TG und die schwierige Arbeitswelt
RE: TG und die schwierige Arbeitswelt
Beitrag #71
Naja ich habe schon einige Optionen in der Hinterhand!Ich könnte ab Juni einen Krankenpflegerinnenkurs starten oder bei meiner Firma als Portierin anfangen!Aber das Problem das ich halt habe ist,das es mich finanziel ganz schön droppt und ausserdem sind beide Sachen(speziell der Krankenpfleger)so dermaßen außerhalb meines bisherigen Tätigkeitsfeldes,das ich nicht weiß ob ich es machen soll!Denn nur keine Sorge Ann Lie!Mir ist das mit der Arbeitslage und so schon bewußt!Aber erstens gibt es in einem Stahlwerk keine Teilzeit(wie es im Büro aussieht weiß ich nicht,aber in der Produktion gibt es sowas nicht),zweitens hätte ich kein interesse an Teilzeit und drittens hatte ich schon seit Ende Jänner,Anfang Februar Zeit mir wegen Kündigung und was ich danach mache,denn Kopf zu zerbrechen!Nur ist es was denn Job angeht auch eine Herzangelegenheit und ich gebe zu das ich nicht nur meine Arbeitskollegen ins Herz geschlossen habe,sondern ich habe auch meinen Job geliebt!Und das ist halt total blöd und ich hasse diese Situation total!

Heart Kisses Chiara Heart
Für immer Böhse. 

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RE: TG und die schwierige Arbeitswelt
Beitrag #72
Hallo

Das ist sicher sch... wenn frau den Job liebt und auch die Kollegen. Dass es da keine Teilzeitmöglichkeit gibt wusste ich nicht. In der Krankenpflege hast du eher die Option, ich bin Röntgentechnikerin im KH und hab auch mit Pflegern und Schwestern zu tun da ist Teilzeit nix ungewöhnliches. Mit Zulagen kompensiert frau das eher hängt natürlich von der Stelle ab. Bei uns in der Abteilung sind viele in Teilzeit nicht nur ich. Kannst es dir ja überlegen aber um deinen jetztigen Job den du ins Herz geschlossen hast ist es für dich natürlich schade.

LG Ann Lie
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RE: TG und die schwierige Arbeitswelt
Beitrag #73
Hi Chiara,

blöde Situation. Bringt ja nichts, wenn du dich kaputt machst. Aber jetzt zu kündigen, ist auch nicht die Sahne am Kuchenstück. Vor allem wegen deiner Kollegen, die du ja liebst. Ich weiß nicht, wie groß der Betrieb ist, aber eventuell gibt es Arbeiten für dich, die etwas leichter sind, nur mit der Aussicht, weniger zu verdienen. Krankenpflegeausbildung finde ich gut. Ein richtiger Frauenberuf Wink. Nur sollte es für dich keine Notlösung sein, die dich bloß in ein paar Jahren wieder grübeln lässt.

Wünsch dir alles Gute

Meandra
Wir Transfrauen sind etwas Besonderes, mit einem speziellen Gen Heart
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RE: TG und die schwierige Arbeitswelt
Beitrag #74
Was es bedeutet Kranke zu pflegen weiß ich( ich habe meine Eltern beide bis zu ihrem Tod gepflegt!),ich weiß was es bedeutet 24/7 sich um hilflose Menschen zu kümmern(Windeln wechseln,Baden,Infusionen wechseln)!Also wenn ich mich entscheide diesen Kurs und diesen Job zu machen,ist es nicht nur Notlösung,sondern eine Herzensangelegenheit!Das einzige was mich noch davon abhält ist die Tatsache,das ich immer voll heulen muß,wenn ich sehe oder höre das es wem total schlecht geht!Und das ist es was ich irgendwie in denn Griff bekommen muss!
Für immer Böhse. 

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RE: TG und die schwierige Arbeitswelt
Beitrag #75
im Rettungsdienst habe ich gelernt, härter im Nehmen zu sein. Ich habe viel Leid erfahren müssen, habe tote Kinder in den Händen gehalten, Angehörige betreut, mitangesehen, wie eine Ehefrau ihrem toten Mann die Hosen anzog, weil sie irgendwie eine Normalität haben wollte.

