Wie wir mit TS umgehen und was ist überhaupt TS
RE: Wie wir mit TS umgehen und was ist überhaupt TS
Beitrag #131
Vice versa darf man auch niemandem transsexuelles "einreden", auch ohne OP könne man "ausreichend" Frau sein (leben) können, wenn dieser - vor allem physische ;-) - Wunsch respektive dieses Bedürfnis besteht... Smile
[Bild: avatar_202.jpg] „NATSUME! NATSUMEe! NATSUMEee!“ — Nyanko-Sensei en.wikipedia.org/wiki/Natsume%27s_Book_of_Friends
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RE: Wie wir mit TS umgehen und was ist überhaupt TS
Beitrag #132
Hallo,
Eure diversen Stellungnahmen freuen mich sehr . Das hat mir als Mensch und (Roman-)Autor gut getan. Meines Erachtens kommt es aber vor allem auch darauf an wie wir TG bzw. TS von der Gesellschaft wahrgenommen werden . Denn wie die Fische brauchen auch wir das (gesellschaftliche) Wasser um sich wohlfühlen zu können, gar glücklich zu werden. Wofür nimmt man ansonsten das Ganze auf sich? Sich aber selber zur Frau zu stempeln, ohne überhaupt zu wissen, was das Frausein alles beinhaltet und dann auch ohne Rücksicht darauf zu nehmen, wie das "draussen" ankommt........ Nein, das kann doch wirklich nicht das erstrebenswerte Ziel eines Identitätswechsels sein. Ich habe bei meinem eigenen Identitätswechsel deshalb in erster Linie immer das soziale Funktionieren über die komplette Anpassung gestellt. Denn Letzteres ist ja nun eine individuelle Geschichte und keine primär gesellschaftliche (kein Mensch auf der Strasse fragt danach und Papiere sind leicht zu ändern.....!)- deswegen kann es auch kein staatlicher Zwang beim Identttätswechsel geben.
Aber es muss beim jeweiligen Wechselwunsch natürlich auch immer sehr viel Selbstkritik geben: "Bin ich überhaupt dafür geeignet bzw. vor psychisch und physisch dafür geschaffen....?" "Wie weit will und kann ich gehen?". Daran mangelt es manchmal doch im erschreckenden Sinne..... Und auch wenn man das für sich vollauf bejahen kann muss man trotzdem jeden Tag unentwegt an sich arbeiten: "Es ist noch keine Frau vom Himmel gefallen!"
Ich habe das Gefühl- wie das auch vor zwanzig Jahren schon der Fall war -, dass etliche Identitätswechsel-Betroffene ihr TS-Fähnchen immer hochzuhalten bereit sind bzw. Tag und Nacht damit beschäftigt sind. Alsob es nicht anderes gäbe auf der Welt. Denn mit 1 auf 5'000-10'000 sind wir echt nicht so viel dass das nun jederman zu interessieren hätte. Bei rund 80 Millionen Menschen in Deutschland sind wir TG/TS somit nur rund 16'000 - 8'000, meinetwegen 20'000 - 10'000 Personen. Eine wahrlich ganz kleine Welt!
Zur Auflockerung deshalb ein gern von mit erzählter Witz zum Schmunzeln (lachen befreit...!): " Eine frisch operierte TS will sich nach all den Strapazen mal in der Disco austoben . Beim Eingang fragt der Türsteher: "Sind Sie Mitglied?". "Nein", sagt die Transe: "Ich bin operiert......!"
LG
Jacob Winter
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RE: Wie wir mit TS umgehen und was ist überhaupt TS
Beitrag #133
Sorry, habe in der Hitze des Gefechts ganz vergessen, das dies ja ein österreichisches Forum ist Schnell bei Wikipedia nachgeschaut ob der Einwohnerzahl und mit rund 8, 5 Mllion Österreichern wäre dann die TG/TS-Gemeinde in diesem wunderschönen Land (ich war schon in Zell am See, am Wörthersee, am Brennerpass, In Klosterneuburg, in Brunn am Gebirge, in Spillern und natürlich in Wien) nur 1700- 850 Personen gross. Dorfgrösse somit. Aber offenbar sehr rührig besonders da oben in Wien.
LG
Jacob Winter
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RE: Wie wir mit TS umgehen und was ist überhaupt TS
Beitrag #134
(21.11.2012, 19:29)Jacob Winter schrieb: ... dies ja ein österreichisches Forum ist ...

