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Hallo aus NRW - Mein Leben ist ein Trümmerfeld - Druckversion

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Hallo aus NRW - Mein Leben ist ein Trümmerfeld - seek82 - 28.06.2016

Hallo aus NRW!
 
(Achtung langer Text!)
 
Hallo ich bin zur Zeit ziemlich verzweifelt, weil ich nicht weiß, was ich tun (oder lassen) soll. Ich beginne mal mit einem Kurzüberblick. Seit der Pubertät hab ich das
Verlagen Sex als Frau erleben zu wollen. In allen meinen Beziehungen (nur mit Frauen) hab ich das dann heimlich mit mir selbst gemacht.
Nachdem dann 2013 eine 9 Jährige Beziehung endete fühlte ich mich erst mal frei und begann zuhause mit dem Crossdressing. Es macht mich unglaublich scharf mich sexy zu fühlen. Als Mann habe ich das überhaupt nicht auch finde ich meinen Penis ehr nützlich zum Zweck der Fortpflanzung . Nachdem ich dann 2014 eine neue Frau kennenlernte änderte sich mein Leben um 180 Grad.
Sie ist sehr offen und so kam es dazu das ich ihr bald von meinem „Tick“ erzählte. Kurz darauf kaufte sie mir schöne Weibliche Klamotten, Schminke, alles was dazu gehört. Bis heute, was ich auch sehr klasse von ihr finde. Leider gab es am Anfang aber auch auch oft Streit deswegen. Sie hätte es am liebsten wenn ich den ganzen Tag in diesen Klamotten rumlaufen würde, was mich ja auch nicht stört – im Gegenteil. Allerdings stört es mich, dass ich das nicht darf (Achtung Psycho). Auf der einen Seite fühlt es sich falsch an weil ich ja ein Mann bin aber es fühlt sich auch unglaublich gut an so zu sein wie man gerne wäre. Beim Blick in den Spiegel denke ich oft, das ich sehr hübsch wäre als Mädel – wäre ich doch lieber ein Mädel geworden L . Eigentlich mag ich dabei nie in den Spiegel schauen, Dicke Arme, Breite Schultern, Bart etc.. auch mit Schminke bleiben die Männlichen Züge und die Dicken arme und das sieht mit engen Klamotten ehr Schwul aus.
 
Ich habe nach meiner Beendeten Beziehung 2013 angefangen Kraftsport zu machen – wollte ja ein richtiger Kerl werden Wink – muss sagen es sah auch echt gut aus. Die Leute die so was machen fand ich aber äußerst primitiv (sorry, mein Eindruck – schaut euch mal so Hanteltraining Youtube Videos an) und so wollte ich bestimmt nicht werden – ein Freund von mir macht es bis heute sieht halt Stattlich aus aber ist halt ein Macho, macht blöde Witze, Rülpst laut – ich kann es maximal 2 Stunden ertragen. Das soll auf keinen Fall etwas gegen Leute sein die gern und oft Trainieren. Aber ich finde die, die es übertreiben verändern sich auch sehr in ihrer Psyche.
 
Ich habe dann 2015 auch den weg zum Psychologen gefunden, aber nichts von meinem „Tick“ erzählt (hatte es mir jedes mal vorgenommen aber es ist mir einfach zu peinlich). Habe halt Antidepressiva bekommen und im weiteren wurde ADS diagnostiziert dagegen bekomme ich Ampfetamine welche auch sehr gut helfen meine Gedanken zu ordnen und mich ruhig werden zu lassen.
Meine Mutter macht sich sorgen um mich da ich eigentlich seit der Ausbildung die ich 2007 beendet habe im zu Depris neige. Ich bin mit mir selbst nicht zufrieden, sagt sie selbst zu mir – ich bin aber damals nie darauf gekommen ob es vielleicht mit diesem Thema hier zusammen hängen könnte.
 
 Letztes Jahr um diese Zeit hatte ich auch einige Zeilen in einem anderen Forum gepostet und dort den Rat erhalten einmal in mich rein zu hören. 
 
