Kaum Gender Dysphoria?
RE: Kaum Gender Dysphoria?
Beitrag #11
Rainbow 
Die TE hat gefragt, ob man auch ohne stark ausgeprägte Dysphorie TS sein kann. Und offensichtlich kann man das, ohne deswegen unumgänglicherweise zu einem Schicksal als künftiger Reuefall verflucht zu sein.

Ich denke, Leiden adelt nicht.

(Für mein eigenes Schicksal könnte ich dabei auch sehr viel verstörendere Worte als nur "Dysphorie" finden Angry Es ist schon eine Unverfrorenheit, wie einem manche Leute zu behandeln können glauben.)

Ansonsten wären ein paar philosophische Grundlagen nicht verkehrt gewesen Confused Nehmen wir zur Transferleistung ein aus dem akademischen Unterricht lange bewährtes Beispiel: Wenn die Straße naß ist, kann man daraus nicht schließen, daß es geregnet hat. Es könnte auch jemand sauber gemacht haben, es könnten ein paar Getränkekästen von einem LKW gefallen sein, ein Hydrant könnte kaputt gegangen sein, etc. etc.
»Banana, nirvana, mañana«
(Gong: Radio Gnome Invisible, 1973)
Zitat

RE: Kaum Gender Dysphoria?
Beitrag #12
Hallo und danke für eure Antworten.

Dass man Internet-Tests nicht trauen sollte, ist mir natürlich klar, aber sowas verunsichert mich halt einfach.

(01.07.2020, 22:15)Claudia_89 schrieb:
(01.06.2020, 01:43)Verunsichertes Mädchen schrieb: Habe vor einiger Zeit einen zweiminütigen Clip auf YouTube gesehen aus einer Zeichentrickserie von einem Crossdresser und da kamen mir schon die Tränen, von so nem kurzen Clip. Einfach weil er als Mädchen so hübsch ist und ich einfach so - als Junge - umherlaufen und leben muss.

Sry, hab ich aus deinem anderen Fred kopiert.. denke es gehört hier dazu

Scheinbar gibt's da eine gewisse Unzufriedenheit mit deinem Körper oder bilde ich mir das nur ein? Versuche dem Gefühl mal nachzuspüren. Warum kommen dir die Tränen wenn du einen Crossdresser siehst? Was darf/hat/kann der, was du nicht kannst?

Hm, also die ganze Sache ist einfach kompliziert...
Also ja, eine kleine Unzufriedenheit gibt es schon mit meinem Körper, aber die ist nun nicht so extrem groß. Aber ich hätte halt schon gerne einen Mädchenkörper. Aber ich glaube, mir geht es mehr darum, von anderen als Mädchen wahrgenommen zu werden (und als Mädchen durchzugehen bei Leuten, die mich nicht kennen). Auch wenn ich bis jetzt noch niemandem persönlich von der ganzen Sache erzählt habe, bin ich im Internet ja wo's geht als Mädchen unterwegs und freue mich immer, wenn ich mit Mädchennamen angesprochen werde oder weiblich Pronomen benutzt werden für mich.

Was ein Crossdresser hat, was ich nicht hab? Das Aussehen.
Ich will einfach wie ein normales Mädchen aussehen, süß sein, etc., aber das stelle ich mir einfach unmöglich vor. Spätestens meine Stimme würde mich daran hindern, als Mädchen durchzugehen; die ist einfach viel zu tief. :(

Ich versteh mich selbst einfach nicht.
Aber eine Sache hätte ich da noch, die ich mal fragen möchte und ich möchte dafür jetzt nicht schon wieder einen neuen Thread aufmachen:
Es ist zwar nur so eine Vermutung, aber bei mir könnte das so in Richtung Depression gehen: Ich habe oft einfach null Motivation irgendwas zu tun, kann schnell verletzt werden, sitze den ganzen Tag nur Zuhause und weiß nachher nicht einmal, was ich wirklich gemacht hab, da ich einfach nur den ganzen Tag am Handy/Laptop verbracht habe und nichts anständiges gemacht habe. Allerdings gibt es trotzdem noch Dinge, die ich gerne mache und Spaß daran habe. Aber was ich mich da frage: Wenn es evtl. eine leichte Depression sein könnte, könnte diese eventuell irgendwie eine Gleichgültigkeit auslösen, weshalb ich keine wirkliche Gender Dysphoria habe und da nicht so drunter leide? Ist jetzt vielleicht nicht besonders gut beschrieben, aber ich hoffe mal, dass ihr wisst, was ich meine. Und es ist nur eine Idee; wirkt wahrscheinlich bisschen so, als würde ich einfach unbedingt eine Erklärung für das ganze suchen, da ich nicht möchte, dass das nur eine Phase oder so ist, sondern dass ich wirklich ein Mädchen bin.

