Alltagstest nach Coming Out?
Alltagstest nach Coming Out?
Beitrag #1
Hi,

ich bin neu hier. Ich bin 27 Jahre alt und habe mich vor etwa 2 Monaten geoutet( Mann zu Frau ).Bin aufgrund einer Depression und selbstverletzende, Verhalten in eine psychologische Klinik gekommen.
Grund für die Einweisung war das ich sehr viel abgenommen habe und versucht habe mir zu schaden wo es nur ging. Ich konnte einfach nicht mehr so weitermachen wie bisher. Wusste nie wie ich meiner alleinerziehenden Mutter und meiner Oma " beichten " sollte das ich mich schon lange anders fühle. War vor der Klinik in einer 6 jährigen Beziehung, in der ich mich meiner Freundin nach 4 Jahren Beziehung offenbart habe und sie das nie wirklich dulden konnte das ich mich immer öfters umzog weil ich mich in meinen Sachen unbehaglich fühle. Nachdem meine Mutter und Oma schwer erkrankt sind habe ich im KH den Mut gefasst und mich erst meinem Psychologen geöffnet, dieser nahm mich aber erst nicht ernst.
Ich bekam Ende Dezember dann eine Psychologin bei der ich das nochmal ansprach und die mich dann auch ernst nahm und mir sehr weitergeholfen hat .

Nun bin ich mittlerweile aus dem Kh raus und Familie und Freundeskreis sind aufgeklärt, in 3 wochen hab ich nun einen Termin bei einem Psychologen der mit dem Thema Transsexualität vertraut ist. Im KH habe ich auch eine neue Freundin kennengelernt und sie ist auch eingeweiht, am anfang war sie verstört aber sie liebt mich so wie ich bin und sie sieht auch das es mir dadurch viel besser geht und ich mich wohler fühle.

Wie war euer Anfang? Euer Outing? Muss jeder diesen Alltagstest machen und wenn wie lange geht der?Ich lasse mir bereits die Haare wachsen, habe gemachte Nägel und Ohrringe. Ich weiss was ich bin und was ich zu tun habe.

Habe nur Angst wieder an jmd zu geraten der einen nicht ernst nimmt und mir die Hormontherapie verweigert.

Liebe Grüsse eure Mara / Marcel
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RE: Alltagstest nach Coming Out?
Beitrag #2

Hallo Mara! Alles Gute und Kopf hoch! Heart

Wieviel Erfahrung hast du denn damit, dich als Frau in der Öffentlichkeit zu bewegen?
- Ich bin zwar F-64.1 aber deswegen trotzdem transident Tongue -
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RE: Alltagstest nach Coming Out?
Beitrag #3
Mein Outing ist schon ein paar Jahre her, hab mich aber lange Jahre als Transgender gesehen. Das ich Transsexuell bin ist mir mehr oder weniger erst seit Sommer/Herbst letzten Jahre bewußt geworden. Ich bin jetzt seit Feb. bei einer Therapeutin und wann ich die PÄ und HRT in Angriff nehme, weiß ich noch nicht.
Na ja, da ich eigentlich bis auf die Arbeit nur noch in der weiblichen Rolle lebe, sehe ich da wenig Probleme. Ich hab da ja auch sehr gute Vorraussetzungen und Freunde/Familie haben wenig Probleme mich so zu akzeptieren wie ich bin.
Ich bin zwar nicht unbedingt ein klassischer Fall, aber ich denke mal mein Weg ist so für mich richtig.

