Alltagstest nach Coming Out?
RE: Alltagstest nach Coming Out?
Beitrag #11
Also bevor die Disskusion abgleitet, denkt bitte dran, daß wir in Europa leben und nicht in Thailand oder sonst wo. Wir müssen damit leben und umgehen, wie die Gesellschaft hier uns behandelt und aufnimmt. Ich meine, was bringt es zu sagen, daß es Transsexuelle in Thailand vielleicht leichter haben und besser behandelt werden? Sollen wir alle nach Thailand auswandern? Wahrscheinlich eher nicht.
Wir leben hier und müssen hier sehen, wie wir zu Recht kommen.
Und hier sieht es nun mal so aus, wer eine Kostenübernahme durch das Krankensystem haben will, der muß nachweisen, daß dies auch notwendig ist. Ja Bürokratie ist ätztend, aber es ist nunmal so, daß die Bürokratie einen Großteil unserers Lebens beeinflußt. Entweder man spielt nach den Regeln oder man hat es sehr, sehr schwer, daß zu bekommen was man will.
Natürlich kann man als TS vieles selber machen, aber selber machen heißt auch aus eigener Tasche bezahlen. Ich wollte z.B. nicht mehr mit der Laser-Epi warten und habe die selbst bezahlt und das waren locker über 2000€. Mein Finasterid bezahle ich zur Zeit auch komplett selbst, weil ich es zur Zeit nur auf Privatrezept verschrieben kriege und Östrogen kriege ich gar nicht verschrieben, weil die Bedingungen dafür nicht erfüllt sind.
Hier ist es nunmal so, daß man als Transsexuelle bestimmte Bedingungen erfüllen muß, damit man das bekommt, was man haben will.
Vor allem wenn man neue Dokumente mit neuem Vornamen und dem richtigen Geschlechtseintrag haben will, dann muß man viel nachweisen.

Das alles sagt natürlich wenig darüber aus, wie man sich fühlt und benimmt und wie die Leute mit einem umgehen. Ich hab als Transsexuelle auch wenig Probleme als Frau anerkannt zu werden, sogar von den Menschen, die mich vor noch als Mann kannten. Die merken einfach, daß ich eine Frau bin und daß das besser zu mir paßt.
Nur offizell ist das eben alles nicht und da fangen halt die Probleme an, z.B. ist es sau-schwer als Frau mit männlichen Dokumenten zu arbeiten. So wird man von fast niemanden eingestellt.
Klar, man kann als Transfrau ohne Dokumente leben, mache ich ja auch, aber rechtlich ist man klar im Nachteil. Also muß man die ganzen Gutachten und alles mitmachen, damit man auf der sicheren Seite ist. Schließlich möchte man ja auch offizell als Frau gelten, oder nicht?
Zu viel Wahrheit wird nicht erkannt; Zu viel Tod am Wegesrand.
Erst auf den zweiten Blick; Erkennst du was dahinter steckt.
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RE: Alltagstest nach Coming Out?
Beitrag #12
(12.03.2013, 13:33)Mara85 schrieb: Ich möchte ja so schnell wie möglich die Hormontherapie, da brauchen sich die Ärzte nicht absichern, weil ich mir zu 100 % sicher bin. Ist halt die Sorge je länger man wartet desto stärker wirkt das Testosteron in einem. Dabei habe ich noch Glück das ich doch recht feminine Gesichtszüge und volle Lippen habe die sich andere erst aufspritzen lassen müssten.
Ist halt ein anderes Empfinden ob man eigene Brüste hat oder diese Silikoneinlagen trägt die sich trotzdem fremd anfühlen.

Dann könntest du es mal mit Finasterid versuchen, was eine ähnliche Wirkung haben könnte wie Androcur. Was aber leichter zu bekommen ist.
Bei mir wirkt es jedenfalls sehr gut, wie man auf diesen Fotos sehen kann.
Wie gesagt, ich nehme kein Östrogen, trotzdem wirkt das leicht Verweiblichend. Ich bin ganz zufrieden, auch wenn die Brüste nur leicht größer werden, aber das Gesamtbild ist besser geworden.
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RE: Alltagstest nach Coming Out?
Beitrag #13
Angelika…hätten sich meine Eltern nicht so entschieden, wäre es mir wohl ähnlich ergangen wie dir....ich wäre in eine Rolle geschlüpft in die ich nicht gepasst hätte…so hatte ich es jedenfalls viel einfacher...abgesehen davon hatte ich ja meine ganze Jugend um mich doch noch als Junge zu entscheiden


