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Moin aus Hannover - Druckversion

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RE: Moin aus Hannover - Beni - 08.05.2016

Ich musste damit auch beginnen, mit diesem sogenannten "Alltagstest", zum Glück ist es nun vorbei.. Mein Psychiater erklärte mir das so, dass ich ein Jahr lang als Mann gekleidet leben solle. Mimik und Gestik an die eines Mannes "anpassen" und auch sprachlich einen Mann "imitieren" solle.. (ich kann den Typen nicht ausstehen).
Zusammengefasst passt's eben doch, dieses "in der Rolle leben", aber es war damals dazu gedacht die Leute zu schikanieren und sie somit "wieder umzukehren". Geschlechtsdysphorie gilt ja noch immer als Krankheit, es war also eine art "Behandlung". Eine von vielen, die heute zum Glück nicht mehr wirklich in Betracht gezogen werden.

So versteh's ich.


RE: Moin aus Hannover - j-unique - 08.05.2016

Boah… naja du hast es überstanden. Smile Jetzt kannst du sprechen wie du willst und anziehen was du willst …  Facepalm

Für mich ist das einfach nur extrem diskriminierend und erniedrigend, Leute damit zu "erpressen", dass sie irgendwas tun müssen (selbst wenn die das sowieso wollen, aber das ist wohl ihre Sache), um HRT oder sonstwelche körperlichen Eingriffe gnädigerweise erlaubt zu bekommen. Insofern auch wieder psychiatrisches Standardverhalten …


RE: Moin aus Hannover - chipsi - 08.05.2016

Man kann das Thema Alltagstest von mehreren Seiten sehen. Einerseits als Schikane, um etwas machen zu müssen, bzw. einen "Test" zu bestehen, um dann quasi als Belohnung die ersehnte HRT-Freigabe zu bekommen. Andererseits kann es aber auch sinnvoll sein, um überhaupt mal auszuprobieren wie sich das Leben im gewünschten Geschlecht anfühlt.

Beispiel MtF: Wenn ich nur als Frau gestylt durch die Wohnung laufe, werde ich keinen Eindruck davon bekommen wie es sich anfühlt im Alltag. Evtl. existiert auch eine Wunschvorstellung wie toll dann alles sein wird wenn man erst mal als Frau leben kann. Da die HRT aber nach einiger Zeit irreverible Veränderungen bewirkt, wärs vielleicht nicht schlecht schon vorher einen ungefähren Eindruck zu bekommen wie sich das Leben dann anfühlen wird.

Die Schwierigkeit dabei ist natürlich das Aussehen, möglicherweise noch mit Bartschatten und sonstigen typisch maskulinen Äusserlichkeiten. Nur manches davon wird ja ohnehin auch durch die HRT nicht verschwinden. Und irgendwann wird man ohnehin nur mehr 24/7 als Frau leben wollen. Problematisch ist es sicher wenn verlangt wird als Alltagstest einem bestimmten klischeehaften Frauenbild (oder Männerbild bei FtM) entsprechen zu müssen.

Bei mir wars bspw. so, dass ich ziemliche Bedenken hatte ob und wie ich den Alltagstest irgendwann schaffen würde. Als ich das Thema dann ansprach, hiess es, aus therapeutischer Sicht hab ich "den Test" längst bestanden, einfach weil ich so und so schon viele Sachen im Alltag ausprobiert hatte. Nur in meinem Fall war es so, dass ich vieles eben selber ausprobieren bzw. wissen wollte, von daher war auch kein Zwang dahinter.

Vermutlich hängt es ganz stark von dem/der jeweiligen Therapeuten/Therapeutin ab, wie wichtig das Thema ist. Jedenfalls seh ich durchaus einen gewissen Sinn darin, auch wenn ein Alltagstest nicht mehr explizit gefordert wird.


RE: Moin aus Hannover - j-unique - 08.05.2016

Zitat:Vermutlich hängt es ganz stark von dem/der jeweiligen Therapeuten/Therapeutin ab, wie wichtig das Thema ist. Jedenfalls seh ich durchaus einen gewissen Sinn darin, auch wenn ein Alltagstest nicht mehr explizit gefordert wird.

Ich stimme zu, dass es sinnvoll und befreiend sein kann, sich selbst auszuprobieren (in welcher Rolle auch immer), die Reaktionen der Umwelt zu testen und spielerisch an das Thema heranzugehen.

