Begriffe deuten, die Xte
RE: Huhu *winkt*
Beitrag #31
(17.07.2018, 10:03)j-unique schrieb: Fragt sich nur, wieso ich jetzt kein glücklicher Cis-Mann bin, wenn ich mich als Kind doch widerspruchlos "zum Buben erziehen" habe lassen und auch niemals gedacht/geäußert habe, dass ich gern rosa Kleider hätte und eigentlich ein Mädchen bin. Folglich kann ich ja schon mal nicht /transsexuell/ sein (eh gut, ich mag das Wort nicht).

Hey, das ist eine interessante Frage.
Die Klugscheißerin hat eine einfache Antwort darauf:

"zum Buben erziehen", "dass ich gern rosa Kleider hätte " Dieses sind Genderfragen, keine Fragen des Sexus. Wink
Ein Kind zum typischen Buben zu erziehen, oder dass Mädchen rosa Kleider mögen müssen, ist gesellschaftlich gemacht.
Gender ist von Gesellschaft zu Gesellschaft und von Epoche zu Epoche völlig verschieden.

Ich schreibe selten über mich, aber als Beispiel mache ich es hier: Als Kind habe ich gerne mit Ritterburgen und Piratenschiffen gespielt, trotzdem wusste ich damals schon, dass ich nicht männlich bin. Ich wollte auch nie Prinzessin sein, sondern schon damals lieber Königin. Big Grin
Dass mein Geschlecht weiblich ist, war mir damals aber nicht klar. Ich habe nämlich gelernt, dass Jungs einen Penis haben und Mädchen eine Vagina. Erst als ich erkannt habe, dass dies eine Lüge ist, war mir klar, welches Geschlecht ich habe.

Da ich geglaubt habe, dass ich nicht weiblich bin, weil ich ja keine Vagina habe, habe ich mich die längste Zeit meines Lebens praktisch geschlechtslos gefühlt. Ich wusste, dass ich nicht männlich bin. Das war immer in mir drin. Der Glaube, dass ich auch nicht weiblich bin, war von außen geprägt.

Nun bist ja Non-Binary. Mir steht es nicht zu, darüber zu sprechen, wie es ist weder dem männlichen noch dem weiblichen Geschlecht anzugehören. Ich kann mir nur vorstellen, dass es so ist, dass man weiß, dass man nicht männlich und nicht weiblich ist, man durchaus wissen kann, einem anderen Geschlecht anzugehören. Warum solltest du also je geäußert haben, dass du ein Mädchen bist, wenn es nicht der Fall ist? 
Transsexuell kannst du dennoch sein, auch wenn du diesen Begriff nicht magst. Würde mich übrigens interessieren, warum du ihn nicht magst.

Um nochmal zum Hirngeschlecht zurück zu kommen:
Woher soll das Wissen übers Geschlecht denn herkommen, wenn nicht aus dem Gehirn?
Die körperlichen Merkmale der Menschen sind enorm vielfältig. Es gibt Männer mit Busen, Frauen mit Gesichtsbehaarung, Männer mit sehr kleinem Penis, Frauen mit sehr großer Klitoris, sehr kleine Männer, sehr große Frauen, Männer mit Vagina, Frauen mit Penis, Männer mit XX-Chromosomen, Frauen mit XY-Chromosomen und so weiter und so fort. Alles kein Maßstab.

Das Gehirn ist ein komplexes Organ und Teil des Körpers. Warum sollte ein weibliches Gehirn genormt sein, wenn andere Körpermerkmale, die weniger komplex sind, es schon nicht sind?
Ein Gehirn gilt z.B. als typisch weiblich, wenn die Fähigkeit, räumlich zu denken weniger stark ausgeprägt ist als bei typisch männlichen Gehirnen.

Überraschung: Es gibt Frauen, die besser räumlich denken können als manche Männer. Statistisch natürlich nicht, aber statistisch haben Frauen auch eine Vagina. Alles kein Maßstab.

Das sind alles biologische Tatsachen, die mittlerweile bekannt sind. Daraus ergibt sich die Konsequenz, dass das einzig wahre Geschlecht eines Menschen nicht von außen bestimmt werden kann, sondern die Selbstaussage eines Menschen übers eigene Geschlecht als wahr anerkannt werden muss, ohne daraus ein Thema der Geschlechtsidentität oder eine Genderfrage zu machen.

Übrigens galt es im Mittelalter als unumstößliche Tatsache, dass Frauen biologisch nicht in der Lage sind, Lesen und Schreiben zu lernen. Da wurde eine Genderfrage zum Geschlechtsmerkmal gemacht, um Macht auszuüben. So viel weiter sind wir heute nicht, wie manche glauben.
Sexualwissenschaftler oder Psychiater z.B. nehmen es zum Anlass, Kinder als krank einzustufen, wenn sie sich nicht "genderkonform" verhalten. Es gilt zum Teil tatsächlich als Wissenschaft, dass ein Mädchen homo- oder transsexuell werden muss, wenn es mit Autos spielt.
"Wer die psychiatrische Sprache beherrscht, der kann grenzenlos jeden Schwachsinn formulieren und ihn in das Gewand des Akademischen stecken." Dr. Gert Postel

 Ich bin zwar F12.1 , aber deswegen trotzdem nicht ganz dicht. Daydream 
Zitat

Re: Begriffe deuten, die Xte (war: Huhu *winkt*)
Beitrag #32
(17.07.2018, 13:12)Bonita schrieb:
(17.07.2018, 12:31)Sunburst schrieb: Nur die Idee, daß ich "hirnorganische IS" sein sollte, gruselt mich persönlich dann doch entsprechend. Daher meine Bemerkung.
Was wären denn für Dich akzeptablere Worte/Bezeichnungen? Also im Fall Du wärst es?

Mir geht es darum, daß ich mich nicht von einem bestimmten Ansatz abhängig machen möchte.

Eigentlich fand ich immer das schöne an – zumindest meiner Auffassung von – TS, daß ich denken, fühlen, sein etc. konnte, ohne das auf körperliche Funktionen zurückführen zu müssen.

(17.07.2018, 13:12)Bonita schrieb:
(17.07.2018, 12:31)Sunburst schrieb: Die Frage, was und wie ich so bin, und warum, könnte ziemlich komplexe Antworten erfordern. Das Leben muß ja interessant bleiben Smile
Eben deshalb schrieb ich "Du" statt "man" (wobei mein "Ansatz" natürlich nicht nur für Dich alleine gölte), Du hast ja schon früher bzw mehrmals angedeutet, dass Du (mit meinen Worten) nicht "klassisch TS" wärest...

Das Problem ist, selbst wenn ich mich an eigentlich so weit auseinanderliegenden Bezeichnungen wie TS oder NB versuche, dann gibt es mal mehr, mal weniger Überschneidungen damit, wie man sich das so allgemeinhin vorzustellen geneigt sein könnte. Aber ich fürchte, ich werde auch gleichzeitig so oder so viele Erwartungen nur enttäuschen können.
Προσποιοῦμαι παίζειν [Bild: heulende-smilies-0003.gif] [Bild: religioese-smilies-0005.gif]
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