Weiß ncht mehr weiter... :-(
RE: Weiß ncht mehr weiter... :-(
Beitrag #11
(05.10.2016, 20:39)invisible schrieb:
(05.10.2016, 19:00)Eva_Tg schrieb: Na ja, gezwungen wirst du schon, jeder spricht dich mit Herr an, das ist nicht nur bloße Höflichkeit, sondern impliziert auch gewisse Erwartungen an die Geschlechterrolle. Männer und Frauen unterscheiden sich eben nicht nur durchs Aussehen und die Anrede.

Du hast recht. In meinem Umfeld zählen halt die typisch männlichen Klischees nicht, wie Stärke usw.
Aber es stimmt, ich hab das nicht bis ins letzte Detail durchdacht und es wird unzählige Erwartungshaltungen geben die mir gar nicht bewusst sind. Ich schätze mich einfach glücklich dass ich in gewissem Rahmen ich selbst sein darf.

Es geht nicht nur um Klischees, sondern eher um Verhalten. Na ja, das ist alles schwer zu beschreiben, ich sage es mal so, früher mochte mich niemand, weil irgendwas an mir nicht stimmte. Jetzt stimmt es und ich habe diese Probleme nicht mehr.
Es kommt sicherlich darf an wie gut die Betroffenen darin sind eine Fassade aufzubauen, um ihre Probleme mit ihrem Geschlecht zu verbergen. Aber es gibt eben so Fälle, so wie ich, da klappt es nicht und man wirkt auf andere "falsch" oder "abweisend".


(05.10.2016, 20:39)invisible schrieb:
(05.10.2016, 19:00)Eva_Tg schrieb: Und über das andere muss ich jetzt ein wenig lächeln, als begeisterte Laiendarstellerin auf Mittelalter-Märkten weiß ich das ein Kilt ein Kleidungsstück nur für Männer ist und absolut nichts mit einem Rock zu tun hat.

Ja, das ist eh klar. :-) Aber es ist mal ungewöhnlich, dass ein "Mann" was anderes anhat als nur Hosen. Somit ist es für mich eine winzig kleine Möglichkeit, mich etwas mehr auszudrücken. Nur ein kleines bisschen.
Aber: sollten wir heute nicht darüber hinaus sein, was jemand anhaben darf und was nicht? Es ist
ein Stück Stoff.

Wie gesagt, für mich ist es nicht ungewöhnlich. Viele meiner Freunde tragen regelmäßig Kilt. Es kommt eben nur auf den kuturellen Hintergrund an und der ist nicht bei allen gleich.
Ich werde auch oft belächelt, weil ich im Sommer fast jedes Wochenende im Zelt schlafe, ohne fließend Wasser und mit Feuer koche und obendrein noch komische, altertümliche Kleidung trage.


(05.10.2016, 20:39)invisible schrieb:
(05.10.2016, 09:10)Eva_Tg schrieb: Bei Transidentität geht es eigentlich darum, wie nehmen andere mein Geschlecht wahr und behandeln sie mich entsprechend meinem Geschlecht?

Ich weiß nicht... mir geht es jetzt in erster Line darum, warum fühle ICH mich so falsch in MIR SELBST. An die anderen Menschen hab ich bisher nur sehr wenig gedacht, muss ich gestehen. Klar, ich bin ja nicht auf diesem Weg der Transition. Noch nicht???? Ich weiß es nicht.

Also die rein wissenschaftliche Antwort darauf ist eigentlich ganz einfach. Neurologisch gesehen ist die Vernetzung zwischen beiden Hirnhälften dichter als bei anderen Menschen, das führt zu diesem Unwohl fühlen mit dem biologischen Geschlecht. So zu mindestens eine der neuesten Thesen.
Aber auch so liegt die Antwort mehr oder weniger auf der Hand, du fühlst dich falsch, weil du von anderen Menschen entgegen deinem Empfinden behandelt und beurteilt wirst. Das löst unauflösbare innere Konflikte aus die auf die Psyche einwirken.
Der Mensch ist nunmal ein soziales Wesen und extrem abhängig von anderen und dem Bild, was die von einem haben. Wäre es anders, wären uns die Geschlechterbilder und Rollen auch gar nicht so wichtig.
Ich bin z.B. einfach eine Frau und andere haben das selbe Bild von mir, da spielt die Tatsache, dass die Biologie nicht stimmt keine wirkliche Rolle mehr. Ich gehöre sogar zu den wenigen Transfrauen, die keine oder nur geringe Probleme mit ihren Genitalien haben und sich nicht operieren lassen.

