ich mit meinen Eltern darüber reden sollte, könnte ich das wenn überhaupt mit meiner Schwester.
Ich selbst bin mit meinem Körper ganz zufrieden, ich versuche ihn sehr schlank zu halten und finde auch Muskeln nicht wirklich attraktiv an mir, das einzige was mich stört ist meine Körperbehaarung und manchmal die Stimme Undecided
Ich fand es eigentlich immer sehr aufregend Frauenkleider oder Perücken zu tragen auch wenn ich das nur selten gemacht habe und mich manchmal dafür geschämt habe, in der höheren Schule habe ich es meistens genossen, wenn ich bei einem Schauspiel eine weibliche Rolle bekommen habe, da ich mich dann nicht schämen musste, weil ich die Rolle ja von der Lehrerin bekommen habe Smile
In meiner Freizeit habe ich früher gelegentlich am Computer Spiele gespielt und mir in Onlinespielen immer einen weiblichen Charakter erstellt, ich habe nie männliche Charaktere gespielt, dass hat mir keinen Spaß gemacht, manchmal habe ich mir das vorgenommen - aber nach ein paar Minuten war selbst das aufregendste Spiel langweilig geworden :-)
Mit dem Thema Transsexualität habe ich mich erst vor ein paar Jahren auseinander gesetzt und das auch hauptsächlich über das Internet. Da ich mir eigentlich immer gesagt habe, dass ich normal bin und davon nichts wissen wollte. Ich weiß leider nicht was genau mit mir ist und ob ich vielleicht nur etwas verwirrt bin, aber leider werden die Gedanken darüber nicht weniger, das Thema lässt mich seit längerer Zeit nicht mehr richtig los, deshalb schreibe ich hier, um mehr darüber zu erfahren. Auch wenn es sehr viel Überwindung gekostet hat, ich hoffe ihr habt Verständnis.

Viele liebe Grüße


RE: Eine kurze Lebensgeschichte. - Madleine - 10.03.2016

Hallo Reto, herzlich willkommen. Ich sehe gewisse Parallelen zu meiner Kindheit. Ich sag mal, das ist evolutionäre Entwicklung, und wir sind der Zeit ein paar Jahrchen voraus. Damit mein ich das hohe soziale Verantwortungsbewusstsein (zb. Partei für die Ausgegrenzten ergreifen). Wir- statt Ich-Prägung. Dazu kommt noch zu einem individuellen Teil das "andere" Geschlecht in uns.

LG


RE: Eine kurze Lebensgeschichte. - Falling Snow - 10.03.2016

[Hinweis auf vorübergehend gelöschten Beitrag ebenfalls gelöscht; Bonita]

erstmal danke, dass du die kurze und nicht die lange lebensgeschichte getippst hast. gibts eigentlich eine umblätter-funktion? Smile willkommen hier und viel glück dabei rauszufinden, was denn nu dein pol ist.

ich hätt schon eine idee, mag dir aber nicht deine entdeckungs-tour vermiesen Smile

willkommen
snow


RE: Eine kurze Lebensgeschichte. - Gundel Gaukeley - 10.03.2016

[Hinweis auf vorübergehend gelöschten Beitrag ebenfalls gelöscht; Bonita]

Hallo Reto und Willkommen! Du siehst ja bereits dass es hier wie bei den Irren zugeht.


RE: Eine kurze Lebensgeschichte. - Bonita - 10.03.2016

(09.03.2016, 22:22)Reto schrieb: Hallo ich heiße Reto und bin mittlerweile 18 Jahre alt, ich habe mich soeben hier angemeldet und will euch gern kurz mein Leben bis zum jetzigen Zeitpunkt aufschreiben, da ich mich schon länger mit der Frage beschäftige - ob ich transsexuell bin.
...
Mit dem Thema Transsexualität habe ich mich erst vor ein paar Jahren auseinander gesetzt und das auch hauptsächlich über das Internet. Da ich mir eigentlich immer gesagt habe, dass ich normal bin und davon nichts wissen wollte. Ich weiß leider nicht was genau mit mir ist und ob ich vielleicht nur etwas verwirrt bin, aber leider werden die Gedanken darüber nicht weniger, das Thema lässt mich seit längerer Zeit nicht mehr richtig los, deshalb schreibe ich hier, um mehr darüber zu erfahren. Auch wenn es sehr viel Überwindung gekostet hat, ich hoffe ihr habt Verständnis...