Ich drück dir die Daumen, daß du auch deinen Weg findest.
Zu viel Wahrheit wird nicht erkannt; Zu viel Tod am Wegesrand.
Erst auf den zweiten Blick; Erkennst du was dahinter steckt.
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RE: Alltagstest nach Coming Out?
Beitrag #4
Mara....Mein Outing war mit etwa 4 Jahren…nicht ich sondern mein Vater (Thai) bemerkte, dass ich mehr mit Mädchen als mit Jungen spielte…also erzogen mich meine Eltern wie ein Mädchen... Kochen, Waschen pi..pa..po..ich glaube der größte Fehler bei euch liegt darin, dass eure Eltern die Transsexualität zwar bemerken, sie aber nicht wahr haben wollen und versuchen sie mit etwas mehr Autorität im Keim zu ersticken…ich hatte selbst ein paar Jahre in Deutschland gelebt und weis wie schwer es bei euch ist in ein anderes Geschlecht zu schlüpfen…das Resultat sieht man an Leuten wie dir…25 aufwärts, fühlst dich ein Leben lang als Mädchen und hattest deine Männerrolle mit Gewalt durchgezogen..nun entscheidet ein Psychiater der nicht in deinem Körper lebt, ob du als Mann oder Frau leben musst…bei uns in Thailand leben mehr als 1,2 Millionen Ladyboys…hier braucht man weder Psychiater noch Altagstest…man lebt als was man sich fühlt und so wird es auch von der Gesellschaft toleriert….ich kann dir nur einen Tip geben…übertreib es nicht mit einem zu Femininen Auftreten…ich hatte noch nie eine Frau gesehen, die ständig ihre Handgelenke dreht und mit Kopf und Schultern rollt…natürliche Frauen haben keine Natürlichen Feinde also haben sie im Gegensatz zum Mann eine lockere und entspannte Körperhaltung…während der Mann ständig versucht mit Imponiergehabe und Kraft seine Rivalen zu beeindrucken…. Frau sein heist nichts anderes als sich als Frau zu fühlen…
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RE: Alltagstest nach Coming Out?
Beitrag #5
Mike-Tanja..............das eine Mädchen bewegt sich etwas schwerfällig, das andere etwas femininer ... es gibt keinen Bewegungsleitfaden….am besten man kleidet sich anfangs mit neutraler Kleidung als mit high heels, skirt und Umhängetaschen zu übertreiben….im Sommer reicht eine Capri oder Bermuda mit shirt und flips…im Winter tuts auch eine Jeans mit Pulli…je stärker die äußerliche Veränderung, umso knapper wird auch die Kleidung…so wars bei mir jedenfalls
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RE: Alltagstest nach Coming Out?
Beitrag #6
(12.03.2013, 05:31)Damb schrieb: ich glaube der größte Fehler bei euch liegt darin, dass eure Eltern die Transsexualität zwar bemerken, sie aber nicht wahr haben wollen und versuchen sie mit etwas mehr Autorität im Keim zu ersticken
Ich glaube nicht, dass sie Transsexualität bemerken. Viel eher wird sowas als PHase oder eben pubertäre Blödsinn abgetan. Würden die Eltern nämlich Transsexualität bemerken, dann würden sie mit ihren Kindern auch was dafür oder dagegen tun in Form einer psychologischen Therapie.

Ich denke, hier im Duetschprachrigen Raum ist es für viele unvorstellbar, warum ein "Mann" sich einer Frau angleichen mag ... vielleicht ist es aber auch nur die Anzahl der Fälle, die negativ dazu beiträgt. Sprich in Thailand sind die Menschen das schon gewohnt, TGs gehören mit 1,2Mill genauso zur GEsellschaft wie alle anderen.
Doch hier hat man in einer Großstadt vielleicht einen kleinen Prozentsatz der nicht mal auffällt.

PS: Loveparade und sowas zählt mal gar nicht dazu, das ist mehr oder weniger Fasching als "Aufklärung". Aufklärung sieht meiner Meinung nach anders aus. Nämlich eine ordentliche DOku von normalen TGs und nicht irgendwelchen Paradisvögeln wie Olivia Jones oder was weiß ich.
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RE: Alltagstest nach Coming Out?
Beitrag #7
@ Mike Tanja

Offen getraut habe ich mich das erste Mal in der psychologischen Klinik.
Wobei Frauen das leichter tolerieren und verstehen als die Männer.
Ich trage in der Öffentlichkeit Jeans und Stiefel oder auch mal flache Damenturnschuhe ( wonach mir ist) oder mal nen Rock. Dezentes Makeup da ich vom Gesicht her ja noch männliche Züge habe. Rasiere mich täglich weil ich Bart hasse.