..........mit dem Natürlichen Feind des Mannes, meine ich die Männer untereinander selbst …das Imponiergehabe und die Erwartungen wären mir einfach zu groß...als Frau oder Ladyboy steh ich nicht in der Verantwortung eine ganze Familie versorgen zu müssen...Leistungsdruck und Angst den Job zu verlieren fällt somit flach...ich hab keine Ahnung welchen Druck eine Frau in Deutschland ausgesezt wird...bei uns ist die Frau eine Frau...sie wird umsorgt und verwöhnt


Ihr benutz auch sehr eigenartige Wörter wie Mr…Ct..KK..GA Op und bla..bla..bla…daraus lese ich, dass es ein Junge nicht einfach hat seine Wahl als Mädchen zu treffen…
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RE: Alltagstest nach Coming Out?
Beitrag #14
ANMERKUNG: Ein paar OT-Beiträge wurden nach hier -> Transmänner in Thailand verschoben; Bonita
[Bild: avatar_202.jpg] „NATSUME! NATSUMEe! NATSUMEee!“ — Nyanko-Sensei en.wikipedia.org/wiki/Natsume%27s_Book_of_Friends
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RE: Alltagstest nach Coming Out?
Beitrag #15
(12.03.2013, 13:33)Mara85 schrieb: Ich möchte ja so schnell wie möglich die Hormontherapie, da brauchen sich die Ärzte nicht absichern, weil ich mir zu 100 % sicher bin. Ist halt die Sorge je länger man wartet desto stärker wirkt das Testosteron in einem. Dabei habe ich noch Glück das ich doch recht feminine Gesichtszüge und volle Lippen habe die sich andere erst aufspritzen lassen müssten.
Ist halt ein anderes Empfinden ob man eigene Brüste hat oder diese Silikoneinlagen trägt die sich trotzdem fremd anfühlen.

richtig erkannt .. auch die Haarstruktur wird immer mieser .. je länger man nix tut .. ich kämpfe schon seit Jahren gegen die übermäßige und als lästig empfundene Vermännlichung..seit ich ein Teenager war, war mir das nicht geheuer (ausserdem wenn man zu sehr nach Mann aussieht kann man zb. aufreizende Damenkleidung vergessen (ist bei mir schon passiert...wurde zu maskulin).. kindlicher,androgyner ist alles erlaubt und macht keine komischen Blicke).

Finasterid ist eine sehr gute Wahl (hatte ich auch und vieles kindliches zT erfolgreich über Jahre behalten können (Lippen, volle Haare, kaum Körperhaar, kaum Bart)) .. weniger DHT und mehr Estradiol.
"Was wir brauchen, sind ein paar verrückte Leute; seht euch an, wohin uns die Normalen gebracht haben." - George Bernard Shaw
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RE: Alltagstest nach Coming Out?
Beitrag #16
(12.03.2013, 15:06)Damb schrieb: Ihr benutz auch sehr eigenartige Wörter wie Mr…Ct..KK..GA Op und bla..bla..bla…daraus lese ich, dass es ein Junge nicht einfach hat seine Wahl als Mädchen zu treffen…

Richtig erkannt, wenn man sich bei uns stößt man als Transsexuelle auf erhebliche Widerstände.
Frag mal, wie viele hier eine vernünftige Beziehung haben? Das sind nicht viele, ganz einfach weil die meisten Menschen damit nicht klar kommen, daß bei Menschen Verhalten und biologisches Geschlecht nicht übereinstimmen.
Frag mal, wie viele ihre Freunde verloren haben nachdem sie sich geoutet haben oder keinen Kontakt mehr zu ihrer Familie haben. Das sind leider sehr viele.
Aber wie ich schon schrieb, es bringt nichts darüber zu disskutieren, daß es in Thailand anders ist als in Europa, weil wir hier leben müssen.
Und hier ist es verdammt hart als Frau anerkannt zu werden.
Zu viel Wahrheit wird nicht erkannt; Zu viel Tod am Wegesrand.
Erst auf den zweiten Blick; Erkennst du was dahinter steckt.
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RE: Alltagstest nach Coming Out?
Beitrag #17
(12.03.2013, 16:56)Eva_Tg schrieb: Frag mal, wie viele ihre Freunde verloren haben nachdem sie sich geoutet haben oder keinen Kontakt mehr zu ihrer Familie haben.
Das sind leider sehr viele.
falsche Freunde und Eltern, die es nicht Wert sind. Es geht um DICH. Sche**egal was die Eltern denken ....

