Transgender und Sozialleistungen
RE: Transgender und Sozialleistungen
Beitrag #11
Also ich bleibe dabei, daß ist kein Transgender-Problem, sondern ein allgemeines Problem am Arbeitsmarkt.
Also was ich in jüngster Zeit so arbeitstechnisch erlebt habe, da fällt man echt vom Glauben ab.
Zum Beispiel gehört es ja in Unternehmerkreisen offenbar zum guten Ton zu mindestens zu Versuchen Angestellte fristlos zu Kündigen. Also versucht man Lapalien zum Grund für eine sofortige Kündigung aufzubauschen.
Ich denke mal ihr alle kennt die Berichte in Zeitung und Fernsehen über Angestellte, die wegen des angeblichen Diebstahls eines Brötchens oder ähnliches gekündigt wurden. Gut, Diebstahl ist Diebstahl, aber ich schrieb mit Absicht angeblich, denn wir wissen nicht wie viele dieser Gründe nicht bewußt konstruiert wurden. Wenn Unternehmen jemanden loswerden wollen, mangelt es sehr oft an der Bereitschaft sich offen und fair und vertragsgemäß von dem Angestellten zu trennen, sondern man verwendet lieber viel Zeit und Energie darauf ihn möglichst sofort loszuwerden.

Man will halt Angestellte, die nicht aufbegehren, die zu allem Ja sagen und die wenig kosten. Obendrein sollen sie dann noch Hochmotiviert und Hochqualifiziert sein.
Und wenn man das jetzt alles mal auf das Bewerber-Angebot überträgt, dann sind alle Bewerber um eine Stelle, die diese Erwartungen nicht erfüllen schon mal uninteressant. Jeder der sich dann quasi als Herrausforderung präsentiert, der wird eh sofort abgelehnt. Man sucht keine Herrausforderung, man sucht Menschen die funktionieren (klingt hart, ist aber so).
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RE: Transgender und Sozialleistungen
Beitrag #12
Wenn sich in meiner Branche früher 50 um eine Stelle beworben haben, war das sicher ein normaler Durchschnitt. Aus den Rückmeldungen jetzt höre ich heraus, dass es sicher noch weit mehr sein werden. Es mag auch manchmal möglich sein dass ein alter Arbeitgeber oder beruflicher Kontakt von früher jemanden als Frau weiterbeschäftigt, nur bei mir ist das leider nicht der Fall. Es mag auch einige Branchen geben, wie zum Beispiel Computerarbeit, künstlerische - , handwerkliche Arbeit, Kosmetik etc, wo das sicher auch heute möglich ist, nur das Gros der Berufe mit Kundenkontakt in irgendeiner Form fällt da mal raus. Mich würde freuen wenn wer außer selbsständiger Arbeit die Erfahrung gemacht hat und schreiben: Ja, ich habe in einem neuen Arbeitsfeld ohne Privat- oder Berufskontakte zu verwenden einen Arbeitgeber gefunden, der aufgeschlossen war und mir die Möglichkeit geboten hat, in der Rolle des anderen Geschlechts zu arbeiten, wohl wissend dass ich die Absicht habe in naher Zukunft eine Geschlechtsumwandlung vornehmen zu lasssen. Würde mich wirklich neugierig machen ob das das jemanden in letzter Zeit gelungen ist.
Gender is a social and psychological construct. It is not inborn.
Some bodies are never at home, some bodies cannot simply cross from A to B, some bodies recognize and live with the inherent instability of identity
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RE: Transgender und Sozialleistungen
Beitrag #13
(23.02.2012, 01:57)Eva_Tg schrieb: Also ich bleibe dabei, daß ist kein Transgender-Problem, sondern ein allgemeines Problem am Arbeitsmarkt.
Also was ich in jüngster Zeit so arbeitstechnisch erlebt habe, da fällt man echt vom Glauben ab.
Zum Beispiel gehört es ja in Unternehmerkreisen offenbar zum guten Ton zu mindestens zu Versuchen Angestellte fristlos zu Kündigen. Also versucht man Lapalien zum Grund für eine sofortige Kündigung aufzubauschen.
Ich denke mal ihr alle kennt die Berichte in Zeitung und Fernsehen über Angestellte, die wegen des angeblichen Diebstahls eines Brötchens oder ähnliches gekündigt wurden. Gut, Diebstahl ist Diebstahl, aber ich schrieb mit Absicht angeblich, denn wir wissen nicht wie viele dieser Gründe nicht bewußt konstruiert wurden. Wenn Unternehmen jemanden loswerden wollen, mangelt es sehr oft an der Bereitschaft sich offen und fair und vertragsgemäß von dem Angestellten zu trennen, sondern man verwendet lieber viel Zeit und Energie darauf ihn möglichst sofort loszuwerden.

