Änderung des sexuellen Empfindens nach HRT und/oder GaOP
RE: Änderung des sexuellen Empfindens nach HRT und/oder GaOP
Beitrag #21
Nun, wenn man den Neurologen glauben will, dann läuft das Kopfkino immer, da wir die Welt niemals so wahrnehmen, wie sie wirklich ist. Der Verstand interpretiert die Sinneseindrücke immer auf seine eigene Weise und ist auch fähig etwas wegzulassen oder hinzu zu dichten, was unser Bewußtseind dann als eindeutig real ansieht. Auf diese Art entstehen dann Einbildungen, Sinnestäuschungen und Halluzinationen (sozusagen der schlimmste Fall, wenn man die Welt im Kopf nicht mehr von der Welt außerhalb des Kopf unterscheiden kann).

Wenn sich mein sexuelles Empfinden verändert hat, dann ist das "wahr", unabhängig davon ob sich die Fakten in der Welt oder in meinem Körper geändert haben. Wie man, dann damit umgeht, das ist dann die Frage.
Zu viel Wahrheit wird nicht erkannt; Zu viel Tod am Wegesrand.
Erst auf den zweiten Blick; Erkennst du was dahinter steckt.
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RE: Änderung des sexuellen Empfindens nach HRT und/oder GaOP
Beitrag #22
(24.04.2013, 14:04)Eva_Tg schrieb: ... weil es bei uns weder wie bei einem Mann abläuft, noch wie bei einer CIS-Frau.

Das würde ich auf jeden Fall so auch unterschreiben. Zwar nähert sich unter Hormongabe offensichtlich die sexuelle Reaktion tatsächlich an das Identifikationsgeschlecht an, aber ich denke nicht, dass sie dann vollständig gleich abläuft. Aber so richtig werden wir das nie wissen: Es ist unmöglich, hier Vergleiche mit Cis-Menschen anzustellen, weil wir nur unser eigenes Empfinden kennen.

Das andere Problem ist, dass heutzutage kein Chirurg eine vollständige weibliche Vulva konstruieren kann, mit allen ihren Strukturen. Beispielsweise weiß man erst seit 1998, dass die Klitoris aus weitaus mehr besteht, als die meisten Menschen (auch Frauen!) wissen (und man jemals aus einer Glans wird rekonstruieren können!). Sie besteht neben der sichtbaren glans clitoridis (mit Vorhaut und Frenulum) aus Schwellkörpern, die die Scheide umschließen sowie den Klitorisschenkeln, die weit (ca. 7 cm) ins Innere des Körpers reichen (siehe auch hier: http://de.wikipedia.org/wiki/Klitoris ). All diese Strukturen spielen eine große Rolle beim weiblichen Sexualempfinden. Beispielsweise lässt sich die alte Ansicht von "klitoralem" und "vaginalen" Orgasmus aufgrund dieser Erkenntnisse nicht mehr aufrechterhalten. Die Vagina selbst scheint nämlich relativ unsensibel zu sein. Ebenso ist der "G-Punkt" laut letztem Stand der Forschung einfach der Punkt im Scheideninneren, der an alle diese Strukturen grenzt und dadurch besonders empfindlich ist. All das lässt sich durch keine GaOP genauso nachbilden.

Suporn, Schaff & Co. sind aber zumindest auf dem richtigen Weg, da sie so viel wie möglich homolog (also aus dem embryonalgeschichtlich richtigen Gewebe) aufbauen, also:

Klitoris = Glans
Klitorishaube + kleine Schamlippen (Innenseite) = Vorhaut
Kleine Schamlippen (Außenseite) + Vaginaleingang = Penisschafthaut
Große Schamlippen = Hodensackhaut

[Bild: Geschl_embryonal_605x812.png]

Eine besondere Bedeutung kommt dabei dem inneren Blatt (also der Innenseite) der Vorhaut zu:

(24.04.2013, 15:27)jasminchen schrieb: ...weil schon alleine die Bio Klitoris viel mehr Nervenenden hat, als ein männlicher Penis und auch die gesamte Vagina umschließt. Also viel mehr empfinden ermöglicht, als unser eingenähtes Pimmelköpfchen.

Das ist richtig - die gesamte Klitoris (also alle erwähnten Strukturen) wird von etwa 8000 sensorischen Nerven versorgt, während die männliche Glans nur ca. 4000 Nervenenden hat. Allerdings ist nicht die Glans, sondern die Vorhaut die sexuell sensibelste Region des Mannes! Hier münden 20000 (!) Nervenenden (schlecht für alle beschnittenen Männer - siehe hier: http://flexikon.doccheck.com/de/Sexuelle...vit.C3.A4t ). Eigentlich ist das das Killer-Argument für den Chonburi-Flap: Bei allen Chonburi-ähnlichen Methoden wird die Vorhaut an der Eichel belassen und bildet die Klitorishaube, Frenulum und die Innenseite der kleinen Schamlippen. Bei der Penilen Inversion dagegen landet die sensibelste Region einer Transfrau im Müll, während die Aufmerksamkeit der relativ unempfindlichen Glans geschenkt wird!