Liebe Reto,
zunächst Heartlich Willkommen im Forum von transgender.at Smile

Zunächst, sooo lange ist Deine Vorstellung auch wieder nicht, da gabs schon längere - und, so wie Dir ging bzw geht es vielen...

Am Besten wäre es, wenn Du zB mit einer/einem erfahrenen Psychotherapeut/in/en in ein paar Gesprächsrunden herauszufinden versuchst, ob es sich um Transsexualität oder etwas ähnliches/anderes aus der breiten Transgender-Palette bei Dir handelt.

Mensch muss nicht transsexuell sein, um zB seine weibliche Seite auszuleben; Und auch falls Du TS bist, gibt es da ebenso einige Varianten, wie Du das in den Griff bekommen könntest - es müssen nicht gleich Hormone, eine Namens- und Personenstandänderung oder gar eine geschlechtsangleichende Operation im Raum stehen, falls man sich als transsexuell oder transident erkennt...

Gut wäre es auch, wenn Du Dich mit anderen Leuten, die so oder so ählich wie Du sich fühlen, triffst - da gibts mittlerweile einige Gruppen; Es gibt in Deutschland - wo Du wohl zuhause bist, eventuell sogar in Deiner Nähe - Foren bzw Vereine, die auch Angehörige (Eltern, Geschwister, ...) informieren oder sogar betreuen...

Auf die Schnelle fand ich diese: http://www.trans-eltern.de/

Eine Linksammlung für deutsche Bundesländer: http://transintersektionalitaet.org/?page_id=261

Mit 18 kannst und darfst und sollst das für Dich - ua bei/mit diesen Anlaufstellen - schon alleine abklären können, aber auch Tipps bekommen, wie Du bei einem Comming-Out mit Deiner Familie umgehen könntest Wink

Alles Gute und Liebe!


RE: Eine kurze Lebensgeschichte. - mariaadmin - 10.03.2016

Liebe Reto,

Abgesehen von der Geschlechtsidentitäsgeschichte möchte ich Dir mitgeben, dass Dein grosses Thema im Leben/Lebenslektion die Abgrenzung zu anderen Menschen ist.

Du hast das Muster im Leben, dass andere Menschen, ohne es zu wollen Deine persönlichen Grenzen nicht sehen, weil sie für andere schlecht sichtbar sind - viel schlechter sichtbar als bei vergleichbaren Menschen ohne dieser Lebensaufgabe.

Darum wirst Du viel mehr verletzt & viel weniger von anderen geachtet, viel weniger auf dich rücksicht genommen - das wird durch geschlechtsdysphorie noch begünstigt.
Rückzug in sich selbst / wenig kontakt nach aussen ist keine lösung, sondern nur ein pflaster.

Um das möglichst einfach und "bröselfrei" zu lösen empfehle ich

* Sprich über Deine Bedürfnisse / Gefühle immer in der ICH Form. Z.b. "Ich" wünsche mir dieses, jenes, nicht man sollte dieses oder jenes tun. Übrigens eine weiblichere Ausdrucksweise.
Dadurch können sich Leute weniger leicht angegriffen fühlen

