Was ist an dem Thema TS eigentlich für viele so furchtbar ?
Was ist an dem Thema TS eigentlich für viele so furchtbar ?
Beitrag #1
Hallo

Seit meinem Outing Anfang des Jahres stelle ich mir immer wieder dieselbe Frage: Was ist an dieser Thematik TS eigentlich so furchtbar das es manche so aushängt wenn es um diese eine Sache geht. Ein Paradebeispiel ist meine Mutter. Gestern bin ich abends noch mit anderen Betroffenen auf ne Veranstaltung gegangen die von der Hosi Tirol aus geht, eigentlich nix schlimmes. Aber meine Mutter hatte nen Radau geschlagen bis zum geht nicht mehr und als es noch ums Thema Hormonmangelerscheinungen ging hab ich ihr die Diagnose IS von der sie scheinbar noch nix wusste einfach hingeknallt. Jetzt mach ich die Transistion und zwar komplett egal obs dir passt oder nicht. Sonst war der doch auch alles egal, was ich früher auf Tour mir so erlaubte. Also warum ausgerechnet bei diesem Thema TS solche Agression, dann bist du tot so war ungefähr die Antwort mal. Jetzt geh ich auf Konfrontation, das ist etwas was ich auf Tour als Mann lernte, sich zu wehren. Sie wird es akzeptieren müssen.

Heute hab ich geschlafen und nur ein wenig nachgedacht. Bin manchmal auch depressiv leicht aber trotzdem geht's mir gut. Müdigkeit kommt ja auch von HRT das kenn ich vom ersten Mal auch schon aber diesmal zieh ichs durch erst Recht gegen den transphoben Spinner der Mutter. Deshalb kreist auch immer diese Frage durch meinen Kopf was daran so schlimm ist das es einen so aushängt bei diesem Thema dem sonst alles egal ist. Ich kann darauf mal keine Antwort finden.

Grüße Ann Lie
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RE: Was ist an dem Thema TS eigentlich für viele so furchtbar ?
Beitrag #2
Liebe Ann Lie,
viele Eltern, in dem Fall Deine Mutter (es könnte aber natürlich auch der Vater oder beide sein), machen sich - unbewusst - Vorwürfe, was sie eventuell falsch bei zB der Erziehung gemacht haben könnten, dass sie "so" ein Kind hätten.

Es könnte aber auch (bzw zusätzlich) eine Ur-Angst sein, die vielen Menschen inne wohnt, und zwar was die andern, also die ganze Familie, die Nachbarn, die Freunde usw usf denn dann nur von ihnen (dem/den Elternteil/en) denken würden, "so" ein Kind zu haben.

Wenn sie sich einreden, dass wenn alles so bleibt wie es war, dann wäre alles weiterhin (für sie selbst) in Ordnung und auch von allen anderen gäbe es dann keine Blicke oder Redereien, dann könnte so etwas dabei rauskommen, wie Du es zB mit Deiner Mutter erlebst.

Sie denken also in diesen Fällen zunächst an sich anstatt an das Kind, welches in dieser Situation eigentlich die Unterstützung der Eltern brauchen würde...

Manchmal kommen sie - im Laufe der Zeit - aber selbst drauf, dass sie nichts falsch gemacht haben und "die Leute" auch alsbald nicht mehr darüber reden, sie also weiterhin ein "normales" Mitglied in der Gesellschaft bleiben können. Leider aber schaffen das manche Eltern nicht.

Ich wünsche Dir, dass sich das auch bei Dir und Deiner Mutter (bzw anderen Familienmitgliedern etc pp) auch geben wird! Heart
Transsexualität beschreibt kein Geschlecht oder Gender, sondern einen unwürdigen Zustand, den man als Betroffen* versucht so weit wie möglich würdig zu bekommen - idR also den Körper passend/er zu machen.
29-09-2018
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RE: Was ist an dem Thema TS eigentlich für viele so furchtbar ?
Beitrag #3
Hallo

Danke für deine zeilen. Macht etwas Mut das es sich gibt. Wünsch mir doch nur Akzeptanz und meinen Frieden mehr auch nicht. Brauch einfach die HRt und Transistion für ein glückliches Leben, das ist alles was ich möchte. Würd mir wünschen das auch die Familie das kapiert, bin doch so auf die Welt gekommen.

