Nach dem ersten Alltagstest...
Nach dem ersten Alltagstest...
Beitrag #1
Hey Leute,

ich habe vor ein paar Tagen mit dem Alltagstest angefangen. Ich habe vorher mit fünf guten Freunden gesprochen, mich mit ihnen zum Kochen verabredet, ihnen den neuen Namen genannt und geschaut was passiert und wie ich mich fühle.

Fazit: Sie haben das sehr gut gemacht, nur das mit dem Pronomen klappt noch nicht so gut Wink Aber das hatte ich auch gar nicht erwartet. Und ich selber habe mich den ganzen Abend über sehr, sehr wohl gefühlt, habe aber auch das Gefühl gehabt, dass ich noch viel männlicher war als normalerweise. Jetzt habe ich ein bisschen Angst, dass ich mir viele von meinen Gefühlen einrede, oder dass ich quasi so auftrete, wie Menschen in meiner Umgebung das von mir erwarten. Komisches Gefühl, aber vielleicht versteht ja jemand, was ich meine?

Und noch etwas: Seitdem fühle ich mich bei allen anderen, die mich nach wie vor als Frau wahrnehmen, meinen Geburtsnamen benutzen etc., erst richtig unwohl. Mein eigener Körper und diese Wahrnehmung von außen, der Gedanke, dass ich biologisch eine Frau bin, sind völlig absurd und irreal. Kennt das jemand?

Was mich am meisten verwirrt, ist, dass ich mir immer noch nicht sicher bin. Vielleicht erwarte ich aber auch zu viel von mir...

Vielleicht hat ja jemand ähnliche Gefühle und Gedanken gehabt und kann mir sagen, wie er/sie damit umgegangen ist?

LG Luca
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RE: Nach dem ersten Alltagstest...
Beitrag #2
Hab so was nie gemacht eben weil es so irreal ist. Dürfte aber sicher eine interessante Erfahrungen gewesen sein Smile
T.S.S Big Grin
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RE: Nach dem ersten Alltagstest...
Beitrag #3
Genau deswegen bin ich kein Befürworter des Alltagstests. Ziel wäre ja ursprünglich gewesen, dass man probiert, im Wunschgeschlecht aufzutreten und zu sehen, wie es einem dabei ergeht und wie es sich anfühlt. Dass man dabei aber oft eher "verkleidet" rüberkommt und sich dann auch dementsprechend so fühlt, macht das ganze eigentlich wieder kaputt.
Deswegen mach ich das nicht. Smile Ohne geht auch, wenn man die richtige Therapeutin hat. Smile

Und mit der weiblichen Anrede warte ich persönlich noch etwas.. Natürlich freue ich mich, wenn schon jemand "sie" statt "er" sagt, ohne, dass ich darum gebeten habe (eher z.B. in TS-Kreisen üblich), aber naja.. ^^
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RE: Nach dem ersten Alltagstest...
Beitrag #4
Ich werd wohl wenn es sich vermeiden lässt aus diesem Grund auch keinen Alltagstest machen. Das Gefühl verkleidet zu sein sorgt, denke ich, für mehr Probleme als es löst.

Was die Verwirrung angeht, da bist du nicht alleine. Mir geht es nicht großartig anders. Manche meiner Freunde bemühen sich mich mit neuem Namen udn als Sie anzusprechen aber es ist halt noch nicht offiziell. So lieb das auch gemeint ist sorgt es bei mir doch oft auch für verwirrung. Am Ende des Tages allerdings, wenn ich mich hinsetze und nochmal durchdenke verschwindet die Verwirrung wieder. Ich denke das gerade in der Phase des Outings so eine Verwirrung durchaus normal ist, schließlich wird man gerade da mit vielen Fragen usw bombadiert. Aber jede/jeder ist anders.
Geduld offenbart oft mehr als Neugierde.
Wer nur beobachtet kann lediglich raten, wer fragt erlangt Wissen.
Wahrheit und Schönheit sind sich sehr ähnlich, sie liegen immer im Auge des Betrachters!
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RE: Nach dem ersten Alltagstest...
Beitrag #5
Komisch, ich hatte eher vorher das Gefühl verkleidet zu sein.

Smile
Am Rand des Abgrund ist die Aussicht sehr gut
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RE: Nach dem ersten Alltagstest...
Beitrag #6
ich sag das so:es kommt nicht drauf an ob wer anderer dich 'erkennt'.es kommt drauf an ob du dich gut fuehlst.
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RE: Nach dem ersten Alltagstest...
Beitrag #7
Hallo

Ich weiß nicht wem dieser Testmist eingefallen ist und zu was der gut sein soll. Bei dauert der Test eigentlich schon Jahrzehnte. In meiner Integrität als Frau fühl ich mich durchaus wohl, kleide mich auch teilweise so das man zumindest nicht so auffällt. Würd mir auch gerne Miniröcke, Tops u.s.w. anziehn doch wenn man dann mehr oder wenige zusammengetreten wird fühlt man sich halt nicht mehr so wohl. "Verkleidet" hab ich mich eigentlich als Mann, nur das es nicht auffällt weil ich ja den sch... Männerkörper hab. es geht auch nicht so sehr ums Gewand sondern was man darstellen will oder zumindest versucht. Mann spielen kann ich nicht mehr, die Integrität ist zu stark. Das brauch ich auch nicht testen, das weiß ich auch so. Der Psychodoc könnt doch mal testen wie es sich anfühlt mit Austria Wien Dress bei den Rapid Ultras zu stehn, Dress ist Dress mal schaun was rauskommt. Wenn die lieben Leutchen nicht wärn, an mir sollt es nicht scheitern, machen würd ichs gleich.

Grüße Anja
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RE: Nach dem ersten Alltagstest...
Beitrag #8
Zitat einer Teilnehmerin unserer Selbsthilfegruppe - unlängst beim Verabschieden: 'So, jetzt spiel ich wieder Sohn.' - Das sagt wohl alles...
Die schwierigste Turnübung ist der Sprung über den eigenen Schatten...
(Dieter Chmelar, Backstage nach den BigBrotherAwards 2012)
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RE: Nach dem ersten Alltagstest...
Beitrag #9
Alltagstest in dem Sinne gibts doch eh nicht mehr. Niemand wird gezwungen in nem Röckchen sich auslachen zu lassen. Smile
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RE: Nach dem ersten Alltagstest...
Beitrag #10
(23.05.2015, 12:37)Sunnymoon schrieb: Alltagstest in dem Sinne gibts doch eh nicht mehr. Niemand wird gezwungen in nem Röckchen sich auslachen zu lassen. Smile

Naja. Der Punkt, der bekanntlich für einen Alltagstest spricht - ohne dass ich diesen jetzt fordern würde! -, ist doch der: Da man als Trans*mensch regelmäßig nicht von einem Tag auf den anderen ein perfektes "Stealth"-Passing erreichen wird, sollte man auf soziale Reaktionen wie verwunderte, neugierige oder spöttische Blicke, Flüstern hinter dem Rücken, aggressive Reaktionen und anderes mehr vorbereitet sein und damit umgehen können, noch bevor man unumkehrbare Veränderungen an seinem Äußeren vornehmen lässt.
- Ich bin zwar F-64.1 aber deswegen trotzdem transident Tongue -
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