Erfahrung mit Stimmband OP
RE: Erfahrung mit Stimmband OP
Beitrag #71
Also hier wird mit Geldsummen um sich geworfen,die ich gerne hätte!Ich denke mir so!Es gibt ein paar Sachen die mich stören(ich rede immer noch zu hoch,was zu meiner restlichen Erscheinung nicht passt),ich würde mir gerne auch ein paar Sachen machen lassen,aber da ich garantiert keinen Kredit haben will geht es nicht,da ich es mir nicht Leisten kann!Und um 2000 +€ fallen mir einpaar andere Sachen ein!
Für immer Böhse. 

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RE: Erfahrung mit Stimmband OP
Beitrag #72
Naja billig ist es ja nicht, vor allem für eine eher (vermeintlich) kleinen (???) Eingriff... Ist wahrscheinlich Milimeterarbeit...
Kredit würd ich mir auch keinen aufnehmen, da muss man halt sparen, in einer Kat. B Wohnung wohnen, kein Auto haben und Öffis nützen (ja, geht am Land nicht - ich weiß...), am Samstag halt Colombo zur 100 Wiederholung anschauen anstatt am Rosenball zu gehen usw Wink Dann bekommt man die € 4000,-- schon zsamm Wink
Ich würds sofort morgen machen, wenn ich nicht sooooo viel Schiess hätte vor der Narkose, dem Einschlafen - kurz: dem Kontrollverlust Sad hätte
Bye  Bienvenue chez les Ch'tis   Bye
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RE: Erfahrung mit Stimmband OP
Beitrag #73
(22.08.2014, 23:38)iris_evenstar schrieb: Nach langer Zeit poste ich hier mal wieder was, da ich hier aus aktuellem Grund gut etwas dazu sagen kann.

In Deutschland und auch Österreich heißt es ja eigentlich immer "JA keine Stimm-OP" und "unbedingt NUR Logopädie", sobald dieses Thema aufkommt. Ich möchte eine etwas andere Perspektive aufzeigen. Gleich vorweg: Ich möchte hier keine Werbung für eine Operationstechnik machen, sondern von meiner Erfahrung berichten. Jeder muss sich selbst überlegen, was für ihn gut ist!

Ich habe vor fast 5 Jahren angefangen, meine Stimme zu trainieren. Das war mir von Anfang an sehr wichtig, weil ich der Meinung bin, dass bei Transfrauen für ein erfolgreiches Passing und damit Leben im Alltag vor allem die Faktoren Gesicht und Stimme wichtig sind. Außerdem habe ich beruflich mit Musik und Ton zu tun und habe mir daher ein sehr feines Gehör antrainiert, welches sich letztendlich als Fluch herausstellte. Mit einer permanent überkritischen Kontrollinstanz, die die eigene Stimme analysiert und mit "echten" Frauenstimmen vergleicht, kann man sich einfach nicht selbst als Frau wahrnehmen! Daher trainierte ich äußerst motiviert und diszipliniert; zunächst selbständig unter Zuhilfenahme von so ziemlich sämtlichen Anleitungen und Kursen, die das Internet damals hergab (Andrea James, Melanie Anne Phillips, Kathe Perez, etc. etc.). Später nahm ich auch die Hilfe zweier verschiedener Logopädinnen in Anspruch, die Expertinnen auf diesem Gebiet sind. Und es trug Früchte - meine Stimme funktionierte im Alltag, sogar am Telefon, Therapeuten und andere Experten lobten mich für meine gut trainierte Stimme, ich wurde sogar Vorbild für manch andere Transfrauen und hielt auch einen Vortrag in einer therapeutischen Gruppe zum Thema Stimme. Das half mir im Endeffekt aber wenig, denn:

- Das Aufrechterhalten einer für mich wirklich weiblich klingenden Stimmlage war mir zwar bei logopädischen Übungen oder dem kurzen Vorlesen von Texten möglich, aber für den Alltag war es bei meiner tiefen Ausgangsstimmlage viel zu anstrengend.
- Die Stimme, die ich bei der täglichen Konversation aufrechterhalten konnte (und auch das war anstrengend), nahm ich selbst nicht als wirklich weiblich wahr (siehe oben bei "Gehör"), obwohl sie meine Mitmenschen nicht weiter zu stören schien.

