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Meine Beziehung und die Familie - ich brauche euren Rat - Druckversion

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Meine Beziehung und die Familie - ich brauche euren Rat - Pfötchen - 12.04.2017

Und da wäre ich in der Beziehungsecke gelandet Smile
Wie ich in meiner kleinen Vorstellung bereits erwähnt habe, lebe ich seit guten 6 Monaten in einer Beziehung mit einer Transfrau, die - zu meinem Leidwesen - 10.000 km entfernt wohnt Sad nämlich in Canada. Nun war ich in den vergangenen zwei Wochne zum ersten Mal in Vancouver, um sie auch live und in Farbe kennen zu lernen - und verdammt! es war die schönste und romantischste Zeit meines Lebens! Wir haben jede freie Minute zusammen verbracht, haben unsere gemeinsamen Interessen gelebt und genossen... und ja, dann hat sie mir an einem uns sehr wichtigen Ort einen Heiratsantrag gemacht! Ich war überwältigt, gerührt, und vor allem sprachlos. Aber ich habe Ja gesagt!
Nun bin ich wieder daheim... und wollte das vor meinem Vater (leider ist meine Mama bereits tot Sad) nicht verheimlichen. Dementsprechend war er schockiert. Klar, verstehe ich ja irgendwo. Da komme ich aus dem Urlaub zurück und verkünde mal eben, dass ich verlobt bin. Ich weiß aber nicht, ob es nun die Tatsache ist, dass ich Ja gesagt habe, oder schlicht und ergreifend, dass es sich um eine Transfrau handelt :/ ich weiß es nicht... aber damit haben die Probleme angefangen. Eigentlich bin ich stink wütend und enttäuscht über meinen Vater, weil er es schlicht und ergreifend als "krank" ansieht, eine Beziehung mit einer Transfrau zu haben. Für ihn sind "solche Menschen psychisch krank" und ich werfe mit der Verlobung mein Leben weg. Sie würde mich nur ausnutzen, um sich mehr als Frau zu fühlen, und sobald sie die nötige Anerkennung hätte, würde sie mich "wegwerfen" - Worte meines Vaters. Mein Leben wäre damit vorbei und die ganze Familie würde mir den Rücken zuwenden. Und am Ende wäre ich ganz alleine. Da ich bis dahin noch keine Einsicht gezeigt hatte, weil ich meine Maus einfach über alles liebe, ging seine Diskussion weiter und er meinte, wenn ich diesen Weg gehe und mich auf die Beziehung einlasse, würde er gehen und ihn nie wieder sehen... Sprich, er hatte mir gedroht: entweder, oder. Dabei kennt er meine Maus noch nicht einmal! Ich würde alles dafür geben, dass er sie kennen lernt, weil sie ein wundervoller Mensch ist! Aber das alles will mein Vater nicht hören... Ich soll mir darüber Gedanken machen und einen Entschluss fassen. Aber seiner Meinung nach begehe ich einen großen Fehler und es wäre vernünftiger, wenn ich eine Ehe mit einem Mann eingehe und eine Familie gründe -_- dabei fragt er noch nicht einmal, was ich will! Ich hatte im vergangenen Jahr eine Beziehung mit einem Mann, die wegen seiner Selbstsucht in die Brüche ging. Er war so auf sich fokusiert, dass es schon fast fraglich war, wer eigentlich der Mann, und wer die Frau in unserer Beziehung war. Ich war tot unglücklich, traurig und enttäuscht... Aber ich wußte, dass ich DAS nicht wollte! Genau so wenig wie alle anderen Beziehungen, die ich mit einem Mann hatte.
Was mein Vater nun gar nicht weiß: ich fühlte mich von jeher dem weiblichen Geschlecht hingezogen und habe es lange geleugnet. Schlichtweg aus dem Grund, weil meine Eltern immer "die perfekte Tochter" haben wollten, die mal einen Mann kennen lernt und eine Familie gründet. Vor etwa 12 Jahren war ich schon einmal in einer Beziehung mit einer Frau, die aber an ihrem Interesse für Männer scheiterte. Und nach meiner jüngsten Erfahrung aus dem vergangenen Jahr, war mir nun endlich klar, dass das mit einem Mann nie etwas werden wird.
Meine Maus hatte mir von Anfang an reinen Wein eingeschenkt und gesagt, dass sie eine Transfrau ist. War für mich völlig in Ordnung, weil wir uns super verstanden und von jeher gute Gespräche hatten. Zu der Zeit bröckelte es bereits in meiner letzten Beziehung und sie war immer für mich da, bot mir eine Schulter zum ausweinen und hatte mich liebevoll in ihre Arme genommen.
Dann ging das mit meinem Ex auseinander und ich brauchte etwas Abstand. Deswegen kam ich kurz darauf auf die Idee, mir einen Urlaub zu gönnen - und verband das mit unserem ersten Treffen. Noch während ich in meiner letzten Beziehung war, knisterte es gewaltig zwischen meiner Maus und mir. Nachdem ich ihr das mit dem Urlaub eröffnete, war das Eis gebrochen ^^ Ich bin glücklich, wie nie zuvor, aber leider kam das gar nicht gut bei meinem Vater an... und ich habe Angst, ihn wegen so einer dummen Einstellung von ihm zu verlieren. Was ist da denn dabei, wenn ich mich in eine Transfrau verliebe? Ich sehe da nichts, aber rein gar nichts falsches daran! Aber er versucht es mir regelrecht auszureden und ich solle einen Psychologen aufsuchen, der mich darüber aufklärt, dass das einfach nur krank ist und "solche Menschen krank sind". Ich fühl mich so schlecht, könnte ständig heulen und die wundervollen Eindrücke meines Urlaubs werden von einem dunklen Schatten überrollt. Ich weiß nicht, wie ich damit umgehen soll.
Vielleicht hat mir ja jemand einen Rat?
Weil ich will mir unter keinen Umständen meine Liebe verbieten lassen, aber gleichzeitig habe ich Angst, meinen Vater und evtl. die Familie zu verlieren, nur weil ich, bzw. unsere Liebe nicht akzeptiert wird.
Vielleicht hat ja jemand von euch eine ähnliche Erfahrung gemacht. Ich bin für jeden Rat dankbar Sad


