Identitätskrisen
RE: Identitätskrisen
Beitrag #11
Tja, es kommt auch immer ein bißchen auf die Persönlichkeit drauf an. Ich weine z.B. eher selten, auch wenn ich ein emotionaler Mensch bin. Fakt ist aber, daß Probleme mit der eigenen Geschlechtsidentität natürlich ein Ausnahmezustand sind, woran man schwer zu beißen hat. Und das Problem ist durch Verdrängen und ignorieren wird es leider nicht besser.
Das ganze hat auch was mit Selbstvertrauen zu tun, inzwischen hab ich keine Probleme mehr damit den Leuten offen und direkt zu sagen, daß ich TS bin. Für mich ist das mehr oder weniger normal und diese Natürlichkeit kommt eigentlich ganz gut an.
Zu viel Wahrheit wird nicht erkannt; Zu viel Tod am Wegesrand.
Erst auf den zweiten Blick; Erkennst du was dahinter steckt.
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RE: Identitätskrisen
Beitrag #12
(29.08.2012, 22:40)gertrud_desch schrieb: Mir kommt das gar nicht so schrecklich vor, wenn man weint. Es ist doch nur ein Zeichen, dass man sich traut, sich selbst wahrzunehmen und auf seine eigenen Gefühle einzugehen. Da steckt eine Menge Mut und Ehrlichkeit drin. Ich hab in meiner Übergangszeit viel geweint, und weine heute noch viel. Aber ich merk auch, wie sich die "verschiedenen" Persönlichkeiten in mir langsam zu etwas verschmelzen, womit ich mich selbst identifizieren kann, und wie die extremen, widersprüchlichen Vorstellungen, die ich von mir hab, langsam verblassen und sich ein viel feineres und harmonischeres Bild abzeichnet. Ich kenn Sie ja nicht, aber ich könnte mir gut vorstellen, dass Sie am Anfang eines solchen Prozesses stehen, und das ist oft ein erschreckender und verwirrender Weg mit vielen, vielen Irrwegen.

Tja, eine konsistente Persönlichkeit... das ist so eine Sache. Ich habe mein Leben damit zugebracht bestimmte Teile meiner Persönlichkeit auszumerzen. Liegt sicherlich daran, dass physische und emotionale Gewalt von meiner Umgebung mein Leben bestimmt hat. Vielleicht hatte ich in letzter Zeit zu wenig davon und fange nur an zu hohe Ansprüche zu stellen... .

Zitat: Ein Gespräch mit einem/r Psychotherapeuten, gegebenenfalls auch einfach einer Beratungsstelle (die sind oft kostenlos) oder, wenn Sie Vertrauen zu ihr/m haben, mit der Hausärztin, zahlt sich ganz bestimmt aus.

Einen Termin bei meiner Hausärztin habe ich bereits für morgen. Sie war es auch, mit der ich schon über vieles ins Gespräch gekommen bin, da ich bei ihr meine Hormonwerte überprüfen lassen wollte. Sie hat wirklich Interesse gezeigt und meinte z.B. auch, dass es pathologisch sei, dass ich mit 28 noch niemals intimen Kontakt zu einem anderen Menschen hatte.

(29.08.2012, 22:53)alina schrieb: vielleicht bist du nur ein sanfter riese. das wort tucke sagt mir, das deine umgebung weniger tolerant wäre. sich ausquatschen hilft. n par nette seelen gibts auch im chat hier. vielleicht magst du es mal probieren?

Hmm, sanfter Riese bestimmt nicht. ich hatte ja schon einige Bilder von mir in einem anderen Unterforum gepostet. Hier nochmal die Links zu einigen davon:
http://www34.zippyshare.com/v/68270323/file.html
http://www44.zippyshare.com/v/92987828/file.html
Ich bin einfach ein sehr explosives Kerlchen, was für Kampfsport nicht von Nachteil ist... da braucht es nicht unbedingt 1,95m und 100kg.
Hmm, chat ist keine schlechte Idee... wo geht das?

