Transgender und Sozialleistungen
RE: Transgender und Sozialleistungen
Beitrag #41
Also wirklich, hat das noch irgendwas mit Sozialleistungen zu tun?

[Moderationsanmerkung: Berechtigte Frage! Daher drei Postings vor diesem Beitrag aus dem Thread gelöst und als neues Thema "Transgender - Ursachenforschung und Typenbildung" nach "Allgemeines" verschoben. 28.2.2012, Mike-Tanja]
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RE: Transgender und Sozialleistungen
Beitrag #42
Dann wäre der männliche TV negativ daraus definiert, dass er nicht anziehen kann was er will? Nur weil die männliche Kleidung vielleicht weniger sexuell stimulierend oder auffallend wäre, könnte es trotzdem theoretisch Frauen geben die tagsüber als Frau leben und abends immer sich verkleiden und als Mann auftreten. Weil Frauen jetzt einmal auf einem Ball im Frack stecken oder manchmal als Mann weggehen, entspricht das nicht diesem zwanghaften Doppelleben welches der männliche Transvestit führt, scheint mir. Es geht ja primär um die Frage warum man ein Verhalten setzt und nicht ob die Gesellschaft das jetzt akzeptiert oder nicht. Ich könnte mich ja jetzt auch so dezent als Frau anziehen dass ich kaum auffalle und niemanden besonders stören würde. Nur geht es halt wie ich finde um die Unbedingtheit, dass man sein Leben voll und ehrlich einheitlich lebt. Deshalb glaub ich auch, dass Frauen ihre FzM-Transidentität eher abgenommen wird als einem switchenden transsexuellen MzF, wo man nach der Motivation forschen könnte, ob er vielleicht nur auf nichts im Leben verzichten will.


Gender is a social and psychological construct. It is not inborn.
Some bodies are never at home, some bodies cannot simply cross from A to B, some bodies recognize and live with the inherent instability of identity
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RE: Transgender und Sozialleistungen
Beitrag #43
(27.02.2012, 10:24)Michaela1 schrieb: Ich möchte noch einmal die Schwierigkeiten von Transsexuella auf den Arbeitsmarkt aufgreifen.Es ist richtig,daß es bei allen Menschen Probleme bei der Arbeitssuche kommen kann. In der Privatindustrie hat es ein TS leider schwerer einen Job zu bekommen ,er muß eben besser Qualifiziert sein und ein entsprechendes Auftreten haben. Es kommt auch auf die Arbeit an,die man anstrebt. Gut,daß es in der heutigen Zeit auch Frauen in Männerberufe gibt,das erleichtert etwas die Angelegenheit. Leider, kann ich immer nur von der damaligen Zeit berichten,und meine Erfahrungen in der heutigen Zeit stützen sich auf Berichte von TS. Natürlich,leider hört man nur die negatieven Beispiele , die positiven werden verschwiegen,teis bewußt,teils unbewußt. Im öffentlichen Dienst dürften TS keine Probleme haben.Da gibt es Männer und Damen Toiletten,aber bei den Duschen schaut es vielleicht bereits anders aus. Aber auch sie gibt es. Bei kleinen Firmen im Handwerk ist es schon anders. Die meisten haben nur eine Toilette,das macht nichts,aber leider keine getrennte Duschen. Wenn ja,und in getrennte Räume und dann sind die Duschen und Waschräume offen und man kann sich sehen. Wohin geht dann der TS .Zu den Männern um seine Brust bewundern zu lassen,und seine wir uns ehrlich,die Sticheleien zu ertragen,oder zu den Frauen,um den Penis herzuzeigen. Ich hatte als Personalrat in Deutschland dieses Problem.Es ging nicht gut. Da ich damals auch selbst TS war(leider bei der Arbeit in Männerkleidung was ich heute noch bereue) konnte ich nach heftigen Debatten meine 2 Schützlinge in der Verwaltung,Stoffwirtschaft unterbringen. Um solche Schwierigkeiten zu umgehen werden TS nicht so gerne beim Handwerk eingestellt. Umso wichtiger ist bei TS ein korektes auftreten als Frau bei der Stellenbewerbung.Man sagt zwar immer die Leistung zählt,aber der erste Eindruck ist oft der wichtigste. Wenn man gleich den Mann in Frauenkleider erkennt,dann hat man schlechtere Karten. Dies ist leider so.Da hilft nichts wenn man sich auf die Gesetze beruft,vielleicht mit der Gewerkschaft klagt,vielleicht gewinnt,aber will man dann in diesen Betrieb noch arbeiten? Soll ich nun Beispiele aufzählen wo es Transexuelle schwerer haben ? Genauso gibt es auch andere Beispiele wo es gut ausgegangen ist. Es kommt halt immer auf den Meschen darauf an,der entscheidet,und den müssen wir überzeugen.

Also das mit den Duschen, Garderoben und Toiletten wird von den Firmen meistens nur als bequeme Ausrede benützt. Das trifft nämlich nicht nur TS, sondern in viel höherer Anzahl auch Frauen, die einen Männerberuf erlernt haben.

