Wie wir mit TS umgehen und was ist überhaupt TS
RE: Wie wir mit TS umgehen und was ist überhaupt TS
Beitrag #311
liebe mike-tanja,

du fragst: "Verschwinden die Gegensätze, wenn man das Selbstbewusstsein der "Sendungsbewussten" stärkt?"

nein, das glaube ich nicht. die gegensätze zwischen den verschiedenen transgender-"fraktionen" und spielarten bleiben bestehen. aber mit einem stärkeren selbstbewusstsein kann ich die lebensentscheidungen anderer tg-menschen leichter tolerieren. sie sind dann keine bedrohung meines eigenen weges mehr. niemand müsste mehr schreien, wild um sich schlagen und seinen weg als den allein richtigen verkünden.

herzlichen gruß,
rieke
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RE: Wie wir mit TS umgehen und was ist überhaupt TS
Beitrag #312
Das ist ja das interessanteste aller Themen überhaupt. Naja, was ist TS überhaupt? In erster Linie bedeutet das eine Verwendung (Verschwendung) von Energie für etwas was nicht dafür steht. Es ist fast ein bisschen so, als ob ich ständig überlegen müsste, ob ich weiß oder schwarz bin. Nur, das ist Angesicht unserer begrenzten Lebenszeit ziemlich dämlich ist, Gedanken auf etwas zu verschwenden, was für andere selbstverständlich ist. So gesehen empfinde ich TS schon als Behinderung. Wenn mir nun jemand sagt, TS sei ein normale Variation des Geschlechtlichseins , kann ich nur sagen: die Natur hat es nicht vorgesehen, dass biologische Männer gegengeschlechtliche Hormone nehmen und sich chirurgisch umformen lassen (vice versa).
Aber: je länger ich darüber nachdenke, ist das ein völliger Blödsinn. Menschsein bedeutet ja, sich in dem Konglomerat von Seele und Körper wohl zu finden. Jetzt gibt es aber Menschen, bei denen es aus unerfindlichen Gründen zu einer Nichtübereinstimmung dieser beiden „Elemente“ kommt. Das mit Seele an Körper angleichen geht einfach nicht (ich hab`s versucht), das ist einfach verlorene Liebesmüh.
Es ist etwas, mit dem man geboren wird. Da ist nix zum Aussuchen. Mist. Dilemma. Fuck. Was mach ich jetzt? Aber Angesicht der oben angesprochenen Inkongruenz ist eine menschliche Manipulation zulässig. Nicht nur zulässig, sondern sogar geboten. Denn wir sollten uns doch auf irgendeine Art wohlfühlen. Nein, das ist sogar ein Gebot: sich wohl zu fühlen…
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RE: Wie wir mit TS umgehen und was ist überhaupt TS
Beitrag #313
Hallo Comet

Super Post, das mit dem Angleichen der Seele an den Körper hab ich auch versucht, ist wirklich Zeitverschwendung. Glaub das versuchen die meisten. Und irgendwann kommt die Einsicht und es geht los. Wenns danach geht dass bei der OP ein gesundes Organ "amputiert" wird ein nogo für viele ist dann denk ich dürfte man vieles nicht machen. Bei der Gewichtschirurgie wird ja auch ein sonst gesundes Organ wie bei mir der Magen zusammengeschnitten aber mir hats geholfen. Auch sonstige Schönheitschirurgie wie Brustvergrößerungen müßte man verbieten. Will auch nur was alle TS wollen mich wohl fühlen in meinem Körper und da die Angleichung der Seele nicht geht mach ich nun wie andere auch die Angleichung des Körpers. Hab Verständnis wenn manche Probleme damit haben und sich auch Hilfe oder Beratung holen würden aber solche Hassaktionen wie die meiner Mutter gehörten eher verboten. Und das sie einer älteren Generation angehört ist nur ne Ausrede, eine Identität kann man nicht ändern aber die Einstellung. Viele ältere Leute ändern sich, verlange kein Hurrageschrei, einfach nur Akzeptanz.