Aber aus Zwang und als Bedingung für HRT: absolut nicht. Das ist einfach nur eine unzulässige Einschränkung der persönlichen Freiheit und systematische Diskriminierung. Jedem Menschen steht das Recht zu, mit seinem*ihrem Körper zu tun, was er*sie will, und zwar ohne psychiatrische oder gesellschaftliche Erlaubnis.

Müssen Cis-Frauen bei einer Brustvergrößerung eig. auch einen Alltagstest machen und zuerst 1 Jahr lang Zeug in ihren BH stopfen, bevor es gnädigerweise erlaubt wird? Oder Cis-Männer ihre Hose ausstopfen, bevor sie vom zuständigen Vormund Psychiater eine Penisvergrößerung erlaubt bekommen (man muss ja sehen, wie die Umwelt reagiert)?


RE: Moin aus Hannover - Beni - 08.05.2016

Nun, gewiss gibt es immer zwei Seiten und ich verstehe, dass es auch gut für einen selbst sein kann, doch nur wenn es freiwillig ist. Ich meine dass nur ich selbst weiss, wann ich denn nun wozu bereit/fähig bin. Ich arbeite gerne in meinem eigenen Tempo, besonders bei solch privaten Dingen. Ich bin froh, dass ich dieses Jahr nicht zu Ende machen muss. Aber dennoch legt mir mein Psychiater weitere Steine in den Weg, die er weder begründen kann noch gemeinsam mit mir besprechen will. Er sagt "So ist es. Das geht nicht." und das war's dann auch.

Ich bin froh, wenn ich wechseln kann Waiting


RE: Moin aus Hannover - chipsi - 08.05.2016

(08.05.2016, 16:07)j-unique schrieb: Ich stimme zu, dass es sinnvoll und befreiend sein kann, sich selbst auszuprobieren (in welcher Rolle auch immer), die Reaktionen der Umwelt zu testen und spielerisch an das Thema heranzugehen.

Aber aus Zwang und als Bedingung für HRT: absolut nicht. Das ist einfach nur eine unzulässige Einschränkung der persönlichen Freiheit und systematische Diskriminierung. Jedem Menschen steht das Recht zu, mit seinem*ihrem Körper zu tun, was er*sie will, und zwar ohne psychiatrische oder gesellschaftliche Erlaubnis.
Es kann eh jeder/jede mit seinem/ihrem Körper machen was er/sie will, nur reden wir hier von der Diagnose F64.0 die es zu belegen gilt. Um die Diagnose abzusichern gibt es bekanntlich einen bestimmten Ablauf, beschrieben in den entsprechenen Behandlungsrichtlinien (in denen der Alltagstest auch nicht vorkommt) die meines Wissens aber nur eine Richtlinie darstellen. Jedenfalls geht es ja darum von der KK eine vermutlich lebenslang andauernde medikamentöse Therapie bewilligt zu bekommen, und da reicht es halt nicht aus zu sagen "Ich hab eigentlich das Geschlecht .., also will ich die entsprechende HRT."

Wenn ein therapeutischer Klient sich partout weigert in der zukünftig gewünschten Geschlechtsrolle auch zumindest zeitweise in die Öffentlichkeit zu gehen, können durchaus Zweifel an der Ernsthaftigkeit dieses Wunsches aufkommen.

Zitat:Müssen Cis-Frauen bei einer Brustvergrößerung eig. auch einen Alltagstest machen und zuerst 1 Jahr lang Zeug in ihren BH stopfen, bevor es gnädigerweise erlaubt wird? Oder Cis-Männer ihre Hose ausstopfen, bevor sie vom zuständigen Vormund Psychiater eine Penisvergrößerung erlaubt bekommen (man muss ja sehen, wie die Umwelt reagiert)?

Brust- bzw. Vergrösserungen sonstiger zu klein geratener Körperteile werden von den Krankenkassen eh nicht bezahlt, weder für CIS- noch für Transfrauen. Damit kann man am ehesten noch eine FFS vergleichen, den auch da muss man die Kosten selbst übernehmen und vorher einen gewissen Haftungssauschluss unterschreiben.