* Erkenne den freien Willen der anderen ohne zu werten an, vor allem derjenigen, die dich gerade verletzen.
Innerlich "Ich anerkenne dass Du Dich entschieden hast, ich anerkenne das Du einen freien Willen hast", selbst wenn das gerade gegen dich gerichtet ist - es geht nicht darum es gutzuheissen oder es zu werten, sondern anzuerkennen dass da eine person ist, und diese eben gemäss ihres freien willens eine entscheidung getroffen hat (die deine grenzen verletzt hat).
durch dieses innere anerkennen der souverenität des anderen (ohne zu werten dass das gerade scheisse war), sieht die andere person plötzlich, dass du auch da bist (durch den akt des innerlichen anerkennens), und erkennt damit plötzlich deine grenzen / dass sie dich gerade schlecht behandelt hat.
Probiers aus, wirkt wunder !

lg maria

ps.:falls du am 18.5. noch nichts vor hast http://community.transgender.at/showthread.php?tid=3236


RE: Eine kurze Lebensgeschichte. - Reto - 10.03.2016

Danke erst einmal für die netten Begrüßungen.

Zitat:Mensch muss nicht transsexuell sein, um zB seine weibliche Seite auszuleben; Und auch falls Du TS bist, gibt es da ebenso einige Varianten, wie Du das in den Griff bekommen könntest - es müssen nicht gleich Hormone, eine Namens- und Personenstandänderung oder gar eine geschlechtsangleichende Operation im Raum stehen, falls man sich als transsexuell oder transident erkennt...

Ich weiß schon, dass es viele Jungen und Männer gibt, welche eine weibliche Seite besitzen und diese auch ausleben. Es stimmt auch das es in unserer Gesellschaft so verpönt wird, wenn man sich nicht dem Rollenbild entsprechend seinem Geschlecht unterwirft. Ich denke auch das ein drastischer Eingriff in mein Leben bspw. durch Hormone oder eine OP, nur stattfinden würde wenn ich nicht mehr anders glücklich Leben könnte. Wahrscheinlich hätte ich auch gegenüber meiner Familie viel zu viel Sorgen und würde es ihnen nicht zumuten können.

Zitat:Am Besten wäre es, wenn Du zB mit einer/einem erfahrenen Psychotherapeut/in/en in ein paar Gesprächsrunden herauszufinden versuchst, ob es sich um Transsexualität oder etwas ähnliches/anderes aus der breiten Transgender-Palette bei Dir handelt.

Das habe ich auch vor, auch wenn ich Angst davor habe was dieser zu mir sagen würde Undecided

Zitat:Abgesehen von der Geschlechtsidentitäsgeschichte möchte ich Dir mitgeben, dass Dein grosses Thema im Leben/Lebenslektion die Abgrenzung zu anderen Menschen ist.

Das stimmt ich grenze mich sehr stark von anderen Menschen ab und versuche Problemen aus dem Weg zu gehen. Das viele Menschen meine persönlichen Grenzen nicht kennen und daher auch nicht achten ist leider auch wahr. Meistens verhalte ich mich dann ruhig und reagiere kaum bis gar nicht darauf.

Zitat:Sprich über Deine Bedürfnisse / Gefühle immer in der ICH Form. Z.b. "Ich" wünsche mir dieses, jenes, nicht man sollte dieses oder jenes tun. Übrigens eine weiblichere Ausdrucksweise.
Dadurch können sich Leute weniger leicht angegriffen fühlen

Danke für diesen Tipp und ja in der Tat fällt es mir oft schwer mich persönlich und in der "Ich-Form" auszudrücken, viele Menschen behaupten ich sei bescheiden oder kühl wenn es darum geht Emotionen zu zeigen. Ich denke diese Lebenseinstellung hat sich entwickelt da ich dadurch weniger leicht verletzt werde.

Teilnahmslos und träumerisch hat mein Vater zu mir gesagt, da ich mit meinen Gedanken nie bei der Sache war und so des öfteren Ungeschicklichkeiten passiert sind ..