Na ja, eigentlich beginnt die Transition erst mit dem Outing, würde ich sagen, aber vor einem Besuch beim Therapeuten sollte man sich vielleicht mal ein paar weiter reichende Gedanken machen. Weil mit Antworten wie "Keine Ahnung" oder "darüber habe ich nicht nachgedacht", damit können Therapeuten immer sehr schwer arbeiten. Also sieh es als eine Art Übungsrunde.


(05.10.2016, 20:39)invisible schrieb:
(05.10.2016, 09:10)Eva_Tg schrieb: Ich kann hier nur für meine Person sprechen, aber selbst wenn ich mit zusammen gebundenen Haaren und leichtem Make-up da sitze und viele Menschen vielleicht mein Geburtsgeschlecht erkennen/erahnen, werde ich eher gefragt, ob ich mal ein Mann war, als dass ich gefragt werde ob ein Mann bin. Ich hoffe dieser Unterschied zwischen Vergangenheit und Gegenwart ist verständlich.
Darf ich dich fragen wie es dir dann in so einer Situation geht? Empfindest du das als negativ? Versuchst du, dein Gegenüber zu "lesen", ob es etwas von deiner früheren Identität merkt oder nicht?
Klar darfst du fragen, ich hab keine Probleme über meine Transidentität zu reden.
Mir ist es im Prinzip egal, ob andere etwas merken oder nicht. Natürlich lese ich andere instinktiv, weil ich ein sehr gefühlsbetonter und emphatischer Mensch bin, aber bewußt interessiert es mich eher weniger.
Ob ich es postiv oder negativ aufnehme, dass kommt immer auf die Situation drauf an. Wie gesagt, wenn man direkt fragt, ob ich mal ein Mann war, gibt es eine ehrliche Antwort, ich halte nichts vom lügen. Und warum soll ich nicht dazu stehen? Den meistens ist es auch immer peinlich sowas zu fragen, weil sie sich absolut nicht sicher sind, die sind dann immer ganz froh, wenn ich so unkompliziert mit dem Thema umgehe. Wie gesagt, mir ist die Gegenwart wichtiger als die Vergangenheit.
Negativ empfinde ich es, wenn die Leute trotz aller offensichtlichen Gegenbeweise immernoch denken ich sei ein Mann. Wie z.B. auf dem einem Mittelalter-Markt, als mich tatsächlicher jemand fragte, ob ich Travestie machen würde. Den habe ich nur ganz empört angeguckt und gesagt: "Himmel nein, ich bin eine Frau.", der war aber ganz schnell weg, dass war ihm wohl selbst peinlich.
Über diese Frechheit habe mich zwei Tage lang aufgeregt, aber letztlich denke ich war der einfach nur dumm. (Ich hab Fotos von dem Tag, kann jeder selbst entscheiden, ob ich da wie ein Mann aussehe! )


(05.10.2016, 20:39)invisible schrieb:
(05.10.2016, 09:10)Eva_Tg schrieb: Ich will dich nicht entmutigen, aber da die Schere zwischen dem was man empfindet und dem wie andere einen wahrnehmen immer weiter auseinander geht, kann es sehr wohl noch schlimmer werden.
Ich glaube dir, obwohl es mir echt durch und durch gegangen ist, das zu lesen. :-(

(05.10.2016, 09:10)Eva_Tg schrieb: Natürlich steht das jedem offen, aber wenn man von Transidentität betroffen ist, dann gibt es wenig bis gar keine Alternativen. Das sind zwar keine Gesetzmässigkeiten, aber Erfahrungswerte aus vielen, vielen Einzelfällen.
Ich strebe die Transition aber nicht bewusst an. Ich möchte mir keine falschen Hoffnungen machen, dass damit alles gut werden würde. Manchmal glaube ich, ich kann nicht gewinnen, ich werde unglücklich sein egal was ich tue. Aber ich darf so nicht denken.
Jetzt hoff ich mal, dass die Therapeutin Rat weiß. Ich muss an die nächsten Schritte denken.