Diese beiden Faktoren machten für mich jedes Gespräch zu einer anstrengenden Tortur - sowohl physisch als auch psychisch. Das musste ich ändern, aber wie? Eine herkömmliche Stimmoperation (Cricothyroidopexie) kam für mich nicht in Frage, denn die Resultate sind sehr schwer vorhersehbar und die Risiken groß.

Eher zufällig stieß ich auf eine andere Operationstechnik, die zwar alles andere als neu ist, aber erst jetzt langsam dabei zu sein scheint, auszureifen und populärer zu werden. Sie heißt nach ihrem Erfinder "Glottoplastik nach Wendler" oder je nach Operateur auch "anterior web formation", "advancement of the anterior commissure" oder bekommt schicke Abkürzungen wie schlicht VFS (voice feminization surgery). Das Prinzip ist einfach: Anstatt wie bei anderen Operationstechniken die Stimmbänder zu spannen (wobei der Kehlkopf geöffnet und an den Stellknorpeln gearbeitet werden muss), wird die Tonhöhe gesteigert, indem der schwingende Anteil der Stimmbänder einfach verkürzt wird. Das wird dadurch erreicht, dass man sie im vorderen Drittel (dort wo sie zu einem "V" zusammenlaufen, miteinander vernäht. Man kann diesen Eingriff ohne Narben endoskopisch durch den Mund durchführen. Dabei wird entweder ein CO2-Laser oder Mikroskalpelle verwendet, um den zu verbindenden Teil zu deepithelisieren, und danach wird eine Naht gesetzt. Diese muss bis zur Heilung sehr fest halten, weil die Stimmbänder ständig unter Zug sind und kann daher mit Fibrinkleber verstärkt werden. Zumindest ein Operateur in Südkorea setzt aus demselben Grund überhaupt gleich eine permanente Naht. Nach dem Eingriff (der recht schnell vonstatten geht, aber einer Vollnarkose bedarf) darf man einige Zeit überhaupt nicht sprechen, um die Naht nicht zu belasten. Danach kann man nur sehr langsam und allmählich wieder mit dem Sprechen beginnen. Eine akzeptable Stimme ist frühestens nach 2 Monaten zu erwarten, und auch danach verbessert sie sich erst langsam weiter. Wenn die Verbindung der Stimmbänder (diese wird "anterior web" genannt) während der Heilung gut hält, ist das Ergebnis permanent. Die Stimmhöhe (F0) kann mit dieser Methode durchschnittlich um 75Hz erhöht werden, was bei den meisten Transfrauen ausreichend ist, um sie in den durchschnittlichen weiblichen Sprechbereich (200Hz) zu bringen. Allerdings kann auch diese Methode nicht die Resonanz ändern, denn diese ist durch die Größe des Kehlkopfs und der Resonanzräume im Schädel bedingt. Die Risiken sind gering - außer (seltenen) Entzündungen im Heilungsprozess und dem vorzeitigen Lösen der Naht kann nicht viel passieren.

Ich habe mich dazu entschieden, eine Glottoplastik durchführen zu lassen, aber mit realistischen Erwartungen:

- Ohne Stimmtraining macht so eine Operation wenig Sinn, denn für die erhöhte Stimmlage braucht man die richtige Resonanz. Man sollte schon vor der OP wissen, wie man diese erzeugt, sonst kann man mit der neuen Stimme wenig anfangen.
- Die Stimme klingt im Vergleich zur physiologischen (Männer-)Stimme natürlich sehr anders, aber im Vergleich zu einer gut antrainierten Frauenstimme sind die Unterschiede recht subtil (klar, denn die Resonanz ändert sich nicht).
- Das Schöne (und für mich Ausschlaggebende) daran ist aber, dass man sich nach der OP nicht mehr bewusst anstrengen muss, um die weibliche Stimmlage zu erreichen. Außerdem kann man einen Großteil der tiefen Männerstimmlage gar nicht mehr erzeugen.