@beni: Unabhängig vom oben Geschriebenen: Wenn man das Gefühl hat das einem der Psychiater Steine in den Weg legt, würd ich auch versuchen den Psychiater zu wechseln. Ich wünsch dir alles Gute!


RE: Moin aus Hannover - j-unique - 08.05.2016

Zitat:Wenn ein therapeutischer Klient sich partout weigert in der zukünftig gewünschten Geschlechtsrolle auch zumindest zeitweise in die Öffentlichkeit zu gehen, können durchaus Zweifel an der Ernsthaftigkeit dieses Wunsches aufkommen.

Was hat HRT (Körperveränderung, aus Unzufriedenheit mit dem Körper) mit gewünschter Geschlechtsrolle zu tun? Ist es zu viel verlangt, zwischen körperlichem/hormonellem Geschlecht und Geschlechtsrolle (was auch immer das sein mag; auch hier wäre eigentlich weiter zu unterscheiden) zu differenzieren?

Sorry wenn ich so provokativ frage, aber: Verstehe ich es richtig, dass du meinst, dass die Krankenkasse mir eine HRT nur finanzieren sollte, wenn ich davor brav in Kleidchen rumlaufe, "ich bin eigentlich eine Frau" piepse und jahrelang alles mache, was Psychiater wollen, damit ich als F64.0 durchgehe?


RE: Moin aus Hannover - chipsi - 08.05.2016

@j-unique: Worauf ich hinauswollte war folgendes: Ich hab den Eindruck, dass manche MzF-TS liebend gerne auf jedwede Form eines Alltagstests verzichten möchten und ihre Hoffnung an die baldig beginnende HRT klammern, und dann möglicherweise irgendwann auf den Boden der Realität zurückgeholt werden, oder in eine Traumwelt entschwinden. Das muss natürlich nicht sein, aber komplett ausschliessen kann man so was glaub ich auch nicht immer.

Niemand sollte im Kleidchen rumtanzen müssen, und "ich bin eigentlich eine Frau" piepsen um die HRT zu bekommen. Es ist eh total individuell und alle TS sind irgendwie unterschiedlich, ebenso wie CIS-Frauen. Einzig wichtig ist halt das der/die Fallführende letztendlich zu dem Schluss kommt das die HRT-Freigabe der richtige Weg ist.

Ich persönlich hab halt bisher noch keine Transfrau kennengelernt, die nicht auch irgendwas weibliches äusserlich ausstrahlen möchte. Dass es auch noch andere Formen "dazwischen" gibt, ist mir schon klar, nur definieren die sich dann ja auch selber eher als genderfluid oder dgl. und nicht als MzF oder FzM-TS.

Wenn ich dich aber richtig verstehe, dann geht es dir darum auch dann die HRT-Freigabe zu bekommen, wenn man mit entsprechenden stereotypischen Äusserlichkeiten nix anfangen kann und deswegen drauf komplett verzichtet. Meiner Meinung nach sollte es daran auch nicht scheitern, wichtig wär halt dass die Psychiater und Therapeuten das dann auch so sehen und das äussere Erscheinungsbild dann vom körperlichen Missempfinden getrennt betrachten.


RE: Moin aus Hannover - Chiara D. - 08.05.2016

Chipsi ich kann von mir behaupten kaum Weiblich auszusehen!Mein Knochenbau,Mein extremer Bartwuchs(immer noch. ),meine verarbeiteten Hände die ich wahrscheinlich nie weich bekommen werde,von der Größe will ich gleich gar nicht reden!Und wenn ich meine Narben so ansehe(mittlerweile 39,5 davon eigentlich immer sichtbar)dürfte ich erst gar nicht an eine Transition denken!Allerdings mein denken,meine Art mit anderen zu sprechen und überhaupt meine Gefühlswelt sprechen eine andere Sprache!Und darum hatte ich auch noch nie Probleme mit anderen,da man sieht das ich an mir arbeite und wenn ich mit jemanden spreche ist die Frau sowieso für denjenigen Glaubwürdig!Aber würde es wirklich nur rein ums äußerliche gehen,könnte ich gleich Selbstmord begehen! 



RE: Moin aus Hannover - Beni - 08.05.2016

@chipsi Nun, ich konnte mir meinen Psychiater nicht wirklich aussuchen, da ich momentan noch in einer Tagesklinik bin, aber der "Wechsel" ist bald schon, vielen Dank Smile