Dann begann ich zu denken – okay wir machen diesen „Spaß“ nur am Wochenende – was wir auch bis jetzt taten. Ich merke wie der Druck auf mich aber immer größer wird.  Ich habe aber beschlossen meine Haare wachsen zu lassen, das ging ca. 6 Monate. Dann kamen die ersten Sprüche „du siehst komisch aus, wer weiß, vielleicht bist du ja ne Frau“ zudem noch diverse Lästereien auf Arbeit hinter meinem Rücken. Also Haare wieder kurz „Boa du siehst voll gut aus – ein richtiger Mann ...jetzt“ obwohl es mich hätte glücklich machen sollen - es war zum heulen.
 
Vor 1 Monat verstarb nun leider plötzlich mein Vater. Jetzt bin ich in einer ganz komischen Situation. Ich fuhr allein eine Woche in eine Ferienwohnung um meine Gedanken zu Ordnen. Ich konnte es kaum erwarten die mitgebrachten Sachen auszupacken – zog die Vorhänge zu und lebte es aus. Gern würde ich mal so rausgehen aber ich Denke das die Leute mir das sofort ansehen und mich abstempeln. Leider bin ich auch sehr sehr Sensibel und hab kein dickes Fell. Meine Freundin (und auch meine EX) meinen das ich sehr weiblich bin im Verhalten und von meinen Gefühlen. Ich heule auch bei Titanic wie ein Schlosshund.
In dieser Urlaubswoche habe ich eigentlich beschlossen „Du machst es!“ aber als ich wieder hier in meiner Gewohnten Umgebung war kamen alle Zweifel und Ängste sofort wieder.
 
Ich habe nun nach langen überlegen meinen Job gekündigt, zudem bin ich Nebenbei schon seit 2011 selbstständig und möchte das wieder weiter ausbauen da ich nun 3 Jahre in einer Firma gearbeitet habe und immer 3 Stunden Arbeitsweg hatte. Was mich auch sehr belastet hat. Oft schaue ich mir Mädels aus der U-Bahn aus an und merke  leider, ich finde sie nicht geil – nein – ich bin neidisch auf sie! Sie dürfen so sein, wie sie wollen und keinen stört es! Warum darf ich das nicht ?
 
Ich weiß nun einfach nicht mehr weiter. Ich weiß nicht wie meine Familie das aufnehmen würde. Es wäre einfacher zu sagen – ich bin Schwul etc. Das würden sie verstehen. Mein Vater hätte es nie verstanden – ich denke sogar wenn ich als Frau zuhause rumlaufe und wenn er jetzt auf mich runterschaut – „was soll er nun von mir denken ? Das ist nicht sein Sohn, das ist eine Tunte (sorry führ die harte Sprache)“.
 
 
Ich habe dann sehr sehr große Angst meine Familie zu verlieren!
Habe auch überlegt weit weg in den Norden zu ziehen, aber ich weiß nicht ob ich mir vorstellen kann ohne meine Familie zu leben. Wir haben alle ein sehr gutes Verhältnis miteinander. Ich telefoniere jeden Tag mit meiner Mutter weil ich sie brauche und sehr sehr lieb habe. Sie ist einer der wichtigsten Menschen in meinem Leben.
 
Leider habe ich die letzte Zeit sprich ca. ein Jahr nach dem ich auf den Gedanken gekommen bin sehr viel Alkohol konsumiert und viel zu viel geraucht. Was sich nun auch an einem kleinen Bierbauch zeigt, welcher natürlich nicht gerade zu einem Weiblichen aussehen gehört. Ich will mein Leben nicht weiter so gegen die Wand fahren, habe aber auch unglaublich große Angst meine Familie zu verlieren.
 
Ein anderes Problem ist, dass ich mich noch gerne fortpflanzen würde. Meine Freundin kann auf natürlichem Wege nicht schwanger werden. Also würden wir das ganze kürzlich herbeiführen. Nur dann ist das Kind irgendwann da und wie geht es dann weiter? Das wäre für meine Familie wahrscheinlich der Supergau. „Ein Kind – keinen richtig Vater  - wie kann der so was machen ? bla bla“. Meine Freundin sieht das allerdings alles sehr locker. Sie meint, dass es ohne weiteres möglich ist. Stimmt ja auch – sehe ich genau so – nur andere Menschen nicht.  
 