Weltweit scheinen gerade zwei Operateure führend auf diesem Gebiet zu sein: Prof. Marc Remacle am UCL Mont-Godinne in Belgien sowie Dr. Kim vom Yeson Voice Center in Seoul (Südkorea). Nach langem Überlegen habe ich mich für die europäische Variante entschieden.

Die Operation wurde am 18. Juli durchgeführt; sie ist gut verlaufen und ich habe im selben Eingriff auch gleich eine Chondrolaryngoplastik (Abschleifen des Schildknorpels) vornehmen lassen. Nun bin ich gerade mitten in der Heilungsphase (1 Monat und 4 Tage) und bisher recht zufrieden. So richtig sprechen kann ich erst seit Mitte letzter Woche, aber meine Stimme ist noch recht heiser und schwach. Außerdem ist sie noch tiefer als das voraussichtliche Endresultat, da im Moment die Stimmbänder noch etwas geschwollen sind. Auch Teile der selbstauflösenden Nähte und Fibrinkleber habe ich noch an meinen Stimmlippen; diese sollten aber in nächster Zeit verschwinden.

Hier nun zur Veranschaulichung einige Stimmaufnahmen:

- Physiologische Männerstimme (vor HRT und Fulltime), durchschnittl. 120Hz: http://vocaroo.com/i/s0QFbtWn8PfA
- Männerstimme (nach 2 Jahren HRT und Fulltime), durchschnittl. 177Hz: http://vocaroo.com/i/s18GGGXZ9K65
- Trainierte weibliche Alltagssttimme, durchschnittl. 210Hz: http://vocaroo.com/i/s1wU59uqwwF4
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- Stimme ca. 1 Monat nach der Glottoplastik, durchschnittl. 212Hz: http://vocaroo.com/i/s0Cb3VwDeTbr


Der Unterschied im Klang ist im Vergleich zur antrainierten Frauenstimme subtil, aber für mich sehr befriedigend. Am besten finde ich es aber, dass ich mich überhaupt nicht anstrengen muss, um diesen Klang zu erreichen. Ich bin gespannt, wie sich meine Stimme in den nächsten Wochen weiterentwickelt. So sehen meine Stimmbänder 1 Monat nach dem Eingriff aus:

[Bild: transnasal_laryngoscopy.jpg]

Das Bild ist aufgrund der transnasalen Aufnahmetechnik nicht sehr hochauflösend, aber man kann gut erkennen, dass die Stimmlippen im vorderen Drittel vernäht sind. Die Naht ist noch teilweise mit Fibrinkleber (grau) bedeckt.

Hallo Iris,

ich habe deinen Beitrag hier mit Spannung gelesen. Dieses Thema beschäftigt mich schon seit langem, aber in den letzten Wochen sehr intensiv.
Ursprünglich komme ich aus Österreich, lebe jetzt aber seit einigen Jahren in der Schweiz. Meine GA-OP habe ich in Wien (Dr. Angel) gehabt, vor 6 Jahren. Ich kann mich eigentlich sehr gut in der Öffentlichkeit bewegen, ohne Probleme. Das einzige Problem ist und bleibt einfach meine Stimme, welche immer wieder für Verwunderung sorgt, mich "auffliegen" lässt.
Auch wenn ich meine Stimmlage ändern konnte, ist dies kein glückliches Ergebnis, noch dazu wenn man im Büro arbeitet und da doch beinahe täglich am Telefon ist.
Ich habe mich auch über die verschiedenen Möglichkeiten informiert, und bin dabei immer auf Dr. Kim in Seoul gestossen, bei dem doch viele tolle Erfahrungen zu lesen waren. Über deinen Beitrag habe ich nun gelesen, dass es dies auch in Europa gibt, bei Dr. Remacle in Luxemburg. Vielen Dank dafür.

Meine Frage an dich (oder an andere mit dieser Erfahrung) wäre folgendes:

- wie lange hattet Ihr davor eine Logopädie?
- wieviel hat euch diese geholfen? im speziellen auch auf die OP bezogen?
- wie war die erste Zeit nach der OP? War es schwer nicht zu sprechen? und wie lange ging das?
- was waren die wichtigsten Punkte nach der OP für euch? (Nachbehandlung, Sprechübungen, ....)