Grüße Ann Lie
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RE: Was ist an dem Thema TS eigentlich für viele so furchtbar ?
Beitrag #4
Dem bleibt nicht viel hinzuzufügen. Ich denke auch das größte problem beim CO die angst ist die restliche familie zu informieren und sich deren reaktionen ausgesetzt zu sehen. Hab ja nächsten sonntag mein erstes Familien CO und hab genau davor Angst daß das ein Konfliktpunkt sein könnte. Ich denke nicht dase selber ein problem haben werden, solange es keine anderen erfahren würden. Schocken dürfte sie am meisten das SIE es weiterkommunizieren müssen, nicht ich. Sollten sie es nach ner gewissen Zeit nicht zsambringen würde ichs doch selber irgendwie machen müssen, aber auch diese peinlichkeit möchte ich ihnen ersparen, also sollen sies gleich selber machen. Ich werd weihnachten, auch äußerlich, als Frau erscheinen, solange habe sie Zeit ^^

Hoff das es irgendwann zw. Deiner mutter und dir funktioniert..ansonsten mußt du mit der restlichen Familie auskommen.
mfg Rea Heart
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RE: Was ist an dem Thema TS eigentlich für viele so furchtbar ?
Beitrag #5
Meine Mama hatte anfangs auch Probleme damit und ich wusste lange nicht wieso eigentlich. Zuerst dachte ich auch sie ist da irgendwie konservativ oder weiß vielleicht nicht genau Bescheid darüber und hat deshalb Stress damit.

Das wars aber nicht, sie hat sich ziemlich genau über die Sache informiert gehabt.
Und dann in einem laaaangen Gespräch ist sie damit raus gerückt was ihr dabei so schwer fällt. Und zwar es ging darum das ich durch die ganze Sache keine Kinder mehr bekommen kann und das hat sie so fertig gemacht.
Ich hatte riesen Glück das ich noch ein paar andere Geschwister habe die dann kurze Zeit später Kinder bekommen haben. So war das ganze nicht mehr so schlimm für sie.
Und ich muss sagen ich kann das sehr gut verstehen.
T.S.S Big Grin
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RE: Was ist an dem Thema TS eigentlich für viele so furchtbar ?
Beitrag #6
Hallo

Kinder hätten wir das wär jetzt nicht das Problem. Hätte auch Verständnis dafür wenn Angehörige anfangs Probleme damit haben aber mir fehlt jedwedes Verständnis dann wenns in Hasstriaden ausartet und Meldungen kommen wie man sollte dich vom Balkon stoßen oder es wär besser du wärst tot u.s.w. In meiner Kindheit und Jugend wo man auf mich eingetreten hat wegen meinem mädchenhaften Verhalten und das nicht nur verbal hat sie mir auch nicht geholfen, da war es ihr auch egal. Jetzt fahr ich einfach drüber obs ihr passt oder auch nicht weil es mir nun auch egal ist was sie denkt wie es ihr damals egal war wie ich mich fühlte.

Grüße Ann Lie
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RE: Was ist an dem Thema TS eigentlich für viele so furchtbar ?
Beitrag #7
ann lie: Genau lebe einfach dein Leben, wir müssen in unserer Situation einfach damit rechnen das nicht alle den Weg mitkommen wollen, so traurig das leider ist Sad tiefer hass ist schwer zu ergründen und mir kommen da immer zweifel ob du ein wunschkind warst wenn ich das lese, das hätte dann nichts mit IS/TS ansich zu tun.

Mia: Na bin ich froh das mein jüngerer bruder schon nen Sohn hat obwohl sie bis zuletzt hoffte das ich der erste sein würde ^^ mittlerweile hat sie akzeptiert das ich vermutlich vorziehe mein leben so frei leben zu wollen wie ich möchte. Hat aber wirklich lange gedauert. Mal schau wie sehr mir das helfen wird ^^ aber Interessant zu wissen von welchen seiten aus eltern diese dinge betrachten.
mfg Rea Heart
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RE: Was ist an dem Thema TS eigentlich für viele so furchtbar ?
Beitrag #8
@Mia: Ich freu mich sehr für dich dass das mit deiner Mama so gut ausgegangen ist und sie Verständnis hat!

@Ann Lie:Ich hätte mir von familiärer Seite auch mehr Unterstützung und Verständnis erwartet, bei mir ist ein Elternteil leider schon lange vor meiner Transition verstorben. Das Thema mit dem Kinderkriegen ist in meinem Fall vermutlich auch ausschlaggebend dafür, das der verbliebene Elternteil damit nie wirklich zurechtkommen wird, nur daran kann ich nichts ändern.