Ich würde mich über eure Meinung freuen!
 
Liebe Grüße,
 
Seek82


RE: Hallo aus NRW - Mein Leben ist ein Trümmerfeld - chipsi - 28.06.2016

Hallo seek 82, und willkommen im Forum! 

vieles von dem was du geschrieben hast ist ziemlich typisch für TS und kommt mir bekannt vor. Auch die Phasen in denem man es zu kompensieren versucht um ein normales, angepasstes Leben zu führen und damit seine Mitmenschen zufriedenzustellen nichts aussergewöhnliches.

Das mit dem Crossdressing ist so eine Sache. Prinzipiell ist es eine Möglichkeit sich auszuprobieren, andererseits, wenn der sexuelle Aspekt im Vordergrund steht, und man "danach" keine Lust mehr hat Frau zu sein, dann spricht das schonmal stark gegen die Diagnose TS.

Prinzipiell wäre eine Psychotherapeutin / ein Psychotherapeut, der oder die sich mit der Thematik auskennt, die vermutlich erste und beste Anlaufstelle um zu erkunden was mit dir los ist, wie du dich fühlst, wohin du möchtest. Im weiteren Verlauf kannst du dann Dinge ausprobieren und schauen ob es das richtige für dich ist.

Wichtig dabei ist sich klarzumachen, dass es nicht den "einen" Weg gibt der dann automatisch zu Glück führt. Es gibt viele Möglichkeiten und Varianten sein Leben so zu gestalten dass man sich wohlfühlt. Wenn es in Richtung dauerhafter Geschlechtsangleichung an das Wunschgeschlecht gehen sollte, dann führt der Weg meist über Psychotherapie zur Hormonfreigabe, Personenstandsänderung und schliesslich operativen Massnahmen. Aber das ist natürlich individuell verschieden, was man wann macht, bzw. ob überhaupt.

Die Sache mit der Fortpflanzung lässt sich über Einfrieren von Spermien auch regeln, sofern man früh genug diesbezüglich Vorsorge trifft. Dann kannst du noch immer überlegen ob ein Kinderwunsch später noch ein Thema ist, oder nicht. Aus meiner persönlichen Erfahrung kann ich nur sagen dass sich durch die Hormontherapie die Psyche sehr stark ändert und damit bspw. auch die Einstellung zum Thema Kinderwunsch, wobei es sich bei mir bspw. genau andersrum entwickelt hat.

Und warum sollte ein Kind nicht in einer gleichgeschlechtlichen Beziehungen aufwachsen? Es wird immer Aussenstehende geben, die daran was auszusetzen haben, aber viel wichtiger ist, ob du und deine Partnerin sich sich imstande sehen ein Kind grosszuziehen und mit den damit verbundenen möglichen Problemen umgehen können.

Ich find jetzt nicht dass dein Leben ein Trümmerfeld ist. Vor allem deine Freundin scheint eine sehr gute Einstellung zu dem ganzen Thema zu haben und würde dich vermutlich auch unterstützen.

Wenn du zu deiner Mutter ein gutes Verhältnis hast, würde sie es vielleicht auch akzeptieren. Allerdings dauert es oft sehr lange bis die Mitmenschen auch merken dass der Weg den man gewählt hat der richtige ist.

Oftmals dauert es eine ganze Weile bis der Leidensdruck, der dadurch entsteht, dass man ein Leben führt das gar nicht sein eigenes ist, so weit ansteigt, so dass man auch teilweise sehr negative Konsequenzen in Kauf nimmt, weil es einfach nicht mehr anders geht. Wenn man erst relativ spät draufkommt im anderen Geschlecht leben zu wollen, kann das Testersteron halt leider auch bereits sehr viel Schaden angerichtet haben, den man dann auch nur mehr teilweise reparieren kann.

