Geschichtliches
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Beitrag #1
Im Frühling 2007 rief ich jene Therapeutin an, zu der ich heute noch Kontakt habe und hatte nur wenige Worte hinterlassen am AB "Bitte helfen Sie mir!"

Anfang 2008 machte mir meine Frau klar, dass Sie kein Kind von mir will, wenn ich weitermache. Diese Androhung und die polit. Situation, wie in dem Artikel vom 11.12.08 unten nachzulesen ließen mich noch 10 Jahre warten und verdrängen.

Ende 2008 kam mein Sohn zur Welt. Der heute morgen mit einem dicken Kuss und einer festen Umarmung an mich mitten auf der Straße vor allen Leuten zum Gymnasium ging.

Meine Ex-Frau schämt sich noch immer so für mich, dass sie mich bat, letzte Woche Dienstag nicht zum Elternabend mit zu gehen. Sie will nicht in der Öffentlichkeit mit mir gesehen werden. Macht sich angeblich Sorgen, dass dann unser Sohn darunter leidet. Und der wünscht sich, dass ich bei Aufführungen, etc immer dabei bin.

In ein paar Minuten gehe in die Schule um mich bei den Leherinnen vorzustellen. Bei der Vetrauenslehrerin (Christa) machte ich vor 25 Jahren meine Deutsch Matura.

Transsexualität ist so normal bzw. abnormal wie man damit umgeht - eben wie bei jedem anderen Thema.

Wie erging es euch?

https://www.derstandard.at/story/1227288...ll-an-vwgh
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RE: Geschichtliches
Beitrag #2
(24.09.2019, 10:22)Patricia1975 schrieb: ...........................
Transsexualität ist so normal bzw. abnormal wie man damit umgeht - eben wie bei jedem anderen Thema.

Wie erging es euch?

https://www.derstandard.at/story/1227288...ll-an-vwgh

Ich denke, das Gespräch mit Deiner Ex-Lehrerin ist gut verlaufen. Ich hoffe für Dich, Deine Frau kann bald so normal mit der Transsexualität umgehen, wie sie es könnte, wenn Du nicht der Vater Eures Sohnes wärest. Vielleicht braucht sie Abstand.

Der Artikel aus 2008, den Du angeführt hast, ist ein aus juristischer Sicht sehr interessanter Artikel. Er beschreibt die Überführung eines der wichtigsten Urteile, den Fall des Operationszwangs 2009 für eine Personenstandsänderung vom damals für unzuständig erklärten Verfassungsgerichtshof zum Verwaltungsgerichtshof. Das später erfolgte Urteil des VwGH (Februar 2019) hob die Zwangssterilisation transsexueller Menschen auf. Sehr viele Länder beneideten uns damals!
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RE: Geschichtliches
Beitrag #3
(02.10.2019, 17:44)Sopherl schrieb: [hier gekürzt]

Der Artikel aus 2008, den Du angeführt hast, ist ein aus juristischer Sicht sehr interessanter Artikel. Er beschreibt die Überführung eines der wichtigsten Urteile, den Fall des Operationszwangs 2009 für eine Personenstandsänderung vom damals für unzuständig erklärten Verfassungsgerichtshof zum Verwaltungsgerichtshof. Das später erfolgte Urteil des VwGH (Februar 2019) hob die Zwangssterilisation transsexueller Menschen auf. Sehr viele Länder beneideten uns damals!
Das Erkenntnis des Verwaltungsgerichtshofs (VwGH) vom 27. Februar 2009, Zl. 2008/17/0054, VwSlg 17640 A/2009, hat tatsächlich den OP-Zwang ein für allemal aus der österreichischen Rechtsordnung entfernt.

Eigentlich hätte man das zehnjährige Jubiläum des Datums dieses denkwürdigen Beschlusses des Senats 17 des VwGH in der TG-Gemeinschaft zu einer Feier- oder Gedenkstunde nützen sollen. Der (veröffentlichte) wichtigste (Rechts-) Satz aus dieser Entscheidung mag in der Gegenwart nicht alle Anforderungen jeder/jedes Diskutantin/Diskutanten an den korrekten Sprachgebrauch erfüllen, aber die Essenz, die ich ohne juristische Floskeln so formulieren würde, wird Bestand haben: "Der Rechtsbegriff des Geschlechts ist keine Frage der Gene oder der Genitalien sondern eine der sozialen Wirklichkeit; das Geschlecht im rechtlichen Sinne kann daher ohne Skalpell geändert werden." Das bedeutet zwar keine freie Wahl des rechtlich relevanten Geschlechtseintrags in staatlichen Registern und auf diesen basierenden Urkunden, aber die Hürden sind seither niedrig und können meines Erachtens von jedem Menschen bei Bedarf übersprungen werden.

Vielleicht ist die TG-Welt da auch durch ein offenes juristisches Mondfenster gehüpft, das sich so nicht mehr öffnen würde. Nachher kamen zwar als weitere juristische Sternstunden noch die "Ehe für alle" und die Durchbrechung des binären Geschlechtssystems (für nachweislich intersexuelle Menschen), beides Errungenschaften der Rechtsprechung des Verfassungsgerichtshofs. Aber seither arbeitet die politische Führung tendenziell gegen uns.  Undecided
- Ich bin zwar F-64.1 aber deswegen trotzdem transident Tongue -
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RE: Geschichtliches
Beitrag #4
Habe eben von Bekannten in der DGTI wieder erschütternde Nachrichten bekommen. Da wurden einer Bekannten die Gutachten von drei Richtern regelrecht abgeschmettert. Ja, das löuft dort über Gerichte. Von Menschen die nicht nur keine Betroffenen sind oder kennen wie viele Therapeuten - nein, die haben ja nicht mal irgendeine Ahnung.