Naja, erstmal genug geschrieben,
hoffentlich halbwegs verständlich formuliert.
Zitat

RE: Kaum Gender Dysphoria?
Beitrag #13
Das Beste wäre wohl wirklich, mit einer/einem Therapeut/in/en darüber zu sprechen - weil einerseits kann eine Depression, die nichts mit trans zu tun hat, Dir das Leben schwer machen, und andererseits kann mensch schon mal deppresiv werden, weil er (der Mensch) trans sein kann.

Eine/n "gute/n" Therapeut/in/en diesbezüglich finden ist leider gar nicht so einfach; Einerseits gibt es da welche, die beim Thema trans "veraltete" Denkweisen haben und dieses trans quasi "ausreden" wollen - andererseits gibts da "modernere", denen Deine sonstigen Probleme so gut wie egal sind und einfach "alles unterschreiben", wenn man sagt, man sei trans - der "gesunde" Mittelweg wärs, den Du wohl bräuchtest...

Man muss sich halt schon auf sowas einlassen wollen und so ehrlich sein, zu sagen, wie es mit bzw in einem aussieht; Wenn man einer/einem Therapeut/in/en sagt, dass man seit vielen Jahren das Gefühl hat, in einem männlichen Körper zu stecken, jedoch lieber einen weiblichen hätte und auch als Frau rund um die Uhr leben möchte (mit allen Vor- und Nachteilen), aber nicht sicher ist, weil man auch depressiv ist, aber gleichzeitig auch weiss, dass diese Depression vom trans Sein kommen kann, dann ist sie/er hoffentlich so professionell und kann mit Dir da der Sache auf den Grund gehen - wird leider nur länger dauern als lediglich einige wenige Termine...

Im Grunde müsstest Du lernen, Dich selbst ausleben zu können, das tust Du lt Deinen Schilderungen ja eher nicht (nur zu Hause bzw im iNetz); Dass kann mittels Kleidung, Haarstyling, Make-Up etc pp in eine Richtung gehen, es müssen schließlich nicht sofort oder gar keine Operationen sein, um als Frau leben zu können; Aber auch wenn Du quasi "unisex" gekleidet/gestylt als Mädchen bzw Frau versuchst zu leben (weil wohl nicht so auffällig am Anfang), dann ist es von Beginn an schon mal nicht verkehrt, die Stimme bzw Redeweise zu trainieren (Logopädie etc pp), das könnte für eine komplette Transition (das, was man oft leider als "Umwandlung" hört/liest) genauso von Vorteil sein, wzB die (Bart-) Haar-Entfernung...

Das mit der weiblichen Anrede und Personenstand (also dass Du in Deinen Papieren dann Deinen weiblichen Vornamen und als Geschlecht weiblich eingetragen bekommst) ist ja diese Tage nicht mehr so schwierig (als sich selbst wohl darüber vollkommen klar zu werden, wer und was man ist); Klar muss Dir aber eben auch immer sein, dass Du vermutlich (wir kennen Dich schließlich nicht persönlich) nicht dieses idealisierte "kleine süsse" Mädchen werden kannst, sondern maximal eine Frau (die allerdings auch "süss" sein kann) - aber das müsste "im trans Fall" ja auch schon ausreichend sein...


Alles Gute und Liebe! Favorite
[Bild: avatar_202.jpg] „NATSUME! NATSUMEe! NATSUMEee!“ — Nyanko-Sensei en.wikipedia.org/wiki/Natsume%27s_Book_of_Friends
Zitat

RE: Kaum Gender Dysphoria?
Beitrag #14
(03.07.2020, 10:21)Sunburst schrieb: Ansonsten wären ein paar philosophische Grundlagen nicht verkehrt gewesen Confused Nehmen wir zur Transferleistung ein aus dem akademischen Unterricht lange bewährtes Beispiel: Wenn die Straße naß ist, kann man daraus nicht schließen, daß es geregnet hat. Es könnte auch jemand sauber gemacht haben, es könnten ein paar Getränkekästen von einem LKW gefallen sein, ein Hydrant könnte kaputt gegangen sein, etc. etc.
 
Das ist eine nette Allegorie, aber wie gesagt, philosophisches Imkreisegedrehe. Gender Dysphorie beschreibt nur einen Zustand, nämlich (auch auf die Gefahr hin, dass ich mich wiederhole) das Leiden, verursacht durch ein Nicht-Zusammenpassen von empfundenem und Geburtsgeschlecht. Es ist so wie die Feststellung, dass die Straße nass ist, nichts weiter.