Wie dem auch sei, inzwischen wünsch ich dir schon mal alles Gute auf deinem weiteren Weg, wie auch immer der ausschauen mag!


RE: Hallo aus NRW - Mein Leben ist ein Trümmerfeld - seek82 - 28.06.2016

Hallo Chips und vielen Dank für deine tolle Antwort.

"Das mit dem Crossdressing ist so eine Sache. Prinzipiell ist es eine Möglichkeit sich auszuprobieren, andererseits, wenn der sexuelle Aspekt im Vordergrund steht, und man "danach" keine Lust mehr hat Frau zu sein, dann spricht das schonmal stark gegen die Diagnose TS."



das ist genau das, was mich etwas verwundert und wo ich mir auch immer diese Frage stelle.
Wobei (jetzt wird es wieder Psycho) ich danach ein schlechtes Gewissen bekomme und sogar den Tag danach leichte Depressionen und Bauchschmerzen (echte Bauchschmerzen) habe. Dann kommen Gedanken wie: "Du kannst es einfach nicht lassen, du bist wirklich pervers", was sollte das jetzt wieder?", "Mist du warst auf dem Balkon (nach paar Bier traue ich mich auch sowas) - hoffentlich hat dich in aller Welt niemand gesehen! Dann bist du in der Nachbarschaft sowas von unten durch".

Und, "hoffentlich bekomme ich die Schminke wieder ganz runter..."

ich stehe dann auch sehr lange vor dem Spiegel und schaue ob wirklich alles weg ist.
Besonders wenn ich zu meiner Familie gehe, dass mache ich dann sehr ungern. Daher hab ich es auch schon mal gelassen obwohl ich gerne wollte, weil ich am nächsten Tag eine Familienfeier etc. hatte und ich weiß wie sehr mich das Stresst. 

Da gibt es noch eine "lustige" schmink Geschichte:
Letzten Sommer hab ich mich Abends auch verkleidet/verwandelt.. Es war sau warm aber ich musste es mit der Schminke voll übertreiben weil ich das über den Augen so toll finde. Es war übrigens irgend eine billig Schminke. Am nächsten Tag ging das über den Augen plötzlich kaum noch ab, also ich Idiot daran gerubbelt wie sau (mache ich nie wieder). Danach sah ich dann immer noch geschminkt aus in rosa  Big Grin - zum Glück waren meine Eltern in Urlaub und es war Samstag und ich hatte noch den Sonntag frei. Eine Große Sonnenbrille hat mir dann geholfen und viel kaltes Wasser. Seit dem schminke ich mich an dieser Stelle nur noch ungern. Da beneide ich wieder die Frauen, bei denen ist sowas fast egal.

meistens ist es aber so, dass das ich (nach dem GV mit meiner Freundin) mein Nachthemd anziehe und so schlafen gehe und den halben Sonntag so verbringe, dann sieht die Schminke total bröckelig aus und irgendwann mache ich sie ab - UND dann habe ich auch keine Lust mehr - der Bart kommt wieder raus und ich kann mich nicht nochmal rasieren (wegen meiner Haut) zudem ist das Spiegelbild wieder da wenn ich noch die Sachen anhabe. Ich freue mich dann auf das nächste Wochenende.

Oh mir ist noch etwas eingefallen:
Karneval dieses Jahr hab ich es auch "richtig" ausgelebt. Das begann mit gründlichem rasieren und kompletten Nägel lackieren - das fand ich richtig cool - alleine schon so eine Kaffeetasse oder ein Glas zu halten Smile . Das wollte ich dann auch über die ganzen Tage (hatte extra Urlaub genommen) beibehalten. Leider wollte ich nach 2-3 Tagen einfach mal an die frische Luft also mal was einkaufen etc. Okay man hätte sagen können es ist ja Karneval wegen der Nägel und so. Aber ich fand es halt trotzdem merkwürdig zumal hier nicht so ne Karnevalshochburg ist wie z.B. Köln etc.