Man will halt Angestellte, die nicht aufbegehren, die zu allem Ja sagen und die wenig kosten. Obendrein sollen sie dann noch Hochmotiviert und Hochqualifiziert sein.
Und wenn man das jetzt alles mal auf das Bewerber-Angebot überträgt, dann sind alle Bewerber um eine Stelle, die diese Erwartungen nicht erfüllen schon mal uninteressant. Jeder der sich dann quasi als Herrausforderung präsentiert, der wird eh sofort abgelehnt. Man sucht keine Herrausforderung, man sucht Menschen die funktionieren (klingt hart, ist aber so).

Klar die Unternehmen suchen Menschen mit abgeschlossenem Universitätsstudium, mindestens 10 Jahren berufserfahrung und einem Höchstalter von 25 Jahren. Und dann solten diese auch noch um einen Lohn von 700 bis 800 Euro brutto/Monat, inklusive Überstunden arbeiten.

Alles anderen die nicht in dieses Anforderungsprofil passen werden nich aufgenommen, und gelten somit als asoziale Sozialschmarotzer, denen man jedwede Unterstützung streichen sollte.

Ach ja, aber das produzierte Klumpert sollen sie schon kaufen, denn schließlich braucht man sie ja als Kunden, damit die Gewinne stimmen und der Sommerurlaub auf den Malediven, sowie der Winterurlaub in St. Moritz für die Manager und Aktionäre gesichert sind.

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RE: Transgender und Sozialleistungen
Beitrag #14
Traurig aber wahr, auch wenn die Darstellung sicherlich überzogen ist.
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RE: Transgender und Sozialleistungen
Beitrag #15
(22.02.2012, 08:46)Angelika schrieb: [hier gekürzt] Tja, wie ich immer schon gesagt habe. Wir brauchen ein Gesellschaftssystem, dass auf Freiheit, Gleichheit, Gerechtigkeit und Solidarität aufbaut. Aber solange die Menschen in unserem Land Strache und seine FPÖ wählen, die ja das genaue Gegenteil so eines Systems sind, solange wird sich vermutlich nichts ändern, und der Wind wird vielen Menschen immer heftiger ins Gesicht blasen.

Das nur mal zum drüber nachdenken.

Ich denke über so etwas nach, und wenn ich über solche Sätze aus der Tastatur eines politisch aktiven Menschen lese, läuft es mir kalt den Rücken runter.

Zum einen, ist das genau die Art von Zynismus, die Wählerinnen und Wähler an der Politik abstößt (Tenor: "Ihr seid doch alle eh nur dummes, undankbares Stimmvieh!"). Mit der Einstellung überzeugt man außerdem niemanden von seiner Politik.

Zu anderen, gruselt mir vor den Konsequenzen solchen Denkens. Wer sich in einem geschlossenen politischen Denksystem (das es, nur so nebenbei, in seriöser Weise eigentlich eh nur mehr in den marxistischen Randbezirken der Sozialdemokratie gibt) im Besitz der Wahrheit, im Besitz dessen, "was die Menschen glücklich macht", wähnt, unterliegt der Versuchung, es in letzter Konsequenz nicht zu dulden, dass die Demokratie mit ihrer "masochistischen" Wähler/innen/schaft entsprechende Errungenschaften gefährdet. Historisch war genau das für Lenin die Motivation, die russische verfassunggebende Versammlung auseinanderzujagen, sobald klar war, dass sie den Bolschewiki nicht aus der Hand fressen würde.

Bisher sehe ich nur die Frustration. Ich beschuldige niemanden, demokratische Spielregeln zu verletzen.

Wenn es eine Erkenntnis aus dem Repertoire konservativer Sozialpolitik gibt, dann ist es die, dass soziale Unterstützung eine abhängig machende Komponente hat, die man bei Bedarf auch instrumentalisieren kann. Die zweite "konservative" Wahrheit ist die, dass Geld nicht in unbegrenztem Ausmaß zur Verfügung steht - weder in Form von "weichem" Papiergeld, das eine willfährige Zentralbank druckt, noch in Form von Steuern, die man aus dem Vermögen der "Reichen" ziehen kann.