Ich weiß das, weil eine meiner Töchter Elektrikerin ist, und es für sie unmöglich war Arbeit im erlernten Beruf zu bekommen. Bund und Gemeinde berufen sich auf Aufnahmesperre wegen des vielfach geforderten Beamtenabbaus und der diversen Sparpakete, und Privatfirmen eben auf die leidige Toiletten- und Duschenfrage.

Daher habe ich das Thema einmal bei der Arbeiterkammer hinterfragt und erfahren, dass getrennte Garderoben- und Sanitärräume erst ab 5 MitarbeiterInnen des jeweils anderen geschlechts vorgechrieben sind. Bei bis zu 4 andersgechlechtlichen MitarbdeiterInnen kann das Problem durch organisatorische Maßnahmen, wie z. B. der Möglichkeit von innen abzusperren und getrennten Benutzungszeiten, gelöst werden.

Nur das wollen halt dien Firmen nicht, und erzählen daher lieber was von nicht vorhandenen getrennten Räumen


(28.02.2012, 09:05)jasmin conny schrieb: Dann wäre der männliche TV negativ daraus definiert, dass er nicht anziehen kann was er will? Nur weil die männliche Kleidung vielleicht weniger sexuell stimulierend oder auffallend wäre, könnte es trotzdem theoretisch Frauen geben die tagsüber als Frau leben und abends immer sich verkleiden und als Mann auftreten. Weil Frauen jetzt einmal auf einem Ball im Frack stecken oder manchmal als Mann weggehen, entspricht das nicht diesem zwanghaften Doppelleben welches der männliche Transvestit führt, scheint mir. Es geht ja primär um die Frage warum man ein Verhalten setzt und nicht ob die Gesellschaft das jetzt akzeptiert oder nicht. Ich könnte mich ja jetzt auch so dezent als Frau anziehen dass ich kaum auffalle und niemanden besonders stören würde. Nur geht es halt wie ich finde um die Unbedingtheit, dass man sein Leben voll und ehrlich einheitlich lebt. Deshalb glaub ich auch, dass Frauen ihre FzM-Transidentität eher abgenommen wird als einem switchenden transsexuellen MzF, wo man nach der Motivation forschen könnte, ob er vielleicht nur auf nichts im Leben verzichten will.

Wenn eine Frau in Jeans oder anderen Hosen, flachen Schuhen, ungeschminkt, kurzen Haaren und womöglich auch noch im Herrenhemd zu einem Vorstellungsgespräch kommt, dann wird sie trotzdem immer noch als Frau gesehen. Die Kleidung ist erst mal zweitrangig. Wenn sie nicht genommen wird, dann nicht deshalb weil sie jetzt ein Herrnhemd und Jeans getragen hat, sondern, weil man sich halt nicht unbedingt in legerer Alltagskleidung zu einem Vorstellungsgespräch geht.

Kommt hingegen ein Mann im Jeansrock oder einem anderen Rock, Stöckelschuhen, gechminkt mit langen Haaren und einer Bluse zu einem Vorstellungsgespräch, dan wiord er mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht genommen, weil der Personalchef meint, dass es eben nicht geht, dass ein Mann so unmännlich herumläuft.

Das Beispiel zeigt doch deutlich, dass es eben einen Unterschied macht ob eine Frau Männerkleidung oder ein Mann Frauenkleidung trägt.

Das muss einem zwar nicht gefallen, wir dürfen es als extrem ungerecht empfinden, aber es ist nun mal gesellschaftliche Realität.

Würden wir das ändern wollen, ginge das wohl nur genauso wie sich die Frauen das Recht auf Hosen erkämpft haben. Nämlich, dass viele Männer einfach in der Öffentlichkeit Röcke oder Kleider tragen. Und zwar unabhängig davon ob sie jetzt TG sind oder nicht.


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RE: Transgender und Sozialleistungen
Beitrag #44
Es ist keine Frage der Kleidung, es ist eine Frage der Geschlechtsidenität.
Wenn jemand darauf besteht dem Geschlecht anzugehören, daß nicht seinem biologischen Geschlecht entspricht, wird diese Person vor Probleme gestellt.
Eine Frau, die sich als Mann bei einem Arbeitgeber vorstellt wird genauso auf Probleme und Widerstände stoßen, wie ein Mann, der sich als Frau vorstellt. Die Frau hat natürlich den Vorteil, daß sie sich so männlich geben kann wie sie will, denn männliches Verhalten und Aussehen ist bei Frauen kein Tabu mehr. Es ist vielleicht verpönnt oder wird belächelt, aber das sind dann individuelle Einstellungen der Arbeitgeber. Nur in dem Moment, wo diese Frau drauf besteht, daß sie nicht Frau XY ist sondern Herr XY wird sie vor den selben Problemen stehen wie TVs und TSs, die sich um eine Stelle bewerben. Die TVs natürlich nur, wenn sie drauf bestehen als Frauen zu arbeiten.
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RE: Transgender und Sozialleistungen
Beitrag #45
Es ging hier aber nicht um TS, sondern darum weshalb wir nie was von weiblichen TV´s hören.
Ich gehe also jetzt einmal davon aus, dass eine Frau, die Männerkleidung trägt, sich aber als Frau XY vorstellt, kaum Probleme beim Bewerbungsgespräch haben wird. Bei einem Mann im Rock oder im Kleid ist das eben anders. Auch wenn er sich als Herr XY vorstellt.
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RE: Transgender und Sozialleistungen
Beitrag #46
Und wovon reden wir jetzt genau? Von TVs oder einfach nur von Leuten, die die Kleidung des anderen Geschlechts tragen?
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RE: Transgender und Sozialleistungen
Beitrag #47