Letztes Jahr Karneval hat meine Freundin mich sogar raus bekommen. Okay ich hab mir viel viel Mut angetrunken, bin aber dann im Auto geblieben. Am nächsten Tag war es natürlich sehr übel, obwohl Karneval war kamen die Gedanken "hat dich jemand gesehen ?" etc. Wir btw. hatten auch schon öfters keinen Sex haben einfach was getrunken, gut gekocht und gegessen und sind einfach so schlafen gegangen.


RE: Hallo aus NRW - Mein Leben ist ein Trümmerfeld - Mike-Tanja - 28.06.2016

(28.06.2016, 12:01)seek82 schrieb: [hier gekürzt, Hervorhebungen nicht im Originaltext] Nachdem ich dann 2014 eine neue Frau kennenlernte änderte sich mein Leben um 180 Grad.
Sie ist sehr offen und so kam es dazu das ich ihr bald von meinem „Tick“ erzählte. Kurz darauf kaufte sie mir schöne Weibliche Klamotten, Schminke, alles was dazu gehört. Bis heute, was ich auch sehr klasse von ihr finde. Leider gab es am Anfang aber auch auch oft Streit deswegen. Sie hätte es am liebsten wenn ich den ganzen Tag in diesen Klamotten rumlaufen würde, was mich ja auch nicht stört – im Gegenteil. Allerdings stört es mich, dass ich das nicht darf (Achtung Psycho). Auf der einen Seite fühlt es sich falsch an weil ich ja ein Mann bin aber es fühlt sich auch unglaublich gut an so zu sein wie man gerne wäre. Beim Blick in den Spiegel denke ich oft, das ich sehr hübsch wäre als Mädel – wäre ich doch lieber ein Mädel geworden L . Eigentlich mag ich dabei nie in den Spiegel schauen, Dicke Arme, Breite Schultern, Bart etc.. auch mit Schminke bleiben die Männlichen Züge und die Dicken arme und das sieht mit engen Klamotten eher Schwul aus.
[hier auch gekürzt]
Ich lese da Zweifel an der eigenen Geschlechtsidentität heraus, aber auch eine starke Orientierung an dem, "was sich gehört," und einen starken Wunsch danach, als vollendete Frau, als Idealbild einer Frau von der Umgebung anerkannt zu werden.

Zur Suche nach der eigenen Geschlechtsidentität kann ich aus der Ferne wenig beitragen. Für mich ist diese Identität selten pur bzw. hundert Perzent und felsenfest gefügt. Je nach Abweichungsgrad hat man dann am unteren Ende der Skala einen seltsamen Modegeschmack, während man am oberen Ende dauerhaft in einer vom Geburtsgeschlecht abweichenden Rolle lebt.

Ich will mich nicht zu weit aus dem Fenster lehnen, aber die Sorge um das eigene Ansehen, die Kombination mit erotischen Gedanken und eine Haltung à la "Ich würde ja gerne als Frau rausgehen - aber nur als perfekte Frau!" (Letzteres eine Hürde, die man wohl nie nehmen kann!), das alles scheint mir recht typisch für Transvestiten/Crossdresser zu sein, den Bewohner/innen der mittleren Schubladen der großen TG-Kommode, in denen auch ich mein Nickerchen zu machen pflege. Smile

Transsexuelle (bzw. Gender-Transidente) verspüren dagegen oft einen solchen psychischen Druck durch den Wunsch, im Identitätsgeschlecht zu leben, dass die Sorge um das eigene Passing auf dem Weg dahin gar nicht die Hauptrolle spielt.

Ausprobieren! Ohne Experimente in freier Wildbahn bleibt aus meiner Sicht jede Bestimmung der eigenen Geschlechtsidentität vage und graue Theorie. Allein vor dem Spiegel im eigenen Schlafzimmer ist es leicht, eine Diva zu sein! Natürlich kann man dabei auch über Unangenehmes stolpern. Aber wenn man etwa in Begleitung einer Freundin und Partnerin den Schritt en femme in die Öffentlichkeit wagt, entkommt man schon einmal dem idiotischen Getuschel von wegen "schwul" (das, was man flüstern wird, geht wahrscheinlich eher in Richtung "Domme mit Sub?"). Überhaupt ist die Aufmerksamkeit der Umgebung meiner Erfahrung nach geringer, als unerfahrene TV/CD vermuten. Man muss ja nicht gleich im Abendkleid in die Oper rauschen oder im Dirndl aufs Oktoberfest! Einfach in der nicht ganz heißen Jahreszeit in dezenter Kleidung einen Spaziergang machen und irgendwo Kaffee trinken, am besten eben zu zweit.