(05.10.2016, 09:10)Eva_Tg schrieb: Ich weiß nicht, ob das irgendwas mit Risiko zu tun hat, oder der Angst davor, aber irgendwann wird der Schmerz einfach zu groß. Dann spielt die Angst auch keine Rolle mehr.
Danke für deine ehrlichen Worte.

Ich denke Hoffnungen sind das wichtigste, egal ob richtig oder falsch, sonst würde man nie versuchen etwas zu ändern. Und ich glaube nicht das irgend jemand absichtlich unglücklich bleiben will.
Was man natürlich machen kann ist, Hoffnungen auf Realitätsnähe prüfen und sie dann abschreiben.
Ich habe mir z.B. nie Hoffnungen gemacht, dass ich meinen alten Job behalten könnte oder leicht wieder Arbeit finden würde. Das hatte ich abgeschrieben und konnte da also auch nicht enttäuscht werden.
Ein recht realitischer Wunsch hingegen ist, dass ich durch die Hormone endlich mal eine Oberweite wie andere Frauen auch kriege (da habe ich echte Komplexe).
Man muss sich immer die Details angucken, fragen was kann ich erwarten und was ist unrealistisch, so erzielt man auf lange Sicht einen Gewinn an Lebensqualität. Darum geht es der Transition, die Lebenssituation soll sich verbessern und stabilisieren. Das ist jetzt aber auch nicht unbedingt der Weg zur Glückseeligkeit. Die zu finden ist schwer und daran sind schon ganz andere gescheitert.
Dazu habe ich noch eine nette Geschichte, aber die erzähle ich ein andere mal.

Und einmal muss ich noch einharken, nämlich hier:
Zitat:Ich bin bald fertig mit allem (OP-Termin im März 2017) und kann auf die Zeit zurückblicken, die noch vor Dir liegt. Es wird Gesprächsstoff geben und Du wirst auf Widerstand stoßen, aber solange Du einfach nur Du selbst bleibst, reagieren gut gebildete Menschen beim Thema Transidentität mehrheitlich aufgeschlossen und neugierig. Ich habe alle Fragen immer offen beantwortet und klargestellt, daß ich mir selbst treu bleiben werde.
Das ist überall gut angekommen und hat viele Türen geöffnet. Du weißt ja noch gar nicht, was für ein gutes Gefühl das sein kann, das richtige Namensschild an der Bürotür zu haben, die Bankomatkarte auf den richtigen Namen ausgestellt zu haben, die Jahreskarte der Öffis mit dem richtigen Namen zu haben, Post an die richtige Adresse zugestellt zu bekommen und so weiter und so fort.


Welcher Zusammenhang besteht noch gleich zwischen Bildung und Toleranz?
Also die Hälfte meiner Freunde und meiner Familie sind ganz sicher nicht die hellsten Leuchten, aber aufgeschlossen und neugierig sind sie alle und keiner hat ein Problem mit mir oder meinem Geschlecht. Im Gegenteil, die nehmen mich sogar noch in Schutz, so nach dem Motto "Sie ist eine Frau und wenn du weiter disskutieren willst, hau ich dir ein paar aufs Maul!", wenn das einer sagt, der 2m groß ist, breit gebaut und Vollbart, dann wirkt das natürlich entsprechend einschüchternd.
Toleranz und Verständnis für Transidentität hat mehr mit Mitgefühl zu tun als mit Bildung und Wissen. So zu mindestens meine Erfahrung nach und ich kenne eine Menge Leute aus vielen unterschiedlichen Schichten.
Teilweise habe ich sogar schon das Gegenteil erlebt, das einige ihre Nase wegen ihrer Bildung zu hoch trugen und "mit sowas wie mir" nichts zu tun haben wollten. Offenbar war denen das Thema an sich schon anrüchig und schmuddelig.