(23.02.2012, 01:57)Eva_Tg schrieb: Also ich bleibe dabei, daß ist kein Transgender-Problem, sondern ein allgemeines Problem am Arbeitsmarkt.
Also was ich in jüngster Zeit so arbeitstechnisch erlebt habe, da fällt man echt vom Glauben ab.
Zum Beispiel gehört es ja in Unternehmerkreisen offenbar zum guten Ton zu mindestens zu Versuchen Angestellte fristlos zu Kündigen. Also versucht man Lapalien zum Grund für eine sofortige Kündigung aufzubauschen.
[hier gekürzt]
Man will halt Angestellte, die nicht aufbegehren, die zu allem Ja sagen und die wenig kosten. Obendrein sollen sie dann noch Hochmotiviert und Hochqualifiziert sein. [hier auch gekürzt]

Ja ja, und früher war alles besser, früher war es genau umgekehrt! Big Grin

- Ich bin zwar F-64.1 aber deswegen trotzdem transident Tongue -
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RE: Transgender und Sozialleistungen
Beitrag #16
Nun Überlegungen zu treffen wie man Menschen wieder dazu bewegen zu können, ihren z.B. Wahlwillen ohne Unwillen kundwerden zu lassen wird sicher ein sehr schwieriges Unterfangen. Hier bedarf es mit Sicherheit einer Neuorientierung im jeweiligen parteipolitischen Denken. Einfach nur zu Glauben, mit Bangemacherpolitik hier zu bewirken, dass A nicht 3 geht, sondern nach 1, ist nicht mehr wirklich up-to-date.

Neue Denkstrukturen für den Zugang zur politischen Denkweise könnte womöglich sein, hier nicht den Druck auferlegen, unbedingt sich parteipolitisch zu deklarieren, sondern vielmehr die Freiheit und persönliche Entscheidung überlassen, ob jemand sich politisch engagieren möchte oder nicht. Hierin ist auch die Parteibuchpolitik antiquiert. Wenn, dann bedarf es unterstützende Personen, auch wenn diese dies auch womöglich in Form eines finanziellen Beitrages tun.

Aber auch dieses fällt nicht ins Gewicht. Viel immanter wäre möglicherweise ein Ansatz mit welchen man versucht hier nicht strikt direktes parteipolitisch-motiviertes Denken in den Vordergrund zu stellen, sondern personale Begegnung und Sachlichkeit in Einzelangelegenheit. Möglicherweise findet man hier eventuell themenspezifische SympathisantInnen oder auch mehr.

Mal sehen. Und nun überlasse ich den Thread wieder den "kritischeren Stimmen" ggggggg.
TRANS AUSTRIA - Öst. Gesellschaft für Transidentität
(trans-austria.org), Geschäftsführung

Psychotherapeutin, Supervisorin, Coach, Sexualberaterin
Alten- und Behindertenfachbetreuerin
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RE: Transgender und Sozialleistungen
Beitrag #17
(23.02.2012, 22:20)Mike-Tanja schrieb:
(23.02.2012, 01:57)Eva_Tg schrieb: Also ich bleibe dabei, daß ist kein Transgender-Problem, sondern ein allgemeines Problem am Arbeitsmarkt.
Also was ich in jüngster Zeit so arbeitstechnisch erlebt habe, da fällt man echt vom Glauben ab.
Zum Beispiel gehört es ja in Unternehmerkreisen offenbar zum guten Ton zu mindestens zu Versuchen Angestellte fristlos zu Kündigen. Also versucht man Lapalien zum Grund für eine sofortige Kündigung aufzubauschen.
[hier gekürzt]
Man will halt Angestellte, die nicht aufbegehren, die zu allem Ja sagen und die wenig kosten. Obendrein sollen sie dann noch Hochmotiviert und Hochqualifiziert sein. [hier auch gekürzt]

Ja ja, und früher war alles besser, früher war es genau umgekehrt! Big Grin
Nein, daß habe ich nicht gesagt, aber die jetztigen Zustände nehmen Formen an, die offenbaren das Angestellte für Unternehmen nur noch (lästige) Kostenfaktoren sind. Diese Denkweise führt wiederum zu dem bereits erwähnten Umstand, daß Unternehmen Null hinter ihren Arbeitnehmern stehen. Man hat als Angestellter zu funktionieren, wenn nicht dann hat man zu gehen. Wann man nicht mehr funtioniert, daß entscheidet allerdings der Arbeitgeber und die Toleranzgrenze singt rapide.

