Ich halte es nicht mehr aus!
Ich halte es nicht mehr aus!
Beitrag #1
Erst einmal hi ich bin Alia und neu hier im Forum, ich suche gleichgesinnte, Ratschläge oder einfach nur jemanden der mich versteht.

Mein Weg begann vor etwa 2 Jahren als ich mich entschied endlich zu mir zu stehen, ich bin eine Frau!
Ich sprach mit meiner Therapeutin darüber und wir schauten gemeinsam ob ich auch wirklich Trans bin oder nicht, sie bemühte sich sehr aber da sie keine Erfahrungen mit dem Thema hatte, konnte und wollte sie mir die Diagnose nicht geben. Das war nach einem halben Jahr, ich war wirklich sehr geknickt gab aber nicht auf, ich suchte mir einen neuen Therapeuten.
2 Monate später fand ich einen, ich fing dort eine Therapie an. Er war aber nicht wirklich an mir interessiert sondern an Forschungsergebnissen, es war eine Studie an der ich teilgenommen hatte, wie sich eine Onlinetherapie auf Transpersonen auswirkt am Ende stand natürlich die Aussicht auf eine Indikation, sonst hätte ich nicht teilgenommen.
Nach 4 weiteren Monaten hatte ich dann das Gespräch und ich bekam die Indikation natürlich nicht, er bot mir aber an das ich in seine Ambulanz wechseln kann und wir die Therapie fortsetzen.
Ich nahm das Angebot an suchte aber bereits nach Möglichkeiten um mich schon selber medikamentös zu behandeln damit es wenigstens schon mal losgeht. 
Ich schaffte es mir die Pille zu bekommen und nahm sie dann auch, mir ging es erst einmal besser, dachte es würde jetzt endlich los gehen aber naja, die Dosis reichte einfach nicht aus.
Nach 3 weiteren Monaten Therapie bei ihm hatte ich dann wieder ein Gespräch mit ihm und dem Arzt dort. Ich hatte schon in der Hoffnung das ich die Indikation bekomme, im Vorfeld einen Termin bei einem Endokrinologen gemacht aber wie ihr euch denken könnt bekam ich die Indikation wieder nicht.
Ich brach die Therapie ab, 7 Monate Zeit verschwendet für rein gar nichts!
Ich kam an richtige Hormone, trotzdem es war nur ein kleiner Trost für mich, dazu kam dann die ständige Unsicherheit das ich bei der Medikamentation etwas falsch mache, ich ging zu meinem Hausarzt und bat ihn um Hilfe, er könnte auch bei meiner Therapeutin (die erste von oben) anrufen die inzwischen felsenfest davon überzeugt ist das ich Trans bin. Er tat es und wir machten einen neuen Termin. Bei unserem nächsten treffen sagte er mir dann das er mir nicht helfen könne, zu meiner nächsten Therapiestunde redete ich mit meiner Therapeutin über das Thema und sie erzählte mir das mein Hausarzt der Meinung ist das mein Leidensweg noch nicht lang genug wäre und ich mir deswegen weder die Diagnose noch eine Behandlung verdient hätte.
Ich habe inzwischen jeden Hausarzt angerufen und um mithilfe gebeten, jeden Therapeuten angerufen ob er mir eine Therapie machen würde damit ich die Inidikation bekomme, ich habe Endokrinologen und sogar Frauenärzte angerufen und um ein Blutbild gebeten, ohne Erfolg. Ohne entsprechende Nachweise das ich Trans bin gibt es keine Hilfe!

