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ATME.ev - Lydia Faustus - 30.10.2017

Im Chat wurde ich gefragt, was denn Atme.ev sei.
Ich dachte, der Menschenrechtsverein wäre allgemein bekannt.

Nun dann hier der Link dazu:
http://atme-ev.de/

Werde mich später nochmal zu dem Thema äußern.
Wer sich mit der Gruppe, die ich fast bedingungslos unterstütze, beschäftigt, wird schnell merken, warum ich konsequent von Transsexualität spreche und nicht von "politisch korrekter Transidentität". Abgesehen davon spricht ja auch niemand von "Interidentität".


RE: ATME.ev - Lydia Faustus - 04.11.2017

(30.10.2017, 17:32)Katzenmutti Lydia schrieb: Werde mich später nochmal zu dem Thema äußern.

Das gilt natürlich nur, wenn sich hier überhaupt jemand dafür interessiert... Undecided

Es gibt hier ein bemerkenswertes Interview mit Kim Schicklang, der Vorsitzenden von Atme.ev:
http://hormonmaedchen.de/kim-schicklang-mitglied-des-vorstands-der-atme-e-v/


Kim: "Eine VÄ oder PÄ habe ich nicht, da ich die Zwangsverfahren ablehne und mich vor Gericht nicht selbst verleugnen will. Wenn ein Gesetz Dir nur erlaubt, Du selbst zu sein, wenn mehrere Gutachten angefertigt werden, in denen drinsteht, Du hättest eine Identitätsstörung, wie das bei Transsexualität ja heute noch der Fall ist, dann schadet es dem eigenen Selbst, diesem Verfahren einzuwilligen. Letztlich geht es in diesem Gesetz ja darum, Geschlechterstereotypen zu erfüllen und nicht darum, dass beispielsweise eine Frau als Frau anerkannt wird. Was anerkannt wird, ist, dass es da einen Mann gibt, der als Frau leben will. Und das ist schon ein großer Unterschied..."


RE: ATME.ev - Bonita - 05.11.2017

Pre scriptum: wieso nur "fast bedingungslos" Devilish

Also "allgemein bekannt" eher weniger, auch unter Transgendern nicht unbedingt - zumindest die Erklärung hab ich mal hier im Forum online gestellt: DE: Stuttgarter Erklärung - Menschenrechtskonforme Behandlung Trans-/Intersexualität

Wie man sich selbst bezeichnet hängt ja auch immer davon ab, mit wem oder was man aufwächst bzw man seinen Weg geht, wo/mit wem man lebt/leben muss - also Gesellschaft insgesamt, somit nicht nur Familie, Freundinnen, Schul/Arbeits/Kolleginnen, sowie "Behandler" wzB Mediziner/Psycho-Personal, sondern eben auch Medien, Firmen, Institutionen, Behörden, usw usf; Das färbt idR ab und man verwendet "automatisch" deren Begriffe - auch tw deshalb, um seiner Umwelt wenigstens in etwa nahebringen zu können, was mit einem los ist, ohne sein Gegenüber gleich (intellektuell) zu überfordern...

Ich würde beide Begriffe, Transsexualität und Transidentität, nicht von vornherein gegeneinander ausspielen wollen; Eher "kombinieren" - so würde ich die körperlichen Probleme als transsexuell bezeichnen wollen, die psychischen respektive jene Probleme die aufgrund der herrschenden Identität ausgehen bzw entstehen, transident; Analog dazu wie "körperliches" und "soziales" Geschlecht; Allerdings TS durch TI "ersetzen" zu wollen (warum auch immer), finde ich - gelinde gesagt - ebenso gar nicht gut; Für einen Teil der TG bzw TI ist die anteilige bis überwiegende TS nicht einfach "wegverhandelbar", weil die Körperlichkeit in diesem Fall eben eine Notwendigkeit, nicht nur Bedürfnis darstellt...