Hier tummeln sich aber auch viele aus Deutschland - und einige wenige aus anderen Ländern Wink
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RE: Wie wir mit TS umgehen und was ist überhaupt TS
Beitrag #135
[Moderationshinweis]
Neues Thema "Was passiert mit Non-OP TS in Strafanstalten?" findet ihr hier,
Jasmin


Hm, ist das nicht auch ein allgemein gesprochenes Problem bzw. eine allgemeine Fragestellung? Wie reagiert eine Frauengruppe auf eine Non-OP-TS? Also in wie weit wird sie als Frau akzeptiert? Immerhin ist es ein himmelweiter Unterschied zwischen der Akzeptanz einer Frau mit anatomischen Eigenheiten oder dem Angesehen-werden als umgebauter Mann.
In einem Blog hab ich eine interessante Geschichte dazu gelesen: Eine junge Non-OP-TS läuft auf dem Heimweg aus der Disco in einen Junggesellennen-Abschied. Zuerst wollten die Frauen mit ihr nur einen Spaß machen, wie mit zahllosen anderen Passanten. Als sie dann merkten, daß sie es mit jemanden zu tun hatten, der biologisch gesehen männlich ist, gingen sie erstmal auf Distanz (z.B. würde sie nicht mehr mit Du angesprochen, sondern plötzlich mit Sie). Als das ganze dann zu einem etwas unfreiwilligen Outing führte, entspannten sich alle wieder etwas und hatte dann eine recht ungezwungene Unterhaltung. Am Ende verabschiedeten sich die Frauen dann recht überschwenglich und klischeehaft, also wurde die junge TS schon anders behandelt als eine CIS-Frau, aber eben auch nicht wie ein Mann.

Und ehrlich gesagt, mir ist die Akzeptanz von CIS-Frauen auch wesentlich wichtiger als die Meinung anderer TS. Zum Beispiel haben die Arzthelferinnen bei meinem Arzt mich völlig als Frau akzeptiert und das obwohl ich früher noch als Mann dort war.
Zu viel Wahrheit wird nicht erkannt; Zu viel Tod am Wegesrand.
Erst auf den zweiten Blick; Erkennst du was dahinter steckt.
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RE: Wie wir mit TS umgehen und was ist überhaupt TS
Beitrag #136
(21.11.2012, 13:57)Bonita schrieb: Vice versa darf man auch niemandem transsexuelles "einreden", auch ohne OP könne man "ausreichend" Frau sein (leben) können, wenn dieser - vor allem physische ;-) - Wunsch respektive dieses Bedürfnis besteht... Smile
Genau so ist es!
Beide Wege sind offen und jeder muss selbst seinen finden, aber zugleich den jeweils anderen auch respektieren und akzeptieren.

Für mich war es auch sehr entscheidend "richtigen" Sex mit Männern haben zu können und dieses, ohne mich als TS outen zu müssen. Also quasi Stealth. Eine ganz normale Frau eben.

Genauso akzeptiere ich die Entscheidung meiner Partnerin sich nicht operieren zu lassen. Sie ist deshalb genauso Frau für mich, wie für alle die sie kennen. Sogar die Männer, mit denen wir ab und zu Kontakt haben, akzeptieren sie zu 80% als Frau, selbst wenn sie ihren Penis sehen. Es ist nun mal das weibliche Verhalten und das entsprechende Passing hier das Um und Auf um als Frau wahrgenommen zu werden und nicht die GaOP.