RE: Meine Beziehung und die Familie - ich brauche euren Rat - Chiara D. - 12.04.2017

Also ich bin selbst Transfrau und ich kann dir keinen Rat geben.Ich kann dich nur für deinen Vater bemitleiden und dir sagen,das dein Vater mit seiner Meinung kein Einzelfall ist!Wie du in dem speziellen Fall reagieren sollst weiß ich nicht,allerdings würde ich auf mein Herz hören.


RE: Meine Beziehung und die Familie - ich brauche euren Rat - Falling Snow - 13.04.2017

hey partnerIn,

die frage war, wie du damit umgehen "sollst" bzw. mit der situtation.
ich für mich find zwei dinge recht neckisch.

zum einen, das dein vater dein liebstes als "krank" oder was auch immer bezeichnet, dir davon abrät und sogar die gefahr besteht, sich von dir als seine tochter abzuwenden.
dazu folgendes:

ganz sicher liebt er dich und möchte dich vor "etwas" bewahren bzw. vor enttäuschungen beschützen.
seine gute absicht steht über allem, egal, wie konservativ oder intolerant sie daherkommt.
was würde ich zu ihm sagen...

das ich es liebe, wie er mich zu beschützen versucht vor was auch immer. es ist wohl eltern/vater-liebe.
das ich nicht mehr seine "kleine" tochter bin, sondern auf eigenen füßen stehe.
das es im endeffekt eine beziehung wie jede andere auch ist, sie kann im himmel enden oder in tränen.