Aber das andere stimmt schon, es fühlt sich ungeheuer gut an, wenn man endlich seinen richtigen Namen offiziell benutzen kann. Wobei ich noch nicht alles geändert habe, einiges zieht sich echt wie Kaugummi.
Zu viel Wahrheit wird nicht erkannt; Zu viel Tod am Wegesrand.
Erst auf den zweiten Blick; Erkennst du was dahinter steckt.
WWW
Zitat

RE: Weiß ncht mehr weiter... :-(
Beitrag #12
Eva, das war wohl etwas arg pauschalierend dahingeschrieben und trifft so nicht zu. Und es war unscharf formuliert, ich muß das korrigieren. Es sind nicht die weniger gebildeten, die mir durch weniger Toleranz auffallen, sondern die mit den prekären Jobs ohne Perspektive. Das Blöde bei meiner Beurteilung ist dann obendrein noch, daß ich beruflich ausnahmslos mit Akademikern in sicheren Arbeitsverhältnissen im öffentlichen Dienst zu tun habe, unter den mit mir sportelnden Rennradlern der Akademikeranteil ebenfalls sehr hoch ist und wenn ich da keine Probleme habe, dann fällt mein Urteil beim viel zu unüberlegten Dahinschreiben eines Foreneintrags ungerechterweise so aus.

Tut mir leid, da hast Du natürlich vollkommen recht. Ich bitte um Entschuldigung für die Formulierung.

LG
Julia
Zitat

RE: Weiß ncht mehr weiter... :-(
Beitrag #13
(06.10.2016, 18:52)Eva_Tg schrieb: Na ja, eigentlich beginnt die Transition erst mit dem Outing, würde ich sagen, aber vor einem Besuch beim Therapeuten sollte man sich vielleicht mal ein paar weiter reichende Gedanken machen. Weil mit Antworten wie "Keine Ahnung" oder "darüber habe ich nicht nachgedacht", damit können Therapeuten immer sehr schwer arbeiten. Also sieh es als eine Art Übungsrunde.

Das liegt daran dass ich mir gerade sehr schwer tue. Gedanken mache ich mir genug. Ich mache nichts anderes mehr! Ich kann ohne Meds nicht mehr schlafen (heute hab ich glaub ich 1 Stunde geschafft, weil ich nicht immer Benzos nehmen darf, höchstens 2x die Woche), ich hab im letzten Monat so an die 10kg abgenommen (und hatte eh schon wenige Reserven), weil ich den Schmerz und das Karussell von Hoffnungslosigkeit, Angst, neuer Hoffnung und wieder Depression nicht stoppen kann. Deshalb erhoffe ich mir ja mit der Therapie eine Klärung, und Hilfe dabei die für mich richtige Lösung zu finden.

Ich strebe konkret gar nichts an, außer dass ich aus diesem Teufelskreis raus muss weil ich nicht mehr kann. Ich kann echt nicht mehr.

(05.10.2016, 09:10)Eva_Tg schrieb: Negativ empfinde ich es, wenn die Leute trotz aller offensichtlichen Gegenbeweise immernoch denken ich sei ein Mann. Wie z.B. auf dem einem Mittelalter-Markt, als mich tatsächlicher jemand fragte, ob ich Travestie machen würde. Den habe ich nur ganz empört angeguckt und gesagt: "Himmel nein, ich bin eine Frau.", der war aber ganz schnell weg, dass war ihm wohl selbst peinlich.
Über diese Frechheit habe mich zwei Tage lang aufgeregt, aber letztlich denke ich war der einfach nur dumm. (Ich hab Fotos von dem Tag, kann jeder selbst entscheiden, ob ich da wie ein Mann aussehe! )

Ich vermute dass wir da ein bisschen anders ticken. Ich verstehe voll was du meinst, und wie wichtig es ist dass deine Umwelt dir kein falsches Etikett aufdrückt.