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RE: Transgender und Sozialleistungen
Beitrag #18
(23.02.2012, 22:20)Mike-Tanja schrieb:
Ich denke über so etwas nach, und wenn ich über solche Sätze aus der Tastatur eines politisch aktiven Menschen lese, läuft es mir kalt den Rücken runter.

Zum einen, ist das genau die Art von Zynismus, die Wählerinnen und Wähler an der Politik abstößt (Tenor: "Ihr seid doch alle eh nur dummes, undankbares Stimmvieh!"). Mit der Einstellung überzeugt man außerdem niemanden von seiner Politik.

Zu anderen, gruselt mir vor den Konsequenzen solchen Denkens. Wer sich in einem geschlossenen politischen Denksystem (das es, nur so nebenbei, in seriöser Weise eigentlich eh nur mehr in den marxistischen Randbezirken der Sozialdemokratie gibt) im Besitz der Wahrheit, im Besitz dessen, "was die Menschen glücklich macht", wähnt, unterliegt der Versuchung, es in letzter Konsequenz nicht zu dulden, dass die Demokratie mit ihrer "masochistischen" Wähler/innen/schaft entsprechende Errungenschaften gefährdet. Historisch war genau das für Lenin die Motivation, die russische verfassunggebende Versammlung auseinanderzujagen, sobald klar war, dass sie den Bolschewiki nicht aus der Hand fressen würde.

Bisher sehe ich nur die Frustration. Ich beschuldige niemanden, demokratische Spielregeln zu verletzen.

Wenn es eine Erkenntnis aus dem Repertoire konservativer Sozialpolitik gibt, dann ist es die, dass soziale Unterstützung eine abhängig machende Komponente hat, die man bei Bedarf auch instrumentalisieren kann. Die zweite "konservative" Wahrheit ist die, dass Geld nicht in unbegrenztem Ausmaß zur Verfügung steht - weder in Form von "weichem" Papiergeld, das eine willfährige Zentralbank druckt, noch in Form von Steuern, die man aus dem Vermögen der "Reichen" ziehen kann.



Nun ja, ich sehe schon, aus den Erfahrungen was konservative und rechte Politik bedeutet, die uns zwischen 2000 und 2006 zuletzt vorgeführt wurde, hat wohl kaum wer gelernt, oder es wurde schon wieder vergessen. Nach Griechenland blicken wir nur mit Neid, weil wir denen die notwendige Hilfe nicht gönnen.

Die Warnungen der Sozialdemokratie werden, so wie in den 20er- und 30er-Jahren des vorigen Jahrhunderts, wieder mal in den Wind geschlagen, und jene die warnen werden der Einfachheit halber halt schnell mal als Marxisten-Leninisten, die den Menschen das freie Denken verbieten wollen, gebrandmarkt.

Die besitzenden Schichten dürfen keinesfalls angegriffen werden, denn es ist ja Gottgegeben, dass Gewinne von diesen privatisiert, und Verluste vergesellschaftet werden.

Bei der Aschermittwochsrede und sonstigen Sagern von Strache und seinen Komplizen hört man nur das was man hören will, lacht über seine plumpen Witzchen auf Kosten anderer, aber will nicht hören, was er tatsächlich sagt.

Alles so wie in den 30er-Jahren vor Hitlers Machtergreifung in Deutschland und Dollfuß´ Verfassungsbruch und Staatsstreich in Österreich.

Trauig nur für all jene die extrem Leiden werden, weil viele halt nicht bereit sind aus der Geschichten zu lernen. Und wer nicht aus der Geschichte lernen will, ist mitverantwortlich dafür, wenn sich die Geschichte wiederholt.
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RE: Transgender und Sozialleistungen
Beitrag #19
Godwin´s law und das nach nur 2 Tagen und 2 Seiten.
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RE: Transgender und Sozialleistungen
Beitrag #20
Nur leider dürfte es so sein im Leben dass man erst sozial und solidarisch wird, wenn man selbst in der Sch....e sitzt. Und in einer 2/3 Gesellschaft von Gewinner und Verlierern kümmert 2/3 überhaupt nicht wie es dem restlichen Drittel geht. Es ist bequemer sich zu den Fleissigen und Tüchtigen zu zählen und unter dem Deckmantel der Rechtschaffenheit gleichgültig und brutal zueinander zu sein. So nach dem SMS-Song wohin geht die Reise....
War natürlich STS gemeint, aber Sado-Maso-Song würde auch passen
Gender is a social and psychological construct. It is not inborn.
Some bodies are never at home, some bodies cannot simply cross from A to B, some bodies recognize and live with the inherent instability of identity
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