LG Ann Lie
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RE: Wie wir mit TS umgehen und was ist überhaupt TS
Beitrag #314
Also, Hand aufs Herz, ich wäre lieber ein ganz normaler Mann bzw. eine ganz normale Frau. Trans sein, vielmehr noch Trans im Vollbild zu leben, ist ein ständiger Kampf um gesellschaftliche Akzeptanz, mit daraus resultierenden sozialen Problemen und seelischen Verletzungen. Was ist denn daran erstrebenswert?
Im Übrigen stimme ich mit den Eröffnungsposts von Fr. Dr. Desch bzw. unserer Admina Jasminchen völlig überein. Würde das sofort unterschreiben:

Zitat Fr. Dr. Desch:

Für mich ist es eigentlich ein Leiden, TS zu sein. Nicht, weil ich nicht gerne eine Frau sein will und mich auch so empfinde, sondern weil ich überall an meine Grenzen stoße und erinnert werde, dass ich einen männlichen Körper und auch viele männliche Facetten in der Seele habe. Vielleicht ist das schlimmste Problem, dass ich so stark in der Dualität Mann-Frau gefangen bin, dass sie manchmal meine ganze Seele aufzufressen droht.

Zitat Jasminchen (etwas gekürzt):

Wir TS haben alle einen Klescher an der Birne. Wir bilden uns ein, im anderen Geschlecht leben zu wollen, versuchen aber im geboren Geschlecht so lange wie möglich zu existieren und zu funktionieren.
Irgendwann gehen wir zu einem Psychologen, der das Problem wegtherapieren soll. Dabei erkenne wir aber, dass das nicht geht und verlassen unsere Familie (so wir eine haben), zerstreiten uns mit den Eltern (so sie noch leben) und verlieren viele Freunde. Sehr oft verlieren wir auch unseren Arbeitsplatz, weil wir untragbar geworden sind für das Unternehmen.
Der Psychologe gibt uns die Hormonfreigabe, damit wir unseren Körper mit fremden Hormonen "vergiften" können und ihm etwas aufzwingen, wofür er nicht gemacht wurde, ohne wirklich zu wissen, was das für Langzeitschäden haben wird.
Am Ende lassen wir uns sogar unsere Geschlechtsteile umbauen, damit wir den ersehnten Körper haben, ohne wirklich zu wissen, wie sich das anfühlen wird und ob es danach überhaupt sexuell funktioniert.
Dann fühlen wir uns einige Zeit lang super, toll und glücklich. So lange, bis uns die Realität einholt und uns die Unzulänglichkeiten im täglichen Leben begegnen. Ob wir dann damit zurecht kommen, ist von Fall zu Fall verschieden.

That's it!
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RE: Wie wir mit TS umgehen und was ist überhaupt TS
Beitrag #315
(06.01.2016, 05:31)SingingComet schrieb: [hier gekürzt] Wenn mir nun jemand sagt, TS sei ein normale Variation des Geschlechtlichseins , kann ich nur sagen: die Natur hat es nicht vorgesehen, dass biologische Männer gegengeschlechtliche Hormone nehmen und sich chirurgisch umformen lassen (vice versa).
Aber: je länger ich darüber nachdenke, ist das ein völliger Blödsinn. Menschsein bedeutet ja, sich in dem Konglomerat von Seele und Körper wohl zu finden. Jetzt gibt es aber Menschen, bei denen es aus unerfindlichen Gründen zu einer Nichtübereinstimmung dieser beiden „Elemente“ kommt. Das mit Seele an Körper angleichen geht einfach nicht (ich hab`s versucht), das ist einfach verlorene Liebesmüh.
Es ist etwas, mit dem man geboren wird. Da ist nix zum Aussuchen. Mist. Dilemma. Fuck. Was mach ich jetzt? Aber Angesicht der oben angesprochenen Inkongruenz ist eine menschliche Manipulation zulässig. Nicht nur zulässig, sondern sogar geboten. Denn wir sollten uns doch auf irgendeine Art wohlfühlen. Nein, das ist sogar ein Gebot: sich wohl zu fühlen…