Insgesamt würde ich also sagen, dass die Empfindung einer Trans-Frau schon mal von der "technischen Seite" her etwas anders sein muss als bei einer Cis-Frau. Die inneren Strukturen der Klitoris sind einerseits nicht vorhanden, während andererseits wesentliche sensible Anteile entfernt wurden (bei nach der PI-Methode Operierten) bzw. das Klitorishäubchen und die kleinen Schamlippen wesentlich sensibler sein müssten (beim CF).

Und dann ist das alles natürlich möglicherweise völlig egal, weil sich das meiste ohnehin im Kopf abspielt... ;-)
*** Bitte keine Anfragen mehr bezüglich OP-Bilder von Dr. Schaff. Ich versende diese schon lange nicht mehr. Vielen Dank! ***
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RE: Änderung des sexuellen Empfindens nach HRT und/oder GaOP
Beitrag #23
@Eva_Tg

Zitat:Also schalte ich einfach meinen Kopf aus, höre auf meine Gefühle und handel einfach. Und damit bin ich bis jetzt ganz gut zu recht gekommen, ich würde mein Sexleben als durchaus erfüllt beschreiben.

Du hattest auch noch keine Ga-Op. Bist also, was deine Geschlechtsorgane und deren Funktion anlangt noch "vollständig."
Mal sehen, wie es nachher läuft. Viel Glück, jedenfalls! Smile
Zitat

RE: Änderung des sexuellen Empfindens nach HRT und/oder GaOP
Beitrag #24
(25.04.2013, 17:02)iris_evenstar schrieb: ... Und dann ist das alles natürlich möglicherweise völlig egal, weil sich das meiste ohnehin im Kopf abspielt... ;-)

Big Grin

Um meinen Fall Blush weiter zu schildern: Hatte nie soviel Empfindung in der Vorhaut oder am Penisschaft, wie auf der Eichel, die Scrotum-Haut war auch etwas empfindlicher; Ob nun die Vorhaut damals noch (es war noch Stackl, noch nicht Angel (alleine), der mich operierte) Verwendung fand, kann ich leider nicht sagen - nehme aber an nicht; Aber wie erwähnt, hatte ich die empfindsamste Stelle an der Eichel selbst; Also vergleiche ich die PI mit meinem aktuellen Empfinden, dann hatte ich wohl sehr viel Glück! Somit müsste man vorher mit dem Chirurgen darüber sprechen, da sonst wirklich zuwenig da sein könnte, was (noch) empfindsam ist... Hmmm...

Ps: Wenn man seinem (männlichen) Partner respektive seinem "besten" Stück mal mit anderen äh Körperteilen als seiner Muschi - also manuell respektive oral - was Gutes tut, dann merkt man ja auch, wo er mehr spürt und wo weniger; Und da sind's auch net alle gleich... ;-)
Transsexualität beschreibt kein Geschlecht oder Gender, sondern einen unwürdigen Zustand, den man als Betroffen* versucht so weit wie möglich würdig zu bekommen - idR also den Körper passend/er zu machen.
29-09-2018
Zitat

RE: Änderung des sexuellen Empfindens nach HRT und/oder GaOP
Beitrag #25
(25.04.2013, 17:02)iris_evenstar schrieb: Ebenso ist der "G-Punkt" laut letztem Stand der Forschung einfach der Punkt im Scheideninneren, der an alle diese Strukturen grenzt und dadurch besonders empfindlich ist. All das lässt sich durch keine GaOP genauso nachbilden.
Muss auch nicht, auch biologische Männer haben einen G-Punkt. Daher stellt sich mir wirklich die Frage, ist denn Orgasmus bei einer CIS Frau anders als bei einer Trans Frau? Und Wenn ja warum genau?

Man mag als Transfrau vielleicht nicht alle Nerven in gleicher Anzahl an der selben Stelle haben, aber dafür hat man sie halt an anderen Stellen. Und das wäre im grund genommen aber völlig egal, wenn diese Stellen genauso stimuliert werden, wie bei einer CIS Frau.

http://www.senne.net/gs/gs-d/gs-d-mp/index.html

Es ist übrigens auch so, dass der Mann durch G-Punkt Stimulation auch "öfters" hintereinander kann, sprich multipel.
Auch kann der Mann zum Orgasmus kommen, ohne (ich nenns mal ganz direkt beim Namen) abzuspritzen.
Zitat

RE: Änderung des sexuellen Empfindens nach HRT und/oder GaOP
Beitrag #26
(25.04.2013, 18:00)Shabana schrieb: @Eva_Tg

Zitat:Also schalte ich einfach meinen Kopf aus, höre auf meine Gefühle und handel einfach. Und damit bin ich bis jetzt ganz gut zu recht gekommen, ich würde mein Sexleben als durchaus erfüllt beschreiben.