Objektiv anzuerkennen das eine Person eine Meinung hat ohne diese zu werten kann ich mir kaum vorstellen, im innersten Werte ich alles und jeden - vielleicht neige ich dazu das Verhalten anderer über zu bewerten, da ich in den meisten Dingen einen Sinn suche.


RE: Eine kurze Lebensgeschichte. - mariaadmin - 12.03.2016

(10.03.2016, 15:31)Reto schrieb:
Zitat:Abgesehen von der Geschlechtsidentitäsgeschichte möchte ich Dir mitgeben, dass Dein grosses Thema im Leben/Lebenslektion die Abgrenzung zu anderen Menschen ist.

Das stimmt ich grenze mich sehr stark von anderen Menschen ab und versuche Problemen aus dem Weg zu gehen. Das viele Menschen meine persönlichen Grenzen nicht kennen und daher auch nicht achten ist leider auch wahr. Meistens verhalte ich mich dann ruhig und reagiere kaum bis gar nicht darauf.

Du bist mit den anderen menschen aber nicht auf demselben planeten, um sie zu ignorieren; dann wären sie nicht da; sondern um zu erleben und an diesen erlebnissen zu wachsen.
Insofern ist es besser, das zu lösen, als sich einzuigeln, es werden immer irgendwo menschen sein, das hat ein gut bevölkertes land so an sich Smile

(10.03.2016, 15:31)Reto schrieb:
Zitat:Sprich über Deine Bedürfnisse / Gefühle immer in der ICH Form. Z.b. "Ich" wünsche mir dieses, jenes, nicht man sollte dieses oder jenes tun. Übrigens eine weiblichere Ausdrucksweise.
Dadurch können sich Leute weniger leicht angegriffen fühlen

Danke für diesen Tipp und ja in der Tat fällt es mir oft schwer mich persönlich und in der "Ich-Form" auszudrücken, viele Menschen behaupten ich sei bescheiden oder kühl wenn es darum geht Emotionen zu zeigen. Ich denke diese Lebenseinstellung hat sich entwickelt da ich dadurch weniger leicht verletzt werde.

wie sollen menschen deine bedürfnisse /meinung / existenz sehen, wenn du dich nicht einmal durch die worte "ich will" selbst dazu stehen kannst ?
du verschenkst die ganze kraft, die in den worten stecken würde, und machst dich stattdessen angreifbar.

wenn du nicht in der ich form sprichst, können leute das, was du eigentlich von dir meinst auf sich beziehen, und sich angegriffen fühlen (stichwort vierohriger empfänger) siehe http://home.arcor.de/krpfl-schule2/Pdf-dateien/Grundlagen_der_Kommunikationspsychologie.pdf

(10.03.2016, 15:31)Reto schrieb: Teilnahmslos und träumerisch hat mein Vater zu mir gesagt, da ich mit meinen Gedanken nie bei der Sache war und so des öfteren Ungeschicklichkeiten passiert sind ..

Objektiv anzuerkennen das eine Person eine Meinung hat ohne diese zu werten kann ich mir kaum vorstellen, im innersten Werte ich alles und jeden - vielleicht neige ich dazu das Verhalten anderer über zu bewerten, da ich in den meisten Dingen einen Sinn suche.

es gibt eine extrem wichtige grenzlinie bei der wertung, das beurteilen und das verurteilen.

du kannst und sollst BEurteilen, eine meinung haben, auf der basiert deine auswahl, diese führt zu deinem erleben und ist damit ausdruck deiner persönlichen individualität.
das ist das konzept des spielplatz "erde"

wenn du VERurteilst ("du bist blöd / rücksichtlos / was auch immer") sprichst du dem anderen ab, selbst für sich souverän entschieden zu haben, sprichst im seine selbstverantwortliche individualität ab, d.h. du stellst dich ÜBER ihn.
nur wenn du ÜBER jemand anderem stehen würdest (was mit den menschenrechten vollkommen unvereinbar ist) könntest du ein urteil fällen.
du kannst es aber nicht, insofern fällt es immer auf dich selbst zurück.