Es lebe der öst. VFGH! Auch wenn bei uns viel geschimpft wurde - aber zumindest der VFGH ist eine letzte Stütze der Demokratie und der Menschenrechte in Österreich!
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RE: Geschichtliches
Beitrag #5
(24.09.2019, 10:22)Patricia1975 schrieb: Transsexualität ist so normal bzw. abnormal wie man damit umgeht - eben wie bei jedem anderen Thema.
Wie erging es euch?

Die Frage hinterläßt mich ratlos. Wer geht denn mit wem bzw. womit um?

Zu meiner alten Schule bzw. Mitschülern habe ich schon lange keinen Kontakt mehr. Das ist schade, aber die mögen mich nicht.

Dafür hatte ich keinen Ärger mit Gutachtern und Bureaukratie. Kann mich ja damit trösten, das sei wichtiger Undecided
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RE: Geschichtliches
Beitrag #6
ich finde nicht, das TS normal ist. Obwohl ich selbst davon betroffen bin, empfinde ich es als etwas sehr Belastendes mit dem ich nicht wirklich umgehen kann. Mich hat das in meinem bisherigen Leben sehr eingeschränkt. Ich weiß eh, dass ich diese "Eingeschränktheit" als Chance wahrnehmen sollte. Aber seien wir uns ehrlich: es ginge auch einfacher. Was mir trotzdem bisher ein großes Rätsel bleibt: wieviel seiner eigenen Unzufriedenheit ist tatsächlich auf TS rückzuführen.
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RE: Geschichtliches
Beitrag #7
Die Antwort auf Frage, ob TS "normal" ist, kann nur kulturell relativ sein. Im derzeitigen weltweiten Durchschnitt wohl nicht. In historischer und ethnographischer Perspektive wohl doch. Wobei sich aber auch die Frage stellt, was "TS" dann zu bedeuten hätte. Dennoch stellt das den gegenwärtigen Mainstream äußerst radikal in Frage.

Geärgert haben mich transphobe Anfeindungen Angry Mit mir selbst hatte ich keine Probleme (zumindest in dieser Hinsicht). Wer bzw. was sollte ich auch sonst sein?

In meiner jetzigen Lebenssituation sehe ich allerdings auch keine besondere "Chance", denke eher, daß es egal wäre. Wäre ich C♀, wäre es natürlich manches "einfacher" gewesen, aber ich wäre nicht gezwungen gewesen, mich mit manchem fortlaufend auseinanderzusetzen.

Von meinen Lebensunzufriedenheiten wäre wohl eher keine auf TS zurückzuführen.
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RE: Geschichtliches
Beitrag #8
Je tiefer man sich in die Materie einlässt, desto klarer ist die Erkenntnis, das Wissen, dass das menschliche Gehirn keinen on/off Schlater für männlich/weiblich hat. Es reicht von bis.

Ebenso, wie nicht jeder gleich lange Finger hat und jemand mit kürzeren ist nicht abnormal.

Nur durch die gesellschaftliche Sozialisation wurde der Mensch strikt in Mann und Weib geteilt (das musste nun sein als alte Religionshasserin).

Es gab schon immer Völker fernab unserer klass. Gesellschaften in denen Transsexuelle nicht existierten - nicht weil es sie nicht gab, sondenr weil es keine Gründe gab sie als solche zu bezeichnen. Siehe Two-Spirits im NW-Territorium in Nordamerika. Dort wurden solchen Menschen sogar besondere Kräfte zugesprochen.

Was mich wieder zu der Frage bringt - wäre unsere Gesellschaft so ... würden wir eine GAOP wollen oder könnten wir dann ohne eine erfülltes Leben leben???
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RE: Geschichtliches
Beitrag #9
(05.10.2019, 10:09)Patricia1975 schrieb: Was mich wieder zu der Frage bringt - wäre unsere Gesellschaft so ... würden wir eine GAOP wollen oder könnten wir dann ohne eine erfülltes Leben leben???

Ein Hinweis könnte sein, daß es in Nordamerika zumindest einige jüngere Leute gibt, für die sich Twospiritedness und Transgender (i.w.S.) nicht ausschließen. Die heutige Lebenssituation ist allerdings durchaus durch Transphobie auf Reservationen sehr erschwert. Da ist die zu verlassen doch manchmal eine Erwägung wert.

Nun gut, wenn man in der "guten alten Zeit" monokulturell (mehr oder weniger, ich weiß schon...) aufwuchs, dann lagen bestimmte Lebensmöglichkeiten nahe.

Die GA-OP würde ich nicht zum Aushängeschild machen wollen.

Für mich selbst muß ich freilich zugeben, in dem Moment, als ich von der Möglichkeit erfuhr, dachte ich spontan, das will ich Smile Und das habe ich ja dann auch hinbekommen Smile
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RE: Geschichtliches
Beitrag #10
(05.10.2019, 12:02)Sunburst schrieb: Für mich selbst muß ich freilich zugeben, in dem Moment, als ich von der Möglichkeit erfuhr, dachte ich spontan, das will ich Smile Und das habe ich ja dann auch hinbekommen Smile

Das war bei mir nicht anders. Ich könnte nicht mehr sagen wann dies war, da ich lange Zeit gar nicht wahrhaben wollte, was los ist mit mir. Aber den Moment gab es.
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