das zweite neckische für mich:
du bist glücklich und für einen vater/eltern sollte es das schönste überhaupt sein, das die eigenen kinder eben glücklich sind.
wenn es ihm wirklich um dich geht, dann müßte er sich für dich freuen, das du häppy bist.

im endeffekt...

wenn es mein vater wäre, wäre ich dankbar für seine skepsis, und noch dankbarer für seine unterstützung, wenn ich sie erhalten würde.
wenn er das nicht tut, dann liebt er seine eigenen ansichten mehr als mich. er wäre nicht mehr mein vater.

dein glück wäre für mich als vater das wichtigste auf dieser welt.
und was würde ich nun tun?
ihn einfach fragen, was ihm wichtiger ist, du oder seine ansichten. und da ist kein platz für ein "aber" oder sonstige ausflüchte.

aber vielleicht findest du auch einen anderen, besseren weg und nicht sowas sturköpfiges, wie ich grad getippst hab Smile
snow


RE: Meine Beziehung und die Familie - ich brauche euren Rat - j-unique - 13.04.2017

Wieso ist es wichtig, was dein Vater dazu sagt? Auf solche "Meinungen" und die Menschen, die sie vertreten, kann man doch getrost verzichten. Tut vielleicht weh, aber letztendlich kann es meiner Meinung nach nur 2 prinzipielle Möglichkeiten geben: entweder er ändert sich (was mit zunehmendem Alter immer unwahrscheinlicher wird, aber möglich ist), dann gibt es halt ab dann wieder Kommunikation – oder er ändert sich nicht, dann adieu und ein Depressionsfaktor weniger. Ich hab meinem Vater auch gerade mitgeteilt, dass ich keine Lust mehr auf den ganzen homo- und transphoben Scheiß hab und will den Kommunikationsabbruch eigentlich auch durchziehen. Wieso sollte man sich sowas freiwillig aussetzen…


RE: Meine Beziehung und die Familie - ich brauche euren Rat - Pfötchen - 13.04.2017

Huhu ihr drei Wave 

vielen lieben Dank für eure Antworten!

@Chiara:
Das ist es einfach. Im Moment höre ich auf mein Herz, aber das sieht er als "falsch" und "Fehler" an, weil es sich "nicht gehört" als Frau eine Frau zu lieben, noch dazu eine Transfrau. Er versteht es nicht und irgendwie rede ich da an eine Wand. Er sieht es wohl als "unehrenhaft" an und versucht es mir schlecht zu reden, bzw. fast schon zu erzwingen, dass ich "der Norm" entsprechend eine Familie gründe und glücklich werde. Dass das aber in den vergangenen 20 Jahren nicht geklappt hat, hat er ja wohl live und in der ersten Reihe mitbekommen. Jetzt ist endlich mal jemand da, wo sich - im Gegensatz zu all meinen anderen Beziehungen - um mich kümmert, wirklich ein wundervoller Mensch ist und er will es nicht akzeptieren, NUR weil sie eine Transfrau ist. Ich denke, da spielen zwei Komponente eine wichtige Rolle: a. weil es eben eine lesbische Beziehung wäre und b. weil sie eine Transfrau ist. Aber Liebe kann man nunmal nicht erzwingen. Meine letzte Beziehung hatte keine Zukunft, keine Gefühle, war kalt... und er war ein selbstsüchtiger Mensch. Jetzt bin ich glücklich, habe mich irre auf meine Zeit in Canada gefreut und es war die beste, die ich je hatte! Und er will es nicht akzeptieren...