Intersexualität bezeichnet/e ja grundsätzlich körperliche Abweichungen zu den überwiegend vorherrschenden weiblichen und männlichen Menschen, wobei in dem Wikipedia-Beitrag  bereits auch von "hirnorganischer Intersexualität = Transsexualität, Transidentität oder Transgender" gesprochen wird...

Jemand der (rein körperlich) intersexuell ist, kann ja dennoch einen transsexuellen und/oder transidenten Weg gehen "müssen", weil es für diesen Menschen auch wichtig ist, "eine Seite der Sterotypen" (weiblich oder männlich) zu bevorzugen, da es für diese Person einfach für sich selbst stimmiger ist; Ein intersexueller Mensch muss ja nicht immer jemand "dazwischen" sein (oder bleiben); Wär halt nur gut, wenn dieser Mensch es bereits so (dazwischen) mit allem drum und dran leben dürfte, ohne sich "entscheiden" zu müssen...

(04.11.2017, 21:33)Katzenmutti Lydia schrieb: ...
http://hormonmaedchen.de/kim-schicklang-mitglied-des-vorstands-der-atme-e-v/

Kim: "Eine VÄ oder PÄ habe ich nicht, da ich die Zwangsverfahren ablehne und mich vor Gericht nicht selbst verleugnen will. Wenn ein Gesetz Dir nur erlaubt, Du selbst zu sein, wenn mehrere Gutachten angefertigt werden, in denen drinsteht, Du hättest eine Identitätsstörung, wie das bei Transsexualität ja heute noch der Fall ist, dann schadet es dem eigenen Selbst, diesem Verfahren einzuwilligen. Letztlich geht es in diesem Gesetz ja darum, Geschlechterstereotypen zu erfüllen und nicht darum, dass beispielsweise eine Frau als Frau anerkannt wird. Was anerkannt wird, ist, dass es da einen Mann gibt, der als Frau leben will. Und das ist schon ein großer Unterschied..."

Eine inter/transsexuelle und/oder transidente Person, der Reflektion mächtig, wird soetwas niemals wollen - aber oft dennoch aufgrund geltender Gesetze sich diesen aktuell fügen, um ein "normales" Leben führen zu können; Nicht jede ts/ti Person kann oder will - wzB Kim - auf diese Weise protestierend politisch aktiv sein...

Post scriptum: Jedenfalls sollte es jenen Betroffenen nicht vorgehalten werden, sie würden das menschen(rechts)verachtende System damit nur nähren...  Angel2


RE: ATME.ev - Lydia Faustus - 08.11.2017

(05.11.2017, 08:58)Bonita schrieb: Pre scriptum: wieso nur "fast bedingungslos" undefined
Eben unter der Bedingung, dass sie ihrer Linie treu bleiben z.B. Angel2

(05.11.2017, 08:58)Bonita schrieb: Ich würde beide Begriffe, Transsexualität und Transidentität, nicht von vornherein gegeneinander ausspielen wollen
Ja? Schön. Ich auch nicht.
Das Problem ist, dass sehr oft Transsexualität als rein körperliches Problem zu einem Identitätsproblem umgedichtet wird.
Du weißt genau, was ich meine Eyelashes


(05.11.2017, 08:58)Bonita schrieb: Post scriptum: Jedenfalls sollte es jenen Betroffenen nicht vorgehalten werden, sie würden das menschen(rechts)verachtende System damit nur nähren...  Angel2

Das war dein Gedanke dazu. Nicht einmal die autonome Miez wäre so radikal, Opfer zu Tätern zu machen. Devilish


RE: ATME.ev - Lydia Faustus - 25.11.2017

Wusste bis eben gar nicht, dass Kim Schicklang einen Youtube-Kanal hat...






RE: ATME.ev - Lydia Faustus - 09.12.2017

https://www.facebook.com/atme.ev/videos/vb.196186736453/10155505977231454/?type=2&theater


RE: ATME.ev - Patricia1975 - 10.12.2017

Transsexualität ist halt ein der deutschen Sprache oft irreführend, weil es oft in einem Zug mit Hetero-, Homo- oder Bisexualität genannt wird, jedoch grundlegend mal nichts mit Sexualität zu tun hat, sondern mit dem Sexus - also dem Geschlecht. Nur dass in D/Ö niemand den Begriff Sexus verwendet.
Im englischsprachigen Raum ist das eben anders, da wird mit "sex" eben das Geschlecht angegeben.