Finde diese Bürokratie bei uns total schrecklich, auf nummer sicher gehen.. hier ein Gutachten, da ein Gutachten.. einen Alltagstest..

Ich lebe bereits den Alltagstest für mich weil ich mich so fühle und ich mich nicht mehr selbst belüge oder mich für andere verstelle.

Liebe Grüsse eure Mara
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RE: Alltagstest nach Coming Out?
Beitrag #8
(12.03.2013, 05:31)Damb schrieb: Mara....Mein Outing war mit etwa 4 Jahren…nicht ich sondern mein Vater (Thai) bemerkte, dass ich mehr mit Mädchen als mit Jungen spielte…also erzogen mich meine Eltern wie ein Mädchen... Kochen, Waschen pi..pa..po..ich glaube der größte Fehler bei euch liegt darin, dass eure Eltern die Transsexualität zwar bemerken, sie aber nicht wahr haben wollen und versuchen sie mit etwas mehr Autorität im Keim zu ersticken…ich hatte selbst ein paar Jahre in Deutschland gelebt und weis wie schwer es bei euch ist in ein anderes Geschlecht zu schlüpfen…das Resultat sieht man an Leuten wie dir…25 aufwärts, fühlst dich ein Leben lang als Mädchen und hattest deine Männerrolle mit Gewalt durchgezogen..nun entscheidet ein Psychiater der nicht in deinem Körper lebt, ob du als Mann oder Frau leben musst…bei uns in Thailand leben mehr als 1,2 Millionen Ladyboys…hier braucht man weder Psychiater noch Altagstest…man lebt als was man sich fühlt und so wird es auch von der Gesellschaft toleriert….ich kann dir nur einen Tip geben…übertreib es nicht mit einem zu Femininen Auftreten…ich hatte noch nie eine Frau gesehen, die ständig ihre Handgelenke dreht und mit Kopf und Schultern rollt…natürliche Frauen haben keine Natürlichen Feinde also haben sie im Gegensatz zum Mann eine lockere und entspannte Körperhaltung…während der Mann ständig versucht mit Imponiergehabe und Kraft seine Rivalen zu beeindrucken…. Frau sein heist nichts anderes als sich als Frau zu fühlen…

Na ob das so intelligent war, weiß ich nicht. Warum haben Dich Deine Eltern nicht einfach geschelchtsneutral erzogen um Dir für später beide Wege offenzuhalten?

Was, wenn sich später herausgestellt hätte, dass das nur eine Phase, und Du doch nicht TS gewesen wärst?

Ich denke sehr wohl, dass Eltern merken, dass bei ihrem Kind etwas nicht stimmt, nur da die Information hinsichtlich TS auch heute noch eher dürftig ist, vor Allem wenn man nicht selbst betroffen ist und gezielt danach sucht, können sie diese Auffälligkeiten nicht zuordnen. Und in der Vergangenheit war es noch wesentlich schwieriger.

Aus Aussagen, die meine Großmutter in den 60er-Jahren mir gegenüber schon zu einem Zeitpunkt als ich noch im Kindergartenalter gewesen bin, gemacht hat, nehme ich an, dass sie etwas gefühlt hat. Nur wie hätte sie dieses Gefühl zuordnen können? Eltern hoffen doch sehr lange, dass das nichts zu bedeuten hat und sich "auswächst".

Tja, und da ich selber auch nicht sagen konnte was Sache ist, habe ich irgendwann angefangen die Rolle zu spielen, die alle von mir erwartet haben. Und so ging es vermutlich den meisten TS, denn zum Unterschied von Thailand, wo MzF-TS ja kulturell vorhanden ist (wie ist das eigentlich mit FzM-TS in Thailand), war das in Europa nie ein Thema.