@Snow:
Genau das geht mir die ganze Zeit schon durch den Kopf. Er will damit praktisch über MEIN Leben bestimmen, wie ich es zu führen habe und (fast schon) mit wem ich eine Beziehung eingehe. Das "bist du glücklich" bleibt da auf der Strecke. Eigentlich hätte er es aus meiner Begeisterung schon ablesen können. Die Zeit, in der ich meine Maus kennen und lieben gelernt habe, war die schönste, die ich bisher hatte. Wann immer es mir schlecht geht, nimmt sie sich die Zeit und hört mir zu, redet mit mir, telefoniert - sogar während der Arbeit. Für meinen Urlaub wollte sie sich unbedingt die ganzen zwei Wochen Zeit nehmen und hatte ihren Urlaub eingereicht, den sie beinahe nicht bekommen hätte. Sie wäre sogar bereit gewesen, den Job zu kündigen! nur um die Zeit mit mir verbringen zu können. In letzter Minute hatten sie Ersatz gefunden und somit konnte sie die vollen zwei Wochen für mich da sein.
Natürlich verstehe ich die Sorge meines Vaters und das er ja eigentlich nur das Beste für mich will. Würde mir als Mutter wahrscheinlich nicht anders gehen. Aber es mir wortwörtlich verbieten und darüber bestimmen zu wollen, mit wem ich eine Beziehung, oder vielmehr eine Verlobung eingehe, finde ich nicht mehr lustig. Eigentlich geht es doch nicht darum, ob es eine (Trans-)Frau oder (Trans-)Mann ist, sondern um die Liebe und die Persönlichkeit des Menschen als solche, oder? Mir wäre es egal gewesen, ob sie nun eine Frau, oder Mann gewesen wäre, weil einfach sie, als der Mensch, der sie ist, mich davon überzeugt hat. Da kann dieser auch eine schiefe Nase haben, abstehende Ohren, oder was auch immer, so lange die Persönlichkeit stimmt.
Was mich einfach am meisten kränkt, ist die Tatsache, dass mein Vater sich nicht darüber freut, sondern mich, bzw. unsere Beziehung als "Schande" sieht und er Angst davor hat, dass die Leute ihn fragen werden, was in seiner Erziehung schief gelaufen ist, weil ich eine Transfrau liebe (das hatte er so gesagt). - Es ist gar nichts schief gelaufen. Ich will einfach nur glücklich sein, mich bei meinem Partner Zuhause fühlen und nicht in ewiger Angst oder Enttäuschung leben müssen. Ich brauche keine Kinder, wenn ich ehrlich bin, und meine Maus weiß das. Aber ich möchte einen Partner, der mich liebt und respektiert, wie ich bin, und bei dem ich mich wohl fühle - und das habe ich nun gefunden.

@j-unique:
Das witzige ist ja, dass ich mich unter anderem meinem Onkel und meiner Tante (in Canada) mitgeteilt habe, die gute 20 Jahre älter sind, als mein Vater, und selbst die akzeptieren es. Sie unterstützen meine Meinung, dass ICH in erster Linie glücklich sein muß, und da ist es egal, mit wem. Sie wollten meine Maus sogar kennen lernen, aber leider reichte die Zeit nicht mehr. Sie haben ein hohes Ansehen für sie, weil sie sich so rührend um mich gekümmert hat und sie sehen können, wie viel ich ihr bedeute.
Ich denke, es ist größten Teils meine Enttäuschung, wie er, als mein Vater, so abwertend darüber redet und sich nicht für mich freuen kann.


RE: Meine Beziehung und die Familie - ich brauche euren Rat - Chiara D. - 13.04.2017

Herzlich willkommen in unserer Welt  Angel !Und du musst wirklich wählen.Familie oder Liebe.So wie ich das sehe,wirst du leider nicht beides haben können.Und was ich mit dem Herzen meinte ist auch einfach!Entweder du lässt dir von deiner Angst deine Familie zu verlieren das Herz brechen und lebst weiter unglücklich,oder du hörst auf dein Herz und sagst winke winke.Denn Transphobie kann dein Vater nicht ablegen.Also man kann dir eigentlich nur einen Rat geben.Höre auf dein Herz.Du fällst zwar öfters auf die Schnauze,aber dein Herz belügt dich nicht.Und auch wenn manche versuchen einem einzureden das es ein Fehler ist,ist es kein Fehler.Denn du kannst dir Gewissensbisse machen lassen,du kannst dir die Meinung deines Vaters aufzwängen lassen oder du zeigst das du ein Individuum bist und hörst auf dein Herz.So Kanditatn eins.Wofür entscheiden sie sich?