Ich war vor 3 Monaten in der Tagesklinik wegen starker Suizidalität, dort gab man mir die Diagnose, wenn auch wie ich vermute nur aus versehen aber ist mir egal, ich habe sie! Sie ist von einem Oberarzt unterschrieben! Ich hatte nicht damit gerechnet, war nicht wirklich hinter dem Entlassnungsbrief hinterher, weil ich auch nicht lange in der Tagesklinik war. Als ich die eigenmedikation begann brach ich dort die Therapie ab auch aus dem Grund weil die mir dort sagten das sie mir die Diagnose nicht geben können.
Egal ich habe sie jetzt! Endlich! Es ging mir einen Tag lang gut das war vorgestern, heute bin ich wieder zu Tode betrübt.
Ich halte es in meinem Körper so wie jetzt aussieht nicht mehr aus! Selbst wenn ich jetzt die Hilfe bekomme die ich brauche dauert es trotzdem noch Monate bis ich einen Termin beim Endokrinologen bekomme und dann weitere Monate bis die Hormontherapie richtig anschlägt, ich nehme mein Gynokadin nur sehr niedrig dosiert ein weil ich Angst habe das ich etwas falsch mache dementsprechend verändert sich nur wenig bei mir.
Dann sind da noch die offenen Fragen wie es weiter geht, was ist mit der Haarentfernung wird sie ohne Indikation und nur mit der Diagnose von der Krankenkasse übernommen?
Ich muss trotzdem noch einmal eine Therapie anfangen für die  Namensänderung und die Geschlechtsangeichung.
Ich bin unglücklich weil ich keine Hilfe bekomme! Ich will doch einfach nur ich selbst sein können!
Ich fühle mich entmündigt und gedemütigt das andere über die wichtigste Entscheidung in meinem Leben entscheiden und ich diese Entscheidung nicht selbst treffen kann!
Und dieser Hass auf meinen Körper kennt inzwischen keine Grenzen mehr!
Ich habe sämtliche Spiegel in meiner Wohnung kaputt gemacht damit ich mich nicht mehr sehen muss.
Trotzdem spüre ich "ihn" noch in meinem Schritt. Ich will ihn nicht mehr er ist Schuld daran das ich so hässlich aussehe das ich so bin wie ich bin!
Trotzdem muss ich mich rasieren, jeden Tag....
Manchmal will ich gar nicht mehr weiter sprechen wenn ich meine Stimme höre...
Meine breiten Schultern will ich mir brechen damit sie vielleicht schmaler werden....
Wenn mich jemand mit Herr... statt mit Frau... verletzt es mich weil er mich dran erinnert was ich nicht bin!
Wenn mich jemand mit Frau... anredet verletzt es mich trotzdem weil er mich daran erinnert was ich auch nicht bin!
Jeden Tag werde ich mit meinem falschen alten Namen angesprochen und daran erinnert was ich bin.
Ich habe so einen Hass auf diesen Körper das ich ihm manchmal einfach nur schaden will!

Ich habe den größten Teil meines Freundeskreises verloren weil sie nicht mit meiner Entscheidung zurecht kommen, zu meiner Familie habe ich seit langem keinen Kontakt mehr.
Ich will doch einfach nur Hilfe bekommen! Ich will doch einfach nur auch körperlich eine Frau werden!
Ich habe Angst das es mit meinen inzwischen 29 Jahren zu spät ist und ich nach meine Transition "erkannt" werde.
Ich wünsche mir so sehr einen Partner, jemanden der bei mir ist, der mich liebt aber wie soll ich jemanden finden wenn ich in dieser Zwischenphase bin? Wer verliebt sich schon in einen Mann der eine Frau wird...
Ich halte es einfach nicht mehr aus, ich habe keine Hoffnung mehr das es klappt. Fast 2 Jahre sind jetzt um ALLES was meine Transition angeht habe ich alleine schaffen müssen!
Ich kann einfach nicht mehr, ich bin alleine, bekomme keine Hilfe, weiß nicht wie ich mit diesem Selbsthass umgehen soll und diese ganzen Unsicherheiten, ich kann das nicht mehr.
Einige male habe ich schon überlegt ob ich nicht einfach so bleibe wie ich bin, nicht weil ich mich umentschieden habe sondern weil ich keine Hoffnung mehr habe eine Frau werden zu können.
Fast 2 Jahre sind vorbei und ich habe noch nicht einmal den ersten Schritt geschafft, ich habe noch nicht einmal eine Indikation!
Ich kann einfach nicht mehr! Ich bin am Ende und ich ich brauche Hilfe!!!
Zitat

RE: Ich halte es nicht mehr aus!
Beitrag #2
Liebe Alia,
du hast ja sehr viel geschrieben und ich versuche, auf einige Punkte einzugehen. Wobei ich sicher nicht die Erfahrenste hier bin Wink

Erstmal, mit 29 ist noch gar nichts zu spät Wink Ich habe vor zwei Jahren mit 54 erkannt, dass ich weiblich bin und seitdem auch als Frau gelebt, volle Kanne.
Dein therapeutischer Weg ist etwas, na sagen wir mal, verworren abgelaufen.
Du schreibst ja nicht, wo du lebst, aber ich nehme an, es wird irgendwo in der weiteren oder nähren Umgebung eine Beratungsstelle für trans Menschen oder zumindest LSBTIQ geben, die dir geeignete(!) Ärzt*innen und Therapeut*innen nennen können. Leider können nicht alle aus dem med. Umfeld automatisch was mit Transidentität anfangen, aber solche Beratungsstellen wissen da am ehesten Bescheid.
Deine Dysphorie scheint mir sehr ausgeprägt zu sein, da solltest du aber trotzdem nicht zu ungeduldig sein (ich weiß, es ist leichter gesagt als getan, mir ging auch nichts schnell genug) und und bedingt mit einer geeigneten(!) Therapeutin sprechen.

Gerne kannst du mich auch per PM anschreiben!