(29.08.2012, 23:10)Mike-Tanja schrieb: Ich kann im Rückblick auf meine "Karriere" als Tivi sagen, dass auch bei mir manches in Wellenform verlaufen ist. Hochgefühl, Mut, Risiko, Offenheit, Kick...dann wieder emotionaler Absturz, Scham, Selbsthass, Rückkehr ins Dunkel.

Die meisten Transvestiten z.B. haben sich ein- oder zweimal von ihrer weiblichen Seite losgesagt, Frauensachen verschenkt und den Entschluss gefasst, wieder nur als Mann zu leben. Bei mir war der Anlass der Entschluss, mit meiner Freundin, meiner Lebensgefährtin, in eine Wohnung zu ziehen. Hat nicht geklappt, Tanja war sozusagen stärker!

Jede Welle ist schlimm, bringt einen aber einen Schritt weiter in Richtung Selbsterkenntnis. [/color][/size][/font]

Joa, das emotionale Auf und Ab, was ich gerade auch so erlebe.
Und das mit deiner Lebensgefährtin hat nicht funktioniert, weil sie deine transsexuelle Seite nicht akzepitiert hat, oder wie?

(29.08.2012, 23:27)Kerstin-Sophia schrieb: @polum

Also für mich pers. klingt das nach einer stärkeren depressiven Phase mit Angst-Attaken.
Das Bedürfnis zu heulen ist in einer depressiven Phase nicht allzu selten, weil du seit Jahren nicht geheult hast liegt wahrscheinlich daran das du dein, ich nenne es mal, Problem immer unterdrückt hast.
Ich möchte hier nur sagen das dies meine pers. Meinung ist und keinen Arzttermin bzw. Psychotherapeuten-Meinung ersetzt.

Naja, manche Sachen sind schon offensichtlich und schwer von der hand zu weisen... auch ohne Fachmann/Fachfrau.

Zitat:Aus meiner pers. Erfahrung kann dir aber sagen das ich dieses Gefühl nur allzu gut kenne, weil ich in der Vergangenheit meine Traurigkeit immer versteckte, Weinen wollte ich nicht da ich gelernt hatte alles runter zu schlucken um es der Gesellschaft recht zu machen bis dies nicht mehr ging und ich psychisch zusammenbrach.
Dann kamen diese Symptome bei mir die du auch schon ansprachst, grottenschlecht nur mehr zum heulen, schwindelig, niedergeschlagen, Suizidgedanken usw.

Glaube mir es ist gut so gewesen das du dich geöffnet hast in welcher Weise auch immer, denn damit hast du deinen ersten Schritt gesetzt.
Ich weiß jetzt leider nicht so genau, da ich dich ja nicht kenne, bzw. weil aus deinen Zeilen nicht herauszulesen ist ob du nun wirklich TS bist oder nur TV.
Dies gilt es für dich selbst rauszufinden denn nur so kann man weitere Schritte setzten um die Schmerzen zu lindern.
z.B. War dieses Gefühl der weiblichen Seite schon immer in der vergangen Zeit bis in die Kindheit zurück schon da? Fühltest du dich immer schon fehl am Platz?
Fühltest du schon in früher das was nicht stimmte mit dir?

Was hat es mit diesem TV und TS auf sich?
Und fremd habe ich mich sowieso immer unter Menschen gefühlt. Ich habe u.a. ne ADHS und Asperger-Autismus-Diagnose. Seit der Zeit, als ich mich mit den Themen befasste, ist mir schon aufgefallen, dass bei Betroffenen eine erhöhte Tendenz zum Transsexuellen besteht... .