Wir sollten vor allem von dem reden, was im Betreff des Themas steht: Transgender und Sozialleistungen.
- Ich bin zwar F-64.1 aber deswegen trotzdem transident Tongue -
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RE: Transgender und Sozialleistungen
Beitrag #48
Seh das mal so: Menschen die sich heute relativ willenlos einem Produktionssystem unterwerfen und sich laufend selbst disziplinieren um ökonomisch überleben zu können, werden nicht mutig ihre Rechte einfordern im anderen Geschlecht leben zu dürfen. Wer laufend seine Sinnlichkeit und Lebendigkeit hinter einer Charaktermaske verstecken muss und durch die Konkurrenz und die Ökonomie gezwungen wird sich immer nur als makelloses Äußeres zu verkaufen, wird seine Lebenslügen einfach so weiterführen, und gedrillt durch die dauernde erzwungene Konzentration auf sich selbst im Berufsleben, nach Feierabend seine Wünsche in Selbstbezogenheit und Kaufsucht ausleben anstatt lebendige kreative Beziehungen mit der Umwelt zu finden. Wenn es manchen gelingt diese neurotische Situation zu verlassen und dabei Sozialleistungen in Anspruch nehmen, wird der kapitalistische zerstörerische Todeslauf vielleicht etwas geschwächt aber es wird sicher ein ideeles und immaterielles Lebensglück produziert, das man sich nicht kaufen kann.
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RE: Transgender und Sozialleistungen
Beitrag #49
(01.03.2012, 10:10)jasmin conny schrieb: Seh das mal so: Menschen die sich heute relativ willenlos einem Produktionssystem unterwerfen und sich laufend selbst disziplinieren um ökonomisch überleben zu können, werden nicht mutig ihre Rechte einfordern im anderen Geschlecht leben zu dürfen. Wer laufend seine Sinnlichkeit und Lebendigkeit hinter einer Charaktermaske verstecken muss und durch die Konkurrenz und die Ökonomie gezwungen wird sich immer nur als makelloses Äußeres zu verkaufen, wird seine Lebenslügen einfach so weiterführen, und gedrillt durch die dauernde erzwungene Konzentration auf sich selbst im Berufsleben, nach Feierabend seine Wünsche in Selbstbezogenheit und Kaufsucht ausleben anstatt lebendige kreative Beziehungen mit der Umwelt zu finden. Wenn es manchen gelingt diese neurotische Situation zu verlassen und dabei Sozialleistungen in Anspruch nehmen, wird der kapitalistische zerstörerische Todeslauf vielleicht etwas geschwächt aber es wird sicher ein ideeles und immaterielles Lebensglück produziert, das man sich nicht kaufen kann.

Das hat einen sehr negativen touch - alles ist schlecht! Dem kann ich absolut nicht zustimmen. Mir geht es gut und ich habe in der Gesellschaft nicht die geringsten Probleme. Wo wir ein Problem haben, dann ist es die Arbeitslosigkeit bei Frauen 50+ und bei Teilzeit= niedrigere Pensionen. Da fragt am Ende niemand mehr, warum diese oder jene Frau an der Mindestpension herumkrebst und sich mal nicht mehr die Heizung für ihre Wohnung leisten kann. Da muss erstmal angesetzt werden. Viele Frauen wissen ja gar nicht, was lebenslange Teilzeit für Auswirkungen hat: Nämlich kaum mehr als Mindestpension! Ich ersuche doch mal über den eigenen Tellerrand zu blicken.

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RE: Transgender und Sozialleistungen
Beitrag #50
Es ist halt tragisch, daß niemand über den eigenen Tellerrand blicken kann. Ich kann mir nicht vorstellen wie es ist obdachlos zu sein und auf der Straße zu sitzen, weil dann würde ich das meiste Geld sicher für andere Zwecke verwenden. Ich kann mir aber auch nicht vorstellen mit einer guten Ausbildung und beruflichen Karriere dazustehen und sagen, es geht doch eh allen gut außer mal gewissen Randgruppen. Den meisten Menschen in unserer Gesellschaft geht es absolut nicht gut, man brauch sich nur die Zahlen von Depressionen und Burnouts ansehen. Und vor dem Hintergrund der apokalyptischen Katastrophe keine negative Einstellung zu haben finde ich optimistisch wie ein japanischer Atomwissenschafter zu sein.
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