Der Fehler, den Anhänger eines evolutionsbiologisch-darwinistischen oder kreationellen Weltbildes regelmäßig machen, ist, dass die Chancen, die Wissenschaft und Technik dem Menschen eröffnen, als "unnatürlich" ausgeblendet oder verdammt werden. Dabei ist die Möglichkeit, die Natur durch entsprechende Kenntnisse zu (ver-)formen, ebenfalls ein Ergebnis der Evolution. Wenn "die Natur" (oder von mir aus Gott) nicht gewollt hätte, dass der Mensch die Atombombe, das Penicillin, den Halbleiter-Schaltkreis oder die HRT entwickelt, dann hätte der Mensch einfach ein paar Gehirnzellen weniger oder die Gene zur Ausbildung synaptischer Verbindungen wären schwächer. Und schon säßen wir munter (und ohne LGBTI-Probleme!?) im Pelz-Lendenschurz mit dem Feuersteinbeil am Lagerfeuer und würden schmatzend unsere frisch erlegten Mammut-Rippchen verzehren. Tongue
- Ich bin zwar F-64.1 aber deswegen trotzdem transident Tongue -
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RE: Wie wir mit TS umgehen und was ist überhaupt TS
Beitrag #316
(06.01.2016, 14:08)Mike-Tanja schrieb: Der Fehler, den Anhänger eines evolutionsbiologisch-darwinistischen oder kreationellen Weltbildes regelmäßig machen, ist, dass die Chancen, die Wissenschaft und Technik dem Menschen eröffnen, als "unnatürlich" ausgeblendet oder verdammt werden. Dabei ist die Möglichkeit, die Natur durch entsprechende Kenntnisse zu (ver-)formen, ebenfalls ein Ergebnis der Evolution.
ganz genau so ist es.
an die glaeubigen unter uns:gott/allah wollte,dass du transsexuell bist.
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RE: Wie wir mit TS umgehen und was ist überhaupt TS
Beitrag #317
Also auch wenn ich eurer letzten beiden Meinung bin, ich hab das gefühl das die natur (bzw wir selber) derzeit alles versucht um uns (also die Menschen nicht die TS) auszulöschen. Fehler werden auch immer wieder ausgebessert in der Evolution. Von daher ist schwer zu sagen um ehrlich zu sein. Und uns selber abzuschießen spricht dann auch von fehlender Anpassungsfähigkeit.

Mika Tanja: Wie kannst du nur an meinem Veg-Tag von saftigen Mammut-Rippchen sprechen!! Tongue
mfg Rea Heart
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RE: Wie wir mit TS umgehen und was ist überhaupt TS
Beitrag #318
(06.01.2016, 17:40)Rea schrieb: Also auch wenn ich eurer letzten beiden Meinung bin, ich hab das gefühl das die natur (bzw wir selber) derzeit alles versucht um uns (also die Menschen nicht die TS) auszulöschen. Fehler werden auch immer wieder ausgebessert in der Evolution. [hier gekürzt]

Diese Frage hängt an der Frage, ob die Neigung zu TS vererbbar ist. Falls ja, dann könnte es Familienlinien mit gehäuftem Auftreten von TG-Lebensgeschichten geben. Rein evolutionsbiologisch wäre das ein schwerer Nachteil innerhalb des globalen Genpools, da sich Transgender wegen eingeschränkter Möglichkeiten bei der Partnerwahl bzw. mangels natürlicher Fortpflanzungsmöglichkeit sicher seltener fortpflanzen.

Oder anders gesagt: Wäre F-64.0 eine Erbkrankheit, würde sie irgendwann von selbst verschwinden. Ist aber nicht so. Wenn man Kuturpessimist/inn/en Glauben schenkt, breitet sich das Phänomen eher aus. Daher glaube ich das nicht.
- Ich bin zwar F-64.1 aber deswegen trotzdem transident Tongue -
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RE: Wie wir mit TS umgehen und was ist überhaupt TS
Beitrag #319
Ich meinte mit "Fehler" Menschen, nicht TS Wink
mfg Rea Heart
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RE: Wie wir mit TS umgehen und was ist überhaupt TS
Beitrag #320
Wenn Gott für den Fall das es ihn gibt will dass ich TS bin ist das wohl sein Problem, ich wills nicht. Nehms halt an weil es so ist und versuch das Beste draus zu machen. Mach doch auch nur eine Therapie wie man es bei vielen anderen "Leiden" auch macht. Es wird viel zu viel Hype draus gemacht. Magen-OP war kein Problem, Entzug war kein Problem, auch Therapien die bei Leiden wie Übergewicht oder Sucht nötig sind bzw. waren also warum hier nicht ? Es sagt ja keiner das man die Angleichung machen muss, hab auch Verständnis für die die sie verweigern aus welchen Gründen auch immer und auch für jene die die GaOP eben nicht machen. Und Schuld dran ist wohl die Mutter sie hat mich damit auf die Welt gebracht nicht ich mich selbst.

LG Ann Lie
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