(30.08.2012, 00:06)(S)andy schrieb: der erste schritt ist immer der schwierigste. aber du hast ihn gewagt. herzlichen glückwunsch dazu! das wichtigste ist: du bist nicht allein. (ich vermute) wir alle hier haben ab und zu selbstzweifel. das ist völlig normal. und glaub mir, weinen ist nichts schlimmes ;-) viel schlimmer ist es seine gefühle zu unterdrücken. denn das zermürmt einem und endet unter umständen im krankenhaus. sprich dich aus, ob hier im forum, mit freunden (vorsicht bei der wahl der "angeblichen freunde), bei einem arzt/ärztin,... aber schluck es nicht länger runter. geh deinen weg, wenngleich er auch steinig sein mag. anschließend fühlst du dich besser! viel glück!

Danke. Naja, Freunde hatte ich nie viele. Nur wenige, zu denen ich über Jahre - wenn auch eher sporadisch - Kontakt gehalten habe. Einer ist schwul, die andere lebt mit einer Frau zusammen. Das sind die beiden einzigen aus meinem persönlichen Umfeld, denen ich das mitgeteilt habe.

(30.08.2012, 10:16)signo schrieb:
(29.08.2012, 21:26)polum schrieb: Irgendwie macht mich die Situationen mit meinen 2 Grundverschiedenen Persönlichkeiten total fertig.

Hallo Du,

also DANKE mal dass Du mich gerade dazu inspiriert hast, weitere Seiten meiner Tranisdentiäts-Geschichte aufzuarbeiten & niederzuschreiben.

Wenn Du magst schicke ich dir die Seiten, es ist (noch) zu persönlich um es hier zu posten.

Gerne. Ich werde mich die nächsten Tage ehh krank schreiben lassen, bis ich wieder psychisch stabil bin und je mehr ich mich mit dem Thema auseinandersetze, desto besser.

(30.08.2012, 10:51)Kerstin-Sophia schrieb: @signo

Musst du immer einen Streit anzetteln??

Nicht streiten, Jungs und Mädels. Habt euch doch lieb. Heart

(30.08.2012, 12:18)Eva_Tg schrieb: Tja, es kommt auch immer ein bißchen auf die Persönlichkeit drauf an. Ich weine z.B. eher selten, auch wenn ich ein emotionaler Mensch bin. Fakt ist aber, daß Probleme mit der eigenen Geschlechtsidentität natürlich ein Ausnahmezustand sind, woran man schwer zu beißen hat. Und das Problem ist durch Verdrängen und ignorieren wird es leider nicht besser.

Naja, schwer zu sagen, wordurch bei mir viele meiner Probleme im Leben hervorgerufen wurden. Das setzt bei mir in aller frühster Kindheit an mit Gewalt und emotionaler Vernachlässigung. Daher habe ich wohl verdrängt solange ich denken kann... und solange ich denken kann, war es auch notwendig, um in einer größtenteils feindlichen Umgebung zu bestehen. Vielleicht ist die Transsexualität ein Schlüssel zu vielem... vielleicht auch nicht... ich weiß es nicht.

Zitat:Das ganze hat auch was mit Selbstvertrauen zu tun, inzwischen hab ich keine Probleme mehr damit den Leuten offen und direkt zu sagen, daß ich TS bin. Für mich ist das mehr oder weniger normal und diese Natürlichkeit kommt eigentlich ganz gut an.

Hmm, da werde ich noch ausgiebig darüber nachdenken müssen, wie ich das handhabe... ob es überhaupt für mich von Relevanz wäre, da ich ohnehin selten stabile Kontakte aufbaue.


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RE: Identitätskrisen
Beitrag #13
Zitat:Naja, schwer zu sagen, wordurch bei mir viele meiner Probleme im Leben hervorgerufen wurden. Das setzt bei mir in aller frühster Kindheit an mit Gewalt und emotionaler Vernachlässigung. Daher habe ich wohl verdrängt solange ich denken kann... und solange ich denken kann, war es auch notwendig, um in einer größtenteils feindlichen Umgebung zu bestehen. Vielleicht ist die Transsexualität ein Schlüssel zu vielem... vielleicht auch nicht... ich weiß es nicht.
Ich für meinen Teil, sehe meine Transsexualität unabhängig von meinen anderen Problemen. Es ist auch zu nervig darüber zu spekulieren, ob meine Probleme ohne TS einfacher wären.