Wenn man sich dabei gut fühlt, hat man eine der mittleren Schubladen erklettert. Dann kann man durch regelmäßiges Switchen seine beiden Seiten im Gleichgewicht halten. Wenn man sich dabei nach Rückkehr in die Männerrolle schlecht(er) fühlt, kann man überlegen, ob man höher klettern muss.



RE: Hallo aus NRW - Mein Leben ist ein Trümmerfeld - Madleine - 29.06.2016

Herzlich willkommen.

Ich sag mal, "ist der Ruf erst mal ruiniert, lebt es sich ganz ungeniert".

Fragen der Existenzsicherung sind zu klären. Riskiere ich durch Coming out einen Jobverlust?

Was darüber hinaus geht: irgendwo muss man einfach mal einen Punkt machen! "Legngsmi om Oasch", wie der Wiener so schön zu sagen pflegt.

Oder: Irgendwann muss ein Mann tun, was eine Frau tun muß.

Also, eine Gleichgültigkeit zu entwickeln gegenüber dem, was irgendwelche Leute denken, die ohnehin irrelevant für mich sind, ist sehr befreiend. Übrig bleibt u.a. der Unterhaltungswert von deren Reaktionen, teils auch wirklich antörnend.

Also, wenn man nicht grad ner Bande von Schwulenhassern in die Arme läuft, oder Gefahr läuft, den Job zu verlieren, sollte man so ziemlich alles negative schlicht ignorieren, was vlt. etwas Übungssache ist.

Es hilft auch, am Passing zu arbeiten, zu lernen, wie man eine eher männliche Statur kaschiert.

Ein enger Minirock mag hübsch sein, aber meist nicht an einem selbst. Es muss ja nicht immer nuttig sein.

Ich hab (leider) mittlerweile wieder ziemliche Muckis, selbst ohne Sport, also trage ich weite Röcke und erweitete die Hüften mit Polster, damit die Proportionen stimmen.

Stil ist natürlich Geschmacksache, aber guckst du zb. hier:



http://transgender.at/galerie/showuser.cgi?name=Madleine&foto=spaz7juni14&land=AT&attr=ks


LG
.


RE: Hallo aus NRW - Mein Leben ist ein Trümmerfeld - seek82 - 29.06.2016

Hallo und vielen lieben Dank für die tollen Antworten!

@Mike-Tanja:
Eine tolle Antwort die mich wirklich zum nachdenken angeregt hat.
Dabei kam mir mal der Gedanke einen Urlaub zu planen mit meiner Freundin wo wir das ganze mal ausprobieren können. Frei gelegenes Ferienhaus und eine kleine Stadt wäre prima. Da ist mir spontan Dänemark eingefallen. Im Herbst könnte man auch Prima mit Jacke etc. am Strand rumlaufen.

@Madleine:
Von dieser Einstellung könnte ich echt mehr gebrauchen. Eigentlich bin ich mir schon selbst sehr wichtig (dachte ich zumindest immer).

Ich hab jetzt erst mal aufgehört Bier in mich reinzuschütten und angefangen langsam Crosstrainer zu trainieren. Mir geht es heute schon etwas besser. Will versuchen meine Bierwampe weg zu bekommen. Habe aktuell Urlaub und merke wie es mir jetzt leichter fällt. Wenn ich in der Woche von der Arbeit komme + Bahn und Autofahrt wie gesagt eine Strecke 1,5 Std. mußte erst mal ein Bier her daraus wurden dann 2-3 oder auch mal 4. Nicht sehr gesund mal abgesehen von den Kalorien.
Na zumindest hab ich nun einen leichten Brustansatz  Whistling mal sehen ob der bleibt.