Dass hier ein Psychiater entscheidet ob jemand als Mann oder als Frau leben "muss" stimmt einfach nicht. Es kann und darf hiwer jeder so leben wie er/sie will. Lediglich wenn man die Anpassungen, also HRT und GA-OP, von der KK bezahlt bekommen möchte, muss es eine Diagnose TS geben, damit die KK diese Anpassungen bezahlen müssen. Und da es heute noch nicht möglich sit TS mit Hilfe einer physischen utersuchungsmethode, wie z. B. CT, MR, Bluttest, etc., zu diagnostizieren, geift man der Einfachheit halber eben auf eine psychiatrische Ausschlussdiagnose zurück. Soweit ich weiß, gibt es in Thailand keine Kostenübernahmen, weshalb es eben auch nicht nötig ist eine Diagnose TS vorweisen zu können.

Natürliche Feinde? Was meinst Du damit? Auch Männer haben keine "natürlichen Feinde", da der Mensch an der Spitze der Nahrungskette steht. Trotzdem aber würde ein hungriger Hai, Tiger, Löwe oder was auch immer, im Fall der Fälle wohl kaum einen Unterschied machen ob er eine Frau oder einen Mann anfällt und frisst.

Und in unserer patriachalischen Gesellschaft, sind es eher die Männer, die locker und entspannt sein könnten. Von Frauen verlangt diese Gesellschaft wesentlich mehr als von Männern. Ich erinnere nur an die Doppel- und Dreifachbelastung der Frauen durch Job, Haushalt und Kinder, während sich Männer im Regelfall nur um ihre Karriere kümmern müssen.

Dem letzten Satz von Dir kann ich nur zustimmen. Wer sich selbst nicht als Frau fühlt, kann auch keine Frau sein.
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RE: Alltagstest nach Coming Out?
Beitrag #9
(12.03.2013, 11:12)Mara85 schrieb: @ Mike Tanja

Offen getraut habe ich mich das erste Mal in der psychologischen Klinik.
Wobei Frauen das leichter tolerieren und verstehen als die Männer.
Ich trage in der Öffentlichkeit Jeans und Stiefel oder auch mal flache Damenturnschuhe ( wonach mir ist) oder mal nen Rock. Dezentes Makeup da ich vom Gesicht her ja noch männliche Züge habe. Rasiere mich täglich weil ich Bart hasse.

Damit hast Du ja schon einiges erreicht. Smile


(12.03.2013, 11:12)Mara85 schrieb: Finde diese Bürokratie bei uns total schrecklich, auf nummer sicher gehen.. hier ein Gutachten, da ein Gutachten.. einen Alltagstest.. [hier gekürzt]

Die "Bürokratie" trifft dich nur in dem Fall, dass Du etwas vom Staat willst, etwa die Personenstandsänderung (PÄ) oder die Zulassung zu einer gaOP (und die Finanzierung derselben durch die Krankenkasse).

Die PÄ, die könnte tatsächlich noch einfacher sein, obwohl die Fortschritte der letzten 20 Jahre rückblickend wirklich bedeutend waren. Aber da geht's ja auch nur um ein paar Ausweispapiere, Urkunden und Registereintragungen, die allenfalls problemlos wieder rück-geändert werden könnten.

Die gaOP ist ein heikleres Problem. Ein Chirurg, der einen solchen irreversiblen Eingriff vornimmt, muss sich einfach medizinisch-fachlich absichern, weil ein voreiliger Schnitt in bestimmte Körperteile sich sonst zum strafrechtlichen Problem entwickeln könnte.

Irgendwo dazwischen liegt die Frage der HRT.

Darum gibt es diese Psycho-Medizin-Bürokratie, darum die Hürden, über die man halt drüber muss.
- Ich bin zwar F-64.1 aber deswegen trotzdem transident Tongue -
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RE: Alltagstest nach Coming Out?
Beitrag #10
Ich möchte ja so schnell wie möglich die Hormontherapie, da brauchen sich die Ärzte nicht absichern, weil ich mir zu 100 % sicher bin. Ist halt die Sorge je länger man wartet desto stärker wirkt das Testosteron in einem. Dabei habe ich noch Glück das ich doch recht feminine Gesichtszüge und volle Lippen habe die sich andere erst aufspritzen lassen müssten.
Ist halt ein anderes Empfinden ob man eigene Brüste hat oder diese Silikoneinlagen trägt die sich trotzdem fremd anfühlen.
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