Krankenpflege ist eine Herzensangelegenheit, und wenn das der Job für dich ist, den du gerne machst, dann mach ihn. Aber du weißt ja, er wird niemals einfach werden.
Wir Transfrauen sind etwas Besonderes, mit einem speziellen Gen Heart
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RE: TG und die schwierige Arbeitswelt
Beitrag #76
Hallo

Wenn es eine Herzensangelegenheit ist und du schon gewisse Erfahrung hast dann mach ihn ich finds toll denn viele machen einen medizinischen Beruf weils halt ein Job mit gewisser Sicherheit noch ist aber so ganz und gar nicht dafür geeignet sind. Solche Leute brauchen wir in der Medizin. Natürlich hat jeder Beruf auch seine Schattenseiten aber damit muss jeder umgehen lernen.

LG Ann Lie
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RE: TG und die schwierige Arbeitswelt
Beitrag #77
Ich habe mich für heute Gesund schreiben lassen(obwohl ich das noch lange nicht bin^^!Aber ich habe endlich Nägel mit Köpfen gemacht und Gekündigt!Seit Donnerstag(wo ich wegen der kündigung in meiner Firma war)bin ich deshalb bin ich nur noch am überlegen ob es das Richtige war und meine Kollegen haben es mir auch nicht einfach gemacht(die haben es versucht mir auszureden)und ich bin irgendwie vollkommen verwirrt!Am Arbeitsamt(wo ich heute war,da mir die Kündigungsbestättigung per Post geschickt wurde)wurde mir auch gesagt das ich mal Langsam wieder irgendwas mache und nicht so wie sagte das ich sofort alles annehme was nicht mit Körperlicher Arbeit zusammenhängt(da es ja nicht darum geht das ich nicht Arbeiten will,sondern die Arbeit war mir einfach zu schwer)!Und ich muß zugeben das ich jetzt schon meine Arbeit und meine Kollegen vermisse(morgen fahr ich eh rauf und besuche sie^^)!Ich könnte mich nicht erinnern auch nur annähernd so eine schwere Entscheidung getroffen zu haben!Also sollte ich in nächster Zeit extra abwesend oder komisch wirken,das ist der Grund!Da ich zzt.einfach nicht darauf klarkomme!

MFG Chiara
Für immer Böhse. 

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RE: TG und die schwierige Arbeitswelt
Beitrag #78
... zwar schon etwas älter, aber gerade gefunden: "BAG: Ablehnung eines transsexuellen Bewerbers kann Entschädigungsanspruch aufgrund Benachteiligung wegen "Geschlechts" oder "sexueller Identität" begründen": http://www.kostenlose-urteile.de/Urteil23306

Ich finde den vorliegenden Fall ja ziemlich krass:
Zitat:[gekürzt] 
Die Klägerin führte dazu aus, dass der Mitarbeiter sie zu Beginn des Vorstellungsgesprächs wortlos angesehen und dann zweimal gesagt habe, dass doch eine Frau habe kommen wollen, obwohl sie ihm bereits beim ersten Mal gesagt habe, dass sie die angekündigte Frau sei. Daraufhin habe der Mitarbeiter hinter eine Tür geschaut und so getan, als ob er eine Frau suche. Erst nach längerem Zögern habe eine halbherzige Besichtigung des Unternehmens stattgefunden.
...
Frage dazu: Wie sieht das eigentlich in der Praxis (und auf Österreich bezogen) aus? Welche Art von Indizien müssten vorliegen um überhaupt davon ausgehen zu können dass TS der Grund für die Ablehnung war? Reichen dafür schon abwertende Blicke oder müsste es sich um eindeutig diskriminierende, verbale Aussagen oder sonstige Handlungen handeln? Und würde es überhaupt Sinn machen diesbezüglich etwas zu unternehmen?