Zitat:Hmm, da werde ich noch ausgiebig darüber nachdenken müssen, wie ich das handhabe... ob es überhaupt für mich von Relevanz wäre, da ich ohnehin selten stabile Kontakte aufbaue.
Es geht um die Alltägliche Interaktion mit deinen Mitmenschen, wenn ich es für richtig und notwendig halte, dann erzähle ich, daß ich TS bin und das ohne Scheu oder Probleme.
Zu viel Wahrheit wird nicht erkannt; Zu viel Tod am Wegesrand.
Erst auf den zweiten Blick; Erkennst du was dahinter steckt.
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RE: Identitätskrisen
Beitrag #14
(30.08.2012, 17:06)polum schrieb: [hier gekürzt]
(29.08.2012, 23:10)Mike-Tanja schrieb: Ich kann im Rückblick auf meine "Karriere" als Tivi sagen, dass auch bei mir manches in Wellenform verlaufen ist. Hochgefühl, Mut, Risiko, Offenheit, Kick...dann wieder emotionaler Absturz, Scham, Selbsthass, Rückkehr ins Dunkel.

Die meisten Transvestiten z.B. haben sich ein- oder zweimal von ihrer weiblichen Seite losgesagt, Frauensachen verschenkt und den Entschluss gefasst, wieder nur als Mann zu leben. Bei mir war der Anlass der Entschluss, mit meiner Freundin, meiner Lebensgefährtin, in eine Wohnung zu ziehen. Hat nicht geklappt, Tanja war sozusagen stärker!

Jede Welle ist schlimm, bringt einen aber einen Schritt weiter in Richtung Selbsterkenntnis.

Joa, das emotionale Auf und Ab, was ich gerade auch so erlebe.
Und das mit deiner Lebensgefährtin hat nicht funktioniert, weil sie deine transsexuelle Seite nicht akzepitiert hat, oder wie?
[hier gekürzt]
Was hat es mit diesem TV und TS auf sich? [Rest gekürzt]

Ich bin nicht transsexuell. Ich bin Transvestit.

TV = Transvestit
TS = Transsexuelle/r

Mit diesem eigenartigen Namens- und Abkürzungswirrwarr müssen wir wohl leben.

Meine persönliche Interpretation: Trans...wie? (mittelgroßes Transgender-Glossar)

Und zu meiner persönlichen Geschichte: Ich habe mich ein paar Jahre später selbst vor ihr geoutet. Sie hat es anfangs gelassen aufgenommen. Sie sieht mich aber bis heute als Mann und toleriert meine weibliche Seite nur. Sympathisch ist ihr Tanja nicht. Wegen der daraus resultierenden Spannungen habe ich mich einige Zeit danach für eine halbes Jahr von ihr getrennt (Auflösung des gemeinsamen Haushalts). Wir haben uns aber später versöhnt und sind heute wieder zusammen.
- Ich bin zwar F-64.1 aber deswegen trotzdem transident Tongue -
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RE: Identitätskrisen
Beitrag #15
(30.08.2012, 21:01)Mike-Tanja schrieb: TV = Transvestit
TS = Transsexuelle/r
Mit diesem eigenartigen Namens- und Abkürzungswirrwarr müssen wir wohl leben.

Seid doch so lieb - wenn Du gerade beim Schubladenerklärungen bist - erkläre auch gleich die anderen Abkürzungen wie TG, TI, TS (preOP/postOP/nonOP) FzM/MzF, TV, CD, DG, DK, DWT, etc.

Und dann auch noch dazu in welchem Stadium man von einem Lädchen ins andere "darf".

Ach ja - ich muss nicht (mehr) mit diesem Namens- und Abkürzungswirrwarr leben!

X-G signo

(30.08.2012, 17:06)polum schrieb:
(30.08.2012, 10:16)signo schrieb:
(29.08.2012, 21:26)polum schrieb: Irgendwie macht mich die Situationen mit meinen 2 Grundverschiedenen Persönlichkeiten total fertig.

