Wie sagt man es seinem Kind.... ?
Wie sagt man es seinem Kind.... ?
Beitrag #1
Hey ihr Lieben  Smile


In meinem engeren sozialen Umfeld habe ich m ich weitgehend als Transsexuelle geoutet, einige Freundschaften sind zerbrochen und in anderen Freundschaften fühle ich mich sogar jetzt vertrauter und geborgener als zuvor. Das schwierigste Gespräch steht mir jetzt bald bevor -> ich muss mit meiner Tochter über darüber sprechen, dass ich mich verändern werde.

Natürlich kennt meine kleine Tochter mich primär alls männliche Vaterfigur und ich dosiere meine Mädchenseite ich ihr gegenüber sehr sparsam und überlegt. Sie ist mit ihren 12 Jahren reif genug, so dass ich glaube dass mich verstehen wird.   

An alle Mamas und Papas hier, wie alt waren eure Kinder als ihr mit ihnen darüber gesprochen habt?  Wie haben sie es aufgenommen? Wie seht ihr dieses Thema? Habt ihr Tipps?

Teilt ihr eure Erfahrungen mit mir?

Favorite Danke für eure Antworten

lg Sophia
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RE: Sie sagt man es seinem Kind.... ?
Beitrag #2
Oh, auch 12 Wink so wie meine... das war gleich mal mein erster Gedanke.

Meine Tochter kennt mich eigentlich eher nur von meiner "weiblichen Seite", da ich nie so wirklich eine "strenge Vaterfigur" war, sondern eher immer diejenige in der Familie, die den Ausgleich gesucht hat, wenn es mal Zoff gab.

Gerade heute habe ich sie gefragt, ob sie mich eigentlich bisher als männlich oder als weiblich wahrgenommen hat - und sie meinte, ich wäre immer so eine Art Zwilling von ihr. Ich verstehe sie, was meine Frau (aka die Mama) nicht macht etc.

Insofern freut sie sich höchstens tierisch, dass sie jemanden hat, mit der sie Schminktipps austauschen kann (und die auch schon mal mit ihr zu dm läuft um irgendeine angesagte Schminkpalette zu kaufen).

Ich denke also, es wird wohl nicht so schlimm werden. Weise sie halt auf deine weiblichen Eigenschaften / Charakterzüge hin, die sie eh schon von dir kennt und nur vielleicht nicht als solche identifiziert hat (der Tipp kommt übrigens nicht direkt von mir, sondern von meiner Psychotherapeutin Wink ).

Ich wünsche euch beiden jedenfalls viel Glück und alles Liebe!
Eva

Favorite -lich,
Eva

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RE: Sie sagt man es seinem Kind.... ?
Beitrag #3
(21.01.2020, 17:33)Atellana schrieb: Meine Tochter kennt mich eigentlich eher nur von meiner "weiblichen Seite", da ich nie so wirklich eine "strenge Vaterfigur" war, sondern eher immer diejenige in der Familie, die den Ausgleich gesucht hat, wenn es mal Zoff gab. 

Danke für deine Rückantwort  Heart Für meine kleine Maus bin ich auch nicht der 'strenge' oder unnahbare Vater, ganz im Gegenteil, in unserer Familie hatte ich immer die weibliche Hauptrolle Wink Wir haben eine sehr entspannte Vater-Tochter-Beziehung und sie kennt mich auch als verständnissvoll, sanft, .... ich bin mir aber unsicher ob sie aber diese Veränderung akzeptieren kann, oder ob ich nicht sogar Schaden in ihrer Entwicklung zufüge. 

Darf ich dir noch zwei Fragen stellen:
Wie alt war deine Tochter als sie es erfahren hat? Und wie lebst du deine Mädchenseite im Alltag?