In meiner Wahrnehmung ist eine operierte TS nach wie vor irgendwie männlich, wenn die Stimme und das Aussehen nicht dem einer Frau entspricht. Ich bin aber in der Lage solche Menschen sehr wohl als Frau anzusprechen und als solche zu respektieren, weil diese Person es eben nicht besser geschafft hat ihren ursprünglich männlichen Körper besser zu verweiblichen.
Die Gesellschaft ist aber im Wandel und handelt immer mehr so, wie ich, indem sie solche Personen auch als weiblich anspricht. Männer sind hier im Umgang weniger tolerant als Frauen.

Umgekehrt ist eine nonOP TS, mit einem perfektem Passing und entsprechender Stimme für nahezu jeden als Frau wahrnehmbar, denke ich. Und hier vor allem auch für Männer. Der noch vorhanden Penis ist ja nicht sichtbar. Wird dieser sichtbar, dann bleibt für viele der weibliche Eindruck weiter bestehen und hier auch für recht viele Männer.
Die einzige Ausnahme würde ich am FKK Strand und in der Sauna sehen, wo ja auch erste Eindruck zählt und der fast immer über die primären Geschlechtsmerkmale erfolgt. Aber selbst hier ist bei entsprechender Oberweite und kleinem Penis zwar klar was man ist, aber wenn der Rest weiblich ist, kommt man in das Schachterl dazwischen mit weiblichem Überhang.
Ich bin nicht mein Körper.
Träume nicht dein Leben, sondern lebe deinen Traum.
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RE: Wie wir mit TS umgehen und was ist überhaupt TS
Beitrag #137
Guten Morgen Jasminchen.

eine wunderbare Stellungnahme, die Du da gerade abgegeben hast. Ja, so ist es. Man(n) muss ertwas dafür tun als Frau wahrgenommen zu werden. Davon handelt ja genau mein autobiografischer Roman SCHLAUCHGELÜSTE. Das ist ein echter "Carpe Diem"-Kampf gewesen ("Es ist noch keine Frau vom Himmel gefallen"), der sich aber gelohnt hat: "Diva statt Drama". Du hast mir aus der Seele gesprochen . Alles Liebe und Gute wünche ich Dir und Deiner Partnerin .

Jacob Winter
Zitat

RE: Wie wir mit TS umgehen und was ist überhaupt TS
Beitrag #138
Hallo Jacob (- weil du dich auch so unterschreibst),

ich gehe mal davon aus es steht in deinem Buch warum du die Frau "aufgegeben" hast, wärst Du aber so lieb es hier zu beschreiben, was der Auslöser war, den Rest des Lebens nun doch als Mann zu verbringen?

Danke und freundliche Grüße

signo
(Twitter) @XG_crossgender
Unterwegs zwischen den Geschlechtern ist die Rolle natürlich, selbstbestimmt und wandelbar 
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RE: Wie wir mit TS umgehen und was ist überhaupt TS
Beitrag #139
<ot> Dieser Thread hat es (trotz kürzlich erfolgter Teilung) in die Charts geschafft (Top 15 der Posting-Statistik)! Smile </ot>
- Ich bin zwar F-64.1 aber deswegen trotzdem transident Tongue -
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RE: Wie wir mit TS umgehen und was ist überhaupt TS
Beitrag #140
Guten Morgen Signo.