Ich weiss, das sind gleich einige Fragen auf einmal. Ich wäre jedoch sehr froh, wenn ich hierzu gute Antworten bekommen könnte, denn ich spiele ernsthaft mit dem Gedanken.

Vielen Dank im Voraus
Yvonne
Zitat

RE: Erfahrung mit Stimmband OP
Beitrag #74
Hallo Yvonne, du findest eigentlich alle Antworten auf diese Fragen, wenn du dir den ganzen Thread aufmerksam durchliest. Die wichtigsten Punkte dabei: 1. Ohne Logopädie macht die OP keinen Sinn, 2. du musst ca. 1 Monat ohne Sprechen durchhalten. Und lass dir bitte von niemandem einreden, dass Dr. Kim und Prof. Remacle komplett verschiedene Methoden hätten - der Unterschied liegt im Detail der Durchführung, die Technik an und für sich ist dieselbe.
*** Bitte keine Anfragen mehr bezüglich OP-Bilder von Dr. Schaff. Ich versende diese schon lange nicht mehr. Vielen Dank! ***
Zitat

RE: Erfahrung mit Stimmband OP
Beitrag #75
Hallo

Für Stimmband OP würd ich mich auch interessieren. Hab natürlich noch keine Logopädie und ist deshalb noch nicht spruchreif aber fragen kann frau ja mal. Bringt man eine dunkle Männerstimme mit Training, Logopädie und OP auf feminines Niveau ? Mach mir schon Hoffnungen das es auch klappt. Glaub die Ärzte sind in Belgien wenn ich mich richtig erinnere.

LG Ann Lie
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Stimmband OP
Beitrag #76
hallöchen Blush
ich habe einmal eine frage zur op an den stimmbändern.
naja mein adamsapfel ist nicht riesig..... aber doch schon sichtbar......
und zu allem überfluss bekomme ich es nicht hin eine weiblichere stimme zu erzeugen da meine stimme schon von natur aus etwas heller aber aber noch nicht weiblich ist (ich höre mich an als wäre ich durch den stimmbruch gerauscht und bei 13-14 hängen geblieben Blush ).
nun würde ich nur gerne wissen was das in meiner zukunft kosten wird, wie es abläuft und ab welchem alter ich es machen lassen sollte.
natürlich nur wenn es wirklich aussichtslos mit dem voice training ist.
oh und tut mir leid für fehler im text falls dort welche sind (außer groß und klein schreibung.... die ist beabsichtigt)  Blush
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RE: Stimmband OP
Beitrag #77
Hallo Grace, mit Logopädie kann man da einiges machen. Smile Versuch das erst mal, bevor Du an Deinen Stimmbändern rumschnippeln läßt!
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RE: Stimmband OP
Beitrag #78
danke :3 Blush
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RE: Stimmband OP
Beitrag #79
Logopädie ist unumgänglich, da stimme ich Aina zu.
Du wirst vor einer Stimmband - OP Logopädie brauchen und nachher auch, damit Du die neue Stimme auch richtig benutzen kannst. Die OP kannst Du nach dem ersten Therapieblock dann mit der LogopädIn besprechen. Das ist sicherlich sinnvoller, als auf Meinungen aus dem Forum zu hören, also von Personen die Dich nicht kennen und zumeist selbst keine Erfahrung mit einer Glottoplastik oder ähnlichen OP-Methoden haben.
Die Kosten sind ca. 4 - 7.000,-- Euro, je nachdem wo und bei wem Du die OP machen lässt. Eine Erfolgsgarantie hast Du natürlich nicht. Ich kenne sowohl gute auch mäßige Ergebnisse, sei also vorsichtig mit Deiner Entscheidung und bei der Arztwahl.
Zitat

RE: Erfahrung mit Stimmband OP
Beitrag #80
Moderationshinweis: Ich habe das neue Thema "Stimmband-OP" mit einem bestehenden, bereits sehr umfangreichen Thread zum selben Thema vereinigt.
- Ich bin zwar F-64.1 aber deswegen trotzdem transident Tongue -
WWW
Zitat



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