Hallo Du,

also DANKE mal dass Du mich gerade dazu inspiriert hast, weitere Seiten meiner Tranisdentiäts-Geschichte aufzuarbeiten & niederzuschreiben.

Wenn Du magst schicke ich dir die Seiten, es ist (noch) zu persönlich um es hier zu posten.

Gerne. Ich werde mich die nächsten Tage ehh krank schreiben lassen, bis ich wieder psychisch stabil bin und je mehr ich mich mit dem Thema auseinandersetze, desto besser.

Es ist weit weniger "wissenschaftlich" als du denkst - PN bzw. Email folgt.
Twitter:  @XG_crossgender
Favorite Unterwegs zwischen den ♀️⚧️♂Geschlechtern ist die Rolle natürlich, selbstbestimmt und wandelbar Favorite
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RE: Identitätskrisen
Beitrag #16
es ist auch weit weniger wissenschaftlicher als man denkst, viel mehr bedürfnisorientierter
TRANS AUSTRIA - Öst. Gesellschaft für Transidentität
(trans-austria.org), Geschäftsführung

Psychotherapeutin, Supervisorin, Coach, Sexualberaterin
Alten- und Behindertenfachbetreuerin
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RE: Identitätskrisen
Beitrag #17
(30.08.2012, 17:06)polum schrieb: ... bestimmte Teile meiner Persönlichkeit auszumerzen ...

Das versucht mir meine Therapeutin mit unendlicher Geduld beizubringen, dass ich nichts ausmerzen muss, sondern alle meine Teile liebevoll ansehen und auf sie eingehen darf, so furchtbar sie mir auf ersten Blick auch vorkommen. Es geht ja nicht drum, ob die einzelnen Stimmen für sich gefällig sind, es ist das Zusammenspiel der Instrumente, das die Musik schön macht.

Manchmal ist das unendlich erleichternd, wenn ich mich ansehen darf und zu mir sagen: Du bist in Ordnung wie Du bist. Und manchmal, wenn ich mich anseh oder über mich nachdenk, möcht ich an mir verzweifeln, und kann mir gar nicht vorstellen, dass ich mit mir auskommen kann. Aber immerhin, es wird ja doch langsam hell. Wachsen und Lernen ist was Schönes.

Ganz bestimmt finden Sie auch Ihren ganz eigenen Weg. Wünsch ich Ihnen herzlich.
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RE: Identitätskrisen
Beitrag #18
(31.08.2012, 00:07)gertrud_desch schrieb: Manchmal ist das unendlich erleichternd, wenn ich mich ansehen darf und zu mir sagen: Du bist in Ordnung wie Du bist.
Wie oft habe ich mir das am Anfang gedacht?
Wie oft habe ich mir die Frage gestellt, ob ich meinen Sohn, meine Frau, meine Geburtsfamilie, meinen Vater, meine Arbeitskollegen und meine Nachbarn mit meine anderen Seite konfrontieren darf?
Wie oft habe ich mich gefragt, ob diese Seite so stark ist, dass sie es verdient zu Leben?
Wie oft habe ich mich gefragt, ob dieses Leben einfacher sein wird für mich, weil für die Betroffenen ist es das sicher nicht, dachte ich.

Heute, rückblickend, kann ich nur sagen: JA, es war all die Mühen und das Geld Wert!
Ich bin zwar nicht glücklicher geworden und am Ende auch krank, aber die weibliche Rolle ist passender für mich, als die männliche.