Du hattest auch noch keine Ga-Op. Bist also, was deine Geschlechtsorgane und deren Funktion anlangt noch "vollständig."
Mal sehen, wie es nachher läuft. Viel Glück, jedenfalls! Smile

Wie nachher? Ich bin eine Non-OP-TS, also gibt es kein Nachher.
Frage war nach HRT oder GaOP.
Ich habe Iris gesagt, welche Medikamente ich bekomme und welche Beobachtungen ich gemacht habe, mit der Schlußzusammenfassung, daß ich mein Sexleben als erfüllt einordnen würde.
Wie nützlich meine Ausführungen für sie sind, das weiß ich nicht, aber wenn sie noch Fragen hat, dann werde ich versuchen die zu beantworten.
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RE: Änderung des sexuellen Empfindens nach HRT und/oder GaOP
Beitrag #27
(24.04.2013, 15:27)jasminchen schrieb: Und das ist des Pudels Kern!
Alle die nach der GaOP Behaupten, sie würden einen weiblichen Orgasmus empfinden können, reden sich das selbst ein. Keine MzF TS kann wissen wie ein weiblicher Orgasmus ist, man kann sagen er ist jetzt anders und vielleicht sogar schöner, als vor der OP, aber zu behaupten, es wäre jetzt wie bei einer BioFrau, das ist anmaßend, weil schon alleine die Bio Klitoris viel mehr Nervenenden hat, als ein männlicher Penis und auch die gesamte Vagina umschließt. Also viel mehr empfinden ermöglicht, als unser eingenähtes Pimmelköpfchen.

Wenn ich dann auch noch von multiplen Orgasmen lese, die die wenigsten Bio Frauen empfinden, weil sehr viele Bio Frauen nämlich gar nicht wissen was ein Orgasmus überhaupt ist, dann denke ich an Jägerlatein.

Tja, dann denkst Du halt an Jägerrlatein. Selber Schuld, wenn Du noch nie mit Cis-Frauen darüber gesprochen hast wie sie einen Orgasmus empfinden. Oder reden die mit Dir nicht drüber?

Ich habe mich darüber schon mit einigen Frauen utnerhalten, und im Regelfall sind Frauen in diesen Dingen sehr offen, wenn keine Männer in der Nähe sind.

Fakt ist, dass es eventuell länger dauern kann bis man einen Höhepunkt hat, aber es ist eine Tatsache, dass er sich ganz anderes, und für mich viel toller, anfühlt als früher. Ebenso habe ich selbst schon multiple Orgasmen erlebt, egal ob Du das jetzt für Jägerlatein hältst oder nicht, nur weil es bei Dir vielleicht noch nie vorgekommen ist.

Schon klar, dass auch nicht jede Cis-Frau schon multiple Orgasmen erlebt hat. Und eventuell hat es ja auch einen Einfluss drauf nach welcher Methode die GA-OP bei eienr Trans-Frau erfolgt ist?

Während es bei der PI-Methode ja so ist, dass alle Nervenenden aus der Eichel später in der Klitoris leigen und somit erhalten bleiben, wird ja bei der CF-Methode, um der Optik willen, die Eichel zur Klitoris verkleinert, was den Wegfall vieler Nervenenden bedeutet. Als Ausgleich wird doch aus dem Rest der Eichel ein zusätzliches Organ im Scheidenbereich geschaffen, um Orgasmen zu ermöglichen. Die Nervenenden liegen also danach an unterschiedlichen Stellen.

Wäre also doch durchaus möglich, dass sie beim GV nicht gleichzeitig gereizt werden, und es somit zu einer anderen Form des Lustempfindens kommt, als bei der PI-Methode, was sich ja auch auf den Orgasmus, und die Art wie man ihn erlebt, auswirken könnte.