Favorite -lich,
Eva

Zitat

RE: Ich halte es nicht mehr aus!
Beitrag #3
(28.08.2021, 07:27)Alia schrieb: Erst einmal hi ich bin Alia und neu hier im Forum, ich suche gleichgesinnte, Ratschläge oder einfach nur jemanden der mich versteht.

Mein Weg begann vor etwa 2 Jahren als ich mich entschied endlich zu mir zu stehen, ich bin eine Frau!
Ich sprach mit meiner Therapeutin darüber und wir schauten gemeinsam ob ich auch wirklich Trans bin oder nicht, sie bemühte sich sehr aber da sie keine Erfahrungen mit dem Thema hatte, konnte und wollte sie mir die Diagnose nicht geben. Das war nach einem halben Jahr, ich war wirklich sehr geknickt gab aber nicht auf, ich suchte mir einen neuen Therapeuten.
[hier gekürzt]
Dann sind da noch die offenen Fragen wie es weiter geht, was ist mit der Haarentfernung wird sie ohne Indikation und nur mit der Diagnose von der Krankenkasse übernommen?
Ich muss trotzdem noch einmal eine Therapie anfangen für die  Namensänderung und die Geschlechtsangeichung.
Ich bin unglücklich weil ich keine Hilfe bekomme! Ich will doch einfach nur ich selbst sein können!
Ich fühle mich entmündigt und gedemütigt das andere über die wichtigste Entscheidung in meinem Leben entscheiden und ich diese Entscheidung nicht selbst treffen kann!
Und dieser Hass auf meinen Körper kennt inzwischen keine Grenzen mehr! [hier auch gekürzt]
Liebe Alia, ich verstehe, wenn Du frustriert bist und am Rande der Verzweiflung balancierst. Aber Du hast es bis zu dem Punkt geschafft, den Du hier beschrieben hast, und die restliche Strecke ist überschaubar, auch wenn Du weiterhin mit dem einen oder anderen Stolperstein oder Schlagloch rechnen musst. Aber Du schaffst das!
Meine Anregung - als Nicht-Betroffene/r, wohlgemerkt - wäre nur, nicht in der Erwartung zu leben, dass dein Körper bei einer geschlechtsangleichenden Behandlung ausgetauscht wird. Eine erfolgreiche Transition soll dir helfen, dich in deinem Körper wieder oder zum ersten Mal wohlzufühlen. Der wird sich verändern, aber erwarte dir weder von der HRT noch von einer geschlechtsangleichenden Operation Wunder. Das ist ein Satz, der sich als Resümee eigentlich durch alle Berichte von Menschen zieht, die eine Gender-Transition gemacht haben.

Ich hoffe, die folgenden Informationen (für Deutschland) sind aktuell:

Geschlechtsumwandlung bei Transsexualität – Was bezahlt die Krankenkasse?

Di
e Rechtslage dürfte (fast) gleich wie in Österreich sein. Anscheinend zahlen in beiden Ländern die gesetzlichen sozialen Krankenversicherungen eine Haarentfernung (Gesicht oder Körper) derzeit noch nicht oder jedenfalls nicht routinemäßig.


Die Rechtslage betreffend Personenstandsänderung in Deutschland ist, ähemm, etwas durchwachsen. Ich würde einmal die Bundestagswahl und die folgende Regierungsbildung abwarten. Vielleicht findet sich ja eine Mehrheit für die lang geplante Reform und Vereinfachung der entsprechenden Verfahren.
- Ich bin zwar F-64.1 aber deswegen trotzdem transident Tongue -
WWW
Zitat

RE: Ich halte es nicht mehr aus!
Beitrag #4
Servus.
29 ist kein alter. Die schönste Frau die ich kenne hat viel später begonnen.
Deine Hartnäckigkeit wird dich noch belohnen auch wenns jetzt schlecht aussieht, mental bist ja schon einen weiten Weg gegangen. Das erfordert Mut und zeigt dass, wenn auch langsam, doch etwas weitergeht.
Atellana hat ja schon was über diverse Gruppen geschrieben. In dir ist und war nie ein Mann. Für Testosteron im Körper kann keine was.
Kannst mir gerne eine Privatnachricht schicken. Mehr als dass ich für dich im Internet gucke kann ich aber wohl nicht versprechen und natürlich einen Gedankenaustausch. Beim hin und herschreiben kommt man ja oft gemeinsam
auf neue Ideen. Wenn dir das warten zur Qual wird, kannst du dich schon mal um Dinge kümmern, die du vielleicht später noch brauchen kannst (Stimmtraining, Styling etc.) Da gibts einiges im Netz.
Du bist eine starke Frau, bleib so.
 (c  ..)~          Heart          \(._.  D)

E   L   E   F   A   N   T   E   N  L   I   E  B  E

t  ö  t  e  t   F  a   s   c  h   i   s   m   u   s
Zitat



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