Ich habe nur das Gefühl dass dieser Aspekt bei mir gar nicht so im Vordergrund steht, zumindest derzeit nicht. Mir geht es wirklich in erster Linie darum wie ich mich selbst in meinem Körper fühle. Aber wahrscheinlich kommt das nur daher dass ich ganz am Anfang stehe. Wie du gesagt hast beginnt es mit dem outing. 

(05.10.2016, 09:10)Eva_Tg schrieb: Was man natürlich machen kann ist, Hoffnungen auf Realitätsnähe prüfen und sie dann abschreiben.
Ich habe mir z.B. nie Hoffnungen gemacht, dass ich meinen alten Job behalten könnte oder leicht wieder Arbeit finden würde. Das hatte ich abgeschrieben und konnte da also auch nicht enttäuscht werden.

Das mit dem Job finde ich echt total arg. WTF?? Ich verstehe es nicht. Du bist ja die selbe Person, hast die selben Fähigkeiten wie vorher, nur dass du dann glücklicher bist. Wo liegt das Problem?
Ist jetzt wieder naiv von mir... :-(

(05.10.2016, 09:10)Eva_Tg schrieb: Welcher Zusammenhang besteht noch gleich zwischen Bildung und Toleranz?

Ich habe beobachtet dass in der IT, zumindest auf der Ebene wo ich mich bewege (technische Umsetzung, nicht Management), schon eher aufgeschlossene und offene Leute arbeiten. Zumindest in meinem Umfeld wurden schon oft solche Themen angesprochen und es haben sich immer alle durchgehend positiv geäußert.
Das hat aber nichts mit Bildung zu tun. Man muss nicht gebildet oder besonders intelligent sein um in der IT zu arbeiten, das sind Jobs wie alle anderen auch, nichts besonderes.
Zitat

RE: Weiß ncht mehr weiter... :-(
Beitrag #14
(06.10.2016, 15:38)Granada schrieb: Ich bin bald fertig mit allem (OP-Termin im März 2017) und kann auf die Zeit zurückblicken, die noch vor Dir liegt.

Hmm, ich weiß gar nicht was vor mir liegt, das möchte ich mit Hilfe der Therapeutin erarbeiten.
Derzeit kann ich nicht klar denken. :-( Ich weiß noch nicht was ich tun werde, vielleicht rät sie mir ja zu einem ganz anderen Weg.

(06.10.2016, 15:38)Granada schrieb: Es wird Gesprächsstoff geben und Du wirst auf Widerstand stoßen, aber solange Du einfach nur Du selbst bleibst, reagieren gut gebildete Menschen beim Thema Transidentität mehrheitlich aufgeschlossen und neugierig. Ich habe alle Fragen immer offen beantwortet und klargestellt, daß ich mir selbst treu bleiben werde.

Das ist sicher das beste!


(06.10.2016, 15:38)Granada schrieb: Ich habe meine Zweifel ebenfalls viel zu lange mit mir herumgetragen und bereue keine einzige Minute der vergangenen vier Jahre. Ich wünsche Dir von ganzem Herzen, daß Du die Kraft aufbringst, diese vielen kleinen Schritte zu gehen, es wird sich lohnen!
Danke Julia, das klingt wirklich ermutigend! Ich nehme mir das auch zu Herzen!
Ist es eigentlich normal, dass es 4 Jahre dauert bis zu einem OP Termin? Noob-Frage! :-)
Zitat

RE: Weiß ncht mehr weiter... :-(
Beitrag #15
Hallo invisible!

Nein, es dauert keine 4 Jahre bis zum OP-Termin. Aber ich hatte mir nach dem ersten Outing noch weitere zwei Jahre Zeit genommen, den Schritt zur Hormoneinnahme zu überlegen. Ich nehme nun erst seit knapp 20 Monaten Hormone, aber es war trotzdem gut, diese Entscheidung ausführlich abzuwägen.

Wenn man aber hier am AKH einen Termin möchte, dann dauert es aktuell gut 1 Jahr, bis man drankommt. Die Wartezeiten in der Chirurgie sind lang geworden, seit hier die kombinierte Methode von Dr. Schaff angewandt wird. Smile

Die Gespräche mit einer Therapeutin/einem Therapeuten können sehr hilfreich sein, sie können Dir aber letztlich nicht abnehmen, daß Du die Entscheidung für oder gegen eine Hormonersatztherapie selbst treffen mußt. Das kann und wird Dir niemand abnehmen!