RE: Meine Beziehung und die Familie - ich brauche euren Rat - goli - 13.04.2017

Hallo Pfötchen,
ich kann das vielleicht hier noch am ehesten nachempfinden weil ich im Grunde die selbe Situation habe. Allerdings stehe ich am anderen Ende. Ich habe meine derzeitige Freundin vor über 3 Jahren übers Internet kennen gelernt. Sie lebt in Chicago ich bei Köln, Komunikation in Englisch. Als sich aus der Freundschaft nach einigen Monaten mehr entwickelte habe ich Ihr gesagt es gibt da etwas was ich Ihr gerne sagen möchte. Hat etwas gedauert bis ich konkretisieren konnte das ich mich lieber als Frau sehen würde als als Mann. Damals habe ich mir selbst noch eingeredet, dass ich das höchstens durch Kleidung im Privaten ausleben würde. Mittlerweile bin ich aber zu dem Schluss gekommen dass ich dauerhaft als Frau Leben möchte auch wenn ich weiß was zukünftig alles auf mich zukommt. Ich bin derzeit noch ganz am Anfang und nur bei meiner Mutter und Schwester geoutet. (Mich würde intressieren wie lange deine Freundin schon als Frau lebt).
Meine Freundin hat Ihren Eltern auch gesagt wie es um mich steht. Die haben das zwar besser aufgenommen als dein Vater, denken aber auch ihre Tohter macht einen Fehler. Ich muss aber dazusagen, dass ich schon unten durch war weil ich mich kritisch über die USA geäußert habe, bei Republikanern, wie konnt ich nur ;-) .
Was mir allerdings etwas aufstößt, ich habe meine Freundin in 3 Jahren rund 9 Wochen persöhnlich getroffen und es gabe viele Aufs und Abs. Ne Verlobung nach 2 Wochen auf die Distanz und eine Beziehung die sich wie lange (3 Monat???) erstreckt finde ich etwas bedenklich. Und das letzte hat gar nichts mit Sexueller orientierung und Identität zu tuen.


RE: Meine Beziehung und die Familie - ich brauche euren Rat - Madleine - 13.04.2017

Hey Jess.

In einem hat er Recht: eine Heirat kann dich ruinieren. Drum prüfe wer sich ewig bindet.

Allerdings kann dir das mit jedem Partner passieren, egal ob M,F,TG etc.

Bei Heirat mit Ausländern besteht tatsächlich erhöhte Gefahr vwg. scharf auf Staatsbürgerschaft, aber jetzt weniger aus Kanada. Bist ja erwachsen und musst selbst sehn, wem du vertraust.

Die sonstigen Ansichten vwg. krank usw. sind vom Typ Dinosaurier. Mach ihm klar, dass wir im 3. Jahrtausend leben und die Kultur der Gegenwart die Akzeptanz von Transgender Menschen befürwortet. Nur Rückständige fallen da zurück, zb. in Entwicklungsländern.

Mach ihm klar, dass der einzige Grund, sich beim TG Thema zu schämen, ist, wenn man nicht das Format für Toleranz besitzt.

Mach ihm klar, dass ein behaften in Konventionen vergangener Jahrhunderte sein schnelles Altern begünstigt, er sich jünger fühlen soll, neugierig, optimistisch.

lg




.