PS: Ich glaube, du wirst mal 'ne richtig gute Fee Wink

lg Sophia
Zitat

RE: Sie sagt man es seinem Kind.... ?
Beitrag #4
Naja, ich hatte meine "Erleuchtung" erst vor wenigen Wochen, und bin gerade dabei, meine Umwelt zu konfrontieren. Wobei meine Familie schon die ersten waren (noch in den Weihnachtsferien), erst danach mein Arbeitsumfeld. Ich mache einfach die "Augen zu und durch"-Methode, weil ich einfach eine sehr extrovertierte Person bin (was ich aber auch erst im Laufe meines Lebens mühsam erarbeitet habe). Es ist halt leider so, dass die wenigsten Menschen subtile Zeichen deuten können oder wollen, also sage ich lieber gleich, was Sache ist. Dass ich seit längerer Zeit mit langem Haar, bunter Kleidung und Ringen an allen Fingern herumlaufe hätte ja auch ein Zeichen sein können, dass da "etwas" heraus will. Aber was genau, das ist mir eben erst selbst um Weihnachten herum klar geworden... Und plötzlich waren da XXL-Frauenklamotten und Schminkzeug bei Papa zu finden Wink

Favorite -lich,
Eva

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RE: Sie sagt man es seinem Kind.... ?
Beitrag #5
Bei mir war es eigentlich sehr unkompliziert. Mein Sohn war 2 als ich mich geoutet habe. Jetzt ist er 5. Er kennt mich als Mann eigentlich nur von Fotos, aber das passt für ihn und er hat kein Problem damit. Ich bin trotzdem sein Papa aber trotzdem ein Mädchen und die Sonja. Er ist was das Thema betrifft schon sehr aufgeklärt für sein Alter. Wir sprechen immer wieder über das Thema und er kann alles nachvollziehen. Natürlich in den Möglichkeiten eines Kindes.
Bei älteren Kindern kann man sicher etwas tiefgreifendere Gespräche führen.
Zitat

RE: Sie sagt man es seinem Kind.... ?
Beitrag #6
(21.01.2020, 21:40)SonjaSis schrieb: Bei mir war es eigentlich sehr unkompliziert. Mein Sohn war 2 als ich mich geoutet habe. Jetzt ist er 5. Er kennt mich als Mann eigentlich nur von Fotos, aber das passt für ihn und er hat kein Problem damit.

Du hast richtig Glück dass dein Sohn noch so jung ist. In diesem Alter erkunden Kinder die Welt und alles ist irgendwie selbstverständlich und wird der eigenen Realität einfach hinzugefügt wie es ist. Und ggf mit Warum-Fragen erweitert Wink

Mit ihren 12 Jahren stellt meine Prinzessin mir da schon andere Herausforderungen. Sie kennt mittlerweile ihres Papas Schwäche für Nagellack und Schmuck und noch einige 'Marotten' mehr, aber im Alltag lebe ich für sie weitgehend als Mann/Vater. In ihrem Alter nimmt sie gerade die ersten Schritte in der Entwicklung zur Frau und lernt ihre geschlechtliche Rolle anzunehmen. Es ist denke ich einfach wichtig für eine Jugendliche, dass sie in ihr Frauenleben frei hineinwachsen kann und ihre Rolle im Leben ohne zu zweifeln annimmt. Ich habe ein wenig die Sorge, dass wenn ich jetzt in eine andere Genderrolle wechsele, daß sie sich für ihre Entwicklung für sie entwicklungspsychologisch schaden könnte. 

Auf der anderen Seite fällt es mir immer schwerer in meiner männlichen Genderrolle zu leben.

Geniesse die Zeit mit ihm, liebe Sonja, diese kleinen Monster werden ja so schnell groß Big Grin ich freue mich für euch mit, dass dein Sohn dich schon als Frau kennenlernen durfte.

lg Sophia
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RE: Sie sagt man es seinem Kind.... ?
Beitrag #7
(22.01.2020, 13:51)transgirlSophia schrieb: Auf der anderen Seite fällt es mir immer schwerer in meiner männlichen Genderrolle zu leben.