LG
Julia
Zitat

RE: Weiß ncht mehr weiter... :-(
Beitrag #16
(06.10.2016, 19:28)Granada schrieb: Eva, das war wohl etwas arg pauschalierend dahingeschrieben und trifft so nicht zu. Und es war unscharf formuliert, ich muß das korrigieren. Es sind nicht die weniger gebildeten, die mir durch weniger Toleranz auffallen, sondern die mit den prekären Jobs ohne Perspektive. Das Blöde bei meiner Beurteilung ist dann obendrein noch, daß ich beruflich ausnahmslos mit Akademikern in sicheren Arbeitsverhältnissen im öffentlichen Dienst zu tun habe, unter den mit mir sportelnden Rennradlern der Akademikeranteil ebenfalls sehr hoch ist und wenn ich da keine Probleme habe, dann fällt mein Urteil beim viel zu unüberlegten Dahinschreiben eines Foreneintrags ungerechterweise so aus.

Tut mir leid, da hast Du natürlich vollkommen recht. Ich bitte um Entschuldigung für die Formulierung.

LG
Julia

Schon gut, ich bin ja nun nicht nachtragend. Auch wenn du teilweise komische Ansichten hast.
Ich meine ich habe auch nur einen prekären Job ohne Perspektive, als Wäscherei-Gehilfin arbeite ich gerade mal für den Mindestlohn.
Ich habe mir angewöhnt Menschen erstmal kennenzulernen und dann nach ihrem beruflichen Hintergrund zu fragen. Wenn überhaupt, ich habe auch Freunde/Bekannte, ich weiß nicht was die beruflich machen und es interessiert mich auch nicht. Wir harmonieren und das ist mir wichtig.
Ich kenne auch viele Leute aus vielen unterschiedlichen Bereichen, angefangen bei Tierärzten, über Mitarbeiter bei der Staatsanwaltschaft, bis hin zu Handwerkern, Semi-Profi-Musikern, selbständigen Weinhändlern, Hilfarbeitern, Arbeitslosen und Auszubildenden.
Ich mag es mit Menschen zusammen zu kommen und meine charmante Art hilft mir auch eine Verbindung aufzubauen.

Hm, ich weiß nicht, ob ich das so sagen darf, aber du solltest vielleicht dein Umfeld und deinen Horizont erweitern, dann wirst du bestimmt sehen, was ich meine.

Also ich bin in gewisser Weise neugierig, wie ich auf andere wirke und wie sie mich wahrnehmen. Und da ich eben so viele Leute aus so vielen unterschiedlichen Bereichen kenne, kann ich schon mit ziemlicher Sicherheit sagen, dass mich die Leute nur noch als Frau sehen. Und das eben unabhängig von ihrem Hintergrund.
Hätte ich diese Erfahrungen nicht gemacht, wäre ich wahrscheinlich immernoch unsicher im Bezug auf mein Aussehen und Auftreten.

Aber das sind nur Randbemerkungen, Toleranz und Mitgefühl sind menschliche Eigenschaften und nicht vom beruflchen, kulturellen oder Bildungs-Hintergrund abhängig.

Nun aber, wieder zum eigentlichen Thema:

Zitat:Das liegt daran dass ich mir gerade sehr schwer tue. Gedanken mache ich mir genug. Ich mache nichts anderes mehr! Ich kann ohne Meds nicht mehr schlafen (heute hab ich glaub ich 1 Stunde geschafft, weil ich nicht immer Benzos nehmen darf, höchstens 2x die Woche), ich hab im letzten Monat so an die 10kg abgenommen (und hatte eh schon wenige Reserven), weil ich den Schmerz und das Karussell von Hoffnungslosigkeit, Angst, neuer Hoffnung und wieder Depression nicht stoppen kann. Deshalb erhoffe ich mir ja mit der Therapie eine Klärung, und Hilfe dabei die für mich richtige Lösung zu finden.