(12.03.2013, 16:56)Eva_Tg schrieb: Aber wie ich schon schrieb, es bringt nichts darüber zu disskutieren, daß es in Thailand anders ist als in Europa, weil wir hier leben müssen.
das lässt sich ändern Big Grin

(12.03.2013, 16:56)Eva_Tg schrieb: Und hier ist es verdammt hart als Frau anerkannt zu werden.

Alternativ, wenn man schon zu maskulin wurde (weil man es zu spät erkannt hat), als femininer Mann... (natürlich öffentlich ohne High-Heels aber dennoch unisex .. es ist viel möglich)

..aber wenn ich mir z. B. Monika Donner jetzt ansehe (absolut weiblich und sehr hübsch (warme weibl. ausstrahlung)) und zu früher als stämmigen Mann (hatte immer volles Haar Big Grin ) vergleiche ... es ist viel machbar.

auf Haut und Haare sollte der durchschnittseuropäer von 16 aufwärts achten .. ist beides ordentlich, kann man androgynous viel tun...

LG ;-)
Mike
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RE: Alltagstest nach Coming Out?
Beitrag #18
(12.03.2013, 18:14)mike. schrieb: Alternativ, wenn man schon zu maskulin wurde (weil man es zu spät erkannt hat), als femininer Mann... (natürlich öffentlich ohne High-Heels aber dennoch unisex .. es ist viel möglich)

Die Option steht im Grunde für keine TS zur Debatte. Wir sind keine Männer und wollen auch nie als solche erkannt werden.
Wenn mich jemand als Mann anspricht, dann bin ich zu tiefst verletzt.
Und das hat nichts mit dem Aussehen zu tun, ich rede den Menschen, die wissen ich TS bin und mich dann aus Gedankenlosigkeit trotzdem als Mann ansprechen. Da zählt dann das biologische Geschlecht mehr, als Aussehen, Sprechweise und Verhalten und sowas ist extrem demütigend.
Was glaubst du warum ich so hinter der Namensänderung her bin und das mein Geschlecht auch in den Papieren weiblich ist. Damit ich sagen kann, daß die Leute gefälligst meinen offizellen Namen zu benutzen haben, wenn sie mit mir reden.
Das ist mir wesentlich wichtiger als irgendeine HRT, denn die brauche ich nicht. Mein Passing ist schon jetzt sehr gut und viele glauben mir nicht, dass ich nicht als Frau geboren wurde.
Zu viel Wahrheit wird nicht erkannt; Zu viel Tod am Wegesrand.
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RE: Alltagstest nach Coming Out?
Beitrag #19
Also für mich steht fest das ich eine Hormontherapie will mit allem drum und dran,will hoffen das der Psychologe mir da keinen STrich durch die Rechnung macht. Mir selbst würde das Tragen der Klamotten nicht reichen. Hat jemand Erfahrung mit dem Alltagstest oder mit den Gutachten? Wie läuft das ungefähr ab?
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RE: Alltagstest nach Coming Out?
Beitrag #20
Huch, da habe ich mich missverständlich ausgedrückt. Natürlich will ich eine HRT, aber die Namensänderung ist mir im Moment fast wichtiger. Wie gesagt mein Passing ist absolut alltagstauglich und abgesehen von wenigen Ausnahmen bin ich nur noch Frau.
Selbst meine Therapeutin sagt, daß es mir wesentlich besser tun würde, wenn ich in allen Dingen nur noch Frau wäre. Aber ich denke mal sie weiß auch, daß das ohne Namensänderung nicht so leicht umzusetzen ist. Sie sagt auch Aussehen, Stimme, Verhalten, Sprechweise, Gestik, Mimik, daß ist alles absolut weiblich bei mir.

Na ja, der Alltagstest ist im Grunde genau das, was der Name ausdrückt, man schaut, ob man mit der weiblichen Rolle zu Recht kommt oder nicht. Einfach ausdrückt: Es kann auch passieren, daß Leute glauben transsexuell zu sein und es gar nicht sind und solche Irrtümer soll der Alltagstest aufdecken.
Zu den Gutachten kann ich wenig sagen, da ich die noch nicht habe. Da wissen andere besser Bescheid.
Zu viel Wahrheit wird nicht erkannt; Zu viel Tod am Wegesrand.
Erst auf den zweiten Blick; Erkennst du was dahinter steckt.
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