Vielleicht muss man halt vor der GA-OP die Entscheidung treffen was einem persönlich wichtiger ist. Die volle weibliche Orgasmusfähigkeit, oder das perfekte optische Aussehen.
Zitat

RE: Änderung des sexuellen Empfindens nach HRT und/oder GaOP
Beitrag #28
(25.04.2013, 17:02)iris_evenstar schrieb: Das ist richtig - die gesamte Klitoris (also alle erwähnten Strukturen) wird von etwa 8000 sensorischen Nerven versorgt, während die männliche Glans nur ca. 4000 Nervenenden hat. Allerdings ist nicht die Glans, sondern die Vorhaut die sexuell sensibelste Region des Mannes! Hier münden 20000 (!) Nervenenden (schlecht für alle beschnittenen Männer - siehe hier: http://flexikon.doccheck.com/de/Sexuelle...vit.C3.A4t ). Eigentlich ist das das Killer-Argument für den Chonburi-Flap: Bei allen Chonburi-ähnlichen Methoden wird die Vorhaut an der Eichel belassen und bildet die Klitorishaube, Frenulum und die Innenseite der kleinen Schamlippen. Bei der Penilen Inversion dagegen landet die sensibelste Region einer Transfrau im Müll, während die Aufmerksamkeit der relativ unempfindlichen Glans geschenkt wird!

Insgesamt würde ich also sagen, dass die Empfindung einer Trans-Frau schon mal von der "technischen Seite" her etwas anders sein muss als bei einer Cis-Frau. Die inneren Strukturen der Klitoris sind einerseits nicht vorhanden, während andererseits wesentliche sensible Anteile entfernt wurden (bei nach der PI-Methode Operierten) bzw. das Klitorishäubchen und die kleinen Schamlippen wesentlich sensibler sein müssten (beim CF).

Und dann ist das alles natürlich möglicherweise völlig egal, weil sich das meiste ohnehin im Kopf abspielt... ;-)

In einem irrst Du gewaltig. Bei der PI-Methode wird auch die Vorhaut, so sie noch vorhanden, und nicht bei einer Beschneidung entfernt wurde, ebenso wie die Penishaut zur Auskleidung der Vagina verwendet. Und da es sich bei dieser Methode nicht um eine "freies Implantat" handelt, sondern diese Haut nicht gänzlich vom Körper getrennt wurde, bevor sie verpflanzt wird, bleiben auch die Nerven erhalten.

Also wäre es durchaus denkbar, dass dies dann für eine Empfindlichkeit der Vagina verantwortlich ist.
Zitat

RE: Änderung des sexuellen Empfindens nach HRT und/oder GaOP
Beitrag #29
(26.04.2013, 11:53)Angelika schrieb: Während es bei der PI-Methode ja so ist, dass alle Nervenenden aus der Eichel später in der Klitoris leigen und somit erhalten bleiben, wird ja bei der CF-Methode, um der Optik willen, die Eichel zur Klitoris verkleinert, was den Wegfall vieler Nervenenden bedeutet. Als Ausgleich wird doch aus dem Rest der Eichel ein zusätzliches Organ im Scheidenbereich geschaffen, um Orgasmen zu ermöglichen. Die Nervenenden liegen also danach an unterschiedlichen Stellen.

Bei vielen Operateuren nach der PI-Methode wird die Glans auch verkleinert. Ebenso ist es beim CF unterschiedlich nach Operateur: Dr. Schaff geht bei der Gestaltung der Klitoris auf die Wünsche seiner Patientinnen ein, Dr. Pottek erhält zunächst die ganze Glans und ändert dies nur auf Patientinnenwunsch bei der Nach-OP.

Ansonsten bitte zur Anzahl der erhaltenen Nervenenden bei beiden Operationen meinen obigen Post lesen: Da das innere Blatt der Vorhaut die sensibelste Region einer Pre-OP-Transfrau ist (und nicht die Eichel!), werden beim Chonburi-Flap viel, viel mehr Nervenenden erhalten als bei der PI.

Wie gesagt, ob das für das subjektive Empfinden von Bedeutung ist, ist eine andere Frage.
*** Bitte keine Anfragen mehr bezüglich OP-Bilder von Dr. Schaff. Ich versende diese schon lange nicht mehr. Vielen Dank! ***
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RE: Änderung des sexuellen Empfindens nach HRT und/oder GaOP
Beitrag #30
(26.04.2013, 12:08)Angelika schrieb: Bei der PI-Methode wird auch die Vorhaut, so sie noch vorhanden, und nicht bei einer Beschneidung entfernt wurde, ebenso wie die Penishaut zur Auskleidung der Vagina verwendet.

Achtung, ich spreche vom INNEREN BLATT der Vorhaut. Das ist die sensible Region. Wenn das bei der PI wirklich dranbleiben würde (bleibt es aber meines Wissens nach nicht), käme es in der Neovagina ganz hinten und durch die Umstülpung in Richtung Körperinneres, nicht Richtung der Vaginalhöhle zum Liegen. Dadurch könnte es dort wenig Sensibilität bedingen bzw. auch gar nicht erst in der Neovagina anwachsen.
*** Bitte keine Anfragen mehr bezüglich OP-Bilder von Dr. Schaff. Ich versende diese schon lange nicht mehr. Vielen Dank! ***
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