@mike-tanja: Vorweg, ich kenne bereits deinen Beitrag zu diesem Thema: http://community.transgender.at/showthre...1#pid55891 aber der beantwortet meine konkreten Fragen nicht  Shy
[Bild: bild1.jpg]  IF AT FIRST YOU DON'T SUCCEED, FIX YOUR Ponytail AND TRY AGAIN.[Bild: bild0.jpg]
Zitat

RE: TG und die schwierige Arbeitswelt
Beitrag #79
(08.01.2017, 12:06)chipsi schrieb: Frage dazu: Wie sieht das eigentlich in der Praxis (und auf Österreich bezogen) aus? Welche Art von Indizien müssten vorliegen um überhaupt davon ausgehen zu können dass TS der Grund für die Ablehnung war? Reichen dafür schon abwertende Blicke oder müsste es sich um eindeutig diskriminierende, verbale Aussagen oder sonstige Handlungen handeln? Und würde es überhaupt Sinn machen diesbezüglich etwas zu unternehmen? [hier gekürzt]

Da gemäß § 12 Abs. 12 Gleichbehandlungsgesetz (GlBG) die betroffene (= diskriminierte) Person als Kläger/in nur eine Bescheinigungslast für die verbotene Diskriminierung, die/den Prozessgegner/in nach erfolgter Bescheinigung (= Glaubhaftmachung) aber die Beweislast für andere (rechtmäßige) Motive des Handelns trifft, sind die rechtlichen Voraussetzungen in dieser Situation eigentlich sehr günstig.

Auch für eine Bescheinigung gilt das Prinzip der freien Beweiswürdigung. Es gibt also keine festen Regeln (etwa: "eine Urkunde zählt mehr als eine Zeugenaussage" oder "was zwei Zeugen übereinstimmend aussagen, gilt als bewiesen"), wann etwas als bescheinigt gilt. Man muss das Entscheidungsorgan überzeugen.

Fazit: Man muss glaubhaft machen, wegen seiner Geschlechtsidentität diskriminiert worden zu sein. Wie sich die Diskriminierung manifestiert, ist theoretisch einerlei. Ideal wäre es natürlich, es schriftlich zu haben ("...haben wir in unserem Unternehmen keinen Platz für geistig labile Transen."), aber das passiert natürlich nicht.  
- Sag' Du mir, in welche Schublade ich passe! Wave   -
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RE: TG und die schwierige Arbeitswelt
Beitrag #80
Um mal ganz allgemein zu sprechen, also weder trans- noch östrreich-spezifisch, sind solche Dinge wie Diskriminierung und Herabwürdigungen immer sehr schwer glaubhaft zu machen.
Ich als Beschäftigte in der Zeitarbeit weiß nur zu gut, wie so einige Kollegen und Vorgesetzte mit "extrenen Mitarbeitern" umgehen bzw. sich gegenüber diesen äußern.
Nur diese ganzen Details lassen sich schwer belegen, gerade wenn es um Verhalten oder Äußerungen geht, die im 2-Personen-Gespräch gefallen sind.

Das ganze wird in den meisten Fällen auf (berechtigten) Zweifel hinaus laufen. Die Menschen neigen dazu sowas zu relativieren, das typische "Das müssen Sie nicht so eng sehen, das war bestimmt nicht so gemeint." oder "Vielleicht war die Person gestresst und schlecht drauf. Die hat eben nur ihre schlechte Laune an Ihnen ausgelassen, dass war nicht gegen Sie gerichtet."
Und selbst wenn man die eigenen Ausführungen glaubhaft darlegen kann, hat das Gegenüber immernoch genug Möglichkeiten sich rauszureden: "An die Begebenheit kann ich mich nicht mehr erinnern, ich weiß nicht mehr was ich gesagt habe." oder "So in der Form habe ich das nie gesagt."
Und dann steht Aussage gegen Aussage.
Ich denke mal solange es nichts schriftliches gibt oder die Person so ungeschickt ist und sich selbst belastet oder es Zeugen gibt, die eindeutig etwas diskriminierendes/beleidigendes gesehen haben, dürfte es schwer werden.
Gerade bei einem nur einmaligen Vorfall wie einer Bewerbung. Und dann muss man ja auch noch einen Zusammenhang zwischen diesem Verhalten und der späteren Absage herstellen.

Also ich sehe da keine echte Chance, damit Erfolg zu haben.
Zu viel Wahrheit wird nicht erkannt; Zu viel Tod am Wegesrand.
Erst auf den zweiten Blick; Erkennst du was dahinter steckt.
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