RE: Meine Beziehung und die Familie - ich brauche euren Rat - Meandra - 14.04.2017

Hi Jess,
schön, dass du deine Liebe gefunden hast. Blöd ist halt diese Entfernung. Und die Zeit, wo du sie kennenlernen kannst, bevor du diesen Schritt in die Ehe gehst, ist kaum gegeben. Nur über Internet ist das halt schwer. Egal welche Eheform es ist: ich bin immer wieder dieser Mensch, der jeden davor warnt, so schnell in ein Bündnis einzuwilligen. Ihr habt Zeit. Und heiraten kann man immer. Das läuft weder dir noch ihr davon.

Dein Vater hat Angst. Weil er das nicht kennt, weil er sich das nicht vorstellen kann, weil er sich eigentlich eine andere Zukunft erhofft hat, weil er nicht will, das die anderen über dich, über ihn reden, herziehen oder sonst was.

Er braucht Zeit. Du brauchst Zeit. Er braucht sie, um sich klarzuwerden, dass es nicht so wird, wie er es immer wollte. Und du brauchst die Zeit, um dir klarzuwerden, ob das nicht ein Stückchen zu schnell war mit dem "Ja". Denn, wie geht es dann weiter? gehst du nach Kanada? Kommt sie zu dir?

Ich weiß, das hier und jetzt ist traumhaft, herzig und eine warme Sommerbrise. Sie geht dir einfach nicht aus dem Kopf. Ich werde dir nicht nahelegen, es zu lassen. Aber denke gut drüber nach, bevor du diesen Schritt mit der Verlobung (folgt Ehe) machst.

Vermutlich denkst du jetzt: ach, diese möchtergerngutmenschen und Alleswisser.

Nein, ich gebe dir nur einen Rat. Denn deine Entscheidung, dein Leben.
Wünsche dir alles Gute.

Meandra


RE: Meine Beziehung und die Familie - ich brauche euren Rat - Pfötchen - 15.04.2017

Huhu ihr lieben Wave 

eigentlich wollte ich erst morgen schreiben, weil heute ein recht stressiger Tag war, aber dann bin ich doch noch eben ins Forum gesprungen und wollte mich an meinen Antworten versuchen Smile

@Chiara
Ich glaube, das stört mich einfach am meisten daran, dass er mir weder zuhören, noch es verstehen möchte. Soweit ich das gestern und heute beurteilen konnte, geht es ihm schlichtweg um das "plötzliche" Interesse für Frauen und das es sich bei meiner Süßen um eine "Transfrau" handelt. Dass mein Interesse für Frauen aber nicht erst seit gestern besteht, weiß er nicht - a. weil ich es bislang geheim gehalten hatte (genau wegen solchen Diskussionen) und b. weil es meine Mutter wußte und sie eigentlich meine Rückenstütze war, sollte ich dann in eine richtige Beziehung kommen. Leider ist meine Mama vor ein paar Jahren verstorben und ich muß mich selbst da durch boxen. Blöd gesagt könnte ich genau so gut meinem Vater seine Fehler vorhalten (heimliche Beziehung nebenher gehabt, während meine Mutter, schwer krank, daheim saß und nur noch am weinen war, etc.), aber das tu ich nicht, obwohl Freunde schon meinten, ich habe genau so das Recht dazu. Ja, stimmt schon, aber da setzt die Tochterliebe wieder ein - was für ein Teufelskreis. Fakt ist aber, dass ich mir von ihm mein Leben nicht vorschreiben lassen will und schon gar nicht, in wen ich mich verlieben darf. Folglich stelle ich mich auf alles ein und will mir meine Entscheidungen nicht nehmen lassen. Ja, ich bin erwachsen, und damit muß er sich jetzt abfinden.