Ich strebe konkret gar nichts an, außer dass ich aus diesem Teufelskreis raus muss weil ich nicht mehr kann. Ich kann echt nicht mehr.


Mal abgesehen davon, dass das nach einer akuten, depressiven Episode klingt, die schon mal als erste therapiert werden muss, scheinen deine Gedanken immer wieder zum selben Punkt zu führen. Da setzt dann letztlich die Therapie der Probleme mit dem Geschlechtsempfinden ein.
Weil ohne eine konkrete Lösung für die Zukunft, wird dieser Zustand nie besser werden. Nicht umsonst habe ich nach 2 Monaten Therapie gesagt, dann mache ich es jetzt eben offiziell, ich will das sich etwas ändert, egal wie schlimm die Konsequenzen dann sind.

Zitat:ch vermute dass wir da ein bisschen anders ticken. Ich verstehe voll was du meinst, und wie wichtig es ist dass deine Umwelt dir kein falsches Etikett aufdrückt.

Ich habe nur das Gefühl dass dieser Aspekt bei mir gar nicht so im Vordergrund steht, zumindest derzeit nicht. Mir geht es wirklich in erster Linie darum wie ich mich selbst in meinem Körper fühle. Aber wahrscheinlich kommt das nur daher dass ich ganz am Anfang stehe. Wie du gesagt hast beginnt es mit dem outing.

Na ja, ich mag meinen Körper, zu mindestens zum Teil. Das ich keine Brüste habe wie andere Frauen stört mich extrem, aber ich hoffe das wird sich durch die Hormone bald ändern. Mir fehlen auch die Kurven am Hintern und der Hüfte, aber das fällt nicht ganz so stark auf. Ich nehme meinen Körper durchaus als weiblich war, auch wenn es biologische Details gibt, die nicht weiblich sind. Wie gesagt, ich habe da weniger Probleme als andere Transfrauen, da habe ich wohl großes Glück.

Wie gesagt, manchmal stolpern Menschen über biologische Details und ordnen mich dann falsch ein. Das stört mich schon, aber leider erkennt der Durchschnittsbürger den Unterschied zwischen einer Transfrau und einem Mann, der sich als Frau verkleidet nicht. Wobei es bei mir eigentlich auf der Hand liegt, dass ich bestimmt kein Mann mehr bin, selbst wenn man über ein, zwei männliche Merkmale stolpert. Aber oft wird halt alles in einen Topf geworfen, leider.
Na ja, mit etwas Glück, fallen die paar Merkmale auch nicht mehr auf, wenn die Hormone gut wirken. Und wenn nicht, kann ich damit auch leben, weil letztlich bewegt sich die Anzahl der Leute, die was bemerken im unteren Prozentbereich.

Zitat:Das mit dem Job finde ich echt total arg. WTF?? Ich verstehe es nicht. Du bist ja die selbe Person, hast die selben Fähigkeiten wie vorher, nur dass du dann glücklicher bist. Wo liegt das Problem?

Ist jetzt wieder naiv von mir... :-(

Nö, als Persönlichkeit habe ich mich weiterentwickelt. Aber eigentlich liegt das Problem auf der Hand, die meisten Arbeitgeber haben Angst vor Intoleranz und ähnlichen Problemen, deswegen sortieren sie mich immer gleich aus, wenn ich mich bewerbe. Hm, vielleicht wird es jetzt besser mit den neuen Dokumenten. Das wird die Zukunft zeigen.
Und was mein persönliches Schicksal angeht, ich war schon vor dem Outing Mobbing-Opfer in der Firma. In der Situation den Kollegen und Vorgesetzten auch noch meine Transidentität auf die Nase zu binden und zu glauben das geht gut, dass wäre wirklich naiv gewesen. Nein, nach Rücksprache mit meiner Therapeutin habe ich auf ihren Rat hin gekündigt. Die Situation war nicht anders auflösbar, Mobbing, Depressionen und Transidentität sind drei riesige Baustellen, die kein Mensch gleichzeitig meistern kann.
Und danach? Na ja, als arbeitslose Transfrau findet man nur sehr schwer eine neue Stelle, gerade dann wenn man einen schlechten Lebenslauf hat. Wir können schließlich nicht alle Akademiker und IT-Profis sein. Ja, ein böser Seitenhieb, aber es ist leider so, ich habe keinerlei Fähigkeiten, die für einen Arbeitgeber interessant sind.