Was in diesem Thread vonstatten geht, sieht eher wie folgt aus: Prämisse=Die Straße ist nass. Frage=ist es denn zwingend notwendig dass die Straße nass ist, um sie als nass bezeichnen zu können??

Es gibt eben ganz präzise Formulierungen, die dabei helfen sollen einen Sachverhalt feststellen zu können, was auch sehr gut funktioniert. Außer es wird das Vermögen von Begriffen, einen Sachverhalt umschreiben zu können infrage gestellt und Relativierungen und Ausnahmen formuliert, wie es einem beliebt. Die Katastrophe ist vorprogrammiert. 

Ich glaube nicht, dass es ein Zufall ist, dass es genau in dieser Zeit - wo viele solche Ausnahmen und Relativierungen stattfinden - plötzlich die Detransitioner und Regreter aus dem Boden sprießen...

Ums eindringlich auf den Punkt zu bringen: Niemand ließe sich von sich aus seinen Penis amputieren, gäbe es damit nicht ein massives Problem. Ich werde nicht die Person sein, die sagt: Penisamputationen sind für jedermann, spezielle Anforderungen gibt's nicht...
Zitat

RE: Kaum Gender Dysphoria?
Beitrag #15
(05.07.2020, 20:34)Verunsichertes Mädchen schrieb: Was ein Crossdresser hat, was ich nicht hab? Das Aussehen.
Ich will einfach wie ein normales Mädchen aussehen, süß sein, etc., aber das stelle ich mir einfach unmöglich vor. Spätestens meine Stimme würde mich daran hindern, als Mädchen durchzugehen; die ist einfach viel zu tief. Sad

ok, aber das klingt für mich schon so, als hättest du ein Problem damit männlich zu sein, oder ist das nur in gewissen Momenten so? Ich würde dir auch empfehlen mal zum Therapeuten zu gehen um dem Ganzen auf den Grund zu gehen 

liebe Grüße
Zitat

RE: Kaum Gender Dysphoria?
Beitrag #16
Du erwartest darauf hoffentlich keine Antwort Plain
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(Gong: Radio Gnome Invisible, 1973)
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RE: Kaum Gender Dysphoria?
Beitrag #17
(07.07.2020, 15:57)Sunburst schrieb: Du erwartest darauf hoffentlich keine Antwort Plain

im Sinne einer an der Ratio ausgerichteten Argumentation natürlich nicht..
Zitat

RE: Kaum Gender Dysphoria?
Beitrag #18
Hallo! Ja, mich gibt's tatsächlich auch noch...


Getan hat sich nicht wirklich was, aber es ist was passiert:
Es gibt da eine Person, mit welcher ich dabei bin, mich anzufreunden. Nun hat sie sich vorgestern bei mir als mtf-trans geoutet und auch ein bisschen darüber erzählt. Da kam natürlich wieder dieses "Ich wusste schon seit frühster Kindheit, dass was nicht stimmt" und das "Ich wurde immer unglücklicher". Halt so diese Standardsachen, aber bei mir ist das ja anders! Ich will ja erst seit nicht einmal 3,5 Jahren ein Mädchen sein und ich leide ja auch nicht so extrem drunter und da fühle ich mich irgendwie wie so'n Hochstapler oder wie auch immer ich das nennen soll. :(

Mich verunsichert einfach extremst, dass ich kaum Gender Dysphoria aufweise. Manchmal ist es halt schon bisschen merkbar, wenn ich z.B. auf YouTube Cover anhöre von Mädchen und die so ne tolle Stimme haben, da werde ich schon manchmal unglücklich und manchmal kommen mir da sogar bisschen die Tränen, weil ich genau weiß, dass ich nie so eine Stimme haben werde... und mit dieser tiefen Stimme leben muss.

Aber weiter die Geschichte mit meiner Freundin: Ich hab ihr bis jetzt noch nichts erzählen können, weil ich einfach Angst habe. Klar, sie wird mich sicherlich akzeptieren, aber ich hab trotzdem Angst. Jedoch weiß sie, dass ich a) ein größeres Problem habe (aber nicht welches), wegen welchem ich eigentlich zum Therapeuten gehen möchte, und b) eine Sozialphobie habe. Sie hat mir vorgeschlagen, dabei zu helfen, einen Therapeuten zu finden und mir allgemein einfach zur Seite zu stehen. Ich will natürlich nicht, dass meine Eltern davon erfahren, aber meine Mutter weiß zumindest von meiner Sozialphobie und das könnte ich ja als Vorwand nehmen, einen Therapeuten aufzusuchen. Allerdings geht mir das alles irgendwie zu schnell und ich hab schon beim Gedanken, zum Therapeuten zu gehen, Angst bekommen. :(


Warum schreibe ich das ganze? Keine Ahnung. Dachte irgendwie, dass ich das mal loswerden könnte...