@goli
Vorne weg, meine Freundin lebt seit 7 Jahren als Frau Smile Die Entscheidung dazu hat sie aber schon im Kindesalter gehabt, mit 11 oder 12 - sie wußte das auch nicht mehr genau - aber da ihr Vater strikt dagegen war, konnte, oder durfte sie das nicht leben. Als sie dann volljährig war, ging sie ihren eigenen Weg und vor 7 Jahren hat sie das dann konkretisiert.
Ich kenne sie inzwischen *aufs Datum schaut* 7 Monate und sie hatte lange überlegt. Es kam so eigentlich noch gar nicht in Frage und es ist auch keine Verlobung im Sinne von "morgen werden wir heireaten". Nein, wir lassen uns da ganz viel Zeit - das ist uns aber beiden klar. Sie will unbedingt die letzten Operationen vorher abschließen und mich dann zumindest auch mal in Deutschland besuchen. Und das alles dauert mindestens 2 Jahre (leider steht sie momentan auf der Warteliste und der früheste OP-Termin wäre wohl erst in 6 Monaten Sad und das kann sich noch 2 Jahre hinziehen, weil es wohl nur ein paar Ärzte in Canada gibt, die dafür ausgebildet sind). Ihre Absichten sind viel harmloser. Ich muß dazu sagen, dass unsere Begegnungen - Internet, Telefon, und nun das persönliche Treffen - so ein Gefühl von "ich kenne dich schon mein ganzes Leben" war. Freunde meinten, wir sind Seelenverwandt. Also wir machen uns beide viele Gedanken darüber und es war schlicht und ergreifend ihr Liebesbeweis, wie viel ich ihr bedeute und das sie mit mir in eine gemeinsame Zukunft gehen will. Wie lange das dauert und wofür wir uns am Ende entscheiden - ob Deutschland, oder Canada - wird die Zeit uns zeigen. Dazu muß ich sagen, dass der, bzw. die Schritte gar nicht mal so abwegig sind. Ich habe Familie in Canada und bin - unter anderem - canadischer Staatsbürger, sprich, ich wäre gar nicht mal alleine. Auch während meinem Aufenthalt habe ich ein paar neue Freundschaften geknüpft (Freunde der Familie). Ok, das wird immer verstrickter jetzt XD aber ich glaube du verstehst, was ich meine.

@Madleine
Ok, diese Bedenken kann ich natürlich nachempfinden und verstehe ich voll und ganz. Aber, wie du sagst, kann mir das bei jedem passieren. Bei meinem Ex, mit dem ich im vergangenen Jahr zusammen war, hätte ich mir das z.B. gar nicht vorstellen können. Und, klingt es komisch, wenn ich sage, von Anfang an? Schon bei unserer ersten Begegnung hatte es nicht gefunkt, aber ich dachte, gut, Liebe muß reifen, vielleicht muß ich ihn einfach noch ein paar Mal treffen und es entwickelt sich was. Leider sprang der Funke nicht über :/ mal abgesehen von den egoistischen Eigenschaften, die er am Ende an den Tag gelegt hatte, stellte ich mir bereits zur Hälfte unserer Beziehung die Frage, ob ich das wirklich will, oder ob ich nicht einfach dem Idealbild meines Vaters gerecht werden will, weil er diese Vorstellung von heiler Welt, Familiengründung und Kinder vor Augen hat. Hatte er bei unserer Diskussion die Tage ja erwähnt, dass er gehofft hatte von mir Enkelkinder zu bekommen! Ich hab nichts gegen Kinder, versteh mich nicht falsch, aber das war unter anderem ein Gedanke, der mir vergangenes Jahr immer wieder durch den Kopf ging: will ich mit dem ein Kind? Mal abgesehen davon, dass er drei wollte, schon alle Namen parat hatte und mich nie nach meiner Meinung fragte... ja, war das ein regelrechter Wunschkiller.
Aber zurück zu der eigentlichen Sache Smile Wie schon bei goli geschrieben ist das alles viel einfacher gestrickt. Es geht uns nicht um das "heute sind wir verlobt, morgen heiraten wir", sondern einfach nur ein Liebesbeweis, wie viel wir uns bedeuten und das wir gemeinsam eine Zukunft formen. Natürlich dauert das alles seine Zeit und es werden noch viele Monate ins Land ziehen, aber das gibt uns Zeit, Träume und Wünsche zu verfolgen. Denn, wenn ich ehrlich bin, habe ich meine Familie in Canada vermisst und würde sie jetzt zu gerne öfters sehen. Immerhin bin ich nun erwachsen und unabhängig Smile Vor 17 Jahren war das mit "ich komm euch mal besuchen" noch schwieriger - und so lange habe ich die Familie (mütterlicherseits) nicht mehr gesehen. Die übrigens sehr, sehr offen mit dem Thema umgehen! Wohl aber auch, weil meine Großtante als Schwester mit dem Thema zu tun hatte. Ich denke, da fehlt meinem Vater einfach das Verständnis. Laut seiner Beschreibung kann er sich das auch gar nicht vorstellen, und um es sich "einfach" zu machen, nennt er es eine Krankheit. Wohl auch der Grund, warum er meinte, ich soll zum Psychologen: Gefühle für eine Frau zu empfinden ist krank, dementsprechend soll ich zum Arzt. Dumm, wenn du mich fragst. Und ich denke, so lange er sich nicht damit auseinander setzen will, wird er es auch nicht akzeptieren... und das macht mich einfach traurig. Ich bin einfach nur enttäuscht von ihm.