Jedenfalls hab ich von Personen ausserhalb meiner Familie teilweise mehr positive Rückmeldungen bekommen als innerhalb. Sogar mit meiner Bankberaterin habe ich mal fast eine Stunde geplaudert und sie hat sich voll gefreut für mich.

Es ist sehr schwierig wenn von Familienmitgliedern, die einem wichtig sind und von denen man sich Unterstützung erwartet, Ablehnung oder nur ein Mindestmass an Toleranz kommt. Denn wozu brauch ich dann überhaupt eine Familie, wenn sie mich nicht unterstützt sondern eher dafür sorgt dass ich mich schlechter fühle?

Dadurch dass ich ja bereits etwas älter bin, trifft es mich jetzt nicht so sehr, aber es fehlt halt dennoch etwas. Bei einer fremden Person ist es einem ja eher egal was sie von einem hält, aber wenn es der eigene Elternteil ist, dann ist es schwierig sich damit anzufreunden, dass der Mensch dem man sein Leben verdankt und der einen aufgezogen hat, plötzlich gegen einen sein könnte.

Nur, ich hab mir das alles ja nicht ausgesucht. Und TS ist nichts schlimmes. Punkt. Wenn andere darin was schlimmes, was peinliches oder sonst was negatives darin sehen, dann ist das ein Problem der betreffenden Person die damit nicht umgehen kann. Und auch wenn es sich um ein Familienmitglied handelt.

Man kann versuchen durch Gespräche etwas zu ändern, nur manchmal führt das halt auch zu nichts, ist jedenfalls meine Erfahrung. Ich frag mich nur ob es auf längere Sicht gut ist wenn man zu solchen Menschen dann überhaupt noch viel Kontakt hat, denn wenn mich jemand immer nur runterzieht und sich daran nichts ändert, dann ist es vielleicht am besten den Kontakt auf ein Minimum zu reduzieren, wenn es sich machen lässt, auch wenn es schwerfällt.

Wie auch immer, das sind nunmal Begleiterscheinungen, manche haben mehr Glück, andere wieder weniger, nur: Es sollte keine Auswirkung auf den Weg haben den man geht, sondern nur auf die Beziehung zu der betreffenden Person, und das überlebt man auch. Als Kopf hoch und die Ohren steif halten Big Grin
[Bild: bild1.jpg]  IF AT FIRST YOU DON'T SUCCEED, FIX YOUR Ponytail AND TRY AGAIN.[Bild: bild0.jpg]
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RE: Was ist an dem Thema TS eigentlich für viele so furchtbar ?
Beitrag #9
@Ann Lie!Bei uns ist das normal,das sich die Eltern nicht einmischen!So wird einfach schon von Kindesbeinen an gesorgt,das man sich für die Zukunft wappnet!Aber da hört dann mein Verständnis für deine Mutter auf!Und ich kann dir nur Gratulieren,das du nun Prioritäten setzt und deinen Weg gehst!Zwar finde ich es schade das deine Familie nicht zu dir steht,aber es ist alles besser(denke ich mal)als ein unglückliches Leben zu führen!

Kisses Chiara!
Für immer Böhse. 

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RE: Was ist an dem Thema TS eigentlich für viele so furchtbar ?
Beitrag #10
Tja warum ist das so furchtbar. Ich kannte das Wort Transsexuell zuerst auch nur im Zusammenhang mit blöden Witzen aber ich denke das haben wir einigen TS zu verdanken, die gerne mal über die Strenge schlagen. Ich nenn sie gerne Barbara Karlich-Transen (BK ist eine schräge Talk Show im ORF, für diejenigen die es nicht kennen).

Es wird ja nicht ernsthaft darüber geredet und wenn dann werden im TV irgendwelche Freaks gezeigt die aber sowas von nix mit mir und meiner Gefühlswelt zu tun haben. Also erstmal werden die lautesten und schrillsten wieder mal am Häufigsten gehört. Dazu kommt wohl noch das deine Mutter aus ner anderen Zeit stammt, wo das ganze Thema wohl noch unberührter war als heute.

Was mir noch dazu einfällt ist wohl, daß die Leute offensichtlich immer irgendwelche Feindbilder brauchen. Die Schwulen sind ja jetzt schon Mainstream, also wird auf die nächste Minderheit eingedrochen.

Ich habe ehrlich gesagt auch keine Ahnung wie ich damit umgehen soll und habe da schon Angst vor der Zukunft, aber ich Gratuliere dir zu Deiner Entscheidung. Es ist ja schließlich Dein Leben.
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