also: jemand verletzt dich ("bitte ignoriere meine grenzen" steht unsichtbar auf deiner stirn).
BEurteilung: Ich möchte nicht verletzt werden - vollkommen ok

VERurteilung: Du bist rücksichtlos - nicht ok, die person kann ja auch in dieser beziehung blind sein, und nicht böse gemeint haben - nicht ok

empfohlene nicht wertung: Ich anerkenne, dass du gerade eine entscheidung getroffen hast, selbst wenn sie mir nicht gefällt.
ICH hätte anders gewählt.

Wenn du dich auf den standpunkt stellst, bist du mit deinen grenzen für die anderen leute plötzlich sichtbar, sie hören auf, auf dir rumzutrampeln.

(10.03.2016, 15:31)Reto schrieb: da ich in den meisten Dingen einen Sinn suche.

alles klar - dann weiss ich, warum ich dir schreiben sollte.

Die Dinge haben in der Tat einen Sinn, nur dieser Sinn liegt in der Regel ganz woanders, als wir uns das mit dem Verstand vorstellen.
Wäre es nicht so, wäre es langweilig, dieses Spiel namens Leben zu spielen.

Der Sinn des Leben liegt - als vordergründigste Ebene darin, seinen tiefempfundenen Leidenschaften zu folgen und zu Erleben. Leben ist zum Leben da, für nichts anderes.
Die dahinterliegenden Schichten passen nicht in einen Post, sind aber für das vordergründige Erleben auch nicht so wichtig.

Nur soviel als ganz persönlicher Hinweis: DU persönlich hast VIEL wichtigere Dinge im Leben vor, als Dich wieder einmal in das Drama der Welt zu verwicklen.
Darum lege ich Dir nahe, zusätzlich zur persönlichen Meinung einen Nicht-Wertenden Stndpunkt einzunehmen, denn in diesem liegt die Kraft zur Veränderung - persönlich und darüber hinaus.

Du wirst zu gegebener Zeit meine Worte verstehen und Dich daran erinnern: Du hast in Deinem Leben viel grössere Dinge vor, als Dich mit dem immerwährenden Erdkreislauf von Urteilen und Verurteilt werden zu befassen, sondern Du trägst die Saat in Dir, bei der Überwindung dieses Konzeptes der Menschheit zur Seite zu stehen.

Ein paar links für dich:
google nach Lee Carol (channel Kryon), der hat 3 duzend bücher geschrieben, und du hast 1000ende texte im netz, auch alles deutsch übersetzt. bitte Kryon nur nach Lee Carol lesen, da gibts sonst viele schlechte channels (ok ich werte gerade)

http://www.crimsoncircle.com, du kannst in der library die shouds beginnend mit der freedom serie ansehen (video, englisch). neuere bringen nichts, wenn man die älteren nicht kennt. haben auch einige bücher draussen, alle auch auf deutsch (amazon / geoffrey hoppe)
ev magst du die schöpfer serie lesen, die geht sehr langsam vor http://www.to-be-us.de/app/download/5796810424/2_CreatorSeries.pdf

ich habe mich mit dem sinn des lebens in einem artikel auseinandergesetzt, allerdings ist der für das publikum des crimson circle geschrieben (und benutzt deren vokabular) http://blog.crimsoncircle.com/deutsch/uber-die-natur-von-bon-oder-warum-existieren-wir/
bringt erst was wenn du ein bischen in die material eingedrungen bist.

lg Maria


RE: Eine kurze Lebensgeschichte. - Alex_87 - 13.03.2016

Hallo und willkommen Smile
Das mit den Kissen unterm Pyjama kenne ich auch aus meiner Kindheit/Pubertät^^
Bzw, kam es mir grade erst wieder in Erinnerung als ich es in deiner Vorstellung gelesen habe.