einen gewissen Humor kann man Dir nicht absprechen . Denn ich war schon fast siebzig als ich diesen Entschluss fasste wieder auf der männlichen Seite der Gesellschaft zu leben, also nach aussen "männlich" zu erscheinen. Das ist was ganz anderes als (wieder) zum Mann zu werden. Im zweiten Teil des Buchtitels heisst es ja: "Liebesbrief an eine verlorene Männlichkeit". Und die hatte ich psychisch und physisch ja nun wohl endgültig "verloren". Der "Rest des Lebens" war/ist somit recht überschaubar.....!
Was allerdings ziemlich hoffnungslos ist wegen meines natürlich im Laufe der Zeit angepassten bzw. feminisierten Gesichts bzw. meines "weichen" Verhaltens, in dem sich fast 35 Jahre weibliche Sozialisierung widerspiegeln. . Auch heute werden ich manchmal noch mit Frau angesprochen, trotz kurzer Haare und (leicht sichtbarer) Bartwuchs. Ich habe mein Fraufühlen bzw. mein "Anderssein" ja offensichtlich schon immer ausgestrahlt und das wird auch so bleiben. bis ich mich in nicht mehr ganz so vielen Jahren in die Kiste lege. "Und das ist gut so", um es mal mit Wowereit zu sagen. Und natürlich auch bezüglich meines heutigen Status nicht zu vergessen die gewaltige Umstellung nach einer erneuten, ziemlich einschneidenden Brustoperation mit ( fast zu späten) Entfernung der eingebrachten Bustimplantate bzw. des gesamten Brustaufbaus wegen beginnender , ernsthafter körperlicher Folgewirkungen (inklusive Hautschlaffheit....!). Was fast fünf Stunden gedauert hat weil das ausgelaufene Silikon bereits bis tief in die Rippen versickert war. Gottseidank habe ich einen sehr guten Chirurgen gehabt,. der mir wahrscheinlich viel gesundheitliches Unheil erspart hat. Denke mal an die derzeitigen Brustimplantat-Folgen-Diskussionen. Auf meine Brust bin ich übrigens immer sehr stolz gewesen - die war ein integrierender Teil meiner weiblichen Identität.
Wie gesagt, habe ich meinen autobiografischen Transgender-Roman SCHLAUCHGELÜSTE nichtzuletzt wegen des Erfolges des niederländisch-belgischen Dokumentar/Kino-Films I A M A WOMAN NOW geschrieben. Denn da wird zum ersten Mal (ziemlich beschönigend) von Transgender/TS-Frauen aus der Casablanca-Zeit erzählt, aus meiner "Hochzeit" somit. Ein sicherlich wunderbarer Film über 5 alt gewordenen Transgender/TS-Frauen aber wer als Insider zwischen den Zeilen schauen kann wird auch etliche gar nicht so wunderbare Sachen entdecken. Erspare mir aber bitte die unselige TS/Transgender-Diskussion, die auch hier im Forum wütet.....
Das Bewusstsein dafür zu wecken, dass es im fortgeschrittenen Alter ganz schön mühsam werden kann sein Frausein/Fraufühlen weiter zu leben ist mir deshalb ein echtes Anliegen.
Der Satz "warum Du die Frau aufgegeben hast" ist somit völlig danebengegriffen aber natürlich mit Deinem Status als Mitglied der Generation unter mir oder noch weiter weg zu entschuldigen. Der uralte Generationenstreit eben: Die Jüngeren sträuben sich dagegen von den Alten zu lernen bzw. wissen alles besser! Denn wie will Man(n) in der ersten Hälfte des Lebens wissen wie schwierig das Transgender/TS-Leben in der zweiten Hälfte werden kann "Drum prüfe wer sich ewig bindet", könnte man fast sagen.
Man(n) muss sich einfach entscheiden, wenn das Alter so richtig zu regieren beginnt (bei mir eben ab Anfang siebzig) bzw. es immer wichtiger wird die Gesundheit zu erhalten bzw. in der Gesellschaft angemessen zu (über)leben. Und es immer schwieriger wird im Erscheinungsbild glaubwürdig rüberzukommen. Merke: "Leben kann man nur vorwärts- verstehen nur rückwärts". Ich hoffe , dass Du jetzt etwas mehr "verstehen" kannst. Und vielleicht liest Du auch mal meinen autobiografischen eBook-Roman bzw. schaust mal auf meine kleine Website http://www.jacobwinter.beepworld.de nach
LG
Jacob Winter
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