Zitat:Ich habe beobachtet dass in der IT, zumindest auf der Ebene wo ich mich bewege (technische Umsetzung, nicht Management), schon eher aufgeschlossene und offene Leute arbeiten. Zumindest in meinem Umfeld wurden schon oft solche Themen angesprochen und es haben sich immer alle durchgehend positiv geäußert.
Das hat aber nichts mit Bildung zu tun. Man muss nicht gebildet oder besonders intelligent sein um in der IT zu arbeiten, das sind Jobs wie alle anderen auch, nichts besonderes.

Na ja, vielleicht hast du Glück und kannst in dem Bereich bleiben.
Ich glaube nicht, dass das Jobs wie alle anderen sind, weil du gar nicht wissen willst was ich schon alles gemacht habe.
Zu viel Wahrheit wird nicht erkannt; Zu viel Tod am Wegesrand.
Erst auf den zweiten Blick; Erkennst du was dahinter steckt.
WWW
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RE: Weiß ncht mehr weiter... :-(
Beitrag #17
invisible, wenn du mir schon eine Nachricht schickst, dann solltest du deinen Account auch auf Empfangen stellen. Dann kann ich wenigstens darauf anworten. Wink
Zu viel Wahrheit wird nicht erkannt; Zu viel Tod am Wegesrand.
Erst auf den zweiten Blick; Erkennst du was dahinter steckt.
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RE: Weiß ncht mehr weiter... :-(
Beitrag #18
Hi Invisible,

schade, daß dir diese Sache nicht Freude bereitet. Offenbar hast du dir Gedanken darüber gemacht, ob du transsexuell bist, und nicht etwa Crossdresserin. Als eine der Letzteren habe ich mein Transgen immer als Quelle der Freude genossen, und war dem mal nicht so, dann war eine Kursänderung fällig.

So oder so, du hasts gut: gutbezahlter Job und ein Land, wo GaOp möglich ist. Du hast viele Optionen offen, bist du dir deiner glücklichen Lage bewusst?

Bedenke, durch die GaOp wirst du nur zur Frau, nicht automatisch zum Supermodel, und Frauen haben auch viele Probleme.

Eine schöne Frau zu sehen kann vieles auslösen, Begierde, Neid, Hoffnungslisigkeit u.a.

Sicher wäre auch ich gern eine der Superschönen, wenn ich die sehe. Aber wenn ich mich deswegen schlecht fühlen würde, dann täte ich das bei mir als Neid einschätzen und schlicht abschalten.

LG
Um die Welt in einem Sandkorn zu sehn,
und den Himmel in einer wilden Blume,
halte die Unendlichkeit in deiner Hand
und die Stunde rückt in die Ewigkeit.

-= VERITAS VINCIT =-
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RE: Weiß ncht mehr weiter... :-(
Beitrag #19
(08.10.2016, 01:59)Madleine schrieb: [hier gekürzt]
Bedenke, durch die GaOp wirst du nur zur Frau, nicht automatisch zum Supermodel, und Frauen haben auch viele Probleme.
[hier auch gekürzt]
[Beckmesser-Modus] Ergänze: "den Genitalien nach" [/Beckmesser-Modus]

Wenn man nicht schon vorher psychisch eine Frau ist, würde ich eine GaOP eher nicht empfehlen!
- Ich bin zwar F-64.1 aber deswegen trotzdem transident Tongue -
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RE: Weiß ncht mehr weiter... :-(
Beitrag #20
Also manchmal könnte man glauben ihr habt ein echtes Problem mit eueren Gentitalien.
Zu viel Wahrheit wird nicht erkannt; Zu viel Tod am Wegesrand.
Erst auf den zweiten Blick; Erkennst du was dahinter steckt.
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