Also mir wäre das jetzt sowieso schon zu mühselig, noch irgendwo den Mann zu "spielen", das einzig "männliche", das ich noch mache, ist, die Männertoilette zu benutzen, weil sich doch die Frauen möglicherweise unbehaglich fühlen könnten, wenn ich auf ihrer Toilette auftauche. 

Und ich freu mich tierisch, wenn ich Komplimente von meinen Arbeitskolleginnen bekomme wegen meines Styles.
(Gut, in Tirol bist du schon gestylt, wenn du nicht in Funktion-Sportkleidung auftauchst).

Aber zurück zum Tochter-Thema: meine war ja ganz hin und weg, als ich ihr eröffnete habe, dass Raffa, eine ihrer Youtube-Stars (Raffas Plastic-irgendwas-Schlagmichtot-Schmink-und Styling-Kanal) eine Transfrau ist (so wie die Papa) Wink

Favorite -lich,
Eva

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RE: Sie sagt man es seinem Kind.... ?
Beitrag #8
Ich habe es meinem Sohn im Winter 2017 gesagt. Da war er 9 Jahre alt. Und bis heute war es nie ein Problem.

Ich habe eher Angst, wenn man die Pubertät eintritt. Habe aber immer in der Volksschule und auch jetzt in der AHS mit den Lehrerinnen darüber gesprochen.
Transsexualität ist kein Fehler - Transsexualität ist nichts besonderes - Transsexualität ist einfach ganz normal Favorite

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RE: Wie sagt man es seinem Kind.... ?
Beitrag #9
hey ihr Lieben Smile

Danke für eure Tipps. Ich habe es in den letzten Tagen endlich hinter mich gebracht meiner Tochter offen zu erzählen. In meiner Familie war ich schon immer die weibliche Rolle und so war es doch überraschend einfach.

Hier sind noch ein paar Tipps von meiner Seite falls ihr dieses Coming-Out noch vor euch habt:

  - hilfreich waren bei mir vorbereitend kleine Änderungen meines Aussehens (Haare wachsen lassen, Fingernägelchen lakieren, Nachthemdchen anstatt männlicher Schlafanzüge, ... )
  - die weibliche Rolle zu leben und dem Kind ein eher mütterliches Verhältniss zu haben
  - kindliche Vertrauenspersonen einbeziehen (in meinem Fall ihre körperliche Mama) die zu euch steht und eurem Kind signalisiert dass das okay ist
  - lasst euch viel Zeit damit die Kleine nicht mit allzu großen Veränderungen konfrontiert ist
  - Vertrauen haben dass alles gut wird

Fehler die ihr vermeiden könnt:

  - Schule und offizielles Umfeld unbedingt mit ins Boot holen (Die haben tatsächlich das Jugendamt eingeschaltet weil ich zu meiner Tochter ein 'nicht der Vaterrolle entsprechendes karmisches Verhältnis' (Orginalzitat der Lehrerin!!!) hätte Sad )

@Atellana, Sonja und Patricia: Danke für eure Hilfe Smile Ihr seid drei echt gute Seelen und ich bin soo froh dass ihr da seid!!!!  Heart2 Heart2 Heart2 

liebe Grüße
Sophia Shiva
Zitat

RE: Wie sagt man es seinem Kind.... ?
Beitrag #10
Hallo Sophia, ich finde es super das du es ihr gesagt hast und das Verhältnis zwischen euch beiden gut ist. Bei mir ist das Verhältnis zwischen meiner Stieftochter und mir eigentlich gut. Ich habe habe mich nach der Trennung von ihrer Mutter und mir, mich weiter um sie gekümmert, aber als ich mich dann geoutet habe hat sie mir den Kontakt zu meiner Stieftochter untersagt. Aber ich gebe die Hoffnung nicht auf und warte darauf, dass sie älter wird und sie sich vielleicht bei mir melden wird. LG Christin
Zitat



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