RE: Hallo aus NRW - Mein Leben ist ein Trümmerfeld - Madleine - 30.06.2016

Wenn du während dem Bierkonsum den Bauchweg-Trainer laufen läßt, wär das gar nicht mal verkehrt ^^

LG


RE: Hallo aus NRW - Mein Leben ist ein Trümmerfeld - Ann Lie - 30.06.2016

Hallo seek

Eines mal vorweg: Finger weg vom Alk denn wenn du mal abhängig sprich Alkoholiker bist ist der Bauch dein geringstes Problem. Dann trinkst du nicht mehr Bier sondern harte Sachen sprich Schnaps. Und der Entzug ist eine Hölle beim Vollbild der Sucht. Ich spreche aus Erfahrung, ich war medikamentenabhängig. Da wieder rauszukommen war nicht einfach und mit dem Alk ist es nichts anderes.

Vieles was du schreibst kommt mir bekannt vor. Das du Angst hast deine Familie zu verlieren verstehe ich, ich hab meine verloren und trotzdem würd ichs wieder machen denn das ständige Verstecken hat ein Ende. Kontakt zu Exfrau und Kindern bleibt ja, mit meinen Eltern will ich nix mehr zu tun haben. Heisst nicht das es bei dir auch so sein muss, ich kenne deine Familie ja nicht. Nu musst du es dir gut überlegen was und wie du es angehst. Verbringe einfach mal ne gewisse Zeit komplett als Frau, ich lebte als Jugendliche über 2 Jahre als Mädchen und war glücklich damit. Dann merkst du wies dir geht. Und pfeif drauf was irgendwelche Leute sagen, die lenken nur von ihren eigenen Problemen ab. Wie gesagt ist der Ruf erst ruiniert lebt es sich ganz ungeniert.

LG Ann Lie


RE: Hallo aus NRW - Mein Leben ist ein Trümmerfeld - Madleine - 30.06.2016

Ann, du hast Recht, einige Leute entwickeln eine schwere Alk Sucht. Jedoch sind die Nebenwirkungen (Kater, Ausdünstung, Müdigkeit...) meist Grund genug, wieder aufzuhören. aber einige Leute sind trotzdem gefährdet. Noch viel gefährlicher sind aber Drogen und Medikamente wie zb. Heroin, Kokain, Amphetamin usw.

Bier (auch Alk-freies) hat eben Pyto-Hormone, die zur gefürchteten Bierbrust führen...

Also Seek82 hat das vermutlich einigermassen im Griff. Aber ok, wenns plötzlich regelmässig Schnäpse werden, dann ist Alarm angesagt.

Bist auch so nachtaktiv? Wünsche angenehme Ruhe.

LG
.


RE: Hallo aus NRW - Mein Leben ist ein Trümmerfeld - Ann Lie - 30.06.2016

Das Drogen gefährlicher sind stimmt nur bedingt da es da mit der Abhängigkeit sehr schnell geht, ich spreche aus Erfahrung. Was Schäden angeht ist der Alkohol aber eine der schlimmsten Drogen die es gibt, Alk macht mehr Schäden als Heroin das würd man so gar nicht glauben. Das heisst jetzt natürlich nicht das man fixen soll Gott bewahre aber der Alk ist auch deshalb so gefährlich weil ihn die meisten unterschätzen eben weil er legal ist und leicht verfügbar. Und wenn er wie es hier den Anschein hat benutzt wird um Probleme zu bekämpfen ist es der beste Weg rein in die Sucht, der Highway to hell. Im Griff ist so ne Sache, alle Alkoholiker glauben und behaupten das, war bei mir mit den Medis nix anderes. Also am besten Finger weg vom Alk und natürlich auch von Drogen.

Nachtaktiv bin ich manchmal, eine Nachteule sozusagen. Bin gestern früher schlafen weil ich frei hatte. Da vertreib ich mir die Zeit mit Net und Musik.

LG Ann Lie