Transgeschlechtlichkeit würds wohl am passendsten umschreiben und eigentlich ist es ohnehin nur die Phase, bevor mir der Staat mein weibliches Geschlecht auch amtlich zugesteht. Dann bin ich einfach nur mehr weiblich, Punkt.


RE: ATME.ev - Lydia Faustus - 11.12.2017

(10.12.2017, 00:37)Patricia1975 schrieb: Transgeschlechtlichkeit würds wohl am passendsten umschreiben und eigentlich ist es ohnehin nur die Phase, bevor mir der Staat mein weibliches Geschlecht auch amtlich zugesteht. Dann bin ich einfach nur mehr weiblich, Punkt.

Nun, das beste wäre wohl, wenn man Frauen einfach Frauen nennt Wink
Beim letzten Punkt irrst du dich leider.
In Ö wird doch für die PÄ "die Dauerhaftigkeit des abweichenden Geschlechtsempfindens" verlangt, im Regelfall durch die Diagnose F64.0.
Du wirst nicht als Frau anerkannt, sondern als gestörter Mann, der gnadenhalber einen weiblichen Geschlechtseintrag bekommt.
Und in den Köpfen der sexistischen Faschisten ändert sich durch deine PÄ auch nichts.


RE: ATME.ev - Patricia1975 - 11.12.2017

Was stört den Stiefel das Gejammer der Ameisen die er zertritt?

Was kümmern mich die Faschisten, die ...

... ach das schreiben wir jetzt nicht.


RE: ATME.ev - Lydia Faustus - 23.02.2018

Aus ihrer Facebook-Präsenz:

"In den 60er-Jahren war die Frage, um die es damals ging: "Was darf ich tun?". Es ging darum, autoritäre Regeln gesellschaftlichen Zusammenlebens zu hinterfragen. Darf eine Frau Autofahren? Dürfen Frauen Hosen tragen? Ist es für Frauen möglich, einen "Männer"-beruf zu erlernen und sich dort durchzusetzen?
Auch im Zusammenhang mit Homosexualität war die Frage ähnlich: Darf ein Mann einen Mann oder eine Frau eine Frau lieben? Ist eine gleichgeschlechtliche Partnerschaft gleich viel wert, wie eine Ehe zwischen Heteros? In den U.S.A. kam die Frage der Rassentrennung dazu. Gleichzeitig wurde die Rolle der Väter, welche die Rolle der Soldaten wahrnahmen, die von Kriegseinsatz zu Kriegseinsatz zogen, oder - wie in Deutschland - an Massenmorden beteiligt gewesen sind kritisch beleuchtet.
Junge Menschen begannen die alten "To Do's" zu hinterfragen, und emanzipierten sich.

Heute gibt es eine ähnliche Fragestellung. Sie lautet: "Wer hat das Recht zu sagen, wer ich bin?". Heute geht es darum, wer das Geschlecht eines Menschen bestimmt. Ist es ein Aussenstehender? Jemand der deutet und dann Einteilungen vornimmt, ausgehend der Ideen über Geschlecht, die er im Kopf hat? Oder ein Mensch selbst? Was aber, wenn ein Mensch selbst mehr Recht hat, zu wissen, wer er ist? Was bedeuten dann körperliche Merkmale, die von dem eigenen Geschlecht abweichen?
Und wieder ist diese geschlechtliche Frage von gesellschaftlicher Relevanz. Es ist keine Frage von Randgruppen, sondern eine Frage, die jeden Menschen angeht. Die Frage "Wer hat das Recht zu sagen, wer ich bin?" findet sich an vielen Orten wieder. Das Bewusstsein darüber, dass diese Frage eine gesellschaftliche ist, wird - ähnlich wie in den 60ern - dazu führen, uns alle einen grossen Schritt weiter zu bringen."