Wie groß und stark auch immer "die andere Seite" sein mag, es ist Wert diese zu hören, dieser eine Chance zu geben. Ob sie dann so stark ist sein ganzes Leben zu ändern ist eine andere Sache. Auf jeden Fall ist es ein Zeichen von persönlicher Entwicklung sich selbst als ganzes wahr zu nehmen und zu akzeptieren. Dazu gehört dann auch die bewusste Entscheidung nicht im anderen Geschlecht zu leben, oder es nur teilweise zu tun, oder es als sexuellen Reiz zu erkennen.
Was immer es auch für einen Selbst am Ende ist, es muss angesehen werden , damit man es einordnen kann. Im übrigen sollten wir lernen hier mehr auf das Gefühl zu achten, als auf den Verstand.
Ich bin nicht mein Körper.
Träume nicht dein Leben, sondern lebe deinen Traum.
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RE: Identitätskrisen
Beitrag #19
So, da war ich heute bei der Hausärztin, habe über meine Stimmungskrisen erzählt und über meine Übelkeit bzw. Mageprobleme... und sie meint, dass eine Magengrippe unterwegs sei und verschreibt mir was dagegen.
Im weiteren Gesprächsverlauf sind wir doch noch auf das Thema zu sprechen gekommen, was wir zuletzt mal erörtert hatten und ich habe erwähnt, dass mein Unterbau recht weiblich sei. Sie wirft einen Blick auf mich in voller Montur und meint etwas von wegen gestörtem Selbstbild und einer Behandlung beim Psychotherapeuten.
Tja, vielleicht hat sie ja recht. Vielleicht habe ich einfach nur zu wenig Probleme und Suche mir dann welche, indem ich irgendeinen Mist in meinem Kopf generiere. Vielleicht muss ich nur meine Männlichkeit stehen, meine pathologische Jungfräulichkeit beseiten, indem ich ein paar Mädels flachlege, um zu merken, dass ich ja doch ein ganzer Kerl bin. Oder ich habe einfach nur total einen an der Datsche... .

Gestern war ich ja beim Kampfsport, habe Tritte und Schläge beim Sparring ausgetauscht und mich so lebendig wie seit langem nicht gefühlt... naja, ist ja auch das einzige, was mich wirklich lebendig fühlen lässt. Meine Trainerin ist sogar genervt von mir, weil ich ihr übereifrig scheine in meinem Willen mich zu prügeln.
Vielleicht ist das meine wahre Persönlichkeit und das mit dem TS war nur irgendein psychotischer Gedanke, den ich lieber schnell aus meinem Kopf bannen sollte.
Keine Ahnung... was bin ich doch für ein scheiß Freak!
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RE: Identitätskrisen
Beitrag #20
Aber wie können Sie sich denn als S.....Freak bezeichnen!

Die "wahre Persönlichkeit", das ist doch der ganze Mensch mit allen seinen tausend Facetten, vom Kämpfer, der seinen Schmerz unterdrückt und Tritte verteilt und einsteckt, bis zum Mauerblümchen, das ängstlich Begegnungen mit Menschen scheut und sich dabei sehnt, geliebt zu werden. Vom Weisen, der bedächtig und gezielt seine Handlungen setzt und durch nichts mehr erschüttert wird, zum spontanen, ungeduldigen, verletzlichen (und oft auch tief verletzten) Kleinkind: Das tragen wir doch alle alles in uns. Und dann kommt noch die Frage, wie wir Geschlecht erleben. Ich denk mir, alles was uns bewegt, alles was uns daran erinnert, dass wir leben, alles worauf wir stärker reagieren als mit "Ja, ja, das muss ich auch noch machen", das gehört zu uns und ist wertvoll und verdient seinen Platz im Leben.

Ich hoff, der Vorschlag von der Psychotherapie kränkt Sie nicht. Sowas wird leider oft sehr missverstanden. Psychotherapie heisst ja nicht, dass man krank oder verrückt ist, und jemand ganz Gescheiter einem jetzt den Kopf wieder gerade setzt. Es heisst, dass man jemand zur Seite hat, der einem beisteht und einen akzeptiert, wenn man sich trauen will, in Bereiche der Seele vorzudringen, die unbekannt und vielleicht sogar bedrohlich sind.

Für die Magengrippe wünsch ich Ihnen gute Besserung!

Gertrud Desch
Zitat



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