(06.07.2020, 04:55)Bonita schrieb: Man muss sich halt schon auf sowas einlassen wollen und so ehrlich sein, zu sagen, wie es mit bzw in einem aussieht; Wenn man einer/einem Therapeut/in/en sagt, dass man seit vielen Jahren das Gefühl hat, in einem männlichen Körper zu stecken, jedoch lieber einen weiblichen hätte und auch als Frau rund um die Uhr leben möchte (mit allen Vor- und Nachteilen), aber nicht sicher ist, weil man auch depressiv ist, aber gleichzeitig auch weiss, dass diese Depression vom trans Sein kommen kann, dann ist sie/er hoffentlich so professionell und kann mit Dir da der Sache auf den Grund gehen
Leider ist so ein bisschen das Problem, dass es mir extrem schwer fallen würde, mit einer fremden Person über meine privatesten Gedanken und so zu sprechen. Ich konnte in den ganzen über drei Jahren ja nicht einmal einem Menschen davon erzählen. Und ich bin mir noch immer nicht wirklich 100%ig sicher, ob ich denn wirklich einen weiblichen Körper haben möchte. Es ist einfach schwer, das sicher zu sagen.


(06.07.2020, 04:55)Bonita schrieb: Im Grunde müsstest Du lernen, Dich selbst ausleben zu können, das tust Du lt Deinen Schilderungen ja eher nicht (nur zu Hause bzw im iNetz); Dass kann mittels Kleidung, Haarstyling, Make-Up etc pp in eine Richtung gehen, es müssen schließlich nicht sofort oder gar keine Operationen sein, um als Frau leben zu können; Aber auch wenn Du quasi "unisex" gekleidet/gestylt als Mädchen bzw Frau versuchst zu leben (weil wohl nicht so auffällig am Anfang), dann ist es von Beginn an schon mal nicht verkehrt, die Stimme bzw Redeweise zu trainieren (Logopädie etc pp), das könnte für eine komplette Transition (das, was man oft leider als "Umwandlung" hört/liest) genauso von Vorteil sein, wzB die (Bart-) Haar-Entfernung...
Ich traue mich das nicht wirklich. Nicht einmal eine simple Haarspange, obwohl mir meine Haare schon hin und wieder ins Gesicht fallen. Zuhause trage ich sie, aber meine Mutter meint, ich sollte es lieber nicht draußen tun und eine (andere) Freundin meinte auch, es sei besser, es nicht zu tun. Ich wurde vor vielen Jahren ein, zwei Jahre lang gemobbt und hab Angst, dass es wieder passiert, wenn ich irgendwie "anders" bin. Wie gut bekommt man denn überhaupt eine halbwegs tiefe Stimme halbwegs weiblich klingend? Geht das?

Und nun meine zwei abschließenden Fragen:
Wie sieht es mit der Pubertät aus? Werde in paar Monaten schon 19. Ist die bereits zum großen Teil abgeschlossen oder muss ich damit rechnen, dass sich da noch großartig was tut, meine Stimme noch tiefer wird oder so?

Ich hab ja endlich den Mut dazu gefunden, meine Haare wachsen zu lassen. War bei knapp 20cm, aber musste Spitzen schneiden lassen, weil sie seit über einem Jahr schon nicht mehr geschnitten wurden, also sind die wieder etwas kürzer. Jedoch möchte ich eigentlich 30 - 50cm haben, aber das dauert! ewig! Hat jemand Tipps, die wirklich funktionieren, damit sie schneller wachsen oder kann man da nicht wirklich was tun? Und leider sind meine Haare recht dünn; ist das schlimm? Hab nämlich gehört, dass das eher nachteilig ist, wenn man lange Haare haben möchte.


Danke fürs Lesen und liebe Grüße!
Zitat

RE: Kaum Gender Dysphoria?
Beitrag #19
Einfach zwischen Gender (soziale Rollen, Verhalten, Papiere etc.) und Sexus (Körperteile/Körperthemen) unterscheiden.

Dann gibt es auch keine Widersprüche.

Emanzipation 4 Life
~ Schônheit, Weisheit, Stârke ~
Zitat



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