@Meandra
Ich deute einfach mal dezent auf meine Antworten weiter oben ^^ Wie gesagt, ist das alles viel, viel einfacher gestrickt, als es den Anschein hat. Allerdings enttäuscht mich mein Vater ungemein. Ich meine, er ist ja noch nicht einmal dazu bereit sie kennen zu lernen, oder sich mit dem Thema auseinander zu setzen. Er denkt, das jeder, der "anders" ist, gleich krank ist. Das stimmt aber nicht! Ich finde es traurig, dass er so denkt, und das er wohl davon ausgeht, dass ich jetzt auch "krank" bin, nur weil ich mein Interesse für Frauen klar gemacht und mich in eine Transfrau verliebt habe. Warum kann er mir nicht einfach mal zuhören? Oder zumindest sagen, ok, das ist ungewöhnlich, aber ich will versuchen, es zu verstehen. Nein, stattdessen blockt er sofort ab, empfiehlt mir zum Arzt zu gehen und bettelt darum, dass ich sowohl die Beziehung, wie auch den Kontakt beende - als ob meine große Liebe ein Monster wäre... Ich glaube, das enttäuscht mich einfach am meisten daran. Er denkt, die Leute werden über ihn reden und das ich "Schande über die Familie bringe", nur weil ich eine Frau liebe. Das ich aber andere Interessen habe und vielleicht eine andere Vorstellung vom Leben, will er nicht verstehen. Natürlich habe ich auch mal die Beziehung mit einem Mann ge-/versucht - die letzte erst vergangenes Jahr - aber am Ende ist mir klar geworden, dass ich das nicht will. Und ich denke, da muß ich dann einfach zu mir selber stehen, denn es geht um mein Leben und was ich will. Und früher oder später muß er das einsehen Sad oder nicht, je nach dem. Nur, mir ist klar geworden, dass ich mir von ihm nicht mein Leben bestimmen lassen darf, denn sonst werde ich niemals glücklich. Auch wenn zwischen mir und meiner Liebe eine große Entfernung steht. Aber ich werde da unter anderem von einer Freundin unterstützt (die übrigens 51 Jahre alt ist, und mein Vater als "unnatürliche Freundschaft" abstempelt, getrost nach dem Motto, die ist kein Umgang für mich), die einst aus Texas nach England umgezogen ist, weil sie ihre große Liebe geheiratet hat. Wohlgemerkt, nach einem halben Jahr (und jetzt sind sie 13 Jahre zusammen). Also es ist nicht unmöglich Smile

Ok, das ist jetzt doch ein bisschen viel geworden ^^° Ich entschuldige mich für Schreibfehler.
Ich wünsche euch jetzt erstmal eine gute Nacht, schlaft gut Wave